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ETIKA |
Vicente Francisco Delmonte |
www.etika.com |
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98B91 |
Auf
den Spuren der Gerechtigkeit |
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Es
gibt immer mehr weltferne Gegenden in Europa. Eine von ihnen ist die Provinz Teruel im Herzen von Spanien. In den vergangenen
Jahrzehnten hat die Mehrzahl der Bewohner die Heimat der Vorfahren verlassen.
Die Jungen zieht es in die großen Städte. Sie haben im Fernsehen von den
Annehmlichkeiten und dem Luxus anderswo gehört und bilden sich ein, in den
Gebirgen und Ebenen Aragons keine Zukunft mehr zu haben.
So
sterben viele Dörfer aus. Da auch die Wähler weniger werden, vergißt man in Madrid, daß es Teruel noch gibt. Nur zweimal hörte man in letzter Zeit den
Namen. Das erste Mal gelang es einer Initiative „Teruel
existiert“, mit eben dieser Behauptung in die Zeitungen zu kommen. Das zweite
Mal schmunzelte die iberische Halbinsel über 2000 Einwohner von Teruel, die in der Silvesternacht 2003/2004 auf das neue
Jahr 1954 anstießen. Sie wollten darauf aufmerksam machen, daß
Teruel 50 Jahre im Rückstand ist.
Inmitten
dieser Provinz mit ihren bizarren Bergen und Wüsten hatte sich auf Einladung
eines Freundes der Kriminalschriftsteller Vicente
Francisco Delmonte niedergelassen. Er war Journalist
gewesen, hatte genug von der Hektik des Zeitungsbetriebs und erhoffte sich im
vergessenen, romantischen Alíaga die Ruhe, die er zum
Schreiben brauchte.
Über
Internet stand er mit seinen Freunden in Verbindung. Er hatte nur wenige, aber
diese wenigen waren echte Freunde und bereit, für eine gute Sache alles
einzusetzen. Darüber hinaus pflegte er seine vielen Kontakte zu Menschen in
aller Welt, die wie er für Ideale eintraten und sich dem Konsumrausch, der die
Menschheit befallen hatte, nach Möglichkeit entzogen.
Vicente Francisco
hatte nun viel Zeit, das zu tun, was ihm am meisten Spaß machte: zu wandern in
der einsamen Natur, zu meditieren über den Lauf der Dinge und die oft seltsamen
Schicksale der Menschen - und Rätsel zu lösen. Eine Art sechster Sinn war ihm
eigen, denn er erkannte Bedrohungen aller Art früher als die anderen. Und oft
glaubte er, wenn er in ein Gesicht sah, gleich ins Herz schauen zu können. Da
er einerseits über Kriminalgeschichten tüftelte und ihn andererseits öfters
Freunde um Rat baten, wurde es ihm nie
langweilig.
Vicente Francisco Delmonte hatte eine hervorstechende Eigenschaft. Wie sein Namensgeber Franziskus von Assisi einst überall die Spuren Gottes gesucht hatte, so suchte er nach Spuren der Gerechtigkeit. Dabei hatte er sich angewöhnt, alles in größeren Zusammenhängen zu sehen. Er wurde gewahr, dass es logische Folgen in den Lebensläufen vieler Bekannter gab, dass das Gesetz von Ursache und Wirkung in der Tat die vorherrschende Kraft des Weltgeschehens war. Er beobachtete scharf und merkte früh, wann sich eine Situation zuspitzte.
“Wer an eine Führung des Menschen glaubt, weiß auch die
Brücke zu schlagen zwischen der Materie und dem Geheimnis.“ Dieser Satz stammte von dem Tiroler Schriftsteller Karl Domanig. (Die beiden Freunde, in: Kleine Erzählungen,
Jos. Kösel´sche Buchhandlung, Kempten und München,
1905, Seite 123) Es scheint, daß Vicente Franciscos Erfahrung mit diesem Satz zusammenhing.
Fortsetzung: