ETIKA

Mons. von Segur

www.etika.com

Die Hölle

98B7V

Sichern wir unser Heil durch ein wahrhaft christliches Leben

29.9.2014

Die Hölle. Gibt es eine, was ist sie, wie entgeht man ihr?
Von Monsignore von Segur.
Autorisirte Uebersetzung. Zweite Auflage. Mainz, Verlag von Franz Kirchheim. 1880. S. 104-108 (Schluss)

Sichern wir unser Heil durch ein wahrhaft christliches Leben.

Willst du noch sicherer sein, der Hölle zu entgehen, lieber Leser, so begnüge dich nicht damit, die Todsünde zu vermeiden und jene Laster und Verbrechen zu fliehen, welche zur Hölle führen, sondern bemühe dich auch, gut und heilig zu leben, wie es einem Christen geziemt; trage Jesus Christus in deinem Herzen und folge ihm nach.

Mache es, wie kluge und vorsichtige Leute, welche auf gefährlichen Wegen gehen müssen, die an steilen Abgründen hinführen; aus Furcht, hinein zu fallen, hüten sie sich wohl, zu nahe an den Abgrund zu kommen, in den ein einziger Fehltritt stürzen kann; sie suchen sich in weiser Vorsicht nach der anderen Seite zu halten und entfernen sich, soviel sie nur können, von dem Abgrunde. Mache es ebenso. Umfasse großmüthig und entschlossen jenes schöne und erhabene Leben, welches man das christliche Leben, das Leben der Frömmigkeit nennt.

Unter der Anleitung eines frommen Priesters (Anmerkung ETIKA: Leider leben wir in der Endzeit mit den so oft prophezeiten Erscheinungen in Kirche und Welt) gewöhne dich an eine geregelte Lebensweise, die sowohl den Bedürfnissen deiner Seele, wie auch den äußeren Verhältnissen und der Stellung, in der du lebst (Anmerkung ETIKA: darüber mehr in Savonarolas Buch vom einfachen Leben), angepaßt ist. Setze dir einige fromme Uebungen und Gebete fest, die du jeden Tag verrichtest (Anmerkung ETIKA: siehe das Handbuch das einfachen Lebens, Aufbau einer eigenen Lebensordnung), ohne je darin nachlässig zu werden. Zu diesem Zwecke empfehle ich dir besonders folgende, die für Personen jeglichen Standes wohl geeignet sind:

·        Beginne und schließe den Tag mit einem frommen, innigen Gebete.

·        Lies täglich ein Kapitel aus einem guten Buche, welches dir dein Beichtvater bestimmen wird;

·        nach dieser kurzen Lesung sammle dich einige Augenblicke und fasse gute Entschlüsse;

·        des Morgens denke, wie du den Tag zubringen willst, des Abends denke an den Tod und an die Ewigkeit.

·        Gewöhne dich, so oft du ein- und ausgehest, dich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes zu bezeichnen. Diese so einfache Uebung ist sehr heiligend. Aber mache das Kreuzeszeichen nicht unandächtig, gedankenlos, nur aus Gewohnheit, wie es so viele Menschen thun. Mache es immer mit der gebührenden Andacht und Aufmerksamkeit.

·        Wenn es die Pflichten deines Standes erlauben, so höre jeden Morgen die heilige Messe; wenn es sein kann, recht frühe, um den Segen Gottes beim Beginne des Tages zu erhalten und unserem göttlichen Erlöser am frühen Morgen die Huldigungen darzubringen, welche ihm in dem Sacramente seiner Liebe geziemen.

·        Kannst du es nicht, so halte doch jeden Tag eine kurze Anbetung des allerheiligsten Altarsacramentes, sei es, indem du eine Kirche besuchest, oder nur dem Geiste nach zu den Stufen des Altares hineilest.

·        Verehre täglich mit kindlicher herzlicher Liebe die allerseligste Jungfrau Maria, die Mutter Gottes und unsere Mutter. Bringe ihr täglich den Tribut deiner Liebe, Verehrung und Frömmigkeit dar. Die Liebe zu dem allerheiligsten Sacramente des Altars und zu der allerseligsten Jungfrau Maria ist ein untrügliches Zeichen des ewigen Heiles. Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß vom Beginn der christlichen Zeiten an Gott all Denen außerordentliche Gnaden im Leben und im Tode bewilligt habe, welche seine heilige Mutter lieben und anrufen. Trage immer ihr Scapulier und einen Rosenkranz und eine Medaille der allerseligsten Jungfrau bei dir.

·        Eigne dir die heilige Gewohnheit an, oft zu beichten und die heilige Communion zu empfangen. Die Beichte und die heilige Communion sind jene beiden großen Hilfsquellen, welche die Barmherzigkeit Jesu Christi all Denen anbietet, welche ihre Seelen retten und heiligen, schwere Sünden vermeiden, in der Liebe zum Guten und der Ausübung aller christlichen Tugenden wachsen wollen. Man kann hinsichtlich des öfteren Empfanges der heiligen Sacramente keine allgemeinen Regeln aufstellen; aber so viel ist gewiß, daß die Menschen, die guten Willens sind, das heißt, welche aufrichtig bemüht sind, das Böse zu meiden, Gott zu dienen und ihn von ganzem Herzen zu lieben, häufig die heilige Communion empfangen können. Je öfter, desto besser, und wäre es mehrmals in der Woche, ja sogar täglich, so ist es nicht zu viel. Beinahe alle guten Christen würden sehr wohl daran thun, wenn sie alle Sonn- und Feiertage durch eine würdige Communion heiligen, ohne jemals aus eigener Schuld eine so heilige Uebung zu unterlassen. Der römische Katechismus lehrt, daß ein Christ, welchem das Heil seiner Seele nur ein wenig am Herzen liegt, wenigstens alle Monate die heiligen Sacramente der Buße und des Altars empfangen sollte.

·        Nimm dir endlich vor, täglich gegen jene Fehler anzukämpfen, die du an dir bemerkst oder auf welche dich Andere aufmerksam machen; solche sind deine schwachen Seiten, und bist du nicht immer auf deiner Hut, so wird der Feind gar manchen Sieg über dich davon tragen.

·        Schlechte Gesellschaften und schlechte Bücher fliehe wie das Feuer.

Ich will dir mit diesen Rathschlägen keine Verpflichtungen auferlegen, lieber Leser; davon bin ich weit entfernt; aber ich wiederhole dir, wenn du diesen Weg der Frömmigkeit und Hingabe an Gott großmüthig und entschlossen betrittst, wenn du beharrlich auf demselben voranschreitest, dann wird dein Heil gesichert und das ernste Geschäft der Rettung deiner Seele glücklich vollendet werden; du wirst den ewigen Strafen der Hölle entgehen, wie man der drückenden Armuth entgeht, wenn man zur rechten Zeit daran denkt, seine Vermögen weise zu verwalten und dadurch sich vor zukünftigem Mangel sicher zu stellen.

Benütze von diesen Anleitungen, was du benützen kannst; mache es, so gut du es vermagst; aber um der Liebe deiner Seele willen, um der Liebe des göttlichen Erlösers willen, der all sein Blut am Kreuze für sie vergossen hat, schäme dich des Evangeliums nicht, und sei ein guter Christ.

Denke oft, denke ernstlich an die Hölle, an ihre ewigen Peinen, an ihr verzehrendes Feuer, und ich verspreche dir, daß du in den Himmel kommen wirst. Der große Missionär des Himmels ist die Hölle.

  

Ein frommer Priester, welcher mehr als vierzig Jahre lang in Frankreich mit apostolischem Eifer als Missionär wirkte, war eines Tages bei unserem heil. Vater Pius IX., welcher sich zutraulich mit ihm unterhielt und viel mit ihm von seinem heiligen Amte sprach. „Predigen Sie oft über die großen Wahrheiten des Heils,“ sagte ihm der heilige Vater:

Predigen Sie besonders oft über die Hölle. Halten Sie mit Nichts hinter dem Berge; sagen Sie klar und einfach die ganze Wahrheit von der Hölle. Nichts ist geeigneter als dies, die Sünder zum Nachdenken zu bringen und zu Gott zurückzuführen.“

Da ich über dieses so wahre Wort des Statthalters Jesu Christi nachdachte, entschloß ich mich, dies kleine Schriftchen über die Hölle zu schreiben, Und indem ich dann über die ewigen Strafen und das Elend der Verdammten nachdachte, habe ich mich an ein Wort des heiligen Hieronymus erinnert, mit welchem er in der Seele einer christlichen Jungfrau die Furcht vor den Gerichten Gottes zu erwecken suchte.

Territus terreo, schrieb er ihr: „erschreckt, erschrecke ich.“ –

Ich bemühte mich wenigstens hier das Gleiche in der gleichen Gesinnung zu thun, und der Herr ist mein Zeuge, daß ich Nichts von Dem verborgen gehalten habe, was ich von diesem schrecklichen Geheimniß weiß.

Suche auch du, lieber Leser, wer auch immer du sein magst, deinen Nutzen daraus zu ziehen. Wie viele Seelen sind im Himmel, welche die Furcht vor der Hölle hineingebracht hat.

Ich biete dir dieses Werkchen an, indem ich Gott bitte, er möge diese großen Wahrheiten, die es enthält, tief in den Grund deiner Seele einprägen, damit die Furcht dich zur Liebe antreibe, die Liebe aber dich in das Paradies führe.

Bete auch für mich, damit mir Gott barmherzig sei, wie dir, und sich würdige, mich einstens mit dir in die Zahl der Auserwählten aufzunehmen.

 

Ende

 

Hoch gelobt sei der Herr!

Nun ist der Abschreiber bereit.

Index 98 -  Index 9