ETIKA

Josef Sigmund

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Das Ende der Zeiten

A. B. ein ewiges Vergelt´s  Gott!

98B30C4E

Zusammenfassung der Lehre über den Antichrist

Salzburg 1892
Seite 163-183
27.5.2015

Das Ende der Zeiten
mit einem Nachblick in die Ewigkeit oder
Das Weltgericht mit seinen Ursachen, Vorzeichen und Folgen.
Für Prediger und gebildete Laien verfaßt von
Josef Sigmund, Priester der Diöcese Brixen (damals in St. Jodok)
Mit oberhirtlichen Approbationen. Salzburg 1892. Druck und Verlag von Anton Pustet.

Erster Theil, Dritter Abschnitt, 4. Kapitel. § 5.

Zusammenfassung der ganzen Lehre über den Antichrist

1 . Die Zeit der Ankunft des Antichrists ist natürlich ebenso ungewiß und in Dunkel gehüllt, wie die Zeit des Weltgerichts selbst, und ich bin weit entfernt, darüber profezeien zu wollen. Aber wie sich die Zeiten schon seit Beginn des Christenthums langsam darauf vorbereiten, das lässt sich leicht erkennen, und schon der heilige Paulus sagt von seiner Zeit, dass das Geheimnis der Bosheit schon wirksam sei. Neben dem Waizen war damals schon das Unkraut sichtbar, es wuchs und wächst jetzt noch fort, bis endlich die Gottlosigkeit den höchsten Grad erreicht und reif und fähig wird, den „Menschen der Sünde“, den Schlechtesten aller Schlechten hervorzubringen.

In unserer Zeit sehen wir deutlich, wie sich die Menschheit langsam in zwei Heere spaltet: auf der einen Seite bewunderungswürdiges religiöses Leben, ein Aufschwung des kirchlichen Geistes, wie fast nie zuvor, innere Kräftigung, äußere Ausbreitung unserer heiligen Kirche in allen Welttheilen, wahrer Heldenmuth, der keine Opfer scheut und selbst den Tod nicht fürchtet; überall Verbesserung der Geistlichkeit und der Orden, überall Exercizien und Missionen, Bruderschaften öffentliche Gebete und Weihungen an das heiligste Herz Jesu, Verehrung Mariä, Empfang der heiligen Sakramente und die großartigsten Werke der Nächstenliebe, nicht blos von einzelnen, sondern von ganzen Anstalten und zahlreichen Genossenschaften ausgeführt; überall neue Thätigkeit für die Neubelebung des Glaubens, überall Liebe und Begeisterung für den heiligen Vater in Rom: gewiss, das sind Zeichen einer schönen Blüthezeit, wie sie unsere heilige Mutter, die Kirche, selten gesehen. Es möchte einem fast der Gedanke kommen, als wollte Gott die Guten absondern und kräftigen und vorbereiten auf große Drangsale und sie fähig machen, Schweres zu erdulden.

Dafür wieder auf der andern Seite erstaunliche Gottlosigkeit, vollständige Gleichgiltigkeit gegen alle Religionen, so dass man sich gar nicht darum kümmert, grenzenlose Versunkenheit in in die irdischen Güter und Geschäfte, als ob es gar keine Seele gäbe und keine Ewigkeit, Abneigung gegen alles, was Religion, Gott und Kirche heißt; überall Indifferentismus, d. h. die lügenhafte Lehre, alle Religionen sind gleich gut, man kann in jeder ohne Unterschied selig werden, stolze Aufklärung, die sich über alles hinwegsetzt, was nicht der Verstand begreifen kann, und darum nur Hohn und Spott hat für die Geheimnisse der heiligen Religion; überall Religionsspötterei, Unglaube und ein neues Heidenthum, das alle Religionen miteinander verwirft, überall Gotteslästerung und fanatischer Gotteshass und ganze Gesellschaften, die geheim und offen gegen die Kirche wühlen und ihr zu schaden suchen auf alle mögliche Weise, andere, die sogar Gott zum Trotze dem Satan selbst ihre Verehrung erweisen! Dazu die Staaten als solche meist ohne Religion, die Kirche fast nirgends mehr als Staatsreligion anerkannt und überall geknechtet – man sage, ob diese Umstände nicht passende Vorarbeiten seien für den Antichrist?

II

Es kommen aber noch andere Dinge hinzu, um das Unglück voll zu machen: auf der einen Seite unnatürliche Aufhäufung von Schätzen, auf der andern grenzenlose Armuth, Elend und Noth; überall viele Bedürfnisse, denn wenn der Mensch den Glauben an die ewigen Güter nicht mehr hat und nach diesen nicht mehr trachtet, so reißt es ihn umsomehr nach den zeitlichen hin, er will ja um jeden Preis glücklich sein. Und ach, diese irdischen Güter können den Menschen nicht befriedigen, weil sie nur für den Leib sind und nicht auch für die Seele, der sie gar nichts nützen, die sie vollständig leer und ungesättigt lassen. Wie kann also der Mensch zufrieden werden, wenn gerade der höhere Theil seines Wesens, die Seele, unzufrieden, traurig und arm bleibt? Die Seele findet nur am Geistigen Geschmack, weil sie selbst geistig ist, sie kann nur durch Gott gesättigt werden. Und weil man also diesen nicht mehr sucht, darum überall unruhige Geister, Sucht nach Freiheit und Unbotmäßigkeit, Mangel an Unterwürfigkeit, weil der Glaube fehlt, Mangel an Ergebung und Zufriedenheit im Missgeschick, da die Menschen nicht ihren Blick und ihre Hoffnung auf das Jenseits richten; überall Erbitterung und ganze Gesellschaften, die es sich zur Aufgabe machen, die bestehende Ordnung umzukehren, die Religion und alle Obrigkeiten abzuschaffen, wie es wenigstens ihre letzte Absicht wäre,  - passt dazu nicht derjenige, von dem wir bei Daniel gehört haben: „Er wird meinen, Zeit und Gesetz ändern zu können“? (Kleine Anmerkung: Die Vorläufer haben es ja schon mit der Sommerzeit versucht, die wider die von Gott geschaffene Naturordnung eingeführt wurde, von Mussolini, Hitler, der EU.)

Erinnert uns all dies nicht an die Loslassung des Satans in der letzten Zeit, von der in der Johannes-Offenbarung die Rede ist, wie wir gesehen? Denn auch dies Loslassen ist nicht so zu verstehen, als ob es plötzlich geschähe, sondern nach und nach wird der Satan wiederum große Gewalt über die Menschheit gewinnen.

Nun hat es wohl zu allen Zeiten schlechte Menschen gegeben, ja in vielen Beziehungen war es oft weit schlimmer als jetzt. Aber ob die Gleichgiltigkeit gegen die Religion und die Verachtung derselben und das vornehme Hinweggehen über alles, was an Gott und die Ewigkeit erinnert, jemals so stark gewesen sei, wie jetzt, das ist sehr zu bezweifeln. So scheinen also zwei ganz entgegengesetzte Dinge zu gleicher Zeit jetzt sich immer mehr zu erfüllen: die Weissagung Christi von der Ausbreitung der heiligen Kirche über die ganze Welt und die Weissagung des Weltapostels vom großen Abfall am Ende der Tage. Auf der einen Seite kräftigt sich das Gottesreich, auf der andern das Reich des Satans; beide machen große Anstrengungen und schreiten trotz ihres vollsten Gegensatzes nebeneinander einher. Doch wir wollen daraus keine verwegenen Schlüsse ziehen, es wäre unnütz; auch kann es sich ja wieder zum Bessern wenden, die Menschheit kann sich wieder aufraffen und zurückkehren zu ihrem Gott, wie es von vielen, wie es scheint, auch angestrebt wird.

2. Was die Abstammung des Antichristen betrifft, so sind die heiligen Väter der Ansicht, er werde ein Jude sein. Das deuten die Worte Christi an, mit welchen er uns versichert, es werden falsche Profeten und Messiasse aufstehen und große Zeichen und Wunder thun und unzählige verführen. Nun aber erwarten nur mehr die Juden einen Messias und zwar aus ihrem eigenen Volke, also muss er auch unter den Juden und als Jude sich zeigen. Auch weisen darauf die Worte Christi bei Johannes am 5. Kap. hin, welche heißen: „Ich bin im Namen meines Vaters gekommen, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ein anderer wird in seinem eigenen Namen kommen, und den werdet ihr aufnehmen.“ Da der Herr hier zugleich sich beklagt, dass sie nicht an ihn als ihren Messias glauben, obwohl er vom Vater gesendet sei und seine Sendung auch durch so viele Wunder bewiesen habe, so sieht man hieraus, daß auch dieser andere, der zu den Juden in seinem eigenen Namen kommen wird, sich als Messias ausgeben und Glauben finden werde, und dieser wird gewiss der Antichrist sein. Denn was kann es für einen größern Widerchrist geben als den, der sich das Amt und die Würde des Erlösers und ersten Gottesgesandten, gleichsam Christo zum Trotze, zumuthen wird?

Da nun dieser nach den Worten Christi von den Juden aufgenommen wird, so muß er selbst ein Jude sein, denn einen andern nehmen sie nicht auf. Auch der Umstand, daß der Antichrist wahrscheinlich zu Jerusalem seinen Sitz aufschlagen wird, wie wir gesehen, deutet auf seine jüdische Abkunft hin.

Von welchem Lande er kommen wird, das wissen wir nicht; bei Ezechiel heißt es zwar zu wiederholtenmalen, aus dem fernen Norden werde er heranstürmen mit seinen Schaaren; aber der Norden ist weit und groß, und vom Orte der Prophezie aus ist schon manches im fernen Norden, was von uns aus gerechnet noch fast südlich liegt. Gott hat eben schon vorgesorgt, daß seine Profeten das nicht zu klar verkündeten, was er selbst wollte in Verborgenheit lassen. Viele glauben auch, er werde in Babilonien geboren und in der Verborgenheit auferzogen werden; auf welche Gründe sie diese Ansicht stützten, konnte ich nicht recht ermitteln. Es scheint, sie haben an die zehn Stämme des Reiches Israel gedacht, die von der babilonischen Gefangenschaft nicht mehr zurückgekehrt sind (denn nur die zwei Stämme des Reiches Juda, nämlich der Stamm Juda und Benjamin, kamen zurück), als würden sie vom vermeintlichen Messias der Juden, vom Antichrist, gesammelt und zurückgeführt. Wenn wir die Dinge betrachten, wie sie jetzt stehen, so scheint diese Meinung nicht viel für sich zu haben; überhaupt läßt sich ganz und gar nichts Bestimmtes sagen darüber, denn Gott hat es nicht geoffenbart.

In der schon oben § 3 angeführten Stelle des Profeten Ezechiel, 38. Kap., steht im hebräischen und griechischen Texte statt: „gegen den obersten Fürsten von Mosoch und Thubal“ so: „gegen den Fürsten von Rosch, Mosoch und Thubal.“ Unter dem Namen „Rosch“ oder „Ros“ (Reußen oder Russen?) verstanden die Griechen allgemein die Völker in der Nähe des kaspischen Meeres. (Siehe auch Loch und Reischl zu Ezech. 38.) (Anmerkung ETIKA: Auch die uns zur Verfügung stehenden modernen Bibeln lassen Rosch weg.)

III

3. Ueber den Charakter des Antichristen lässt sich theils mit Gewissheit, theils mit großer Wahrscheinlichkeit wohl Folgendes behaupten: Er wird ein wahrer Weltmensch sein, ganz und gar irdisch gesinnt, Sohn einer verdorbenen Zeit, unter verdorbenen Menschen aufgewachsen; selbst „ein Mensch der Sünde, ein Sohn des Verderbens“, ein Abgrund von Schlechtigkeit, wird er auch unzähligen andern der Anlass sein zu ihrem ewigen Untergang. Man kann und musss wohl auch annehmen, daß er außerordentliche natürliche Anlagen, Gaben und Fähigkeiten besitzen werde: ungeheures Talent, tiefe Menschenkenntnis, die Gabe sie zu überreden und hinzureißen, großartige Kühnheit und Thatkraft, scharfen Verstand, überströmende Beredsamkeit, aber auch ungewöhnliche Heuchelei und Verstellungskunst. Das alles wird er

168 benützen zur Vermehrung der Bosheit, zur Ausbreitung der Herrschaft des Satans, gegen die Kirche und gegen Gott.

Einen brennenden Eifer wird er zeigen in Verführung der Menschen, mit unerhörten Mitteln und unerhörtem Erfolge wird er diese Verführung vollbringen, er, das Oberhaupt der Bösen wegen seiner vollendeten Bosheit, wie ihn der heilige Thomas von Aquin nennt. Unzählige werden ihm zuströmen, ihm mit Freuden anhangen und seine Macht begründen. Dass nämlich der Antichrist eine ungeheure Macht für sich haben, dass er Könige und Völker überwinden und sie wieder zur Besiegung anderer benützen werde, das haben wir schon aus verschiedenen Stellen der heiligen Schrift erfahren. Ob er aber schon früher eine Herrschaft habe, die er blos nach und nach auszubreiten braucht, oder ob er aus einem niederen Stande auf den Thron gelange und wie dies vor sich gehe, das ist uns unbekannt. Wird vielleicht eine große Umwälzung voraus gehen, so dass die Völker gegen ihre Fürsten sich empören, er aber die Gelegenheit benützen kann, um sich emporzuschwingen und an die Spitze der Unzufriedenen zu stellen?

Hat er einmal Macht gewonnen, so wird er sich langsam entlarven als denjenigen, der er wirklich ist, wird kein Mittel mehr verschmähen, um alle für sich und den Satan zu gewinnen. die Juden wird er zu einem großen Theil gewinnen, indem er sich für den Messias ausgibt, als ihren Retter und Befreier und indem er ihnen verspricht, ihre politische Macht zu begründen und das von ihnen erwartete irdische Reich des Messias aufzubauen. Er wird sich als der Bannerträger der Bosheit, als das willigste Werkzeug des Satans zeigen, wird mit diesem einen Bund eingehen und seiner emsigen Beihilfe sicher sein. Betrug und List, große Zeichen und falsche Wunder, der Glanz seiner Macht und seiner Siege, die schönen Versprechungen, die Freigebigkeit, womit er Gold und Silber und ganze Ländereien verschenken wird (denn Schätze wird ihm sein Bundesgenosse,

169 der Satan, im Ueberflusse verschaffen), das alles wird zusammenhelfen, dass die ohnehin verdorbene Welt ihm mit Freuden entgegenjubelt.

Dazu wird er noch den Leidenschaften schmeicheln, ihnen freien Lauf gewähren, wird sowohl selbst alle Schranken der Sittlichkeit überschreiten, als auch von seinen Anhängern überschreiten lassen, wird sich ausposaunen als einen Welt- und Volksbeglücker, der den Menschen die rechte Freiheit wiedergibt, der Zeit und Gesetz ändern wird, wie es bei Daniel heißt. Kommet, wird es heißen, Reichthum, Macht und Ehre, Glanz, Ansehen, Würde, Genuß und Wollust stehen bereit, frei sollt ihr sein von aller Sorge um Gewissen, Gott und Ewigkeit! Unzählige wird er dadurch verführen, andere werden aus Furcht und Schrecken sich ihm anschließen, wieder andere wird er durch Grausamkeit zwingen, ihm zu folgen, sehr viele endlich werden durch seine falschen Wunder sich bethören lassen.

Denn nach den oben § 1 angeführten Worten des Apostels geschieht seine „Ankunft gemäß der Wirkung des Satans durch allerlei Zeichen und falsche Wunder.“ Diese werden theils geschickte Nachahmung wahrer Wunder sein, theils Blendwerke und Täuschungen, mit Hilfe des Satans oder vielleicht theilweise auch durch eigene Geschicklichkeit ausgeführt, wie ja auch mancher Gaukler vieles zu Stande bringt, was andere nur bewundern können; theils werden es auch für die Menschen wahre Wunder sein, d. h. solche Werke, die man mit menschlichen Kräften, mit menschlichem Verstande nicht auszuführen vermag, die aber einem reinen Geiste, einem Engel, und auch dem Satan wohl leicht möglich sind.

Weil nämlich den bösen Engeln auch nach ihrem Falle ihr Engelverstand geblieben ist, so kennt der Satan viel besser als die Menschen die geheimen Kräfte der Natur, weiss, wie Feuer, Licht, Schall, Sturm und Gewitter sich bilden, viel besser als bei uns die gelehrtesten Männer, er hat auch die Gewalt, diese Dinge sich dienstbar zu machen, nicht blos, sie zu erforschen, er weiss die Elektrizität und den Magnetismus gut zu benützen, kann die Luft verdünnen und verdichten, wie er will. Ihm ist es also leicht, sich einen Leib zu bilden, mit Licht und Glanz denselben zu umgeben, Blitz und Donner und andere Naturerscheinungen hervorzubringen, Künftiges vorherzusagen, Kälte, Hitze oder Erdbeben plötzlich hervorzurufen, natürlich alles nur insoweit, als es ihm Gott gestattet. Aber Gott wird ihm dort viel erlauben aus den schon früher (siehe § 3 u. 4 dies. Kap.) angegeben Gründen, besonders zur Strafe dafür, daß die Menschen so zahlreich immer freiwillig dem Satan folgten, während sie Gott und seine heilige Kirche verwarfen. Und so wird der Satan mit seiner ganzen Kraft auch dem Antichrist behilflich sein, dass dieser Aehnliches auszuführen vermag, weshalb es im 13. Kapitel der Offenbarung heißt:

„Das Thier that große Zeichen, so dass es sogar Feuer vom Himmel auf die Erde fallen machte vor den Augen der Menschen. Und es verführte die Bewohner der Erde durch die Zeichen, welche ihm zu vollbringen erlaubt sind.“

Kommentar ETIKA: Also ist die Herrschaft des Antichrist wie die Sintflut eine Strafe Gottes für die sündige Menschheit, wie die jetzige Überflutung Europas mit Flüchtlingen aus Afrika und Asien eine Strafe für die Europäer ist, die jahrhundertelang Afrika und Asien geknechtet und ausgebeutet haben, die willkürlich Grenzen zwischen den Völkern und Stämmen gezogen haben nach dem Motto „Teile und herrsche“ und die so viele Völkermorde begangen haben, und zwar den schlimmsten, der von der Zahl her weit alle anderen Genozide übersteigt (wie kürzlich in einem Leserbrief in den „Dolomiten“ zu lesen war), an den Indianern, die von den Weißen fast völlig ausgerottet wurden. Erst hat Europa so viel Unheil in der Welt angerichtet, und nun geht es selbst zugrunde, aufgrund der freiwilligen Aufgabe des Christentums, der Verblödung der Jugend, die sich auslebt, anstatt Opfer zu bringen, die Glauben und Anstand verachtet und die sich zum Opfer der Technik macht, und der von den Europäern verursachten Not in vielen Ländern, deren Flüchtlinge nun Europa überschwemmen. Aber auch die Vereinigten Staaten von Amerika werden nicht ungestraft davonkommen, denn sie haben das Land den Indianern geraubt. Kein Unrecht währt ewig. Gott kennt die geheimen Drahtzieher, und die Menschheit wird sich wundern, welche hochgelobten Leute von ihm an den Pranger gestellt werden. Die Welt wird kopfstehen, und die Größten und Mächtigsten, die heute die Welt beherrschen mittels ihrer politischen Organe, der Finanzen und der Unkultur, Korruption und Dekadenz auf allen Ebenen, werden wie Ungeziefer zertreten werden. etika.com 25.4.2015

IV

Ja, die Völker werden sich dadurch bethören lassen, von allen Seiten wird der Antichrist als Befreier vom Joch der Tyrannen und der Gewissen begrüßt, und so wird sein Anhang wachsen, immer wachsen und anschwellen zu einem wilden Strome, der alles mit sich fortreißt, wie es bei Ezechiel heißt: „Ja, du wirst kommen von deinem Ort im fernen Norden, du und viele Völker mit dir …, eine große Schaar, ein gar mächtiges Heer.“ „Du wirst heranziehen und kommen wie ein Ungewitter, wie eine Wolke, die das Land bedeckt, du und alle deine Schaaren und viele Völker mit dir.“ (Kap. 38.) Und in der Offenbarung (20. Kap.): „Er (der Satan) wird ausgehen und verführen die Völker an den vier Enden der Erde, den Gog und Magog (siehe § 4 in diesem Kap.), und er wird sie versammeln zum Streite, deren Zahl ist wie der Sand des Meeres.“

Und wohin wird er sich wälzen, dieser Strom von Völkern? Dahin, wo zu allen Zeiten das Ziel der Gottesfeinde war, wo jene geheimnisvolle Kraft ausgeht, die auch die Gewissen bindet, die Leidenschaften zügeln heißt und die Menschen in milder, aber doch ernster Weise an die ewigen Gesetze mahnt; dahin, wo der Felsen Petri steht, an den die Pforten der Hölle, mit der menschlichen Bosheit im Bunde, schon so lange vergebens angestürmt haben. „Und sie zogen herauf über die Breite der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt.“

Ja, hin zur katholischen Kirche geht ihr Weg, denn von dieser Kirche wollten die Bösen aller Zeiten schon gar nichts wissen, weil sie es ist, die Gottes Sache auf der Welt vertritt, die den Menschen den Wust und Unrath ihrer Bosheit vor Augen hält und sie erinnert an den göttlichen Richter. Und wie man die Kirche hasst, so hasst man ihre wahren Kinder aus leicht begreiflichen Gründen. O der heilige Geist hat schon längst im alten Testamente im 2. Kapitel des Buches der Weisheit die Hauptursachen angegeben, warum die Gerechten von den Gottlosen gehasst und verfolgt werden, indem er die Bösen sagen lässt:

„Lasst uns den Gerechten hintergehen, denn er ist uns unnütz und widerspricht unsern Werken, und die Sünden gegen das Gesetz (Gott) verweist er uns und bringt uns in üblen Ruf wegen der Sünden unseres Wandels. Er rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen und nennt sich Gottes Kind; auch bringt er unsere Gedanken an´s Licht. Schon sein Anblick fällt uns schwer, denn sein Leben ist ganz verschieden von dem der andern und seine Wege sind anders. Er hält uns für Leichtfertige und entfernt sich von unsern Wegen als von unreinen Dingen und zieht das Ende der Gerechten vor und rühmt sich, Gott zum Vater zu haben. Lasst uns also sehen, ob seine Reden wahr seien, und versuchen, was über ihn kommen werde, und schauen, wo es zuletzt mit ihm hinaus wolle! Denn wenn er wahrhaft ein Kind Gottes ist, so wird ihm dieser helfen und aus den Händen der Widersacher ihn befreien. Mit Schmach und Qual wollen wir ihn versuchen, um seine Unterwürfigkeit (gegen das Gesetz Gottes) zu sehen und seine Geduld zu prüfen. Zum schimpflichsten Tode wollen wir ihn verdammen . . . „

„so denken sie und irren sie, weil ihre Bosheit sie verblendet. Sie wissen die Geheimnisse Gottes nicht (d. h. sie bedenken nicht, welch´ verborgene Absichten Gott bei den Leiden der Gerechten habe), sie hoffen nicht auf die Belohnung der Gerechtigkeit und achten die Ehre heiliger Seelen nicht.“

Siehe, das werden auch die Haupt-Triebfedern sein zur letzten Verfolgung der Kirche und ihrer treuen Glieder! Dazu wird freilich noch ein ganz satanischer, infernalischer Hass und eine mehr als unmenschliche Bosheit kommen; denn da der Satan in jener Zeit so weiten Spielraum für seine Wirksamkeit bekommt, so wird er vor allem seinen Hass, seine Wuth und Grausamkeit, aller Abgründe seiner Lasterhaftigkeit und seiner über alle Beschreibung gottlosen Gesinnungen dem Antichristen und dessen Helfershelfern in möglichst vollendeter Weise einzuflößen suchen.

Insbesondere wird der Stolz und Uebermuth des Widerchrists selbst keine Grenzen kennen, denn durch den Erfolg aufgeblasen, wird er meinen, sich alles erlauben zu können. An ihm wird auch in Erfüllung gehen, was im 11. Kapitel Daniels zunächst über den König Antiochus geschrieben steht:

„Er wird nach seinem Wohlgefallen handeln, wird sich erheben und großthun gegen jeden Gott, wider den Gott der Götter wird er großsprechen, und es wird ihm gelingen, bis das Maß des Zorns voll ist, denn der Beschluss (ihn zu verderben) ist schon gefasst. Er wird den Gott seiner Väter nicht achten, den Weibern nachjagen und nach keinem Gott fragen, sondern wird sich auflehnen gegen alles.“

Von ihm heißt es bei Ezechiel: „In jener Zeit werden Anschläge aufkommen in deinem Herzen, und du wirst umgehen mit sehr bösen Gedanken.“ (Kap. 38, 10.); und bei Daniel:

„Er wird Reden gegen den Allerhöchsten ausstoßen und die Heiligen des Höchsten aufreiben und wird meinen, Zeit und Gesetz ändern zu können. Und sie werden in seine Hand gegeben werden bis auf eine Zeit und zwei Zeiten und eine halbe Zeit.“ (Kap. 7.)

Auf ihn beziehen sich im vollen Sinne gewiss auch die Worte der Offenbarung (Kap. 13.):

„Und es ward ihm ein Mund gegeben, große Dinge und Lästerungen auszusprechen; auch ward ihm Macht gegeben, so zu thun 42 Monate lang (d. i. drei und ein halbes Jahr). Und er that seinen Mund auf zur Lästerung gegen Gott, zu lästern seinen Namen und seine Wohnung und die Bewohner des Himmels. Auch ward ihm gegeben, Krieg zu führen mit den Heiligen und sie zu überwinden; und es ward ihm Macht gegeben über die Stämme und Völker, über Nationen und Sprachen. Und alle Bewohner der Erde beteten es (das Thier, den Gottesfeind) an, deren Namen nicht geschrieben sind im Lebensbuche des Lammes, das geschlachtet ist vom Anbeginn der Welt.“

Von ihm versichert auch der Weltapostel, daß er „sich widersetzt und sich erhebt über alles, was Gott heißt oder göttlich verehrt wird, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich für Gott ausgibt.“ Er wird keinen Herrn über sich anerkennen, keinen Widerspruch dulden. Und weil er dennoch sehen muss, dass ihm nicht alle gehorchen, dass sie sich wohl quälen, aber nicht überwinden lassen, so wird er in die höchste Wuth gerathen. Gegen den dreieinigen Gott und seine Eigenschaften und alle Himmelsbewohner wird er die abscheulichsten Lästerungen aussprechen, wird ihre Macht verhöhnen und verachten und sie gleichsam herausfordern zum Kampfe gegen ihn. Ob er eigentlich ungläubig ist, das wissen wir nicht; sehr wahrscheinlich ist es, dass er nach Satans Art zwar an das Dasein Gottes glaubt, aber sich trotzig gegen ihn erhebt in unbeschreiblichem Hasse. Verhöhnen, lästern und beschimpfen wird er die Gottheit und das Erlösungswerk Jesu Christi, die heiligen Sakramente, alle Gnadenmittel, allen Gottesdienst. Gottes Gericht, seine Macht, die Ewigkeit, Himmel und Hölle und die Unsterblichkeit der Seele wird er für nichts achten, nur sich selbst wird er für groß und mächtig halten, für sich wird er gar alle Ehre und Anbetung in Anspruch nehmen, und wenn er sich auch anfangs, um die Juden zu gewinnen, ihren Messias, oder Gottes Gesandten nennt, so wird er doch alsbald, wenn seine Macht stark genug geworden, die Maske abwerfen und sich für Gott selbst ausgeben.

Auch seine Anhänger wird er mit gleicher Wuth und Bosheit mit Hilfe des Satans zu entflammen wissen. Wie die Heuschrecken im Morgenlande, so werden sie daherstürmen und überall sich niederlassen und eindringen in die Gotteshäuser, sie schänden und zerstören, die Priester und alle Katholiken mit den ausgesuchtetesn Martern peinigen, und was nur jemals die Bosheit und Grausamkeit der Jahrhunderte zusammengebracht, das wird dort aufeinander gehäuft und noch übertroffen werden.

Das Blut wird in Strömen fließen, denn nach den Worten Christi „wird dort eine Trübsal sein, dergleichen vom Anbeginn der Welt nie gewesen ist, noch fernerhin sein wird“ und „es wird eine Zeit geben, dergleichen nicht gewesen ist, seit Menschen gewesen sind auf Erden“, wie uns der Prophet Daniel versichert.

Es ist eben der letzte Stoß der Hölle; „der Satan ist gekommen und hat großen Zorn, weil er weiss, dass seine Zeit kurz ist“ (Offb. 12.); und weil es also die letzte Anstrengung der Hölle ist in Verbindung mit aller Schlechtigkeit auf dieser Erde, so wird es auch die gewaltigste sein; gewaltig in ihrer Ausdehnung über die ganze katholische Kirche, gewaltig in ihrer entsetzlichen Grausamkeit, weil sie gewissermaßen vom Satan selbst geleitet wird; gewaltig in ihren Mitteln, in ihrem Betruge, gewaltig durch die falschen Wunder und tausendfachen Verführungskünste. (Anmerkung: Werden nicht auch heute schon tausendfache Verführungskünste angewandt? Stoff zum Nachdenken. Ziehen nicht viele Antichristen schon jetzt die Fäden hinter den Kulissen?)

Die heilige Kirche ist der geheimnisvolle Leib Jesu Christi, ihr Leben ist das Nachbild seines Lebens. In seiner Kindheit nun wurde Christus verfolgt und musste fliehen und sich verbergen, während viele unschuldige Kindlein für ihn das Blut vergossen. Aber was war das Leiden seiner Jugend im Vergleich mit dem am Ende seines Lebens? So wurde auch die Kirche schon in ihrer Jugend, in den ersten Jahren ihres Bestands, grausam verfolgt, von den Juden zuerst, dann von zehn römischen Kaisern nacheinander; sie musste mit Christus fliehen und sich in den Katakomben verbergen, in den unterirdischen Räumen, um da den Gottesdienst zu halten.

Aber was ist dies im Vergleich mit dem, was sie zu erdulden haben wird am Ende ihres irdischen Bestandes, zu jener Zeit, wo sie mit Christus das Kreuz besteigen muss, um dann mit ihm auch aufzuerstehen zu einem ewigen Triumphe! Ja wahrhaft, sie wird dort mit Christus schwer geprüft, gegeißelt und an´s Kreuz geschlagen und mit ihm gleichsam begraben werden. Denn alle ihre Kinder, die man findet und die treu bleiben, wird man tödten, wenige werden entrinnen.

Dort wird die heilige Kirche trauern und allen Festschmuck entbehren, und auf sie wird man anwenden können die Worte aus den Klageliedern des Profeten Jeremias: „Wie sitzt so einsam die Stadt, die sonst so volkreiche! Wie eine Witwe ist sie geworden, die Herrin der Völker . . . Sie weint ohne Unterlaß, ihre Thränen laufen ihr über die Wangen … Die Wege Sions trauern, weil niemand ist, der zum Feste kommt“; die sonst mit Freuden kommen, sind ja gemordet oder haben sich an unzugänglichen Orten verborgen.

Wo wird wohl dort das große heilige Opfer des neuen Bundes vollbracht werden? Vielleicht noch hie und da in unterirdischen Höhlen. Ach, da ruft kein jubelndes Glockengeläute von den Bergen die Gläubigen zur Sonntagsfeier, da gibt es keine fröhliche Christnacht und kein glorreiches Osterfest, das Gebet der Andächtigen im Gotteshause hat aufgehört, es schweigen die Psalmengesänge und der Orgelklang, und auch das Ave-Maria-Glöcklein ist verstummt. Kein Priester tritt im Festornate zum Altare, keiner besteigt die Kanzel, niemand kniet sich zum Speisgeländer hin, um den Leib des Herrn zu empfangen; denn der Seelsorger, der treue Hirt der Gemeinde, ist in den Tod gegangen und seine Gläubigen mit ihm, die Altäre sind umgeworfen, die Monstranzen, Kelche, Messgewänder, der ganze Kirchenschmuck ist geraubt, das Gotteshaus ist zerstört und liegt verödet. Ueberall schauerliche Verwüstung, überall Blut und Qual und Mord und Leichen, Wuth und Verfolgung und Triumph des Satans und der Sünde.

Es wird sein, als wären alle bösen Geister auf einmal auf die Welt gekommen, um ihren Ingrimm einmal ganz auszulassen an der heiligen Kirche, diesem Gottesreiche auf Erden. „Ja, mit wem soll ich dich vergleichen in jener Zeit, oder wen soll ich dir gleichhalten, Tochter Jerusalems, heilige katholische Kirche? Wen soll ich dir ähnlich nennen, um dich zu trösten, Jungfrau, Tochter von Sion?“ so möchte ich mit dem Profeten fragen; „denn groß ist wie das Meer dein Schmerz, wer kann dich heilen?“

Und was wird die heilige Kirchen für Waffen haben in jener Zeit? Keine andern, als bei allen Verfolgungen, nämlich vor allem Geduld und Gebet. Im 14. Kapitel der Offenbarung steht geschrieben:

„Hier ist Geduld der Heiligen, welche die Gebete Gottes und den Glauben an Jesum bewahren. Und ich hörte eine Stimme vom Himmel, (welche sprach): Schreibe: Selig sind die Todten, die im Herrn sterben, denn der Geist sagt, von nun an sollen sie ruhen von ihrem Mühen, und ihre Werke folgen ihnen nach.“

Geduld und Gebet also, der Rückblick auf das Beispiel des göttlichen Erlösers und die Aussicht auf die ewige Himmelsruhe werden die Waffen der Diener Christi sein, und während auf Erden die Bosheit des Satans wüthet und die Welt fast in eine Hölle verwandelt, schweben die Seelen der heiligen Martyrer jubelnd dem schönen Vaterlande zu, um den herrlichen Lohn zu empfangen, der jenen bereitet ist, die „aus großer Trübsal kommen und ihre Kleider gewaschen haben im Blute des Lammmes.“ (Off. Kap. 7.)

Die Gnade und Hilfe Gottes wird schon auch das Ihrige thun, denn „getreu ist der Herr, der uns nicht über die Kräfte versuchen lässt“; mögen sie auch vieles leiden, „die Seelen der Gerechten sind dennoch in Gottes Hand und beim Herrn ist ihr Lohn und der Allerhöchste selbst sorgt für sie“, wie es im Buche der Weisheit heißt.

Die Hilfe Gottes wird so kräftig sein, dass, wie der Weltapostel sagt, nur jene verführt werden, „welche die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, um selig zu werden. Darum wird Gott den Irrthum auf sie wirksam sein lassen, so dass sie der Lüge glauben, damit alle gerichtet werden, welche der Wahrheit nicht geglaubt, sondern der Ungerechtigkeit beigestimmt haben.“

Nur jene, die es schon durch ihr Sündenleben verdient, werden wanken und fallen. O das wird ein Heldenmuth jener letzten Christen sein! Das wird ein Schauspiel sein für den ganzen Himmel und ein Gegenstand der Wuth für die ganze Hölle, die sich auch jetzt in ihrem scheinbaren Triumphe wieder überwunden sieht, nicht durch Gewalt überwunden, sondern durch Tugend und Gebet!

Gott wird endlich auch auf außerordentliche Weise seinen Getreuen zu Hilfe eilen, wie wir noch sehen werden, z. B. durch Henoch und Elias. Auch wird es nicht fehlen an andern gewaltigen Männern, die im Stande sind, die Christen für das Leiden und Martyrium zu begeistern, denn Gott hat schon vorgesorgt, dass seine Kirche in allen Leiden triumphire und dass gerade die Zeit der größten Verfolgung auch die Zeit ihres schönsten Glanzes sei, da sie den Himmel mit unzähligen Martyrern bevölkern wird.

V

4. Wie wir schon einigemal erwähnt haben und wie aus verschiedenen Stellen der heiligen Schrift, sowie aus der Erklärung der heiligen Väter hervorgeht, wird der Antichrist in´s heilige Land kommen und zu Jerusalem seinen Sitz aufschlagen. Das nächste Kapitel wird uns darüber nähern Aufschluss geben. Dort besonders wird er sich selbst als Gott verehren lassen; dort werden nach 1260 Tagen seiner Herrschaft die beiden Gottesgesandten Henoch und Elias von ihm getödtet werden (Off. 11); und da, wie wir öfters gehöret, seine volle Macht 1290 Tage währt, so wird er diese beiden Männer nur um 30 Tage überleben. Dass er nur so lange, d. h. ungefähr drei und ein halb Jahre blos regieren wird, geht aus so vielen Stellen der heiligen Schrift und so klar aus den Aussprüchen der Väter hervor, dass die beiden Gottesgelehrten Suarez und Lessius diese Ansicht als eine unzweifelhafte bezeichnen. Dann „um der Auserwählten willen werden diese Tage abgekürzt werden.“

Die letzten 30 Tage seiner Herrschaft, nämlich die Zeit nach der Ermordung des Henoch und Elias, halten viele für den Höhepunkt der antichristlichen Macht. Dann wird das Maß des Zornes Gottes voll sein und den Bösewicht wird das Verderben erreichen, ob plötzlich oder nach und nach, das wissen wir nicht, gewiss aber durch gewaltiges Eingreifen Gottes selbst: „Das Gericht wird sich setzen, damit die Gewalt ihm genommen, zerschlagen und vollends vernichtet werde.“ Im Himmel wird Gott gleichsam zu Gerichte sitzen über ihn, wird den Beschluss, ihn zu verderben, offenbaren. (Daniel, Kap. 7.) Und beim Profeten Ezechiel versichert uns Gott, wie wir oben § 3 gesehen, dass sein grimmiger Zorn sich erhebt; in seinem Eifer, im Feuer seines Zornes hat Gott dies geredet.

Und er spricht dann von einem ungeheuren Erdbeben, so dass alle Wesen der Erde zittern und alle Berge wanken und die Wände einfallen und alle Mauern zu Boden stürzen. Er spricht auch von einem großen Kriege, in dem der Antichrist untergehen wird: „Ich will wider ihn zusammenrufen das Schwert auf allen meinen Bergen …. auf den Bergen Israels sollst du fallen, du und alle deine Schaaren und alle Völker, die mit dir sind.“ Er spricht endlich von andern plötzlichen Strafgerichten: „Ich will ihn richten mit Pest und Blut, mit heftigem Platzregen, mit ungeheuren Hagelsteinen. Feuer und Schwefel will ich auf ihn regnen lassen, auf sein Heer und auf die vielen Völker, die mit ihm sind …. ich will Feuer über Magog senden und über die, welche sicher auf den Inseln wohnen“ (und sich dem Antichrist angeschlossen haben).

Auch die Offenbarung sagt das Nämliche: „Sie zogen herauf über die Breite der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Da fiel Feuer von Gott aus dem Himmel und verzehrte sie“; und der Weltapostel schreibt: „Der Herr Jesus Christus wird ihn tödten durch den Hauch seines Mundes, durch den Glanz seiner Ankunft.“

Viele sind geneigt, diese Strafgerichte wörtlich aufzufassen. Jedenfalls geht aus diesen so übereinstimmenden Schilderungen hervor, dass die Bestrafung des Antichrists schon hier beginne, nicht erst im Jenseits, dass er nicht eines natürlichen Todes sterbe, dass sein Untergang entsetzlich sei, ein Werk der Allmacht Gottes, die er herausgefordert, ein Beweis der unendlichen Größe und unbeschränkten Herrschaft Gottes, gegen die er sich aufgelehnt. Wie schrecklich wird es für diese Häupter der Bösen sein, für diese Ungethüme, die so unzählige verführt, wie schrecklich wird es für sie sein, „in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen“, dessen Zorn ein „fressendes Feuer ist“, vor dem die ganze Erde doch nur ein Stäubchen ist! „Denn alle Völker sind nichts vor ihm, wie nichts und Eitles gelten sie ihm.“ (Is. 40.)

Was ist ein Mensch gegen alle Völker? Und doch sind selbst alle Völker zusammen wie nichts vor dem unendlichen Gott! Was sind ferner alle Menschen miteinander in Vergleich mit allen übrigen Geschöpfen, die noch auf Erden sind, und in Vergleich mit der ganzen Erde selbst? Und was ist die Erde im weiten Weltgebäude? Was ist sie, wenn man sie vergleicht mit andern Gestirnen, die am Himmel glänzen? Sie ist verschwindend klein; wenn wir auf der Sonne wären, würden wir von unserer ganzen Erde nicht das mindeste mehr erblicken! Und siehe, auf dieser Erde, auf diesem Stäubchen im Weltgebäude hat sich einer gegen den unendlichen Gott erhoben, der unsere Erde hält und bewegt und geschaffen hat und regiert, der auch die millionen- und tausendmillionenmal größeren Himmelskörper durchdringt und umgibt und ihnen ihre Bahnen zeigt und ihren Glanz verleiht, der über dies alles hinausgeht, weil ihn die Himmel der Himmel nicht zu fassen vermögen!

Und nun strömt der Zorneseifer dieses Unendlichen aus gegen den Elenden, der sich gegen Gott aufgelehnt! Wie werden da alle Engel kommen, mit Verderben ihn umschlingen, seine Macht zerschmettern, ihn vernichten und wegschleudern in einem Augenblick! „Ja sehet, Gott der Herr kommt mit Macht und sein Arm wird herrschen!“ (Is. 40.) Seine Feinde aber, „das Thier und der falsche Profet, wurden ergriffen und lebendig geworfen in den Feuerpfuhl, der mit Schwefel brennt.“ (Offenb. 19.)

Welche Schmach und Schande für den so stolzen Bösewicht und seinen Anhang! Früher so mächtig und gewaltig, jetzt so verlassen und aller Macht entblößt, arm und elend und der Rache Gottes anheimgestellt! Welch´ eine Wandlung der Dinge! Da wird im Himmel Freude und Jubel sein, Dank und Ehre wird man dem Allerhöchsten darbringen und starke Stimmen werden tönen, die das sprechen: „Das Reich dieser Welt ist des Herrn und seines Gesalbten geworden und er wird herrschen in Ewigkeit! … Wir danken dir, o Herr, allmächtiger Gott, der du bist, der du warst und der du sein wirst, dass du angenommen hast deine große Kraft, um zu herrschen! Zwar die Völker haben gezürnt (haben sich gegen dich empört), aber es ist gekommen dein Zorn und die Zeit für die Todten, gerichtet zu werden und den Lohn zu geben deinen Knechten, den Profeten und den Heiligen und denen, die deinen Namen fürchten, den Kleinen wie den Großen, und auszurotten die, welche die Erde verderbt haben.“ So lesen wir im 11. Kapitel der Offenbarung.

Und jene, die gemartert worden sind in dieser Verfolgung, werden sich innig freuen und Gott danken und ihn preisen wegen der Herrlichkeit, die ihnen zu Theil geworden, und sie werden beglückwünscht werden von den Auserwählten, von den Engelchören und von Gott selbst: „Freude und Wonne ist ihr Theil, Schmerz und Seufzer fliehen.“ (Is. 35.)

Aber auch auf der Erde wird Freude sein und die Kirche könnte wohl mit ebensoviel Recht, als einst Isaias nach dem Falle Babilons, den er verkündete, über den Untergang des Bedrängers frohlockend sprechen:

„Dein Hochmuth ist zur Hölle gefahren, dein Leichnam dahingefallen! Das Lager unter dir sind Motten und deine Decke Würmer! Wie bist du vom Himmel gefallen, du Morgenstern!  … Wie bist du zur Erde gestürzt, der du die Völker schlugst! Du, der du sprachst in deinem Herzen: zum Himmel will ich steigen, über die Sterne Gottes will ich setzen meinen Thron, ich will auf dem Berge des Bundes wohnen, auf der Seite gegen Mitternacht. Ich steige auf der Wolken Höhen, dem Allerhöchsten will ich gleich sein! Ja, zur Hölle fährst du hinab, zur tiefsten Grube! Die dich sehen, nähern sich dir und betrachten dich: Ist das der Mann, vor dem die Erde bebte, vor dem die Königreiche zitterten, der den Erdkreis zur Wüste machte, seine Städte verheerte, den Gefangenen den Kerker nicht erschloss? Alle Könige der Erde allzumal liegen mit Ehren, ein jeglicher in seinem Hause; du aber bist verworfen von deinem Grabe wie ein unnützer, unreiner Zweig, du bist bedeckt von denen, die durch´s Schwert gefallen, die in die unterste Grube fahren, wie ein stinkend Aas. Du wirst nicht bei ihnen sein, auch nicht im Grabe, denn du hast das Land verderbt, das Volk erschlagen.“ (Is. Kap. 14.)

Das ist das Ende dieses Oberhauptes der verworfenen Menschen! Uebrigens ist es wahrscheinlich, dass nur der Antichrist mit den Anhängern, die er bei sich hat und die ihm natürlich am meisten an Bosheit gleichen, so auffallend und in so schrecklicher Weise zu Grunde gehen wird. Es ist dies freilich auch schon ein ungeheures Heer, aber er wird doch in allen Ländern herum noch viel mehrere haben, die nach seinem Sinne wirken, die Kirche verfolgen und mehr oder weniger eifrig seine Helfershelfer sind, und es ist kaum anzunehmen, daß sie überall in solcher Weise dem Zorn Gottes anheimfallen.

Gar manche, die nur halb freiwillige, bald gezwungene Anhänger des Antichrists gewesen sind, werden sich nach diesem beispiellosen Untergange ihres Oberhauptes wohl vielleicht bekehren, andere werden in ihrer Bosheit erst recht verstockt werden, damit erfüllt werden die Worte Christi, dass auch noch bei seiner Ankunft zum Gerichte schlechte, glaubenslose Menschen leben werden. Giengen die Anhänger des Antichrists alle mit ihm zu Grunde, so wären vor dem Gerichte nur mehr Gute, was der Vorherverkündung widerspricht, welche deutlich sagt, dass viele in ihrer Sünde von der Ankunft des Herrn überrascht werden. Vielleicht werden auch erst nach dem Sturze des Antichrists viele der von ihm so schändlich betrogenen Juden sich zur Kirche wenden, während andere in ihrem Irrthum bleiben. Die Verfolgung wird wohl im Allgemeinen aufhören, da es aber auch dann noch Böse gibt, so kann von einer vollkommenen Ruhe der Kirche kaum die Rede sein.

Wir sehen aber aus dieser ganzen Geschichte des Widerchrists, wie herrlich Gott alles eingerichtet hat, wie gut er für die Kirche sorgt und wie wir keine Verfolgung zu fürchten haben; mit dem großen Profeten Isaias (im 8. Kap.) können wir voll Muth zu den zahlreichen Feinden unserer heiligen Kirche sagen:

„Versammelt euch nur, ihr Völker, ihr werdet doch überwunden! Hört es, all´ ihr fremden Lande, rüstet euch nur, ihr werdet dennoch überwunden! Gürtet euch (zum Streit), ihr werdet dennoch überwunden! Fasset einen Plan, er wird vereitelt werden! Gebt einen Befehl, er wird nicht vollzogen werden, denn Gott selber ist mit uns! Denn so spricht der Herr … fürchtet euch nicht und bebet nicht vor ihnen; den Herrn der Heerschaaren aber haltet heilig! Er sei eure Furcht und er sei euer Schrecken!“

Und wiederum mahnt uns Gott durch den Mund des nämlichen Propheten in seinem 51. Kapitel:

„Wer bist du, dass du dich fürchtest vor sterblichen Menschen, vor Menschen, die wie Heu verdorren? dass du den Herrn, deinen Schöpfer vergissest, der den Himmel ausgespannt und die Erde gegründet hat, dass du dich fürchtest den ganzen Tag vor der Wuth deiner Bedränger? … Wo ist nun die Wuth der Bedränger?“

„Hört auf mich (spricht der Herr), die ihr wisst, was recht ist, mein Volk, in dessen Herz mein Gesetz geschrieben ist! Fürchtet euch nicht vor der Menschen Schmähungen, und vor ihren Lästerungen zaget nicht! Denn wie ein Kleid wird der Wurm sie fressen und wie Wolle wird die Motte sie verzehren. Aber mein Heil wird ewig bleiben und meine Gerechtigkeit von Geschlecht zu Geschlecht.“

Möchten doch auch die Kirchenfeinde ein wenig diese Worte beherzigen und zur Einsicht kommen, daß sie umsonst gegen den Allerhöchsten kämpfen! Sie, die so elende, sterbliche Wesen sind, die heute leben, morgen in´s Grab sinken, erheben sich gegen den König der Ewigkeit und gegen seine heilige Kirche, die ihre unerschütterliche Festigkeit schon so oft bewiesen hat! Es ist das ein entsetzlicher Frevel des Geschöpfes gegen seinen allmächtigen Schöpfer, gegen seinen unendlichen Gott! Es ist dies ein Stolz sondergleichen, ähnlich demjenigen, der einst den Luzifer mit seinem anhang vom Himmel stieß! Darum bedauern wir diese unglückseligen Menschen, die sich selbst über ihre Natur erheben wollen, um sich gleichsam auf Gottes Thron zu setzen, die aber gerade dadurch sich in den tiefsten Abgrund stürzen, und dienen wir um so eifriger dem Herrn, unserm Gott, zu dessen Dienst wir allein geschaffen sind!

Ende des Kapitels

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