ETIKA

Verborgene Gerechtigkeit

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6.6.2006 – 22.8.2012

 

Weltgesetz des Allgerechten (Einleitung)

Karl May Übersicht
Karl May: Am Jenseits
Karl May Taschenbücher im Verlag Carl Ueberreuter, Wien-Heidelberg, ohne Jahr, 230. Tausend der Gesamtauflage.
Wir empfehlen wärmstens den Kauf des Originalbandes Nr. 25 aus dem Karl-May-Verlag Bamberg.

244f. Wollte doch jedermann die Augen für die Beobachtung offenhalten, daß das Gute die Belohnung und das Böse die Bestrafung ohne alles Zutun des Menschen in sich trägt!

 

245 Und doch gibt es eine Seelenweltordnung, die wenigstens ebenso große Bewunderung verdient wie jene angestaunte Ordnung des Makrokosmos.

 

246 Könntest du, meine Freundin oder mein Freund, deine Seele in die Hand nehmen und beobachten wie eine Uhr, welch wunderbares, wohlgeordnetes Ineinandergreifen sämtlicher Regungen würdest du da bemerken. Du würdest sehen, wie sie reingehalten werden muß, wieviel hinderlicher Erdenstaub stets zu entferen ist. Du würdest erkennen, daß jedes einzelne "Tick und Tack" darauf hinzielt, den Zeiger zur mitternächtlichen letzten Zwölf zu leiten, nach der die Eins des Jenseits schlägt. ... das kommt wie von selbst, da kanst du dir nicht eine einzige Sekunde ohne die vorhergehende denken, da kann nicht eine einzige Minute als überflüssig weggelassen und zur zeitleeren Lücke werden.

 

247 ... die Liebe Gottes teilte diese Geschenke (geistige Güter) nicht nach Willkür aus, sondern nach ihren eigenen Gesetzen, sie handelt nicht regellos. Ist doch gerade (248) sie es, die jene geheimen Fäden in den Händen hält, die Seele mit Seele vereinen und Ursache mit Ursache verbinden, so daß die Wirkung dann als eine Schickung im wirklichen Sinn, nämlich als eine Fügung des allgültigen Ratschlusses Gottes erscheint. Wer gelernt hat zu sehen, der kann in seinem Leben Beweis um Beweis finden, daß das, was andre Zufall nennen, ein von der belohnenden, warnenden oder wohl auch strafenden Liebe herübergeleitetes Ergebnis seelischer Zusammenwirkung ist. Und wenn er eifrig sucht, wird er gewiß in seiner eignen Seele den Berührungspunkt entdecken, der ihm erklärt, weshalb gerade für ihn und keinen andern diese Fügung traf, die dann für ihn nichts weniger als ein Zufall ist.

 

268 Es gibt eine Gerechtigkeit, die hoch über der menschlichen steht und mit unnachsichtiger Strenge darüber wacht, daß sich nach dem großen, ethischen Weltgesetz des Allgerechten die Strafe aus der Sünde entwickeln muß. Nicht ein einziges menschliches Gesetz ist fähig, eine solche Übereinstimmung von Schuld und Sühne zu erreichen.

 

273 Während der Mensch auf Erden nur langsam zur Einsicht kommt, gelangte ich, da ich nun Seele war, sofort zur Erkenntnis, daß Gedanke und Tat, Wunsch und Wirklichkeit in jenem Leben nur eins ist.

 

275 Khutab Aga: "Ich stand vor Gericht und war zugleich Ankläger und Richter. Es wurde jeder meiner Gedanken in mir laut. Über einige durfte ich mich freuen, die unendliche Zahl der anden machte mich erzittern. Es zeigte sich, daß jeder Ton, der über meine Zunge gegangen war, von ewiger Dauer sei. ... Was alles hatte ich da gesprochen! Die entsetzliche Erkenntnis, daß auch nicht eine Silbe vernichtet sei, hätte mich zum glühenden Wunsch der Selbstvernichtung bringen können, wenn es überhaupt Vernichtung gäbe.

 

276 Und so wachten auch alle meine Taten auf. Es war keine von ihnen verschwunden, denn auch sie waren Teile meines Lebens. Ich bestand aus ihnen, sie bildeten mein seelisches Gerippe, jeder Tropfen meines Blutes war eine Tat oder eine Folgerung meiner Taten. Ich konnte jeder von ihnen in mir nach ihrem Wert oder Unwert empfinden. Und da war ich so voller Aussatz und Schwären, daß ich, der ich doch berufen war, ein Ebenbild Gottes zu sein, in fürchterlicher Angst mir sagen mußte, es wäre besser für mich gewesen, nicht gelebt zu haben. So sprach die Waage. Sie mußte so sprechen, weil meine Seele zwar ein Dasein, aber kein Leben gelebt hatte.
Das einzige Licht der Seele ist die Liebe, die einzige Nahrung der Seele ist die Liebe, die einzige Luft, die sie zu atmen vermag, ist die Liebe. ... Mein Dasein aber hatte nur mir gegolten, ich war liebeleer gewesen und hatte also nicht gelebt.
Und was ich als Leben bezeichnet hatte, das war eine Aufeinanderfolge von Gedanken, Worten und Taten gewesen, die mich jetzt hinab in den Abgrund des Verderbens ziehen mußten. Ich brach zusammen und stöhnte in meiner Angst und Not: "Oh, hätte ich Liebe gehabt, mehr Liebe! Könnte ich noch einmal zurück, wie wollte ich lieben und leben, wie wollte ich leben und lieben!"

 

277 Khutab Aga: "Der Mensch ist, solang er seinen sich stetig verwandelnden Körper trägt, in keinem Augenblick er selbst, er ist niemals wahr, diese (Kinder des Lichts) aber waren es, sie wohnten in Wahrheit und Klarheit, ja, sie bestanden aus ihr.

 

Hat diese Welt ihren Zweck erfüllt, die ihr anvertrauten Wesen zur Liebe zu erziehen, so übergibt sie diese der Seligkeit und löst sich auf, um für die gleiche Aufgabe dan wieder zu erstehen. Dies ist der Zweck auch eurer Erdenwelt. Das Dasein auf ihr soll zum Leben, soll zur Liebe werden. Und dieses Ziel wird erreicht, denn was ist euer Sträuben gegen die Allmacht dessen, der es will? Ob ihr es leugnet oder eingesteht, es ist doch wahr, daß ihr in Liebe atmet und in Liebe lebt. Die größte Selbstsucht ist mit allen Regungen, die ihr entspringen, doch nichts als Liebe, wenn auch nur Liebe zum eignen Ich. Daß dieses Ich ohne die andern Ichs unmöglich wäre, das ist der zwingende Grund, der ... (im Verlauf der Zeit) die Liebe zu sich selbst (278) zur Bruder- und zur Menschenliebe macht. Dieser Mangel an Erkenntnis, dieses Sträuben des ,Ich´ gegen das ,Wir´, umhüllt die Erde mit dem Dunkel, das das auf ihr ruhende Auge der Seligen betrübt. ... Laß es wenigstens in dir und auch um dich hell werden! Streu Liebe aus!"

Quämis = persisch Hemd

 

280 Kara Ben Nemsi: "... wir sind der Überzeugung, daß wir unter einer alliebenden und allweisen Führung stehen, die für uns das Unheil in Heil, das Unglück in Glück verwandelt."

 

284 Hadschi Halef Omar: "Ich sehe..., daß wir uns Gefahr befinden, Taten, die geradezu zum Himmel schreien, unbestraft zu lassen. Das hat Ben Nûr nicht gesagt und auch nicht gewollt. Er hat von Richtern gesprochen, die selbst im ärgsten Verbrecher noch den Menschen suchten, um ihrem Urteil Milde verleihen zu dürfen, aber daß ein einundzwanzigfacher Mord keine Strafe finden soll, daß wir diese Menschen nach all den schweren anschlägen, die sie gegen uns hegten, freizulassen haben, das will selbst el Mîzân nicht. Was wird geschehen, wenn wir ihnen nicht die verdienten Kugeln geben? Sie reiten fort und lauern uns wieder auf. Und können sie uns nichts anhaben, so leben sie in ihrer Weise weiter, und alle schlechten Taten, die sie dann begehen, müssen wir verantworten, wenn wir dereinst durch die Pforte des Todes gehen."

307 Abd el Darak, der Scheich der Beni Lam: "Was hatten die Mörder verdient? Sag es mir, o Scheik Hadschi Halef Omar!" "Den Tod", erwiderte Halef düster. "Hättest du sie begnadigt?" "Nein." "Trotz der Liebe, deren Kinder und Söhne ihr seid?" "Nicht nur trotz, sondern infolge dieser Liebe. Du darfst nicht glauben, daß sie eine Beschützerin der Sünde sei. Kann sie nicht durch Güte wirken, so greift sie zur Rettung durch die Strenge. Sie ist nachsichtig und barmherzig, solange sie glauben darf, daß dies zum Ziel führt, zwingst du sie aber zum Gegenteil, so wird sie zur Mutter, die ihr Kind straft, weil sie es liebt. Und hat sie ein Kind, das auch der Strenge nicht gehorcht, so trennt sie es von den andern, damit diese nicht auch verderben."

 

Abfall vom Glauben

Der Abfall vom Glauben wird von Gott schon hier gestraft. Der heilige Cyprian erzählt, daß einige in der Glaubensverfolgung Christum verläugneten, und die Strafgerichte Gottes an sich erfahren mußten. Sie endeten ihr Leben elend. Gott strafte sie schon im Leben, damit ihre Züchtigung ein abschreckendes Beispiel für Andere werde. Ein Christ, welcher aus Furcht vor den Martern Christum verläugnete, stürzte allsogleich tot nieder. Eine Frau, welche ebenfalls Christum verläugnet hatte, wurde vom unreinen Geiste ergriffen, zerbiß sich mit den Zähnen die Zunge; ihr Mund vollzog an ihr selbst die Todesstrafe und sie starb, von den heftigsten Schmerzen im Unterleib zu Tode gequält. Wenn nun Gott den Abfall vom Glauben schon an Solchen straft, welche dies aus Furcht vor den Martern taten, wie sehr wird er erst jene Katholiken (Anmerkung: und Angehörige anderer Konfessionen) strafen, welche ihren Glauben aus Leichtsinn, aus Lasterhaftigkeit oder aus Hochmut aufgeben, um als Aufgeklärte angesehen zu werden?
(Aus: Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. Erster Band 1867. S. 7)

Christenverfolger

Die Mörder des Diakons Cyrillus

Unter der Regierung des abtrünnigen Kaisers Julian ermordeten die Heiden in Heliopolis den Diakon Cyrillus, rissen ihm die Eingeweide aus dem Leib und aßen seine Leber roh. Gottes Strafgericht ereilte sie aber bald nach diesem bestialischen Mord. Allen fielen die Zähne aus, ihre Zungen gingen in Fäulnis über, und ihre Augen erblindeten.

(Geistlicher Schazgräber oder die Angelegenheiten deiner Seel, diesseits und jenseits, unterhaltend besprochen von Leopold Kist, Verfasser der „Hausapothek“. Zweites Heft: Gericht, Himmel, Fegfeuer und Hölle. Mainz, Verlag von Franz Kirchheim. 1866. Seite 56)

Tötung eines Heiligen, Strafe

Einst wandelte ein Einsiedler am Gestade des toten Meeres. Da kamen zufällig etliche Sarazenen desselben Weges und als Alle vorübergegangen waren, kehrte Einer noch mal um und schlug dem Einsiedler den Kopf ab. Während dies geschah, schoß plötzlich ein Vogel aus der Höhe herab, ergriff den Sarazenen, erhob ihn in die Lüfte und ließ ihn dann fallen, so daß er zerschmettert am Boden lag.

(Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Zweiter Band. S. 469)

 

Heilige zürnen ihren Beleidigern nicht, aber Gott straft

Die heilige Rosa von Viterbo befand sich in Soriane und eiferte vor einer großen Volksmenge über die herrschenden Laster. Da schlug sie ein Bösewicht und verwundete sie am Arme. Rosa zürnte nicht, sondern sprach ruhig und sanft:

Gott läßt die Schmach der Seinigen nicht ungestraft und behütet alle ihre Gebeine. Mit dir wird aber Gott gütiger verfahren. Er wird dich nicht mit einem schmählichen Tode bestrafen; aber innerhalb dreier Tage wird Er dich zeichnen, daß Jedermann dich kennt.

Wie gesagt, so geschah es. Am dritten Tage gingen dem Frevler alle Haare am Kopfe, Augenbrauen und Bart aus, so daß er ein Gegenstand allgemeinen Spottes wurde. So diente diese Strafe zur Erinnerung an seine Sünde und zur Buße.

(Franz Ehmig: Neue Gleichnisse, Regensburg. 1868. Zweiter Band. S. 455)

Gott rottet Christenverfolger aus

Lucius Caelius Firmianus Lactantius (geboren um 250 in der römischen Provinz Afrika) hat darauf aufmerksam gemacht, daß „Gott die sämtlichen Verfolger seines Namens in der Weise gestürzt (hat), daß von ihnen weder Stamm noch Wurzel mehr übrig blieb“ (Kap. 50, S. 61). Wie aus seinem Buch „Von den Todesarten der Verfolger“ hervorgeht, erlitten die meisten bereits einen qualvollen Tod, bevor sie vermutlich zur Hölle fuhren. Laktantius frohlockte über das Ende der grausamen Christenverfolger seiner Zeit mit folgender Danksagung:

„Der ewigen Erbarmung Gottes, der endlich auf die Erde herabgeblickt hat, müssen wir Dank sagen, daß er sich gewürdigt hat, seine Herde, die von reißenden Wölfen teils verwüstet, teils zerstreut war, wiederherzustellen und zu sammeln und die bösen Untiere auszurotten, welche die Weideplätze der göttlichen Herde niedergestampft … hatten. … Der Herr hat sie ausgetilgt und weggefegt von der Erde. So laßt uns also den Triumph Gottes mit Frohlocken feiern, den Sieg des Herrn mit Lobliedern begehen! Laßt uns durch Gebete bei Tag und Nacht Gott verherrlichen…!“

(Des Luc. Cael. Firm. Lactantius Schriften. Von den Todesarten der Verfolger. Kap. 52, S. 63. Verlag der Jos. Kösel´schen Buchhandlung, Kempten & München. 1919)

Ähnliches wird die jetzige Generation erleben. Die Christen werden zuerst von Personen, Institutionen und internationalen Organisationen, die vom Geist des Antichrist erfüllt sind, unter allen möglichen Vorwänden und juristischen Spitzfindigkeiten verfolgt werden, und dann vom Antichrist selbst. Die Feinde Gottes erlassen Gesetze, die den Christen das Recht auf freie Meinungsäußerung verbieten. Alle Stellen, die ihnen unerwünscht sind, lassen sie aus der Bibel und den christlichen Schriften streichen. Die guten alten Bücher, die die ganze Wahrheit enthalten, lassen sie verschwinden. Das Schlimmste ist, daß der größte Teil der kirchlichen Hierarchien das Spiel des Antichrist mitspielen wird. Aber Gott wird alle Feinde zerschmettern. Furchtbare Strafen harren ihrer im Diesseits und im Jenseits. Der Allmächtige wird die Verfolgten und Märtyrer, Seine Kinder, durch Seine Engel rächen, und zuletzt werden die Christen frohlocken wie Laktantius. (AIHS 1.5.2006)

Gottesfurcht

Gott hat die Menschen in seiner Gewalt, wenn Er strafen will

Gott will, daß wir Ihn lieben, Er will aber auch gefürchtet sein. Beide Tugenden entsprechen seinen göttlichen Eigenschaften; die Liebe seiner Güte und Barmherzigkeit, die Furcht seiner Heiligkeit und Gerechtigkeit. In bezug auf die letztere sagt Jesus:

Ich will euch zeigen, wen ihr fürchten sollt; fürchtet den, der Leib und Seele zu Grunde richten und in die Hölle stürzen kann; ja diesen fürchtet!

Gott hat uns Menschen ganz in seiner Gewalt. Für Ihn streitet der ganze Erdkreis gegen die Unsinnigen, sagt David.

Die Wässer ergießen sich, Flüsse überschwemmen die Felder; Regen und Hagel verderben die Saat; die Blitze äschern Wohnungen ein und erschlagen Menschen und Thiere; Hungersnoth, Krankheiten und Pest stehen Ihm zu Gebote. Ja, wenn Er die Menschen recht demüthigen, beschämen und empfindlich züchtigen will, bedient Er sich der kleinsten Tierchen. Das Ungeziefer läßt ihm bei Tag und Nacht keine Ruhe, ja Läuse läßt Er im Blute, in den Adern entstehen, wie bei Antiochus, Herodes und Tiberius. Der Mehlthau vernichtet den Hopfen. Ein einziges paar Borkenkäfer zerstört in einem einzigen Sommer einen ganzen Wald. Will der Herr keine Getreidevorräthe verwüsten, so gibt Er dem Samenkäfer Befehl und er zerfrißt die Erbsen, Wicken, Linsen, Bohnen; in Pennsylvanien kann man dieses Käfers wegen keine Hülsenfrüchte mehr bauen. Oder Gott schickt den Rüsselkäfer auf deine Getreideböden, welcher das Mehl aus dem Getreide verzehrt und dir zum Spott die leeren Hülsen überläßt.

Darum fürchte Gott und wenn dir so eine beschämende Züchtigung widerfährt, so nimm’s an, nicht wie vom Ohngefähr, sondern als von Gott und bessere dich, damit er nicht genöthigt sei, statt deine Habe, dich selbst anzugreifen im höllischen Feuer!

·       Darum seid immer beflissen, in Allem Gottes Gebote zu thun, wie die Sonnenblume, welche ihre Blumen immer der Sonne zukehrt.

(Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Zweiter Band. S. 347)

Gotteslästerer

Heilige

Die Heiligen von Teufeln geschlagen

Der heilige Antonius schloß sich in ein Grabmal ein, blieb allein, und ließ sich von einem Bruder zur bestimmten Zeit Nahrung bringen. Der Teufel fürchtete, er möchte die Wüste mit heiligen Einsiedlern bevölkern, und suchte ihn zu vertreiben. Die bösen Geister versetzten ihm viele schmerzhafte Wunden, daß er sich weder bewegen noch reden konnte. Als der Bruder ihm Speise brachte, fand er ihn eines Tages halb tot auf der Erde liegen. Derselbe trug ihn nach Hause; als aber Antonius erwachte, mußte er ihn wieder in sein Grabmal tragen, wo er nun wieder allein blieb. Da er nicht stehen konnte, betete er liegend und sprach herausfordernd:

Siehe, hier bin ich Antonius, ich fliehe nicht vor eueren Kämpfen; wenn ihr mir auch noch größere bereitet, wird mich doch Niemand scheiden von der Liebe Christi.

Hierauf griffen sie von Neuem an. Er hörte plötzlich ein Getöse und der Ort wurde von Grund aus erschüttert; sie erschienen in Gestalt von wilden Tieren und Schlangen, von Löwen, Stieren, Wölfen, Nattern, Skorpionen, Panthern und Bären, und jedes dieser Tiere gab sein ihm eigentümliches Geschrei von sich; gräßlich waren ihre Gesichter anzusehen und entsetzlich ihre Stimmen anzuhören.

Antonius wurde von ihnen geschlagen, gestoßen und gebissen, die vielen Wunden preßten ihm manchen Seufzer aus, aber er wich nicht von da; ja er spottete ihrer. Die Teufel drohten und knirschten mit den Zähnen, weil sie nichts ausrichteten. Mittlerweile ließ Jesus einen Lichtstrahl auf ihn fallen, der die Teufel vertrieb.

Wo warst Du, guter Jesus, seufzte Antonius, warum bist du nicht am Anfange da gewesen, meine Wunden zu heilen?

Und eine Stimme sprach zu ihm:

Antonius, ich war da: aber ich wartete deinen Kampf ab; nun aber, weil du nicht gewichen, sondern tapfer gekämpft hast, will ich dir allzeit beistehen und deinen Namen berühmt machen.

Als Antonius dies gehört, waren alle Schmerzen behoben, die Wunden geheilt, und das zerfallende Grabmal wiederhergestellt. Er stand auf zum Gebete und war so gestärkt, daß er mehr Kraft erhielt, als er vorher verloren hatte. Der Satan versuchte ihn wohl noch dadurch, daß er Silbergeschirr und Goldklumpen vor ihn hinlegte, aber körperlich griff er ihn nicht mehr an.

(Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Zweiter Band. S. 446)

Gott straft die Fehler der Heiligen in diesem Leben streng.

Gott will, daß die Heiligen ohne Makel in die Ewigkeit eingehen; darum straft Er ihre Fehler strenge. Der heilige Einsiedler Paulus war sehr keusch; er wollte nicht nur kein weibliches Angesicht, sondern auch kein weibliches Kleidungsstück sehen. Aber er übertrieb diese Sorgfalt. Eines Tages wollte er einen Bruder besuchen und es begegnete ihm zufällig eine Weibsperson. Kaum hatte er dieselbe erblickt, so rannte er so schnell in sein Kloster zurück, daß er ärger lief, als würde er von einem Löwen oder einer Schlange verfolgt. Obwohl er dieses aus Eifer für seine Keuschheit und Reinigkeit tat, so war es doch nicht weise und gegen die Nächstenliebe. Darum befiel ihn plötzlich eine solche Üblichkeit (heute: Übelkeit), daß sein ganzer Körper gelähmt war und daß kein Glied mehr seinen Dienst zu tun vermochte. Denn er verlor nicht nur den Gebrauch der Füße und Hände, sondern auch den der Zunge und des Gehöres, so daß er mehr einem unbeweglichen Steine als einem Menschen glich. Ja er kam so weit, daß die Pflege der Männer nicht mehr genügte, sondern weibliche Sorgfalt nötig wurde. Man brachte ihn in ein Kloster von Jungfrauen, wo ihm Speise und Trank eingegeben und alle Dienste vier Jahre bis zu seinem Tode geleistet wurden. Während er aber gelähmt war und kein Glied regen konnte, ging aus ihm dennoch eine so heilsame Kraft aus, daß das Öl, welches seinen Leib berührt hatte, alle Kranken heilte.

(Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. 1868. Zweiter Band. S. 469)

Der schwebende Dominikus
Der Unglaube an die wunderbaren Zustände der Heiligen bestraft.

Beim heiligen Dominikus von Jesu Maria waren die Entrückungen so stark, daß er oft auffuhr, bis er oben an die Decke seiner Zelle stieß und in solchem Zustande wohl einen ganzen Tag und die darauffolgende Nacht beharrte. Als man in Valencia viele Schmähungen wider ihn verbreitete, während er in vielen Verzückungen in der Kirche erhoben wurde, hatte einst einer seiner Widersacher, der den Verzückungen keinen Glauben beimsssen wollte, ihn bei den Füßen erfaßt, als er, vom heiligen Geiste erfaßt, in die Höhe fuhr. Er wurde nun von der Gewalt mit hinauf gerissen, erschrak (damals erschrack) darüber, ließ deswegen die Füße los und fiel auf die Erde; nachdem er so seine Keckheit mit großen Schmerzen bezahlt, mußte er freilich die Wahrheit sich gefallen lassen und glauben.

(Franz Ehmig: Neue Gleichnisse, Regensburg. 1868. Zweiter Band. S. 445)

Heuchelei

Kommunion aus Heuchelei von Gott bestraft.
In Aichivi-Pizent hat eines frommen Kriegsobersten Weib, Namens Kassandra, ihr Leben in schändlichem Ehebruche zugebracht. Zur Bemäntlung ihres Lasters ging sie öfters zur heiligen Kommunion, die heilige Hostie aber zog sie allemal mit dem Tüchel aus dem Munde. Sie ward sterbenskrank, beichtete auch jetzt ihre Sünde nicht, nahm auch jetzt die heilige Kommunion, starb so, und ward feierlich zur Erde bestattet.

Am andern Tage lag der Leib halb außerhalb des Grabes. Der Totengräber scharrt ihn wieder ein, aber am zweiten und dritten Tage lag er wieder außen. Der Totengräber stößt das Weib mit dem Fuße zornig an die Achsel, wobei die heilige Hostie aus dem Munde heraussprang, welche von einem Priester mit Ehrerbietung in die Kirche getragen wurde. Die Leiche aber verscharrte man auf dem Schinderplatze. (Ehmig: Neue Gleichnisse II, 480. Regensburg. 1868)

Märtyrer

Märtyrer mit geheimer Kraftquelle

Tugend leuchtet

Die jungen Wüstlinge

Der Lebensbeschreiber des Luis de Granada versichert, daß er in den 68 Jahren, welche er im Predigerorden des hl. Dominikus verlebte, „nie eine Regel überschritten, sondern sein ganzes Leben in vollkommen demütiger Selbstverleugnung zugebracht, unablässig für den Dienst Gottes und zum Heile des Nächsten gewirkt und als ein lebendiges Beispiel aller Tugenden seinen Brüdern vorgeleuchtet hat. Derselbe Biograph erzählt, daß, als Ludwig einstens Abends spät in seiner abgelegenen Zelle unter Gebet und Seufzern seinen Körper geißelte und sich für ganz unbemerkt hielt, zwei junge Wüstlinge, die, eben im Begriffe, sich an einen Aufenthalt des Lasters zu begeben, des Weges daher kamen und ihn hörten, von den Flammenworten seines Gebets so ergriffen wurden, daß einer zum andern sagte:

,O wir Elende! dieser fromme Ordensmann, der vielleicht nie eine schwere Sünde beging, übt hier die strengste Buße, indes wir Frevler darauf ausgehen, die Zahl unserer Laster zu vermehren. Gewiß hat Gott es zu unserer tiefen Beschämung also gefügt, daß wir Zeugen dieses Werkes seien!

Sie wurden in ihrem Innern gerührt, kehrten in ihre Wohnung zurück und besserten ihren Wandel."
(Kurzer Lebensabriß des gottseligen Ludwig von Granada, in: Lenkerin der Sünder, Aachen 1853, S. 4)

Auch an dieser Geschichte erkennen wir Gottes Gerechtigkeit. Der Verzicht des einen und damit sein gutes Beispiel rettet andere. Kein Opfer ist umsonst.