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98B43

Spannende Bücher

19.11.2016. Kriterien: Lesevergnügen, Spannung, Sieg der Gerechtigkeit

 

Die größten Schriftsteller: Bruder Luis von Granada, Reimmichl, Karl May, Agatha Christie. Der größte Dichter: Dante. Vergesst 98 % der Nobelpreisträger!

Das Verbrechen fasziniert die meisten von uns, vor allem die Phantasiebegabten und die Klugen; deshalb auch die vielen Universitätsprofessoren, die Krimis schreiben und lesen. (Armin Arnold, Professor für Germanistik an der McGill University von Montreal, im Vorwort zu dem von ihm herausgegebenen Buch: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1978)

Robert H. Benson: Lord of the World, 1907. – Der Herr der Welt. Pustet Verlag Regensburg, 1920. Nach dem 2. Weltkrieg auch Herder-Verlag Freiburg. Die Geschichte vom kommenden Antichrist.

Manfred Bomm

John Dickson Carr
1906 – 1977, Sohn schottischer Eltern. Geboren in Pennsylvania. 90 Kriminalromane. Vorbilder: Arthur Conan Doyle und G. K. Chesterton. „Spezialist für unmögliche Morde“ (Volker Neuhaus). Gestaltete im 2. Weltkrieg BBC-Propagandasendungen gegen Deutschland. (Mauro Boncompagni: Introduzione a: Rex Stout: Fine amara. Arnoldo Mondadori Editore, Milano, 1999, pag. 7)  Elemente der Romantik und des Schauerromans. „Kaum sonst ein Autor hat so konsequent das Gebot der Fairness gegenüber dem Leser eingehalten, um diesem durch Mitteilung aller wesentlichen Tatsachen und Clous eine wirkliche Chance zur eigenen erfolgreichen Beteiligung am Mördersuchspiel zu geben.“ :

Castle Skull. N. Y., 1931. Die Schädelburg. DuMont Buchverlag Köln, 1991. Note 1. Klassiker
trotz des Klischees vom abstoßenden Teutonen, siehe ETIKA 40DE5 Schluß. Eine der Hauptpersonen ist Maleger, der, der Böses sinnt, trachtet, tut. Gegenspieler des „alliierten“ Detektivs ist Baron von Arnheim. Schauplatz ist die umgewandelte Marksburg am rechten Rheinufer bei Koblenz.

Death in Five Boxes. N. Y. 1938. Fünf tödliche Schachteln. DuMont Buchverlag Köln, 2004. Sir Henry Merrivale und Inspektor Masters ermitteln bei Giftmord. Etliches nicht gelungen. Note 4

Death Watch. 1935. L´orologio della morte. Mondadori Milano, 2003. Dr. Fell in pagina 223 sull´Inquisizione spagnola: “... non strappavano più la lingua e non tagliavano più le mani agli avversari politici come se faceva invece in Francia. ... in Inghilterra lo avrebbero bruciato esattamente come in Spagna, se avesse avuto l´ardire di negare l´esistenza dell´Aldilà e della Vita eterna dopo l´ordinanza puritana del 1648, proprio come in Scozia i puritani bruciarono duemila streghe ... Nessun eretico spagnolo finì mai sul rogo, senza aver avuto la possibilità di abiurare prima della lettura della sentenza. ... erano uomini che credevano in qualcosa.” Dreimalige Symbolnennung (vgl. den Roman „Jedem nach seinen Taten”) wird ausgeglichen durch Hinweise auf dämonische Einflüsse. Note 1

Guest in the House. Böse Gäste. Kurzgeschichte. Aus: Das wird dich töten. In: Noch mehr Morde, Diogenes Verlag Zürich, 1963. Note 1

Hag´s Nook. 1933. Tod im Hexenwinkel. DuMont Buchverlag Köln, 1986. Roman mit Dr. Fell, der aussieht wie Carrs Vorbild Chesterton. Note 1

In Spite of Thunder. 1960. Rombi di tuono per il dottor Fell. Mondadori Milano, Juni 2014. In Hitlers Bergfestung kommt ein Gast ums Leben. Die Schauspielerin Eve Ferrier erbt ein großes Vermögen. Der Schatten von damals liegt auf ihrer Karriere. Sie lädt die damals Beteiligten in ihre Villa in Genf. Mehrere Detektive wetteifern um die Aufklärung mysteriöser Todesfälle. Note 1

Scandal at High Chimneys. 1959. Scandalo at High Chimneys. Il Giallo Mondadori, Speciali, Le Indagini di Scotland Yard. 7/2015. Note 1

The Crooked Hinge. 1938. Die Tür im Schott. DuMont Buchverlag Köln, 2001. Note 1. Klassiker
Wer ist der echte Sir John Farnleigh? Untergang der „Titanic“. Hexen. Privatdetektiv Dr. Gideon Fell. Die Puppe. Der Automat. S. 167 Zitat von Huysmans: „Der Dämon …“ Volker Neuhaus im Nachwort: „J. D. Carr hat … das Schreiben von Detektivromanen als „Das großartigste Spiel in der Welt“ bezeichnet, und der vorliegende Roman ist ein herausragendes Beispiel für das, was Carr ,das fast geniale Raffinement´ genannt hat, ,das Legen der Fallen und der Falle hinter der Falle´, mit der ein Autor Kapitel für Kapitel gegen einen scharfsinnigen Leser spielt.“

The Hungry Goblin. 1972. Wilkie Collins spielt als Amateurdetektiv mit. (Andreas Graf)

To Wake the Dead. 1938. Die Toten wecken. DuMonts Kriminal-Bibliothek, 2003. Note 1
Mit Dr. Fell und Superintendent Hadley. Dem Kriminalschriftsteller Kent, am Verhungern infolge einer Wette, flattert vor einem Hotel eine Gästekarte vor die Füße und er erschwindelt sich ein Frühstück als Bewohner des Zimmers 707. Dies führt ihn mit seiner südafrikanischen Gruppe zusammen.

Raymond Chandler (1888-1959), typisch amerikanische Action-Krimis. Auch vom Stil her zu simpel für Leser, die von den spannungsgeladenen Kunstwerken englischer Meisterautoren verwöhnt sind. Nach der Lektüre von Murder in the Rain/Mord bei Regen, The Man Who Liked Dogs/Der Mann, der Hunde liebte/L´uomo a cui piacevano i cani (Feltrinelli, Milano, 1984) und The Lady in the Lake/Die Frau im Bergsee waren wir bedient. Ein whiskysüchtiger Privatdetektiv aus Los Angeles ist die Hauptperson. Copyright 1963. Ullstein Großdruck, 1988. Alle Note 4 = ausreichend. Das folgende Buch war einigermaßen spannend:

The Little Sister, 1949. Die kleine Schwester, Diogenes Verlag Zürich, 1975. Ziemlich verwirrend, unklar, kompliziert, amerikanisch-unmoralisch. So reden doch die Menschen nicht miteinander, außer vielleicht in den USA. Lösung nicht überzeugend, zu starke Antipathie des Autors gegen … Immerhin zahlreiche Bonmots wie „Ich trage Schwarz, weil ich schön und böse bin – und verloren“ (S. 218). Mit Zynismus entlarvt Privatdetektiv Philip Marlowe das Wesen Hollywoods. Die Schauspielerin wird im „schimmernden Dunst von Luxus, teuren Kleidern, Seichtheit, Unwirklichkeit und wohldosiertem Sex … kein wirklicher Mensch mehr sein“ (S. 285). Note 2-3

James Hadley Chase: Not my Thing. Girotondo di Morte. Garden Editoriale, 1998. US-Kapitalist will seine Frau umlegen lassen, weil sie ihm bisher keinen Sohn geboren hat. Schmieriger Mittelsmann engagiert Berufskiller. Oft ein Lesegenuss. Note 1

Gilbert Keith Chesterton (1874-1936): Father Brown. Fast alle Geschichten sind Spitzenklasse; Chesterton ist als gleichrangig mit Agatha Christie zu werten, nur schreibt er komplizierter. Note 1. Klassiker. Vgl. Pietro Citati: Così Chesterton ci salva dalla noia. Lo scrittore e l´incanto dell´allegria. (la Repubblica 20.7.2009 R2Cultura p. 33)

Father Browns Einfalt“ (Haffmans Verlag Zürich, 1999) enthält folgende Widmung des Übersetzers Hanswilhelm Haefs: „Ich widme diese Neuübersetzung dem Gedächtnis der Eltern, die gläubige bewußte Katholiken waren, denen daher die Amtskirche manche dunkle Stunde bereitete und die deshalb an der souveränen, unklerikalen Katholizität Father Browns Freude hatten.“ In „Die Falsche Form“ sagte Father Brown: „Flambeau, Sie sind mein einziger Freund auf Erden.“ Und: „Himmel und Hölle allein wissen, durch welche Einflüsse der Umgebung fremdartige Sünder ins Leben der Menschen geraten.“ (Father Browns Einfalt, beide Zitate von S. 157)

Father Browns Geheimnis“ (Band 4, Haffmans Verlag Zürich, 1999). In „Das schlimmste Verbrechen der Welt“ macht uns Chesterton auf S. 158 mit der „höllischen Ironie“ bekannt, „mit dem Witz, den man mit dem Teufel teilt. Manchmal ist es ein Vergnügen, im innersten Herzen der Hölle, die Wahrheit auszusprechen“.

Die Sternschnuppen, aus: Der Hammer Gottes, in: Die berühmtesten Detektive der Welt. Otto Maier Verlag, Ravensburg, 1974. Note 1

Agatha Christie

Wilkie Collins (1824-1889), gehört zur absoluten Spitze der Weltliteratur, befreundet mit Charles Dickens

The Woman in White. 1859 (?) – Die Frau in Weiß. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main, 1989. Absolute Spitze. Muß man gelesen haben, obwohl 700 Seiten lang. Wichtig für die Liebe. Unvergleichlich, unvergeßlich. S. 58 „… schön vor allem wegen der klaren Wahrhaftigkeit des Ausdrucks, der tief in ihrem Innern wohnt und mit dem Licht einer reineren und besseren Welt durchscheint.“ Note 1.

Armadale. 1866. – Der rote Schal. S. Fischer Verlag, Frankfurt/Main, 1986. S. 44 „Es steht in der Bibel, daß die Sünden der Väter an den Kindern heimgesucht werden.“ Auch hier geht es um die Liebe. S. 506 „Was verführt die meisten Männer zu den dümmsten, unüberlegtesten Handlungen? Die holde Weiblichkeit.“ Note 1

Der Monddiamant. Ein Criminal-Roman. Deutscher Taschenbuch Verlag dtv München, 1973. Erscheinungsjahr und englischer Titel sträflicherweise nicht angegeben. Drei Inder jagen Edelstein, der aus einer Götterstatue gestohlen wurde. Spannend wie die oben genannten Collins-Romane, aber Note 1 – wegen ätzender Diskriminierung eifriger Laienapostel.

Lucilla. Henry Goverts Verlag, Stuttgart, 1969. Nur 474 Seiten, damit kürzer als die zuvor genannten Romane, aber äußerst lesenswert. Hauptfiguren: Eine Blinde, zwei Zwillingsbrüder, Madame Pratolungo, die intelligente, einfühlsame Witwe eines südamerikanischen Revolutionärs, und natürlich wieder ein anglikanischer Pfarrer zum Davonlaufen – Collins war wirklich ein bißchen zu liberal. Note 1

Gruselgeschichten. Diogenes Verlag Zürich, 1974.

·        Ein schauerliches fremdes Bett. Engländer sprengt Bank in Spielhölle. Das Himmelbett. Note 1

·        Die Ölbütte. Anno 1700 in Croix-Daurade bei Toulouse. Beichtgeheimnis im Mittelpunkt. Bitter-tragisch. Note 2

·        Die verhängnisvolle Wiege. Keine Gruselstory. Note 2

·        Das Traumweib. Gruselgeschichte, unnatürlich. Note 3

·        Der Wermutstropfen. Köstliche, humorvolle Geschichte um einen neuen Geheimdetektiv bei Scotland Yard im 19. Jh. Note 1

Jerry Cotton: viele gute Geschichten, besonders unter den ersten 200 oder 300 Heften. Viele Autoren. Bastei-Verlag Bergisch-Gladbach

Edmund Crispin (Bruce Montgomery, 1921-1978), letzter Autor des Golden Age laut Volker Neuhaus, englischer Komponist (Filmmusik), Organist, Chorleiter, einige Jahre Krimi-Kritiker der Sunday Times, hervorragender Menschenkenner. Von irgendwelchen schwachsinnigen britischen Imperialisten während des 2. Weltkriegs als „Proto-Nazi“ verleumdet; seine Werke wurden verboten. Seine Vorbilder waren J. D. Carr und Michael Innes. Crispins humorvolle Bücher machen kultivierten Lesern doppelten Spaß.

Swan Song. 1947. Schwanengesang. DuMonts Kriminal-Bibliothek, Köln. 2003. Nach den ersten Seiten – tatsächlich geschrieben wie von einem Organisten und Chorleiter - schlief der Rezensent ein, doch wurde es am nächsten Tag amüsant und spannend. Eine Aufführung von Wagners „Meistersingern“ bildet den Hintergrund zu einem „unmöglichen Mord“. Zitate: „Weil Hitler Wagner liebte, werden wir Wagner in England nicht aufführen.“ Hitler liebte auch Edgar Wallace. (S. 168) Der Oxforder Literaturprofessor und Hobbykriminalist Gervase Fen, der die „Nachfolge Christi“ mit sich führt: „Und das Übel des Nazismus lag genau darin, dass eine Gruppe von Männern begann, ihre Mitmenschen auf unterschiedliche Weise zu bewerten und daraus praktischen Konsequenzen zu ziehen.“ (169) Oxforder Studentenmeinungen: „Natürlich war der Einfluss der teutonischen Götter und Heldenfiguren des Ring auf die deutsche Mentalität verheerend. … In letzter Konsequenz ist Wagner für Belsen verantwortlich.“ (203) Auf S. 188 schildert der Autor einfühlsam eine Ehekrise. Note 1

Buried for Pleasure. 1948. Mit Freuden begraben. Du Mont Verlag, Köln. 2004. Aus Langeweile kandidiert der Oxforder Universitätsprofessor Fen im Wahlkreis Sanford, in dem sich mehrere Morde ereignen. Köstlich Kapitel 4: die Begegnung mit einem Kriminalschriftsteller, der seine Romane selber durchspielt. Der Knüller ist Fens letzte Wahlrede, mit dem er seine Wähler vergraulen will. Darin geht er mit der britischen Gesamtbevölkerung ins Gericht, „ist doch ihre Vorliebe dafür, hirnlose Größenwahnsinnige in die Schlüsselstellungen der Macht zu befördern, letztlich auf .. Mangel von Verstand zurückzuführen“. (202) Zuletzt sein Appell: „Ich hatte vor, ausgiebig über die Auswirkungen zu sprechen, die schleichender Neid und Hass, als gemeinnütziges Interesse an Politik verkleidet, auf unser Land haben. Jetzt muss ich jedoch feststellen, dass ich es satt habe, mir Ihre ziemlich dummen Gesichter anzusehen, deswegen werde ich es lassen. Zum Abschluss möchte ich aber noch hinzufügen, dass Sie, falls Sie meinen Rat befolgen, morgen gar nicht erst zur Wahl gehen. Die Politiker werden das nicht gerne sehen, stellt Ihre Gleichgültigkeit doch einen Affront gegen ihre schmutzigen Geschäfte dar.“ (206) Fen wurde trotzdem gewählt, oder gerade deshalb. Vgl. eine Kurzgeschichte Striblings. - Note 1

The Quick Brown Fox, Der schnelle braune Fuchs, Kurzgeschichte aus: Beware of the Trains, in: Noch mehr Morde, Diogenes Verlag Zürich, 1963. Note 4+

Charles Dickens: Der Kampf des Lebens. Erzählung in dem 640 Seiten starken Sammelband „Weihnachtsgeschichten“. Eine schwerfällig aufgebaute, aber erschütternde Geschichte von Liebe und Entsagung. Gondrom Verlag Bayreuth, 1980. Note 1

S.S. Van Dine. Pseudonym für Willard Huntington Wright (1888-1939). Krimi-Klassiker und Theoretiker. Stellte 20 Regeln auf. VI Mord weckt das Gerechtigkeitsgefühl des Lesers, der den Mörder mit jagen will. VII Leser muss durch logische Deduktion Lösung finden können. VIII Das Licht des Verstandes muss jeder wissenschaftlichen Analyse der Beweise überlegen sein. Alles sehr einleuchtend.

The Canary Murder Case. Il caso della Camarina assassinata. Compagnia del Giallo, Roma 1993 (damals 1500 Lire). Philo Vance löst den Fall psychologisch. Bezirksstaatsanwalt Markham staunt, denn die Fakten täuschen. Note 1.

The Green Murder Case. 1928. La fine dei Green. RL Rusconi, Santarcangelo di Romagna, 2010. Der Leser hüte sich, den dummen Fehler des Rezensenten nachzuahmen. Er blätterte hinten, nur um die Seitenzahl festzustellen. Dabei fiel sein Blick auf einen in einer fremden Sprache geschriebenen Absatz und natürlich – da jahrzehntelang geübt – auf das Schlüsselwort. Dieses zusammengesetzte Hauptwort enthüllte einen Teil des Rätsels. – 2 kleine Fehler betreffen einen Widerspruch bezüglich des Testaments sowie den Todeszeitpunkt auf Seite 207. – Ein interessantes Zitat von Seite 266f: Philo Vance: „Le potenzialità del crimine le sono state tramandate per linea di sangue. Quando sono destate da uno stimolo potente, le inclinazioni criminali vengono alla luce.“ Wie nicht anders zu erwarten, sind die deutschen Zitate in der italienischen Ausgabe verstümmelt. Unter anderem wird das Handbuch für Untersuchungsrichter von Hans Gross, Wien, erwähnt. Der Autor zählt viele aufsehenerregende Morde auf, die sich tatsächlich ereignet haben, auch in Deutschland und Österreich, und verweist auf wichtige Werke der klassischen Kriminalliteratur. Note 1

The Kennel Murder Case. 1933. La tragedia in casa Coe. In dem Sammelband Il Giallo Mondadori, Speciali 69. I detective dell´impossibile. 2014. Mord in einem geschlossenen Zimmer. Einzigartige Lösung. Detektiv Philo Vance klärt den Fall auf dank seiner profunden Kenntnisse in Hundekunde und über chinesisches Porzellan.

Sir Arthur Conan Doyle (1859-1930). Nicht unser Mann aus den anderswo genannten Gründen. Außerdem in schlimmem Verdacht (Forschungen eines Literaturhistorikers). Erst von Jesuiten in Stonyhurst erzogen, dann – bevor er Medizin studierte und Arzt wurde – ein Jahr am Jesuitengymnasium in Feldkirch in Vorarlberg. Die meisten Sherlock-Holmes-Geschichten stufen wir mit den Noten 1, 2 oder 3 ein. Übrigens züchtete Holmes im Ruhestand Bienen in den Sussex Downs. Einige Wertungen:

A Study in Scarlett. 1887. Angeblich der erste Sherlock-Holmes-Roman. Die erste Hälfte spielt in London, die zweite in der mormonischen Polygamistendiktatur in Utah. Deutsche Ausgabe: Späte Rache. 1894. Scherz Verlag Bern, 1987. So genial und einfühlsam in Sachen Liebe, dass es uns schwerfällt, den sachlichen Doyle für den Autor zu halten. Beim Jüngsten Gericht werden wir erfahren, ob das Buch von seinem Freund stammt, dessen … und den er … (gewagte These eines britischen Literaturkritikers). Note 1

Nach dem erneuten Lesen des Krimis „Der Hund von Baskerville“ – ein rundum gelungener Roman mit spannender Handlung und hervorragend gezeichneten Charakteren, Note 1 plus - halten wir folgende Theorie für durchaus glaubhaft: „Der Amateurdetektiv Rodger Garrick-Steele schrieb (D 12.9.2000), Doyle habe die Idee zur Geschichte "Der Hund von Baskerville" von seinem Freund Bertram Fletcher Robinson gestohlen. Der "durch und durch verdorbene" Autor und Arzt habe Robinson 1900 in dessen Landhaus Park Hill House am Rand von Dartmoor besucht, ein Verhältnis mit dessen Ehefrau Gladys gehabt und aus Furcht, der geistige Diebstahl und die Liebschaft könnten auffliegen, Robinson 1907 mit Laudanum vergiftet.“ Wir erkennen zwischen dem Roman und den Kurzgeschichten einen beträchtlichen Unterschied im ethischen Niveau.

Charles Augustus Milverton. 1899 Einbrecher im Frack. Note 1

Das Geheimnis von Boscombe Valley. Note 2

Das Haus bei den Blutbuchen. Note 1

Der Mann mit der Narbe. Note 2

Die fünf Orangenkerne. Note 2

Die gefährliche Erbschaft. In: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1978. Sherlock Holmes befreit einen Freimaurer von einem schrecklichen Verdacht. Note 1

Silver Blaze. Ein Pferd. Note 2

Skandal in Böhmen. Note 2

The Abbey Grange. 1897. Der Tote von Abbey Grange. Ein Trunkenbold. Note 1

The Adventure of Black Peter. Wieder ein Trunkenbold. Note 1

The Adventure of the Dancing Men. Wer erschoss sie? Note 2.

The Adventure of the Devil´s Foot. Note 1

The Adventure of the six Napoleons. Note 2

The Adventure of Shoscombe Old Place. Note 1.

The Beryl Coronet. 1890. Das Beryll-Diadem. 2

The Blue Carbuncle. 1887. Der blaue Karfunkel. Note 2

The Engineer´s Thumb. 1889. Der Daumen des Ingenieurs. 2

The Golden Pince-Nez. 1894. Das goldene Pincenez. Note 1

The Greek Interpreter. Note 1

The Noble Bachelor. 1886. Der vornehme Junggeselle.

The Problem of Thor Bridge. 1922. Great Stories of Sherlock Holmes, Dell Publishing, New York, 1965. Eif. Note 2

The Reigate Puzzle. Zettel mit verräterischer Schrift. Note 1
The Second Stain. 1886. Der zweite Fleck. Note 2

The Speckled Band. 1883. Das gefleckte Band. Note 1

The Stock-Broker´s Clerk. Note 1

The Three Garridebs. Die drei Garridebs. Note 1

 

Imitationen:

John Hall: Sherlock Holmes at the Raffles Hotel. 2008. Sherlock Holmes al Raffles Hotel. Il Giallo Mondadori, gennaio 2015. Spielt natürlich, wie Karl-May-Leser wissen, in Singapur. Holmes redet zu viel. Note 2. Im gleichen Band noch eine Kurzgeschichte von Samuele Nava: Sherlock Holmes e la sfida dell´astrologo. Note 3.

Friedrich Dürrenmatt

·        Der Richter und sein Henker. Diogenes Verlag Zürich, 1998. Note 1. Der todkranke Schweizer Inspektor Bärlach hat Ideen.

·        Die Panne, Buch und Hörspiel, Note 1. Es geht um einen Handelsvertreter, der eine Panne hat und in ein einsames Haus kommt, wo eine Gruppe früher hochstehender Persönlichkeiten, darunter ein Richter und ein Staatsanwalt, ihn zu einem Fragespiel einladen, ihm dabei Löcher in den Bauch fragen und seine Vergangenheit lebendig werden lassen.

·        Der Verdacht. Der todkranke Kommissär Bärlach spürt mit Hilfe eines jüdischen Freundes einen Arzt auf, der im KZ Stutthof Häftlinge ohne Narkose operiert hat, seine Identität vertauscht hat und jetzt eine Klinik für Betuchte führt. Beklemmendes Finale. Diogenes Verlag Zürich, 1985. Note 2

·        Der Sturz. Geniale Schilderung einer dramatischen Sitzung des Politischen Sekretariats in einer sozialistischen Diktatur. Revolutionäre unter sich. Klassisch. Pflichtlektüre für Politologen. Ob das Buch jetzt verboten und der Autor geächtet wird, weil er den Geheimdienstchef auf S. 39 als homosexuell bezeichnet hat? Verlag der Arche, Zürich, 1971. Nur 120 Seiten. Note 1

·        Achterloh. Komödie. Diogenes Verlag Zürich, 1983. Napoleon, Woyzeck, Jan Hus, Benjamin Franklin, Robespierre, Marx und eine Hure treten gemeinsam in einer kommunistischen Diktatur auf und reden viel dummes Zeug. An der Grenze zum Wahnsinn, kein Wunder bei einem solchen Genie. Note 6 (ungenügend).

·        Die Physiker. Komödie. 1980. Diogenes Verlag Zürich, 1998. 96 Seiten. Irrenhausatmosphäre und Psychiatermentalität sind meisterhaft beschrieben. Witzig und makaber, grotesk und paradox, aber dass dieses Theaterstück 1962/63 das meistgespielte auf deutschen Bühnen war, erstaunt. So umwerfend ist die vermittelte Botschaft auch wieder nicht.

Alexander Dumas: Le comte de Monte-Christo. Der Graf von Monte Christo. Goldmann Verlag München, 1964.

Francis Durbridge, 1912-1998, Engländer

The Scarf. Das Halstuch. Verlag Ullstein 1962. Damals waren die Straßen Deutschlands leergefegt, als der Film etappenweise im Fernsehen gezeigt wurde. Note 1.

My Wife Melissa. 1967. Melissa. Goldmann Verlag München (verkaufte von 1952-1992 100 Millionen rote Krimis), 1992. Melissa, Il Giallo Mondadori, dicembre 2015. Bis zur vorletzten Seite Note 1 wegen der Spannung. Doch Durbridge ließ offen, wer der Täter war, oder er überschätzte die Intelligenz vieler Leser. Deshalb Gesamtnote 5.

Joseph von Eichendorff: Eine Meerfahrt. Note 1

John Russel Fearn: Assassino invisibile. In: I grandi detective. Garden Editoriale, Milano, 1992. Note 1

Frederick Forsyth: The Fourth Protocol. Das vierte Protokoll. Piper Verlag München, 1984/1989. Extrem informativer und spannender Spionageroman. Detailgenau beschreibt der 1938 geborene Journalist die Welt der Geheimdienste KGB, MI5 und MI6 und die Pläne einer Handvoll von Verschwörern, die mit einer „kleinen Atombombe“ einen Putsch einleiten wollen. Der technischen Einzelheiten sind fast zu viele (weil nachzuahmen). Erstaunlich die realistische Schilderung gewisser Gesellschaftsgruppen. Unser Ansicht nach wären drei kleine Fehler zu bekritteln: HVA-Leiter Markus Wolf schrieb sich nicht mit c. Die Nennung von Andropow und Tschernenko als Generalsekretäre der KPdSU war überflüssig und irreführend, denn diesen folgte der Reformator Gorbatschow. Schließlich: Wie konnte KGB-Generalleutnant Karpow Franz Winkler, „die größte Flasche unter seinen Agenten, die er auftreiben konnte“ (S. 498), zu den Helfershelfern des Attentäters Petroski bei London schicken, wenn der KGB gar nicht in die Operation eingebunden war?

R. Austin Freeman (1862-1943), britischer Chirurg, u. a. an Goldküste, Gefängnisarzt. Erfinder der „inverted detective story“ (Leser erlebt Verbrechen mit und kennt den Täter von Anfang an).

A Silent Witness. Il testimone muto. I Classici del Giallo Mondadori, 10/2013. Gerichtsmediziner Prof. John Thorndyke blickt durch die verwickelte Geschichte und liest aus der Asche die Wahrheit heraus. Note 2-

Kurzgeschichte: Die aramäische Geheimschrift. In: Die Rivalen des Sherlock Holmes (siehe Ashdown und Hugh Greene), Band 2. Note 1-2. – The Blue Sequin. Die blaue Paillette. Gaunergeschichte um Romney Pringle. In: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1978. Note 3

The Red Thumb Mark. 1935. L´impronta scarlatta. In: Delitti in tribunale, Il Giallo Mondadori, aprile 2015. Der geniale Wissenschaftler Dr. Thorndyke kommt den unmöglichsten Dingen auf die Spur. Note 3.

Emile Gaboriau: The Little Old Man of Batignolles. Il Vecchietto di Batignolles. In: I grandi detective. Garden Editoriale, Milano, 1992. Note 1

Erle Stanley Gardner (1889-1970):

The Case of Demure Defendant. 1956. Perry Mason e il siero della verità. Il Giallo Mondadori, Classici, n. 1367. Milano. 3/2015. Note 1

The Case of the Black-Eyed Blonde. 1944. Perry Mason e il pugno nell´occhio. Il Giallo Mondadori, Classici, n. 1355. Milano. 9/2014. Note 1

The Case of the Buried Clock. 1955. Perry Mason e la sveglia sotterrata. Arnoldo Mondadori Editore, Milano, 1978. Ein vergrabener Wecker führt auf die Spur des Mörders. Note 1

The Case of the Curious Bride. 1945. Perry Mason e la strana sposina. Mondadori Milano, aprile 2015. Mason übertrifft sich selbst und findet auf krummen Wegen zur Wahrheit und einer für alle angenehmen Lösung. Note 1

The Case of the Dangerous Dowager. 1937. Perry Mason e la nave bisca. Il Giallo Mondadori, Classici, n. 1373, 22/6/2015. Note 2

The Case of the Silent Partner. 1940. Perry Mason e l´avversario leale. Mondadori Ed. Milano, I Classici del Giallo, luglio 2013. Drama um Blumenhändlerin, eiskalten Geschäftsmann, Spielsüchtigen  und Nachtclubunterhalterin. Note 2- wegen M.

The Case of Shapely Shadow. 1960. Perry Mason und die liebliche Lady. Verlag Ullstein, Frankfurt/Main. 1966. Note 3-4. Beim zweiten Lesen 1-2.

The Case of the Borrowed Brunette. 1946. Perry Mason e la brunette in prestito. Arnoldo Mondadori, Milano, 2009. Fehler bei Zeitangabe S. 17 („Il giorno dopo“) und S. 31 („tutte le sere dal giorno in cui ci ha assunte“). Pagina 67 Paul Drake, investigatore privato: „Sai come fa la polizia, Perry. Assoluto riserbo fino a quando non si conoscerà il risultato dell´autopsia. Poi, appena trovato un disgraziato da poter definire sospetto, appoggiandosi ai reperti degli specialisti lo dichiarano colpevole, almeno finché non trovano un altro da accusare.”  Anhang von Luigi De Pascalis: Lo scrittore in giallo ovvero Regole e confini del genere poliziesco. Note 1-

The Case of the Spurious Spinster. Perry Mason und der Schatz im Schuhkarton. Verlag Ullstein, Frankfurt/Main, 1967. Note: 1

The Case of the Musical Cow. 1950. Depone la morte. Mondadori, Milano, 2001. Ohne Perry Mason, dafür mit dem schlauen Gerichtsmediziner Herbert Dixon. Amerikaner in der Schweiz. Ein Kuhglockensammler. Spannend, aber vier Schwachpunkte: der Mord an der Frau; die Vergiftung; wie kam die Frau an ein Telefon?; der Mann auf dem Kahn. Note 2 +

Goscinny (Text), Morris (Zeichnung): Lucky Luke, Der Kaiser von Amerika. Note 1

Goscinny und Uderzo: Asterix. Note 1

Jeremias Gotthelf: Die schwarze Spinne. Reclam-Bändchen. 128 Seiten. Wer das Gruseln lernen und die Macht des Teufels studieren will, dem sei diese Erzählung empfohlen. Haarsträubend.

John Grisham: The Summons (Aufforderungen). Dell, New York, 2002, 376 Seiten. Aufschlussreicher Einblick in das Leben der Amerikaner. In den ersten 200 Seiten passiert fast nichts. Erst auf Seite 235 geht´s richtig zum Thema. Uns wundert, warum dieser Autor so gefeiert wird. Für uns ist er untendurch („out“), denn seine Hauptfiguren liebäugeln mit der Fuchs- und Vogeljagd (237). Wir haben nicht vor, mehr von Grisham zu lesen. Note 2-

Victor Gunn: Mad Hatterʾs Rock. 1942. Der vornehme Mörder. Wilhelm Goldmann Verlag, München, ohne Jahr. Note 3

Hergé: Tintin – Tim und Struppi. Viele der Comic-Hefte verdienen die Note 1. Abenteuer, Spannung, Ideenreichtum, Humor – was will man mehr? Außerdem bekennt sich der Autor zur Existenz der Hölle. Beispiel: In „Der Arumbaya-Fetisch“ (Carlsen Verlag Reinbek 1973, 11. Auflage 1982, S. 61; L´oreille cassée, 1947), werden zwei Ganoven recht anschaulich von schwarzen Teufeln mit Hörnern, Krallen, Fledermausflügeln und Spießen in den Hades abtransportiert. In „Der Schatz Rackhams des Roten“ (1971, 13. Auflage 1982; französisch 1947: Le trésor de Rackham le Rouge) hört man von Kapitän Haddock, zum Beispiel auf Seite 7, den Ausspruch: „Alle hunderttausend heulenden und jaulenden Höllenhunde!“ Note 1 zum Beispiel auch für L´Etoile mysterieuse = Der geheimnisvolle Stern (1947, der Autor sprüht nur so von Einfällen); Tintin en Tibet - Tim in Tibet, 1953; L´ile noire – Die schwarze Insel, 1956; Coke en stock – Kohle an Bord, 1958. Von uns gelesen 5/6 2012: Nr. 3, 6, 7, 10, 12, 13, 15, 17, 18, 20.

E. T. A. Hoffmann: Das Fräulein von Scuderi. 1819. Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1969. Eine Dichterin, welche sich der Sympathie von König Ludwig XIV. erfreut, klärt eine unheimliche Mordserie in Paris auf. Note 1

Wilhelm Hünermann: Der endlose Chor. Ein Buch von den Heiligen für das christliche Haus. Verlag Herder Freiburg (2. Auflage, 1949). Bewundernswert, wie dieser Autor mit seinen herrlichen Geschichten so viel Spannung erzeugt, und welch großer Wortschatz, welche Stilsicherheit! Einer der Großen der deutschen Literatur.

Bert F. Island: Die Bande der 20 Barone – Kommissar X. Erich Pabel Verlag Rastatt, 1963. Privatdetektiv Jo Louis Walker aus New York soll eine kriminelle Jugendbande zur Strecke bringen, die von einem Mörder in der Maske des Biedermanns geführt wird. Note 2

Heino Kolju: Blutspur der Weltgeschichte. Über die Grausamkeit der menschlichen Natur. Der Privatgelehrte schildert die Brutalität der Mächtigen, von damals bis heute. Erschienen 2016 bei epubli, Berlin. Großdruck. 124 Seiten. 9.99 Euro.  ISBN 978 374 185 8529.

J. Sheridan Le Fanu: Der Verfolger. Note 1. Der Traum des Richters. Note 1. In Band 801 der Herderbücherei: Die Rache holt ihn doch noch ein. Zwei schaurige Geschichten aus dem alten England. Freiburg 1980. Welcher Genuss! Die Gerechtigkeit siegt von allein. Psycho-Thriller.

Nikolai Lesskow, bester russischer Schriftsteller, christlich, 4.2.1831-21.2.1895. Johannes von Guenther im Vorwort zu den Erzählungen: „in einer Welt …, die fast vergessen zu haben scheint, daß der höchste Stolz der Menschheit die Wahrheit ist, da nur mit dieser die schönste Blume der Erde gespeist werden kann, die Güte. In diesen Seiten lodert die Flamme der heiligen Gerechtigkeitsliebe dieses großen russischen Dichters steil auf“.

Erzählungen, Biederstein Verlag München, 1961. Übertragen von Johannes von Guenther:

Pawlin. 50jähriger lässt sich mit junger Frau verheiraten, bleibt unsterblich groß in Tragödie. „Gott weiß, wo mein Verstand war, als ich damals ihre Jugend an meine Jahre kettete.“ (S. 76) Sehr traurig. Note 2.

Das erlesene Korn. Betrügerei am laufenden Band. Fürst Bismarck kommt schlecht weg, u. a. weil er predigte, „dass wir Russen schon allzusehr unsere Dummheit zu missbrauchen“ begonnen hätten (S. 126). Note 2.

Figura. Vegetarische Edelmenschen. Ex-Offizier lebt mit junger Frau, die Kind mitbringt. Note 1

Die Stunde nach Gottes Gebot. König sucht Wahrheit. Mägdlein mit barmherzigem Sinn. Note 1

Teufelsaustreibung. Ausschweifung und Buße. Note 2

Legendäre Charaktere. Einzigartig. Über Einsiedler und Frauen. Nr. 18 Die schöne Nephora ist drauf und dran, den Künstler Zenon zu verführen. Im letzten Moment sticht sich dieser ins Auge und sie flieht. Trotzdem Happy end. – Nr. 20 Einer, in dessen Höhle eine Hetäre sich durch List eingeschlichen hatte,  legte die Hand ins Feuer und ließ sie verbrennen, „wobei er jedoch immer noch zur Seite blickte, denn trotz der Qual, die die Flamme ihm verursachte, fürchtete er sich, die entblößte Verführerin anzusehen … Er siegte über sie, damit die Gottesfurcht über die Kraft ihrer Schönheit.“ (S. 261) Note 1

Ein Wintertag. Brutal realistisch (Ehebruch, Kindesmissbrauch). Note 2.

Charaktere und Sonderlinge. Biederstein Verlag München, 1948 unter US-Lizenz. Auflage 5000. Enthalten sind auch die Erzählungen Figura und Pawlin. Deutsch von Johannes von Guenther, geb. am 26.5.1886 zu Mitau.

Die Schildwache. Soldat rettet Ertrinkenden, obwohl er Posten nicht verlassen darf. Realistisch-brutal. Note 2

Der weiße Adler. S. 39 Galaktjón Iljitsch: „Schon bald schwante ihm, daß Graf Viktor Nikititsch ihn als Referenten nur deswegen bei sich behielt, weil er auf die Bittsteller einen qualvollen Eindruck machte.“ Note 4

Der Toupetkünstler. Erschütternd, aber so war es. Derart grausame Grafen sind verflucht in alle Ewigkeit. Auf S. 71f zitiert Lesskow den Amerikaner Bret Harte, der von einem Künstler erzählt, der Gestorbenen trostreiche Ausdrücke in drei Stufen verlieh: Frieden; erhabene Betrachtung; die Seligkeit unmittelbaren Gesprächs mit Gott. „Man steinigte ihn zu Tode, … weil er dem Gesicht eines .. betrügerischen Bankiers , der die ganze Stadt ausgeplündert, den Ausdruck des ,seligen Gesprächs mit Gott´ verliehen hatte.“ Note 2

Der Heckrubel. Geld, das immer in die Taschen zurückkehrt, wenn man nichts Unnützes kauft. Note 2

Das Tier. Schicksal eines Bären und seines Freundes. S. 137: „… daß Gottes grenzenlose Gnade sich nicht nur einzig auf Menschen erstrecke, sondern auch auf alle anderen Geschöpfe Gottes…“ Note 1

Anziehende Männer. Edelmut. Note 1

Der ungetaufte Pope. Note 1-2

Helen MacInnes: North From Rome. Fawcett Publications, Greenwich, Conn., USA. Eigentlich ein Spionageroman. Note 1. Beim zweiten Lesen nur noch 1-2 wegen ermüdender Dialoge, Meditationen und Lagebeschreibungen. Zitat S. 259: „What was over was over, only to be remembered when life became too easy, too comfortable, for that was the funny thing about life: people always needed a warning every now and again, just to remind them of what might have been.”

J. J. Marric (richtig John Creasey, schrieb 600 Romane unter 20 Pseudonymen): Gideon´s Month. 1958. Il mese di Gideon. Il Giallo Mondadori, Speciali, Le indagini di Scotland Yard. 7/2015. Scotland Yard wirklichkeitsgetreu. Der oberste Ermittler Gideon muss sich gleichzeitig mit den verschiedensten Verbrechen herumschlagen, was sein Gemüt belastet, darunter die Abrichtung von Kindern durch ihre Mütter zum Stehlen. Zum Glück kann die Polizei viel Schlimmes verhüten und raffinierte Schurken entlarven. Schade nur, dass der frischgebackene Ehemann, der seine Frau in den Tod getrieben hat, vorerst ungestraft davonkommt. Note 1

Ngaio Marsh: Vintage Murder. 1937. Delitto d´annata. Il Giallo Mondadori, Classici, dicembre 2014. In: Tre donne del mistero. Spielt in Neuseeeland, wo ein Scotland-Yard-Boss Urlaub macht. Ermüdendes 80-Seiten-Verhör. Note 2-3

Karl May. Für uns der beste deutsche Schriftsteller. Spannung in allen Werken. Noten 1 bis 2

Helen McCloy:

Mr. Splitfoot. 1968. - La stanza del silenzio. In: Delitti dall´Aldilà. Arnoldo Mondadori Editore, Milano, 1997. Gli speciali del Giallo Mondadori, N.60, Aprile 2010. Klassiker, spielt in einsamer Gegend bei New York im tiefsten Winter. H.R.F. Keating hat ihn zu Recht unter die 100 besten Kriminalromane eingereiht. Autorin psychologisch gebildet, eine Ethikerin der Kriminalistik. Vernünftige Ansichten, z. B. kritisiert sie auf S. 403 „la convenzione del ventesimo secolo che concede sempre più comprensione all´autore di un crimine che alla sua vittima“. Oder 404: “Gli assassini non pensano. Se riflettessero, non ucciderebbero più.” Oder – wir denken an … - auf Seite 291: „Il timore dell´assassino d´incontrare il fantasma della persona che ha ucciso non è forse la paura più antica?” Ähnlich der individuelle Horror für den Mörder, Seite 340: “Il passato si chiude alle tue spalle e tu non puoi mai più tornare indietro. ... Cos´altro potrebbe eesserci di più irrevocabile? Dev´essere terribile per un omicida.” : “Ein nützlicher Tip von Seite 274: “Gli arabi dicono che un uomo saggio non lascia mai la moglie da sola con un altro uomo nemmeno il tempo sufficiente a bollire un uovo alla coque.” In einer düsteren Vision (411) verdammt Helen Mc Cloy die anonyme Welt der Zukunft. Note 1.

Petra Oelker. Geb. 1947. Stilsichere Journalistin mit scharfem Verstand, ausgezeichneter Beobachtungs- und Erzählgabe, kennt alle Blumen, leider hat sie „el don de la “ verloren, aber objektiv

Tod auf dem Jakobsweg. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg. 2007. 384 Seiten. Kriminalroman und zugleich Reisebeschreibung. Richtig spannend wird es erst beim zweiten Sturz auf Seite 175. Der mysteriöse Prolog und mehrere kursive Einschübe über Parallelhandlungen wären aufschlussreich, aber des Rezensenten Phantasie hat nicht ausgereicht, um die Geheimnisse zu ergründen. Im nachhinein erscheinen diese Hinweise gerechtfertigt. Kritische Anmerkungen: 1. Unglaubhaft, dass B. nicht … 2. Killen wäre einfacher gewesen, es war ein großes Risiko. Jedenfalls Dank an den zweisprachigen Inspektor Obanos. Note 1-2.

Die kleine Madonna. Rowohlt Verlag Reinbek, 2004. 384 Seiten. Mord in einem evangelischen Damenstift. Erzählweise eine Spur zu weitschweifig, zu viele nebensächliche Details. Kaum besondere Ereignisse außer dem Mord und auch kaum nennenswerte „clues“. Die Autorin sollte sich künftig von Tolstojs Roman „Auferstehung“ inspirieren lassen. Buch wird erst nach 300 Seiten spannend. Ärgerlich, dass nach der neuen Krimischriftstellermode Kapitel mit einer Bedrohung aufhören und man im übernächsten Kapitel erfährt, dass alles harmlos war. Trotzdem Note 3–.

Matthew Pearl:

The Dante Club. Ballantine Books. New York. 2006. 418 Seiten. New York Times Bestseller. Auch bei ETIKA Note 1.
Ein Wahnsinniger glaubt nicht, dass die von Dante im „Inferno“ beschriebenen Strafen nur in der Hölle gelten. Er greift sich ein paar heraus und bestraft einige Übeltäter aufs grausamste. Der junge US-Autor, der an der Harvard-Universität Literatur studiert und gelehrt hat, zeigt mit diesem immer spannender werdenden Krimi anschaulich, wie weit gottloser Fanatismus gehen kann. Schauplatz ist Boston. Hauptpersonen sind der Dichter Henry Wadsworth Longfellow, der 1865 Dantes Göttliche Komödie übersetzt hat, und seine dabei helfenden Freunde James Russell Lowell, Dr. Oliver Wendell Holmes, der Verleger James T. Fields und der Historiker George Washington Greene. Letzterer glaubte (417) wie wir, dass Dante seine Reise tatsächlich gemacht hat und dass alles wahr ist, was im „Inferno“ passiert, wie alles wahr ist, was in dem Nachfolgeroman „Jedem nach seinen Taten“ von Vicente F. Delmonte (2007) geschieht. Sympathisch auch der schwarze Polizist Nicholas Rey, dem weiße Rassisten übel mitspielen. Ein paar Schlüsselzitate, zum Teil echte “clues”, hier zunächst von Dr. Holmes: „Purgatory and Paradise are all music and hope, and you feel you are floating to God.” (S. 49) – Den meisten heutigen Zeitgenossen ergeht es ähnlich wie Dante damals: „Midway through the journey of our life, I found myself within a dark wood, for the right way had been lost.“ (S. 63) Milton wrote of Hell and Heaven from above and below, not from the inside. (98) The Neutrals of Dante´s Third Canto (wie die Mehrzahl der etika.com-Leser) choose neither good nor evil and thus are despised by Heaven and Hell alike. (150) Contrapasso, countersuffering, the notion that each sinner must be punished by continuing the damage of his own sin against him. (221) Cochliomyia hominivorax, Maden im lebenden Fleisch. (224) Mannings Sorge (er glaubt nicht an die Höllenstrafen): Its teachings will endanger the peace of millions of gentle souls. (232) Gerade deshalb: Lest „Inferno“ undJedem nach seinen Taten“, denn diese Warnungen retten Seelen. – Each crime happens directly before our Dante Club translates the canto. (248) – Professor George Ticknor: „Dante made me a better man.“ (257) Ticknor: „If you kill one person you are a murderer but if you kill a thousand you are a hero, as was Washington. … literature that breathes life and death, that can punish, and can absolve. Dante … the first poet to unleash the majestic power of all literature upon the unbelievers.“ (258) Eben deshalb will sich kaum jemand der Lektüre unseres Romans „Jedem nach seinen Taten“ aussetzen, denn semper aliquid haeret. Das Gewissen wird geweckt und lässt einem keine Ruhe, wie es zuvor schon die „Inferno“-Leser gespürt haben. – Lowell: “Dante is the first Christian poet, the first one whose whole system of thought is colored by a purely Christian theology.“ (264) Danke, Matthew Pearl, für diese Würdigung. – Lowell: “We all revolve around God with larger or lesser orbits.” (286) Longfellow: “A great part of the happiness of life consists not in fighting battles, but in avoiding them.” (374) “… enough to drive sin back to Hell again.” (414) Hoffentlich führt Pearls Roman zu einer Dante-Renaissance!

Anne Perry, Engländerin, 1938 geboren. Ein Kind ihrer Zeit. Inspektor Pitt wird unterstützt von seiner Frau Charlotte.

Callander Square. 1980. Deutsche Ausgabe 1990, DuMont Buchverlag Köln. Zwei Babyleichen bringen Aufregung in das Viertel der Reichen. Fast in allen Häusern um den Platz wird etwas verheimlicht. Zu viel Ehebruch und sexuelle Ausbeutung von Dienstmädchen. Ein erschreckendes Sittengemälde aus dem heutigen dekadenten England (Weltkriegssieger). Trotzdem wegen der Spannung Note 2-.

Clayton Rawson, socio fondatore dei Mystery Writers of America nel 1945.

The Footprints on the Ceiling. 1939. Le impronte sul soffitto. In: Gli Speciali di Giallo Mondadori. Delitti dall´Aldilà. Milano 2010. Gutes Zusammenspiel zwischen dem Zauberer Merlini und Inspektor Gavigan von New York. Die Morde rund um eine spiritistische Sitzung und einen versunkenen Schatz ereignen sich auf der Skelton-Insel vor New York zwischen Bronx und Queens. Note 1

Reimmichl. Faszinierend, in die Tiefe gehend, erbaulich, romantisch, alpenländisch-tirolerisch. Alles von ihm ist Spitze.

Florian. In Reimmichls Volkskalender 1994. Die ganze Scheinwelt in Fernsehen und Internet zerplatzt vor der Größe des wirklichen Lebens in diesem Roman. Gut und Böse treffen aufeinander, doch das Gute siegt. Note 1.

Eine Frau und ihr Schatten. Im Kalender 1995. Greift ans Herz. Note 1

Die Geisterburg. Im Kalender 1996. Bewertung vergessen.

Die Zigeunerin. Im Kalender 1998. O wie ist die Welt so schlecht. Zu viel Böse im Roman, deshalb nur Note 2.

Die Großglocknerin. Die Erstbesteigung des Großglockners durch eine Frau. In: Reimmichl-Kalender 2008. Spannend und ergreifend. Note 1.

Die schwarze Frau. Spielt zur Zeit Andreas Hofers. In: Reimmichl-Kalender 2009. Verlagsanstalt Athesia, Bozen. Spannend und ergreifend. Note 1.

Heimweh. In Reimmichls Volkskalender 2014, www.athesia.it, ISBN 978-88-8266-949-2. Dramatisch und tragisch. Wer ein schweres Schicksal hat, der lese diesen Roman. Dann wird ihm leichter ums Herz. Note 1

Der Tuifelemaler. In Reimmichls Volkskalender 2016. Eine unlösbar scheinende Situation und eine geniale lösung. Note 1

Mary Roberts Rinehart, 1876-1958. Mit ihren „Romantic Thrillers“ erfolgreichste amerikanische Autorin der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. - Die Wendeltreppe, 1908. Neu herausgegeben von DuMont.

The Wall. 1938. Die Wand. DuMonts Kriminal-Bibliothek. 2003. Schauplatz: Rock Island vor Neuengland. Der Leser freut sich über einen schlauen, gerechten Sheriff vom Lande. Zitate: „Ich hatte ihn durch jene Hölle gehen sehen, zu der nur eine Frau das Leben eines Mannes machen kann.“ (S. 14) „Für solche Frauen wie dich sollte es eine besondere Hölle geben.“ (55) „Erweckten Frauen wie Juliette Liebe? Nein … Sie weckten Leidenschaft, wilde .. Begierde, doch fehlen immer die seelischen Untertöne.“ (172) Die meist verschwiegenen Nebenwirkungen eines Verbrechens für die umgebenden Menschen schildert die gefühlvolle Schriftstellerin auf S. 228.  Note 1

The Splinter. 1955. La Scheggia. Il Giallo Mondadori, Classici, dicembre 2014. Tier- und Kinderfreund. 20 Seiten. Note 1

Hans Saler, Max von Kielin und der Günther-Messner-Krimi vom Nanga Parbat:

Hans Saler: Zwischen Licht und Schatten. Die Messner-Tragödie am Nanga Parbat. Verlag A1 München. Maximal 18.62 Euro
Hans Saler weist kristallklar nach, was nicht stimmen kann.“ (Rezension in den „Dolomiten“, Bozen, 4.8.2004)

Max von Kienlin: Die Überschreitung. Günther Messners Tod am Nanga Parbat. Herbig Verlag München. Maximal (je nach Land) 24.50 Euro

Reinhold Messner: Die weiße Einsamkeit. Malik Verlag München. Max. 24,50 Euro

Reinhold Messner: Der nackte Berg. Nanga Parbat – Bruder, Tod und Einsamkeit. Piper Verlag München. Max. 10,59 Euro

Max von Kienlin: Der einsame Tod – Legende Günther Messner. Herbig Verlag München. 2006. Maximal 21.30 Euro.

Hans Saler: Gratwanderungen meines Lebens. Nymphenburger Verlag (Herbig), München. 2010.

Reinhold Messner: Die rote Rakete am Nanga Parbat. Malik Verlag (Piper), München, 2. Auflage 2010. Maximal 16 Euro.

Dorothy L. Sayers: Clouds of Witness. 1926. Gli occhi Verdi del gatto. Il Giallo Mondadori, Milano, dicembre 2014. Lord Peter Wimsey muss seinen Bruder vor dem Galgen retten. Note 1. Manche andere Werke sind mit Vorsicht zu genießen.

Wladimir Solowjew oder Solowjow: Die Erzählung vom Antichrist. 1900. Vita Nova Verlag Luzern 1937 und mehrere Ausgaben anderer Verlage.

Karl Springenschmid: Der Jörg. Aus dem Leben des Südtiroler Freiheitskämpfers Georg Klotz. Verlag K. W. Schütz, Preussisch-Oldendorf, 1980

Robert Louis Stevenson (geboren am 13.11.1850 in Edinburgh, gestorben am 3.12.1894 auf der Insel Upolu auf Samoa). Alles, was wir gelesen haben, war spannend und hat uns gefallen, wenn nicht begeistert. Optimistische Grundhaltung des Autors, obwohl schwer leidend und angeblich Atheist. Aufenthalt auf Samoa. Note 1. Klassiker

Kidnapped. Die Entführung. Herder Verlag Freiburg 1962. R. L. St.: „Ich werde nie ein besseres Buch schreiben.“ Note 1

Catriona: A sequel to Kidnapped. 1893. Catriona. Eine Fortsetzung zu „Die Entführung“. Diogenes Verlag, Zürich

Die Schatzinsel. Droemersche Verlagsanstalt München, 1951 (weltberühmt, einzigartig)

The Strange Case of Dr. Jekyll and Mr. Hyde and other stories. Penguin Books, London, 1979
Zitat: Seite 41 “It must be that: the ghost of some old sin, the cancer of some concealed disgrace; punishment coming, pede claudo …”

The Beach of Falesá. First published under the title Uma, 1892. Zitat daraus: “If he’s not in hell today, there’s no such place.” (p. 103)

El diablo de la botella y otros cuentos. Alianza Editorial, Madrid, 1983. Der Flaschenkobold. Die anderen Geschichten außer: La playa de Falesá:

The Body Snatcher. 1884. Los ladrones de cadáveres. (Leichenräuber des 19. Jh.).

Markheim (Mörder nach dem Mord)

Olalla (un amor típico español)

Robert Louis Stevenson & Lloyd Osbourne: The Wrong Box. Die falsche Kiste. Bechtermünz Verlag Augsburg, 1997. Schwarzer Humor. Anfang merkwürdig, aber dann köstliche, blendend formulierte, spannende Kriminalkomödie. Die Geschichte erfand der Amerikaner Osbourne, Stiefsohn Stevensons. Aber letzterer legte den Schwerpunkt von der Tontine (nach 100 Jahren Ausschüttung der eingezahlten Beträge) auf die Verwechslung der Kisten und füllte jede Seite mit köstlichem Humor. Wenig Erfolg beim Establishment, aber Enthusiasmus in „Times“-Redaktion und bei G. K. Chesterton. Textbeispiel S. 202: „Der Schlüssel kreischte im Schloß wie eine Seele im Fegefeuer.“ Ein Lesegenuß ohnegleichen. Note 1

Romanzi, Racconti e Saggi. Arnoldo Mondadori Editore, Milano, 1982. 2000 Seiten.

Le nuove Mille e una notte

Il club dei suicidi. Gesamtnote 1. Drei Teile. I Storia del giovane con le paste alla crema. Note 1. Storia del medico e del baule de Saratoga. Note 2. L´avventura del calessino. Note 1. Stevenson zeigt das Böse auf, doch die Gerechtigkeit siegt.

Il trafugatore di salme. The Body Snatcher. Mediziner als Leichenräuber. Note 1

Rex Stout. Schuf den Privatdetektiv Nero Wolfe, der in der 35. Straße West in New York nahe dem Fluß Hudson wohnt. Sein Assistent: Archie Goodwin. Liberaler Intellektueller. „Stout in America difendeva i valori della cultura liberale contro la barbarie nazifascista e la prepotenza di tutti i sistemi antidemocratici.” (Mauro Boncompagni: Introduzione a: Rex Stout: Fine amara. Arnoldo Mondadori Editore, Milano, 1999, pag. 7)

Bitter End. Mit Nero Wolfe angereicherte Version von „Un pizzico di chinino“, erschienen im November 1940 im „American Magazine“.
Fine Amara. Arnoldo Mondadori Editore, Milano, 1999. Es geht um vergiftete Lebensmittel und einen Mord. Teils witzig. Note 1

Out Goes She. Gast im dritten Stock. Orbis Verlag, München, 1999. Nero Wolfe und Archie Godwin. Streit unter Reichen. Typisch New York. Klischees. Hätte der Autor ein paar Namen vertauscht, würde er in den Bundesrepubliken Deutschland und Österreich wegen Volksverhetzung für ein paar Jahre hinter Gitter gesperrt, und das Buch müsste nach einer Protestwelle vom Markt genommen werden. Note 1

Three for the Chair. 1957. Nero Wolfe: The Invulnerabile. Il Giallo Mondadori, Classici, 7/2014. Immune to Murder. L´invulnerabile Note 1. A Window for Death. Il caso Fyfe Note 1. Too Many Detectives. Nero Wolfe e ilsuo cadavere”. Note 1. Der angefügte Kurzkrimi von Carlo Parri past nicht zu Nero Wolfe, entspricht nicht unseren moralischen Ansprüchen und gehört in den Papierkorb des Lektors. Schade für die verschwendeten Seiten und die Zeit des Lesers.

Three Men out. 1952, 1053. Nero Wolfe: Le tre ragazze. = Invitation to Murder. Note 1-2. This Won´t Kill You. Nero Wolfe vince la partita. Baseball-Story. Note 1. The Zero Clue. Nero Wolfe fa due + due. Geheime Botschaft eines Ermordeten. Note 1.

The Cop Killer. Cop Killer. Aus: Dreh dich nicht um. In: Noch mehr Morde, Diogenes Verlag Zürich, 1963. Note 1

The Gun with Wings. Der geflügelte Revolver. Note 1-. Und: Too Many Detectives. Ein Zeuge verstummt. Note 2. In: Heikle Gäste. Zwei Kriminalgeschichten. Scherz Verlag Bern, 1964.

Too Many Women. 1947. Troppe Donne. Il Giallo Mondadori, Classici, n. 1374, Luglio 2015. Stellenweise leicht frivol. Note 2

Phoebe Atwood Taylor. Geboren 1909 in Boston, gestorben 1976 in Massachusetts. The Cape Cod Mistery. 1931. Kraft seines Wortes. (unverständlicher Titel) DuMont Buchverlag, Köln, 1986. Slang des schlauen Amateurdetektivs Asey Mayo stört. Eine rätselhafte Sardinendose. S. 12 „Kriminalromane schulen den Verstand. Diese modernen Romane voll schmutziger Erinnerungen und biologischer Details können mich nicht wirklich begeistern.“ Weiteres Zitat von der hinteren Umschlagseite: „Man bringt keine Leute um, weil man ihre Hautfarbe nich´ mag …, sondern normalerweise, weil sie einen dreckig behandelt haben.“ Gegen Schluss spannender. Note 3+. Taylor schrieb als Alice Tilton acht weitere Romane.

Leo Tolstoi: Meistererzählungen. Diogenes Verlag Zürich 1989.

Der Tod des Iwan Iljitsch. Das ist Horror!
Der Teufel. So geht es zu auf der Welt! Wenn die Versuchung stärker ist.

Henry Wade: Too Soon To Die. 1953. Troppo presto per morire. Arnoldo Mondadori Editore, Milano, 2003. Ungewöhnlicher, weil umgekehrter Handlungsaufbau. Wade ist das Pseudonym von Sir Henry Lancelot Aubrey-Fletcher, der aus seiner reichen Erfahrung als Verwaltungs- und Gerichtsbeamter schöpft. Er lebte von 1887 bis 1969. Fehlleistungen von Behördenvertretern machen ihm und dem Leser besonders Spaß. Liebesszenen unangebracht. Note 3.

Edgar Wallace

Louis Weinert-Wilton. Eigentlich Alois Weinert. * 1875 in Weseritz, Böhmen. † 5.9.1945 in einem tschechoslowakischen Konzentrationslager, angeblich in Prag. Sudetendeutscher Schriftsteller. Oberleutnant. Redakteur und Chefredakteur des Prager Tagblatts. Schrieb elf Kriminalromane sowie Theaterstücke. Näheres www.wikipedia.org

Der Teppich des Grauens. 1929. Wilhelm Goldmann Verlag München. Der erfolgreichste deutsche Krimi-Autor. Auflage über 750 000. Man würde nicht glauben, dass der Autor ein Deutscher ist, so typisch englisch ist der Roman, der in London und Umgebung spielt. Auf Seite 20 regt ein Giftversuch mit einem Meerschweinchen den sensiblen Leser auf. Trotzdem Note 1

Die Königin der Nacht. 1930. Wilhelm Goldmann Verlag, München. 1961. Genussreich, humorvoll. Der Roman spielt großteils im Londoner Zeitungsmilieu. Zwei Leute können sogar hebräische Schriftzeichen entziffern, ein rätselhaftes Detail; ob da ein Lektor die Hand im Spiel hatte? Note 1

Patricia Wentworth (geboren in Indien 1878, gestorben 1961 in England): Miss Silver Comes To Stay. 1951. La morte prende il . Arnoldo Mondadori Editore, Milano, 2003. Note 2+, weil Pointe fehlt; sonst unterhaltsam und spannend. Die Autorin schildert amüsant die Beziehungen zwischen den Geschlechtern; sie zählt zu den Klassikern. Kurze Liste der Hauptpersonen grenzt Täterkreis zu sehr ein, wie leider oft zu beobachten.

Kurzgeschichten – Sonstige Tips

David Alexander: First Case. Aus: Hangman´s Dozen. Der erste Fall. In: Noch mehr Morde. Diogenes Verlag Zürich, 1963. Note 1

Margery Allingham (1904-1966), nach der ETIKA-Wertung zweitbeste englische Kriminalschriftstellerin mit ihrem der oberen Gesellschaftsschicht angehörenden Privatdetektiv Albert Campion und Scotland-Yard-Sovrintendente Stanislaus Oates. Phantasiereich und amüsant. Aber auch sehr fade Geschichten, die unsere Wertung in Frage stellen.

Mr Campion and Others. 1939. Tredici volte Campion. Il Giallo Mondadori, Milano, Classici, n. 1338, 2014. The Widow. La vedova. The Name on the Wrapper. Il nome sull´annello. The Hat Trick. Il trucco del capello. The Question Mark. Il Punto Interrogativo. The Old Man in the Window. Il vecchio alla finestra. The White Elephant. L´Elefante Bianco. The Frenchman´s Gloves. I guanti del francese. The Longer View. Uno sguardo col binocolo. Safe as Houses. La casa sicura. The Definite Article. Il complemente sbagliato. The Meaning of the Act. Il significato della scena. A Matter of Form. Una questione di forma. The Danger Point. La collana pericolosa. Fast alle Geschichten Note 1.

Three is a Lucky Number – Drei ist eine Glückszahl. In: Three is a Lucky Number – Drei ist eine Glückszahl. Englische Kurzkrimis. Deutscher Taschenbuch Verlag, München, 2004, 2006. Note 1

The Allingham Case-Book. Casi da manuale. Mondadori Milano 2014. Enttäuschend schwache Geschichten darunter. Die Noten 1 bis 2 vergeben wir (in dieser Reihenfolge) nur für: Three is a lucky number. Il tre porta fortuna. The Villa Marie Celeste. La Villa Marie Celeste. The Psychologist. Lo psicologo. One Morning They´ll Hang Him. Un giorno lo impiccheranno. They Never Get Caught. Non li prendono mai. The Pro and the Con. Il professionista e i truffatori. Little Miss Know-All. La signorina Sotutto. Evidence in Camera. Prova fotografica. The Mind´s Eye Mystery. Negli occhi della mente. Tall Story. Una questione di altezza.

The Return of Mr Campion. 1989. Provaci ancora, Campion. Mondadori Classici, 10/2014. Nur die Erpressergeschichten mit Campion sind lesenswert, Note 1-2 und 1. Der Rest ist Note 3 bis 6 und meist überflüssig, zumal Campion nicht vorkommt.

Ludwig Achim von Arnim

Clifford Ashdown (Pseudonym von R. Austin Freeman; Geschichten ab ca. 1902). Das Assyrische Verjüngungsmittel. Windiger Privatdetektiv Pringle überlistet Betrüger. Note 1. In: Die Rivalen des Sherlock Holmes. Viktorianische Detektivgeschichten. Band 1. Gesammelt und herausgegeben von Sir Hugh Green (siehe dort). In Band 2: Das Unterseeboot. Pringle zieht Nutzen aus Spionagefall. Note 1.

H. C. Bailey. Wie Carr und Sayers in „Der Tote in der Bibiliothek“ von Agatha Christie erwähnt (Andreas Graf)

L. J. Beeston: The Return of Backshaw. 1966. Il ritorno di Backshaw. In: Ellery Queen, Estate gialla 1985, Arnoldo Mondadori Editore, Milano. Kurz und amüsant. Note 1

Clerihew Bentley, Chestertons bester Freund laut Übersetzer Hanswilhelm Haefs, Herausgeber des Daily Telegraph, Verfasser des klassischen Krimis „Trent´s Last Case, 1910

Ernest Bramah (Smith), 1869-1942. Das Spiel, das im Dunkeln gespielt wird. Note 2. Blinder Detektiv Max Carrados überlistet Gauner. In: Die Rivalen des Sherlock Holmes, hrsgg. v. Sir Hugh Greene, 1974.

Peter Cheyney, Lemmy-Caution-Thriller (von Chesterton-Übersetzer Hanswilhelm Haefs erwähnt). Kurzgeschichte Account Overdue. Aus: Velvet Johnnie. Das überzogene Konto. In: Noch mehr Morde. Diogenes Verlag Zürich, 1963. Note 2

Den ETIKA-Preis für die genialste Krimi-Kurzgeschichte des 20. Jahrhunderts vergeben wir an:

Jonathan Craig: Nenn mich Nick – Call me Nick
übersetzt von Renate Orth-Guttmann. Fabelhafte elfseitige Geschichte. Teuflische Anfechtung beim Tod eines braven Bürgers. Er kommt ins Vorzimmer der Hölle, wo es ihm bei der Empfangssekretärin ("Sie hatte nichts an, aber das war ja bei allen hier so.") recht gut gefällt. Bis ihm mitgeteilt wird, dass er hier eigentlich nichts zu suchen hätte... Dann wird es kriminell. Diese Story muss man gelesen haben. Enthalten in:  Der Winterabend-Krimi - Knisternde Spannung für die langen Nächte (Scherz Verlag Bern 1990). Note 1 super.

Danney und Lee, von Krimi-Spezialist Volker Neuhaus als „Ellery-Queen“-Vettern bezeichnet

Richard Deming: Second Honeymoon, Die zweiten Flitterwochen, in: Noch mehr Morde, Diogenes Verlag Zürich, 1963, Note 3

Lord Dunsany: A New Murder. Note 1. In: A Big Book of Classic Detectives. Großes Krimi-Lesebuch. Hrsg: Andreas Nohl. dtv zweisprachig. 1993

Stanley Elinn: Il metodo Blessington. In: Ellery Queen presenta Estate Gialla 1985. Arnoldo Mondadori Editore. S. 186-200. Lösung des Altenproblems. Horrorvision. Note 2-3

Jacques Futrelle (1875 Georgia – untergegangen am 14./15.4.1912 mit der „Titanic“). Das Motorboot. Die „Denkmaschine“ Prof. Augustus S. F. X. Van Dusen behauptet auf S. 224, dass „jedes Problem logisch gelöst werden“ kann. Note 2

Tess Gerritsen: Totengrund, Blanvalet Verlag München, 2012. Ice Cold, 2010. Fader Einstieg, viele nichtssagende Dialoge. Düstere Geheimnisse um eine einsam lebende Sekte, die Schreckliches zu verbergen hat. Daneben Szenen, die man aus Klassikern kennt (Schneesturm, Verräter in den eigenen Reihen). Zum Glück ereilt den Bösewicht auch die irdische Gerechtigkeit. Note 2-

C. B. Gilford: A Tale of Five G´s. Fluch der bösen Tat. In Alfred Hitchcocks Kriminalmagazin Band 109. Ullstein Verlag Frankfurt/Main, 1991. Anwalt begeht groben Fehler, lässt sich erpressen von schmierigem Typ. Gutes Ende. Note 2+

Richard M. Gordon: Death of a Harvard Man. 1958. Morte di un Harvardiano. In: Ellery Queen presenta Estate Gialla 1985. Arnoldo Mondadori Milano. Kürzer geht´s nicht. 4 Seiten mit 3 Schlussvarianten. Note 2

Ron Goulart: Running. 1978. Stein des Anstoßes. . In Alfred Hitchcocks Kriminalmagazin Band 109. Ullstein Verlag Frankfurt/Main, 1991. Läufergeschichte. Note 2-3

Graham Greene: The Case for the Defence. Der Entlastungszeuge. Note 1. In: A Big Book of Classic Detectives. Großes Krimi-Lesebuch. Hrsg: Andreas Nohl. dtv zweisprachig. 1993

The Third Man. 1949. Il terzo uomo. In: Ellery Queen presenta Estate Gialla 1985. Arnoldo Mondadori Editore. S. 292-355. Note 1

Sir Hugh Greene (Bruder Grahams). Herausgeber von: Die Rivalen des Sherlock Holmes. Viktorianische Detektivgeschichten. 1970. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main. 2 Bände 1974. Unterschiedliche Qualität. 1940 Leiter der deutschen BBC-Sendungen, 1946 in Hamburg „Controler“ des Rundfunks der britischen Besatzungszone und 1. Generalintendant des NWDR.

Dashiell Hammett (1894-1961). USA. Marxist, Alkoholiker, stirbt an Lungenkrebs. Zählt als Klassiker. „Hard-boiled“-Romane. Ein starkes Stück. In: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1978. Note 3

T. W. Hanshew: L´enigma del figlio sacro. In: I grandi detective. Garden Editoriale, Milano, 1992. Buddhas Zahn. Note 2

Cyril Hare: It takes two. Note 1. In: A Big Book of Classic Detectives. Großes Krimi-Lesebuch. Hrsg: Andreas Nohl. dtv zweisprachig. 1993. Miss Burnside´s Dilemma (1959). Note 2

Wilhelm Hauff

Edward D. Hoch: The Obsession of Officer Michael O´Rourke. 1978. Die Sündenböcke. In Alfred Hitchcocks Kriminalmagazin Band 109. Ullstein Verlag Frankfurt/Main, 1991. Verkehrspolizist überlistet einflussreichen Mann und Helfershelfer. Note 2

Ernst William Hornung (1866-1921), verheiratet mit Arthur Conan Doyles Schwester Constance. Journalist, kränklich, stirbt an Erkältung. Schauhplätze meist Australien. Gentleman-Einbrecher Raffles spielt die Hauptrolle auch in: Vorsätzlicher Mord. In: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1978. Note 1

Michael Innes: A Dog´s Life. Aus: Appleby Talking. Ein Hundeleben. Note 2. In: Noch mehr Morde. Diogenes Verlag Zürich, 1963

Ronald Knox: Solved by Inspection. (1931) Spurenlesen. In: Three is a Lucky Number. Drei ist eine Glückszahl. Note 2-3. Englische Kurzkrimis. dtv München 2004, 2006.

Hugo Kocher: Die unheimliche Fracht. Abenteuer, Gefahren, Geheimnisse. Loewes Verlag Ferdinand Carl Bayreuth. 1970.

Maurice Leblanc (1864-1941). Der geheimnisvolle Reisende. Entzückende Geschichte mit dem Dieb und Schwindler Arsène Lupin. . Packende Handlung, konzentriert und humorvoll geschildert. Super. In: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1978. Note 1. – La Comtesse de Cagliostro. 1924. Die Gräfin von Cagliostro oder die Jugend des Arsène Lupin. Matthes und Seitz Verlag Berlin 2007, 344 Seiten. Manches unglaubwürdig, zuviel Geschichtliches über die Tochter (angeblich „hundertjährige Schönheit“) des Grafenpaares, das ein Lebenselixier anpries, Geister beschwor etc. Der Scharlatan und Hochstapler Cagliostro lebte von 1743 bis 1795, der Roman spielt Ende des 19. Jahrhunderts. Auch Schiller befasste sich mit Cagliostro (Der Geisterseher), ebenso Goethe (Der Groß-Cophtha) Schade, dass Arsène Lupin anders als auf Seite 257 von ihm selbst behauptet nicht den Pfad der Gerechtigkeit beschritt, sondern trotz der dramatischen Ereignisse sein Dasein als „Gentleman cambrioleur“ (-Einbrecher) fristete und damit wie seine Angebetete selbst die dunkle Seite des Lebens wählte. Oft, aber nicht immer gut gezeichnet die kühl kalkulierende Gräfin als fleischfressende Bestie mit Anfällen geistiger Umnachtung. Dem Verlag gebührt Dank für das aufschlussreiche Nachwort und die Anmerkungen. Note 3

Gaston Leroux. Detektivgeschichten mit Rouletabille faszinierten Carr. (Andreas Graf)

Enrico Luceri: Il miglior perdono è la vendetta (Die beste Vergebung ist die Rache). ETIKA-Krimipreis 2013. Vorbildlicher Kinderschänder-Kurzkrimi. Leider bisher nur auf italienisch. Als Anhang zu Rex Stout: Nero Wolfe: Le tre ragazze. Arnoldo Mondado Ed. Milano. Serie: I classici del giallo, agosto 2013. Jetzt noch in vielen italienischen und Südtiroler Buchhandlungen und Kiosken! Der erste Teil spielt 1968 in einer Klosterschule, der zweite 2005 am selben Ort, der inzwischen in ein Altersheim für Geistliche umgewandelt worden ist, mit denselben Personen. Der Autor findet eine geniale Romanlösung zur Aufarbeitung der Verbrechen. Höchste Anerkennung von seiten der Kinderschützer und aller Gerechten, welche die Pädophilie verabscheuen! Diese erschreckend lebensechte Geschichte wird äußerstes Unbehagen, wenn nicht Furcht auslösen bei allen Geistlichen, welche Kindesmissbrauch begangen oder durch ihr Schweigen gedeckt haben. Denn jene Lösung, welche viele Repräsentanten der heutigen Amtskirche anbieten: finanzielle Abfindung für die Opfer, allseitige Versöhnung und Beten für die Täter – entspricht nicht unserem Gerechtigkeitssinn. Vergleiche unseren Gedichtzyklus „Nur eines schreckt den Bösewicht“ in etika.com 98. Note 1. (Rezension der Gruppe „Guardia della misericordia“, Wache der Barmherzigkeit, etika.com, 8.9.2013)

Ross Macdonald (Pseudnoym für Kenneth Millar, geb. 1915) Auf den Spuren Hammetts und Chandlers. Spiel auf dem Floss. Aufschlussreiche Zitate: 363 „Das Spinnenweibchen, das sein Männchen frisst, war für mich nicht attraktiv.“  364 „Die Scharen von Männern, die sich an ihrer verborgenen Elektrizität … verbrannt hatten, taten mir ein wenig leid.“ Autor kennt immerhin Tolstojs Roman „Auferstehung“. In: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1978. Note 3-4

L. T. Meade & Robert Eustace: The Death Chair. Note 1. In: A Big Book of Classic Detectives. Großes Krimi-Lesebuch. Hrsg: Andreas Nohl. dtv zweisprachig. 1993. In: Die Rivalen des Sherlock Holmes, 1974, Band 1: Madame Sara. Note 2. Hugh Green urteilt: Meades Geschichten „immer sehr lesbar, aber nie wirklich erstklassig“. Hier fehlt der Überraschungseffekt (jedenfalls für gewiefte Krimileser).

Lourdes Miquel y Neus Sans: Lola Lago, detective: Poderoso caballero. Libro y CD con audionovela. Difusión, Barcelona, 2003, 2008. Kriminalroman für Jugendliche, einfach geschrieben. Am Anfang steht ein Zitat von Francisco de Quevedo: Poderoso caballero es Don Dinero. Noten: zum Sprachenlernen 1, Handlung 3, Motiv 6.

Arthur Morrison (1863-1945). Der Fall des flüchtigen Laker. Note 3. Der Fall der „Lawine Fahrräder und Reifen AG“. Note 4. In: Die Rivalen des Sherlock Holmes, Band 1.

Baroneß Orczy: Der geheimnisvolle Tod in der Stadtbahn. Note 2-3. In: Die Rivalen des Sherlock Holmes, Band 2.

Max Pemberton (1863-1950): Die reifenden Rubine. Note 1. In: Die Rivalen des Sherlock Holmes, Band 1.

Roland Pertwee: The Voice that said “Good-Night”. Note 1. In: A Big Book of Classic Detectives. Großes Krimi-Lesebuch. Hrsg: Andreas Nohl. dtv zweisprachig. 1993

Elizabeth Peters, Pseudonym für Barbara Mertz; veröffentlichte als Barbara Michaels auch „thriller gotici“. Archäologin. Geboren 1927 in Illinois. The Hippopotamus Pool. 1996. Amelia Peabody e la tomba perduta.  Arnoldo Mondadori Editore, Milano, 2004. Spielt in Kairo und an Ausgrabungsstätten in Luxor (mit Karten). Gruppen von Grabräubern kämpfen mit dem Archäologen Radcliffe Emerson und seiner Frau sowie deren Kindern Ramses und Nefret um den Schatz der Königin Tetisheri. Taueret ist die Nilpferdgöttin. Zitat von Seite 255: „I sovrani d´Egitto erano considerati d´origine divina, ma erano anche, come i nostri attuali governanti, degli ipocriti. I sovrani maschi potevano avere tutte le concubine che volevano.“ Erst gegen Schluss spannend. Note 4

Francois Gayot de Pitaval (1673-1743), französischer Jurist, 20bändige Sammlung von Kriminalgeschichten: Geschichte der Marquise von Brinvillier. Von Friedrich Schiller herausgegeben. Blutrünstig. In: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1978. Klassisch, Note 1

Edgar Allan Poe (1809-1849). Meister des Gruselromans, endete tragisch. Fast immer spannende, unheimliche Geschichten, aber oft deprimierend. Hier sei nur die Kurzgeschichte „The Purloined Letter“, „Der entwendete Brief“ rezensiert: Sehr scharfsinnig, hohes Niveau. Poe verrät, warum ein Junge beim Raten oft Erfolg hatte: Err beobachtete die Schläue seiner Gegenspieler und ahmte ihren Gesichtsausdruck nach. Einstein-Gegnern wie uns könnte Poes Argument helfen, dass mathematische Vernunft lediglich Logik sei, in Bezug auf die Ethik aber oft falsch sei. Viele mathematische Wahrheiten würden nur innerhalb der Grenzen der Relation stimmen. S. 127: „Mathematiker gehen gewöhnlich von ihren begrenzten Wahrheiten aus, als seien sie absolut und generell anwendbar.“ Damals war Poe noch nüchtern. In: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1978. Sowie in: Die berühmtesten Detektive der Welt. Otto Maier Verlag, Ravensburg, 1974. Note 1

Ellery Queen: The Black Ledger. Die schwarze Kladde. Aus: Dein eigenes Begräbnis. In: Noch mehr Morde. Diogenes Verlag Zürich, 1963. Note 2
Kiss and Kill. 1969. Frontiera maledetta. Mondadori Milano 2014. Viaggi nell´incubo. Amerikanischer Mist: Sex und Brutalität. Wir streichen diesen Autor aus unserer Liste empfehlenswerter Bücher.

William Le Queux (1864-1927), einer der größten Vielschreiber aller Zeiten laut Sir Hugh Green: Das Geheimnis des Fuchsjägers. Als Spion im Stuttgarter Hotel Marquardt. Geheimagenten wollen Allianz zwischen St. Petersburg und Berlin verhindern. Note 2-3. In: Die Rivalen des Sherlock Holmes, 1974, Band 2. Ob es bei der Kurzbiographie auf Seite 7 nicht St. Petersburg statt Peterborough heißen müsste?

Anne Radcliffe, Schauergeschichten. Von Volker Neuhaus bei Carr erwähnt im Zusammenhang mit ETA Hoffmann, E.A.Poe und Wilkie Collins

Helen Reilly (1891-1962), US-Amerikanerin. The Velvet Hand. 1953. La mano di velluto. Il Giallo Mondadori, Classici, n. 1345. 2014. Che fine ha fatto Libby? Erst am Schluss spannend. Note 3.

Craig Rice. Pseudonym von Georgiana Ann Randolph (1908–1957), Journalistin und Radioproduzentin. The Fourth Postman, 1948. I quattro portalettere. Arnoldo Mondadori Editore, Milano, 2004. Rechtsanwalt Malone, wie die meisten US-Amerikaner im Roman Alkoholiker, löst das Rätsel um den Mord an drei Briefträgern. Typisch amerikanische, konfuse Erzählweise mit Gedankensprüngen, auch Denkfehlern (Briefträger sowie erster Mord) und Unklarheiten (Mord oder Selbstmord?) Note 3-4

Richmond: Mein erster Fall (1827). In: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1978. S. 47: „Kinder sind auch schon entführt worden, damit sie beim Betteln helfen; … aber Zigeuner betteln nie.“ Es geht um Menschen, die in die „entsetzlichen Höhlen der Londoner Anatomen“ geliefert werden, wo sie „bei lebendigem Leibe seziert“ werden. Note 4–.

Luca Romanello: L´ombra del monte. In: Il Giallo Mondadorri, Classici, n. 1373, 22/6/2015. Schicksal zweier Zwangsprostituierter aus Moldawien, traurig, keine Benotung. Dazu Gedicht: Teufelskinder

Charles Sealsfield: Die Erzählung des Obersten Morse. In: Deutsche Erzähler. Erster Band. Ausgewählt von Hugo von Hofmannsthal. Insel Verlag Frankfurt 1912 und 1986. Gepeinigter Mörder in Texas, das damals noch zu Mexiko gehörte. Ende unklar: Wer tötete …? … tot? Katholischer Verräter? Rebellion? Warum bekommt Witwe das Geld nicht? Trotzdem Note 1-2.

Jeffrey Scott: Nemesis. Mit Samtpfoten. 1978. In Alfed Hitchcocks Kriminalmagazin Band 109. Ullstein Verlag Frankfurt/Main, 1991. Katze überführt Killer. Note 1

Ewald Gerhard Seeliger, geb. 1877 im schlesischen Rathau, gestorben 1859 in Cham. Kriminalsatire Peter Voß der Millionendieb, 1913, viermal verfilmt, zuletzt mit O. W. Fischer. Goldmanns gelbe Taschenbücher, Band 1826, München, fünfziger bis achtziger Jahre. Note 1

Thomas Sigismund Stribling (1881-1965). Lehrer und Rechtsanwalt, USA. Ein unfähiger Polizeidirektor. Der Kriminalist Prof. Henry Poggioli ist besonders schlau, weil er vor jedem Fall ausführlich die Lokalzeitungen liest. Stribling gelingt etwas völlig Neues. Genial! Unter anderem weist Poggioli nach (269): „Das heutige Amerika verdankt seine Freiheit der Tatsache, daß es zur Hauptsache von Schurken regiert worden ist… wir müssen Gott danken, daß Amerika es vorzieht, Dummköpfe, Diebe und Clowns in die Regierung zu wählen. Sollte es je geschehen, daß unsere besten Köpfe an die Macht kommen, dann werden wir aufhören, eine Demokratie zu sein.“ Vgl. Crispin, Mit Freuden begraben. Im Mittelpunkt steht eine von der Polizei betriebene illegale Lotterie. In: Kriminalgeschichten aus drei Jahrhunderten, Philipp Reclam jun., Stuttgart, 1978. Note 1

Lawrence Treat: Detektive auf dem Glatteis. Criminal-Bilderrätsel mit Hintersinn. DuMont, Köln

Donald E. Westlake: Castle in the Air. 1980. Castello in Aria. Mondadori, Milano, dicembre 2015. Gaunerkomödie in Paris um den Schatz eines geflohenen Diktators. Note 3

Dennis Wheatley/J. G. Links: Der Mörder von Miami. 1936. Der Mord im Landhaus. Das Geheimnis um Schloß Malinsay. Neu bei DuMont

Cornell Woolrich: Steps Going Up. 1947. Gli scalini del patibolo. Mondadori Milano, aprile 2015. Traurige Schilderung einer Hinrichtung mit dazwischengeschalteten Rückblicken. Zu brutal, zu makaber. Am besten nicht lesen. Note 4

Was in den vergangenen Jahrzehnten an Kriminalromanen produziert wurde, ist ebenso wie die Bestseller der Neuzeit zu 98 bis 99 Prozent Mist. Der Geschmack des breiten Publikums ist leider unheilbar verdorben.

„Dichter sind professionelle Killer.“ Ein herrliches Streiflicht veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung am 9.10.2010. Wir zitieren daraus: „Fällt ihnen (den Dichtern) nichts Besseres ein, so haben sie immer einen bequem-brutalen Ausweg. Sie verurteilen ihre wehrlosen Figuren zum Tode, das gibt noch der fadesten Geschichte tragische Wucht. … Shakespeare darf man wohl einen Serienkiller nennen: Die Welt versinkt im Blut … Das Vergnügen am Töten ist aber beileibe nicht nur Männersache. Im Gewimmel der Frankfurter Buchmesse sah man … Ingrid Noll, 75. … sie sprach ein großes Wort gelassen aus: „Es macht mir immer noch Spaß, einige unangenehme Zeitgenossen um die Ecke zu bringen.“ Der Dichter ist der Ohnmächtige und der Allmächtige. …“

Filme

Geronimo – Eine Legende. USA, 1993. Mit Wes Studi, Jason Patric, Gene Hackman. Regier: Walter Hill. Der heldenhafte Kampf der Chiricahua-Apatschen für das Recht auf ihr Land gegen die amerikanischen Invasoren. Gott wird für Gerechtigkeit sorgen. Der Film müsste in allen Schulen gezeigt werden. Arte, 15.10.2012, 20.15 h. Spitzenklasse. Note 1

Mel Gibson: Kopfgeld – Einer muss bezahlen. USA, 1996. 3-598-888. Der reiche Vater eines entführten Jungen setzt ein Kopfgeld auf die Kidnapper aus – ein Schmankerl für Freunde der Gerechtigkeit. Äußerst spannend und inhaltsreich, oft rasch wechselnde Szenen. Mit Rene Russo, Gary Sinise. Gezeigt am 1.9.2012 von VOX. Note 1

Jerry-Cotton-Filme mit George Nader und der Kennmelodie. Note 1

Ich kämpfe um dich. Thriller, USA, 1945. Mit Ingrid Bergman und Gregory Peck. Regie: Alfred Hitchcock. Note 2

Im Schatten des Zweifels. Krimi. USA, 1943. Regie: Alfred Hitchcock. Note 2

Weitere Bewertungen auf ETIKA 98L1.

Tip: Gebrauchte Bücher findet man bei www.zvab.com.

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