ETIKA

Leopold Kist

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98B14C

Plato: Gottlose werden in die Hölle gestürzt

16.5.2014

 

Geistlicher Schazgräber
oder die Angelegenheiten deiner Seel, diesseits und jenseits,
unterhaltend besprochen von Leopold Kist, Verfasser der „Hausapothek“.
Zweites Heft: Gericht, Himmel, Fegfeuer und Hölle.
Mainz, Verlag von Franz Kirchheim. 1866.
Siebenter Schaz: Höllenfurcht – Heldenfurcht.

Plato glaubte an eine ewige Verdammung. S. 217ff

 

Zweites nota bene. Einer der größten heidnischen Philosophen, Plato nämlich, sagt: „Die Gottlosen werden in die Hölle gestürzt, um nie mehr daraus befreit zu werden. Ich gebe zwar zu, daß man diese Behauptung auch bestreiten kann, allein, nachdem ich Alles reiflich überlegt, und wohl geprüft, habe ich Nichts gefunden, was der Weisheit der Vernunft und der Wahrheit mehr entspräche.“ Wenn nun ein heidnischer Philosoph, ohne göttliche Offenbarung, blos durch Vernunft-Schlüsse gezwungen wurde, eine Hölle anzunehmen; welch eine Schmach, wenn du, ein Christ, die Hölle leugnest! Allerdings haben die Heiden Vieles geglaubt, was Irrthum ist, allein Manches, was wir jetzt, von Gott belehrt, als Wahrheit erkennen, erkannten auch sie blos vermittelst der Vernunft. Und diejenigen Glaubensartikel, welche dem Heidenthum und Christenthum gemeinschaftlich sind, tragen einen doppelten Stempel der Wahrheit an sich – den der natürlichen und den der übernatürlichen Offenbarung, und sind um so unzweifelhafter wahr. Läugnest du die Hölle, so sinkst du unter die Heiden und widersprichst der gesunden Vernunft.

Drittes  nota bene. Ephialtes, der sein Vaterland an die Perser verrathen, verdient doch gewiß nicht dasselbe Loos und Schicksal, wie Leonidas, der bei den Thermopylen für sein Vaterland fiel.

Der blutdürstige Kaiser Nero, der aus purem Muthwillen einen Theil der Stadt Rom anzünden ließ und dann die Christen dieser ruchlosen That beschuldigte, um eine gegründete Ursache zu haben, mit der ausgesuchtesten Grausamkeit dieselben martern zu können, verdient doch gewiß nicht dasselbe Loos und Schicksal wie der h. Ludwig IX., König von Frankreich, der Millionen zur Ehre Gottes und zum Heile der Seelen hingab, der in allen Tugenden seinen Unterthanen voranleuchtete, der Kranke mit eigener Hand pflegte und Wittwen, Waisen, Verlassenen und Verfolgten Schuz und Schirm war.

Judas, der seinen Meister und Herrn um dreißig Silberlinge verrieth und dann verzweifelnd Hand an sein Leben legte, verdient doch nicht dasselbe Loos und Schicksal, wie Johannes, der unter dem Kreuze Jesu stand, aus Liebe zu Jesu nach Pathmos sich verbannen ließ und reich an Tugend und Verdienst seine Tage beschloß.

Der römische Kaiser Karakalla, der an einem Tage 20,000 Menschen, blos aus Blutdurst hinrichten ließ, vrdient doch nicht dasselbe Loos und Schicksal wie der h. Franz Xaver, der 50,000 Heiden taufte und Unzählige zur Bekehrung brachte.

Robespierre, der Bluthund der französischen Revolution zu Ende des verflossenen Jahrhunderts, der Ströme Blutes vergossen und leichtsinniger mit einem Menschenleben spielte als eine Kaz mit der Maus oder eine Spinne mit der Flieg, verdient doch nicht dasselbe Loos und Schicksal wie der h. Vincentius von Paulo, der freiwillig als Galeerensträfling arbeitete an Stelle eines Verbrechers, der zu Hause Frau und Kinder hatte, die ohne ihn den bittersten Mangel litten, und der deßwegen den Vorsaz gefaßt, sich selbst um´s Leben zu bringen – wie dieser große Heilige, der in Paris die ausgesezten Kinder aufsuchte, um sie in Findelhäusern, die er gestiftet, zu frommen Christen erziehen zu lassen.

Das siehst du doch ein, nicht wahr? Und, je nachdem du selbst lebst, kannst auch du, entweder nicht mit den Heiligen oder nicht mit den Verdammten dasselbe Schicksal theilen. Das lehren dich Vernunft und Gewissen. Nun will ich dir aber nicht das Compliment machen: du hättest weder Vernunft noch Gewissen, das sei ferne! aber eben darum bin ich auch anzunehmen genöthigt, daß es dir, im Grunde genommen nicht so ernst ist, wenn du die Hölle läugnest.

Aber, Mord Element! da fällt mir was siedend heiß ein: du hast vielleicht das allermodernste Gewissen aus einer Karlsruher Fabrik – ein badisches Gewissen nach der gegenwärtig sehr beliebten Lamey´schen Fason. Na das ist etwas Anderes. Hat doch dieser Staatsmann neulich in der Ständeversammlung erklärt: daß das wahre Gewissen des Landes das Gesez sei und wer ein anderes Gewissen, ein Privatgewissen, habe, der müsse eben bezahlen. Also gibt es so viele Gewissen als Gesezgebungen! Also hat das Gewissen seinen Siz in den Gesezbüchern, Kanzleien, Registraturen und Ständekammern! Also hat ein Badenser ein badisches, ein Württemberger ein württembergisches und ein Mecklenburger ein mecklenburgisches Gewissen!

Und was anfangen mit dem früheren Gewissen, wenn ein altes Gesez addekredirt wird, und ein neues auf´s Tapet kommt? Müssen wir also auch unser Gewissen majorisiren und uns mit jedem Mondwechsel ein neues Gewissen aufoktroiren lassen! O wir gefoppte Gimpel! Also auch noch ein nauärarisches Gewissen sollen wir uns gefallen lassen, am End noch gegen Bezahlung hoher Taxen und Sporteln! Nein! nein! Dahinein lassen wir nicht regieren! Wir haben ein constantes, unabänderliches, christliches Gewissen, und in Folge dessen gehorchen wir euch in allen weltlichen Dingen, ja so lang als ihr unsere Gewissensfreiheit und unsere religiöse Uerbezeugung respektirt und unser Heiligstes, die Religion, nicht antastet! Ueber unseren Geldbeutel mögt ihr verfügen so weit und so lange als es das verfassungsmäßige Recht gestattet, aber über unser Gewissen gestatten wir euch kein Recht, auch nicht eine Linie breit. Wir können viel vertragen und lassen fast Holz auf unserem Rücken spalten, aber wenn ihr mit unserem Heiligsten spielt, dann erwacht jener Heldenmuth in uns, der selbst im Martertod unbesiegbar ist.

Seht nur nach dem Königreich Italien! Dort ist dem Treubruch, Meineid, Verrath, Kronen- und Länderraub der Stempel der Legitimität aufgedrückt, dort werden im Namen des Gesezes pflichttreue Bischöfe eingekerkert und verbannt, Kirchengut eingezogen und Klöster geplündert – und das sollte Gewissen sein! Dankt Gott darum, wenn der Deutsche noch kein sardinisches Gewissen hat, aber hütet euch auch, ihm ein solches einzuimpfen! Was aber das schon verhängte und auch für die Zukunft angedrohte Zahlen für den Besiz eines Privatgewissens anbelangt, so erwarten wir im nächsten Budget eine besondere Rubrik in den Staatseinnahmen, betitelt: Strafgelder für den Besiz eines Privatgewissens. Wahrlich eine würdige Finanzoperation – wer ein Privatgewissen haben will, muß eben für diesen Luxusartikel bezahlen! – Ja, eine würdige Finanzoperation etwa für den Finanzminister des Königs von Dahomei oder des Großtürken in Constantinopel!

Ist diese martialische Drohung, die anläßlich der Ortsschulrathswahlen in vielen Fällen zur Ausführung kam, die neueste, officielle und authentische Auslegung des §. 10. der badischen Verfassungsurkunde?! Wenn derart frivole Aeußerungen von Ministern in der Kammer, also vor dem ganzen Land, gethan werden – ist´s da ein Wunder, daß die Amtsbezirke immer mehr zu ottomannischen Paschaliks herabsinken! Wie: wenn ein conservativer Minister, den Liberalen gegenüber, solch eine Aeußerung gethan, welch Zetermordio, und welche Entrüstung hätte sich in den liberalen Blättern Luft gemacht! So aber !

Ich sag also, wenn du Vernunft und christliches Gewissen hast, so mußt du zugestehen, daß Heilige und verstockt gestorbene Verbrecher in der Ewigkeit nicht dasselbe Loos und Schicksal theilen können.

Fortsetzung folgt

Original-Schreibweise

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