ETIKA

Eusebius von Emisa

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11.7.2016

95L5

Die murrenden Dämonen der Vorhölle

Luis von Granada

Dem Buch von Luis von Granada: Gebet und Betrachtungen, übersetzt von Jakob Ecker, Herder Verlag Freiburg, 1912, entnehmen wir folgende Schilderung des Eusebius von Emisa (S. 169f):

„O schönes Licht, mit dem (Original: das) du, von des Himmels Höhe strahlend, mit plötzlicher Klarheit diejenigen bekleidet hast, die in Finsternis und Todesschatten saßen!

Denn in dem Augenblicke, als der Herr hinabstieg, erstrahlte sofort jene ewige Nacht; der Lärm der Klagenden verstummte, die grausame Schar der Peiniger erzitterte, als sie den Heiland sahen. Da wurden erschüttert die Fürsten von Edom, die Mächtigen Moabs erbebten, es staunten die Bewohner des Landes Kanaan.

Und sofort begannen die höllischen Peiniger inmitten ihrer Dunkelheit und Finsternis bei sich zu murren: Wer ist denn dieser Schreckliche, dieser Gewaltige, dieser Herrliche? Niemals sah man einen solchen Mann in der Hölle; niemals sandte bis jetzt die Welt einen solchen in diese Grüfte. Ein Angreifer ist es, kein Schuldner; ein Rächer ist es, kein Sünder; ein Richter scheint es zu sein, kein Angeschuldigter; zu streiten kommt er, nicht um zu leiden. Wo waren denn unsere Wächter und Pförtner, als dieser Eroberer unsere Schlösser sprengte und gewaltsam zu uns eindrang? Wer kann der sein, der so viel vermag? Würde eine Schuld an ihm haften, er wäre nicht so kühn; trüge er einen Sündenmakel, so würde unsere Finsternis nicht so von seinem Licht erleuchtet. Wenn er aber Gott ist: was hat er in der Hölle zu suchen? Und ist er ein Mensch: wie hätte er solche Kühnheit? Ist er Gott: was tut er im Grabe? Ist er Mensch: wie konnte er in unser Reich einbrechen? O Kreuz, wie hast du unsere Hoffnungen vereitelt und Schaden angerichtet! An einem Baume fanden wir all unsere Beute: und nun haben wir an einem Baume sie verloren!“

So sprachen und murrten untereinander jene höllischen Scharen, als der Sieger eintrat, um seine Gefangenen zu befreien. Dort waren alle Seelen der Gerechten versammelt, die vom Anbeginne der Welt bis auf diesen Tag aus dem Leben geschieden waren. Dort war ein Prophet, den man zersägt; dort einer, den man gesteinigt hatte; dort ein anderer, dem man das Genick mit eiserner Stange zerschlagen; und noch andere, die durch andere Todesarten Gott verherrlicht hatten. O ruhmvolle Gesellschaft! O edelster Schatz des Himmels!

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