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Ende der Barmherzigkeit

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Warum Gott uns die Hölle androht

8.11.2015

Aus: Goldene Legende. Neu bearbeitet von P. Wilhelm Auer, Köln 1904, 8. November, S. 899f.

 

Der hl. Gottfried (Bischof von Amiens, 1065-1118) mahnte, warnte, drohte, kündigte die göttlichen Strafgerichte den Unbußfertigen an.

Gott ist zwar barmherzig, geduldig und langmütig; aber wenn der törichte Sünder sich gar nicht bessern will, und das Maß seiner Missetaten voll ist, dann tritt die göttliche Strafgerechtigkeit an die Stelle der Barmherzigkeit.

Wieviel Zeit gibt Gott so manchem Sünder, um sich zu bessern! Wieviele Gnaden, wieviele Mahnungen durch die Priester, die Prediger und Beichtväter und durch Einwirkung auf das Gewissen!

Wieviele Drohungen mit dem Tode, dem Gerichte, der ewigen Pein läßt Gott vernehmen! St. Chrysostomus spricht:

„Deswegen hat Gott uns die Hölle angedroht, damit er uns nicht in dieselbe stürzen müsse! – Jene, welche viel sündigen, haben mehr Ursache zu fürchten,  wenn sie nicht (zeitlich) gestraft werden; denn ihre Strafe wird eben deshalb größer, weil der langmütige Gott sie nicht straft.“

Der hl. Augustin sagt:

„Wenn Gott uns verdammen wollte, so würde er stillschweigen. Niemand, wer einen andern schlagen will,  ruft ihm zu: Gib acht! Wenn unser Gott uns strafen wollte, so würde er uns nicht so oft ermahnen. Wider seinen Willen gleichsam straft uns derjenige, der uns lange zuvor zeigt,  wie wir der Strafe entgehen sollen.“

Daß Gott die Sünder nicht auf der Stelle straft, ist eine Wirkung seiner Geduld, nicht aber ein Zeichen seiner Nachlässigkeit, oder weil er die Sünde nicht achtet. Er wartet auf uns, daß wir Buße wirken. Daher ist sehr zu fürchten, daß er, je länger er auf unsere Besserung wartet, uns desto schwerer strafe, wenn wir uns nicht bessern wollen.“

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