ETIKA

Höllen-Abc

www.etika.com

9x6ges

Von der höllischen Gesellschaft

P. Martin von Cochem

4.6.2011
24.8.2012

Viele verwegene Menschen, wenn man sie wegen ihrer Sünden ermahnt und ihnen mit der Hölle drohet, pflegen vermessentlich zu sagen:

„Ich komme hin, wo ich wolle, so finde ich doch Gesellschaft“,

als ob diese Gesellschaft ihnen Trost bringen oder ihre Peinen lindern könnte. Damit nun aber diese vermessenen Sünder erkennen mögen, wie unsinnig ein solches Geschwätz sei, und was für Trost und Freude ihnen diese Gesellschaft bringen werde, so will ich ihnen in diesem Kapitel expliciren (Anmerkung: so geschrieben, man merkt, wie recht Ludwig Reiners hat, daß nämlich viele Fremdwörter nach hundert Jahren kaum mehr verstanden werden; so wird es auch dem heutigen Denglisch ergehen), was für eine Gesellschaft sie in der Hölle finden, und wie schrecklich ihre Peinen durch dieselbe vermehrt werden.

Die Gesellschaft der Verdammten wird zweifach sein, nämlich die Gesellschaft der Teufel, und die Gesellschaft der verdammten Menschen. Zu dieser Gesellschaft haben sich die Sünder in ihrem Leben schon geschlagen und es mit ihr gehalten., drum gehören sie ihr in der Ewigkeit auch mit vollstem Rechte an.

In der Welt gibt es nämlich zwei Gesellschaften, das Reich Jesu Christi und das Reich des Teufels. Wer es daher im Leben mit Jesus Christus und seiner hl. Kirche gehalten hat und ein lebendiges Glied seiner hl. Gemeinschaft gewesen ist, der wird in der Ewigkeit auch zu dieser heiligen seligen Gemeinschaft im Himmel gehören; wer aber im Leben es mit der Welt und dem Geiste der Welt gehalten, und so zur Gesellschaft mit den Verruchten und den Teufeln gehört hat, der wird es darum auch in der Ewigkeit sein. Beim jüngsten Gerichte werden diese beiden Klassen von Menschen von einander ausgeschieden und abgesondert werden. Die Gottvergessenen werden zur Linken und die Frommen zur Rechten gestellt. So wie dann die zwei Reiche, das Reich Jesu Christi und das Reich des Teufels ausgeschieden werden, so werden sie ewig bleiben. In der Gesellschaft, zu welcher Jeder da gestellt wird, darin wird er ewig verbleiben müssen. Was nun die Gesellschaft der Teufel anbelangt, so ist diese so erschrecklich, daß sie billig unter die größten, höllischen Peinen gerechnet werden kann. Wenn keine Teufel in der Hölle wären, so wäre die Hölle viel tausendmal erträglicher als sie jetzt ist; weil aber so viele Teufel in derselben sind, so ist solche Verwirrung, solcher Jammer, Elend, Grausen und Tyrannei daselbst, daß einem beim Andenken daran das Herz im Leibe brechen möchte.

Wir Menschen haben unser Lebtag keinen ärgern Feind, als den leidigen Teufel, welcher uns mit solch grimmigem Hasse und Neide hasset, daß er uns alle Augenblicke zerreißen, zerfetzen und in den Abgrund der Hölle stürzen möchte. Wen er nun endlich Einen in seine Gewalt bekommt, so geht er so grausam mit demselben um, wie der größte Tyrann mit seinem ärgsten Feinde nicht umgehen könnte. Allen Neid und Haß, welchen er vom Anfange seiner Erschaffung wider Gott geschöpft hatte, und über ihn nicht ausgießen kann, gießt er nun über die Verdammten aus, und peiniget dieselben mit solchem unsäglichen Übel, daß alle menschlichen Herzen in Betrachtung dessen sich entsetzen müssen. Wenn er schon den Verdammten nicht Leids zufügte, sondern nur ewiglich bei ihnen wohnte, so wäre diese Gesellschaft den Sündern eine solche Pein, daß, wenn sie noch sterben könnten, sie vor Schrecken und Gräuel alle Stunden eines neuen Todes sterben müßten.

Unter allen leidigen Teufeln ist keiner erschrecklicher, als der Oberste unter allen Teufeln, der hoffärtige Luzifer, dessen Grausamkeit, Bosheit und Abscheulichkeit so groß ist, daß sich nicht allein die Verdammten, sondern die Teufel auch selbst vor ihm fürchten. Dieser Luzifer wird in der heiligen Schrift mit verschiedenen Namen genannt, um seine Bosheit besser auszudrücken. Wegen seiner Abscheulichkeit wird er genannt ein Drache, wegen seiner Grausamkeit ein Löwe; wegen seiner Macht der Behemoth; wegen seiner Bosheit die alte Schlange; wegen seines Betruges der Lügenvater; wegen seines Hochmuts ein König über alle Kinder der Hoffart; und wegen seiner großen Gewalt ein Fürst dieser Welt. Dieser höllische Luzifer ist so grausam und erschrecklich anzusehen, daß ein ganzes Kriegsheer beim Anblicke desselben zu Boden fallen müßte. Höre, wie Gott selbst den höllischen Drachen beschreibt im Buche Job (Kap. 41):

„Wer deckt die Fläche seines Kleides auf? Und wer dringt in sein doppeltes Gebiß? Seine Zähne ringsum sind zum Erschrecken. Sein Leib ist wie gegossene Schilde, fest drängen sich die Schuppen an einander. Eine fügt sich zur andern, und nicht ein Lufthauch ziehet durch sie hin. Sein Niesen ist Feuerglanz, und seine Augen sind wie die Wimpern der Morgenröte. Aus seinem Rachen schießen Fackeln, wie sprühende Feuerfunken; aus seinen Nasenlöchern wirbelt Rauch, wie aus einem erhitzten, siedenden Kessel. Sein Schnauben fachet Kohlen an, und Glut strömt aus seinem Rachen. In seinem Halse wohnt die Stärke, und Entsetzen geht vor ihm her. Die Muskeln seines Fleisches sind ganz dicht aneinander gefügt; schleudert man auch Blitze gegen ihn, so brächte man sie nicht von der stelle weg. Sein Herz ist hart wie Steine und festgeschmiedet wie ein Amboß. Das Eisen achtet er wie Stoppeln, und das Erz wie morsches Holz. Wie Spreu betrachtet er den Streithammer und lachet über den sausenden Wurfspieß. Er macht die Meerestiefen aufwallen, wie den Kochtopf, und macht es, als würden Salben drin gesotten. Es ist keine Macht auf Erden, die sich mit ihm messen könnte, weil er geschaffen wurde, daß er sich vor Niemandem fürchte. Er blickt auf alles Hohe; denn er ist König über alle stolzen Wesen.“

Siehe, so beschreibt Gott selbst die Gestalt des leidigen Luzifers, und gibt genug zu erkennen, was für ein grausamer, hartnäckiger, gewaltiger und hoffärtiger Bösewicht er sei. Wenn nun ein Mensch auf Erden wäre, der so feurig aussähe, und so tyrannisch, grausam und hochmütig wäre, wer sollte sich nicht vor einem solchen grimmigen Manne fürchten? Wer wollte gerne bei selbem wohnen, und mit ihm umgehen? Würden nicht alle Menschen vor demselben fliehen, und beim Anblicke seiner Gestalt am ganzen Leibe erzittern? Wenn du dir seine Gestalt recht vorstellen wolltest, so müßtest du alles Häßliche und Erschreckliche zusammen nehmen, was nur immer ein Mensch erdenken könnte. Seine Bosheit ist so groß, daß er alle Kreaturen noch elender machen möchte, als er selbst ist. Keine Pein scheint ihm groß genug, um Diejenigen, die er in seine Gewalt bekommt, zu quälen. Sein Haß und Groll ist so groß, daß er alle Menschen und Teufel zerreißen möchte. Einen solchen Herrn wirst du haben, wenn du in die Hölle kommst, bei einem solchen grausamen Tyrannen mußt du ewig wohnen, wenn du in einer Todsünde stirbst.

Neben diesem tyrannischen Fürsten der Finsternis sind viel hunderttausend andere Teufel, zwar nicht so arg und abscheulich, als der Luzifer, aber dennoch so erschrecklich und abscheulich, daß kein Mensch einen Augenblick lang den geringsten Teufel ohne Lebensgefahr ansehen könnte. Daher werden sie in der Schrift genannt Bestien, Schlangen, Skorpionen, Wölfe, Hunde, Kröten und böse Geister. Keiner ist auch dem andern in der Bosheit gleich, sondern es ist einer ärger und tyrannischer als der andere.

Vom hl. Antonius, dem Einsiedler, lesen wir in seiner Legende, daß ihm die Teufel in allerlei erschrecklichen Gestalten erschienen, und ihn oft auf unaussprechliche Weise erschreckt und geplagt haben. Zuweilen erschienen sie ihm in Gestalt wilder Löwen, Bären, Drachen, Wölfe, Hunde, Katzen, Schlangen und Kröten; ein anderes Mal in Gestalt grausamer wilder Männer, Weiber, Gespenster und Unholde. Oftmals schlugen, traten, schleiften, kratzten und drückten sie ihn und gingen so grausam mit ihm um, daß sie ihn für tot oder aller seiner Sinne beraubt liegen ließen. Bisweilen aber jagten sie ihm durch allerlei teuflische Schreckensgestalten solche Angst ein, daß wenn ihm Gott und sein heil. Schutzengel nicht zu Hilfe gekommen wären, er des jähen (geschrieben: gähen, vergleiche alpenländisch gach) Todes hätte sterben müssen.

Wenn sie so mit einem Manne, über den sie keine rechtmäßige Gewalt hatten, mit Gottes Zulassung umgingen, was werden sie dann wohl mit jenen gottlosen Sündern in der Hölle anfangen, die ihnen die göttliche Gerechtigkeit ganz und gar übergeben hat, weil sie sich im Leben durch ihre Sünden sich selbst ihnen übergeben haben? Wie werden sie in allerlei grimmigen Gestalten, schrecklicher noch als die wildesten, blutdürstigsten Tiere, über sie herfallen, sie mit ihren Klauen zerreißen, mit ihren Zähnen zerfetzen, mit ihren Armen zerdrücken, mit ihren Füßen zertreten, sie auf die erbärmlichste Weise zerschlagen, und unter Spott und Hohn auf alle erdenkliche Weise mißhandeln und peinigen! Das Alles wirst du wohl so recht gut einsehen und zugeben müssen.

Der hl. Antonius schreibt auch von einem Bruder seines Ordens, daß ihm einmal ein Teufel erschienen sei, und daß er bei dessen Anblick so aufgeschrien habe, daß die übrigen Brüder in Schrecken geraten und hinzugelaufen wären. Sie fanden ihn halb tot daliegen, labten und stärkten ihn, was geschehen sei. Er sagte ihnen dann, der Teufel sei ihm erschienen und habe ihn so erschreckt, daß er schier gestorben wäre. Und als er gefragt wurde, wie der Teufel ausgesehen habe, sprach er:

„Das kann ich nicht sagen; aber das sage ich, daß, wenn mir die Wahl gelassen würde, ich lieber in einen brennenden Backofen eingehen, als das Angesicht des Teufels noch einmal ansehen wollte.“

Ebenso lesen wir von einem frommen Jünglinge, der die Mutter Gottes sehr verehrte, daß er auf dem Totenbette so erschrak, daß sein Angesicht sich ganz verstellte und seine Augen wie Feuer brannten. Als er wieder zu sich gekommen und hierüber gefragt wurde, sprach er:

„Ich sage euch wahrhaftig, daß die höllischen Geister so grausam und erschrecklich sind, daß, wenn die ganze Welt voller Schwefel, Feuer und geschmolzenem Erz wäre, und mir die Wahl gegeben würde, ob ich mitten durch dies Feuer gehen, oder noch einmal dieselben ansehen wollte, ich lieber durch diese Flammen und brennendes Erz waten, als noch einmal die Teufel, welche ich gesehen habe, ansehen wollte.“

Noch mehr ist´s, was wir von der heiligen Katharina von Siena lesen, welche durch einen einzigen Anblick des Teufels so erschreckt worden ist, daß sie frei bekennt:

„Wenn mir von Gott die Wahl gegeben würde, so wollte ich nicht allein durch ein Feuer waten, sondern lieber bis an den jüngsten Tag in demselben brennen, als noch einmal diese grausame Gestalt ansehen.“

Ist nun ein kurzer, vorübergehender Anblick eines bösen Geistes schon so schrecklich, daß auch heilige Leute bekennen, es sei erträglicher, in einem heißen Feuer brennen, ach Gott! welch ein Schrecken, welch ein Entsetzen und Grausen wird es dann erst in der Hölle sein, wo nicht bloß ein einziger, sondern viele Tausend und Millionen der allerschrecklichsten Teufel beisammen sind, und den Verdammten nicht allein erscheinen, sondern sie auf das Grausamste erschrecken und quälen!

Was für ein Schrecken überfällt dich schon, wenn ein wütender Hund unversehens auf deine Brust springt, seine Zähne gegen dich fletscht, dich endlich zu Boden wirft, und jämmerlich zerfetzt und zerreißt? Da bist du vor Schrecken mehr tot als lebendig, und wenn dir Niemand zu Hilfe kommt, so wirst du vor Angst und Schrecken schwerlich aufzustehen im Stande sein. Was für ein Grausen muß dann die Verdammten ergreifen, wenn zehn oder zwanzig teuflische Höllenhunde auf einmal über einen armen Menschen herfallen,, ihn zu Boden werfen, ihre Zähne gegen ihn fletschen, und mit aller Bosheit ihn zerbeißen und zerreißen?

In Bezug auf diesen Gegenstand liest man auch eine schauderhafte Geschichte von einem gottlosen Grafen. Derselbe wohnte auf einem abgelegenen Schlosse und ließ durch seine Diener die Soldaten die Vorübergehenden ergreifen, ausplündern und schmählich behandeln. Dabei hatte er den Brauch, mit seinem ganzen Gesinde täglich den Rosenkranz zu beten, den er, so viel möglich, nie unterließ.  Da kam denn auch der Teufel in Gestalt eines schönen, jungen Menschen zu ihm, und bot ihm gegen gebührenden Lohn seinen Dienst an. Der Graf, der ihn natürlich für einen Jüngling hielt, fragte ihn, wozu er sich gebrauchen lassen wollte? Der Teufel aber sagte, er könnte Alles verrichten, wozu man ihn brauchen wollte. Der Graf nahm ihn an und fand, daß er in allen Künsten und Diensten erfahren wäre, weswegen er ihn mit jedem Tag höher schätzte und ihn endlich zu seinem Kammerdiener machte. Inzwischen aber reizte der Bösewicht die Diener und Soldaten zu allerlei Bösem an und gab sich alle Mühe, den Rosenkranz abzuschaffen.

Nach langer Zeit geschah es, daß die Mutter Gottes diese Sache einem Dominikaner offenbarte und ihm auf jenes Schloß zu reisen befahl. Als ihn die Soldaten sahen, fielen sie ihn plötzlich an, er aber begehrte wegen wichtiger Geschäfte zu ihrem Herrn geführt zu werden. Zu diesem sagte er, er möchte doch alle Diener und alles Gesind, das im Schlosse wäre, zusammenkommen lassen, da er ihnen eine Sache, wovon ihr ewiges Heil abhängig wäre, vorzutragen hätte. Alsbald kamen auf Befehl des Herrn alle zusammen, der Kammerdiener aber hatte sich eilends aus dem Schlosse gemacht. Der Pater merkte, daß Jener, dessen Gestalt ihm die Mutter Gottes beschrieben hatte, mangle; darum sprach er zu dem Grafen, sie wären noch nicht alle beisammen. Der Graf ließ nachsehen, und es fand sich, daß der Kammerdiener nicht da wäre. Er gab dann Befehl, denselben eilends zu suchen. Nach langem Suchen fand man ihn weit entfernt vom Schlosse spazieren gehen, und ließ ihn alsbald auf Befehl des Herrn rufen. Er weigerte sich zwar sehr, ins Schloß zu kommen, weil der Mönch darin wäre, mußte doch endlich wider seinen Willen erscheinen.

Der Pater erkannte ihn gleich an seiner Gestalt und beschwor ihn bei der Kraft Gottes, er solle sagen, wer er sei, und was er da mache. Alsbald verdrehte er seine Augen im Haupte und fing an grausam zu brummen, daß allen Gegenwärtigen anfing, bange zu werden. Als der Pater noch stärker ihm zusetzte, legte er seine menschliche Gestalt ab und zeigte sich in einer solchen schrecklichen teuflischen Gestalt, daß alle vor Schrecken und Entsetzen zitterten und bebten. Viele von den Soldaten und Dienern fielen in Ohnmacht, viele starben augenblicklich des jähen Todes, und die Übrigen ergriff ein solch heftiger Schrecken, daß sie ihre Lebtag keine rechte Farbe noch Gesundheit mehr bekamen, sondern immerdar blaß und kränklich aussahen. Der Pater allein kam ohne Schaden davon und vertrieb den Teufel aus dem Schlosse. Derselbe fuhr mit solchem Getöse hinaus, daß man meinte, es wolle Alles drunter und drüber gehen. Der Graf besserte hierauf sein Leben und wurde ein gottesfürchtiger Mann.

Aus diesem Beispiele siehst du, wie abscheulich der leidige Teufel aussehe, weil schon so viele verwegene Bösewichte, die sonst weder Gott noch Menschen fürchteten, durch seine kurze Erscheinung so sehr erschraken, daß sie in Ohnmacht fallen und des jähen Todes sterben mußten. Was für grausame Schrecken werden nun wohl die elenden Verdammten in der Hölle ausstehen müssen, welche unter so vielen tausend Teufeln ewiglich wohnen und ihre grausame Gestalt allzeit ansehen müssen. Wenn sie sterben könnten, müßten sie alle Augenblicke des jähen Todes sterben; weil sie aber nicht sterben können, müssen sie so grausamen Schrecken ausstehen, den keine menschliche Zunge aussprechen kann. Der liebe gütige Gott wolle uns Alle mit einander vor diesen grausamen Höllenhunden bewahren, damit wir nicht unter ihre unerträgliche Tyrannei geraten. Dies zu erhalten, wollen wir mit David sprechen:

„O Herr, übergib nicht den Bestien die Seelen, welche dich bekennen, und vergiß nicht der Seelen deiner Armen ewiglich. Amen!


Der andere Teil der höllischen Gesellschaft sind die Menschen, welche zugleich mit einander verdammt und in diesen höllischen Kerker zusammen eingesperrt sind. Von diesen reden vornehmlich die ruchlosen Weltkinder, wenn sie sagen:

„Wir mögen hinkommen, wohin wir wollen, so werden wir doch Gesellschaft finden.“

Wenn sie meinen, daß diese Gesellschaft ihres Gleichen ihnen Trost bereite, so irren sie gar gewaltig und werden bald sehen, wie unüberlegt oder wie dumm und boshaft eine solche Rede sei, und daß sie wohl, wenn sie einmal in der Hölle sind, wünschen werden, allein zu sein statt bei solcher Gesellschaft.

Dies zu erkennen, sollst du wissen, daß, gleichwie in der Hölle keine göttliche Liebe, also auch keine wahre Liebe des Nächsten ist, sondern Alle wider einander so erbittert sind, daß sie einander alles Übel von Herzen gönnen und Alle einander auf das Grausamste verspotten und vermaledeien. Je mehr Leute in der Hölle sind, desto mehr Feinde wirst du bei dir haben, und desto mehr werden daselbst sein, welche dich verspotten und dir alles Böse gönnen. Gleichwie auf Erden es eine große Pein ist, wenn Einer bei seinem Feinde, der ihm alles Leid antut, wohnen muß; so ist es auch in der Hölle eine große Pein, daß sie bei so vielen Tausenden sein müssen, welche sie von ganzem Herzen hassen und verabscheuen. Wie meinst du, daß es dir weh tun werde, wenn du von den leidigen Teufeln auf das Allerärgste gepeiniget und so übel traktiert und gequält wirst, daß du vor Leid und Schmerzen nicht weißt, wo aus oder ein, und dennoch unter so vielen Tausenden nicht einen einzigen Menschen findest, der mit dir Mitleiden trüge, sondern hingegen Alle dich verlachen, verfluchen und dir deine Pein von Herzen gönnen.

Es wäre wohl wenig Trost, wenn Jemand in der Hölle wäre, der aus herzlichem Mitleid bisweilen dir in deiner äußersten Not zu Hilfe käme, oder zum wenigsten dich mit einem einzigen tröstlichen Wörtlein anredete und spräche: „Mein lieber Freund! Leide deine Marter mit Geduld; gedenke, daß du es verschuldet hast und es nun nicht mehr zu ändern ist.“ Dies, sage ich, wäre zwar einiger, obwohl sehr geringer Trost, weil man sähe, daß noch Jemand wäre, der noch Erbarmen hätte; nun aber wird unter allen Kreaturen, die Gott erschaffen hat, in alle Ewigkeit keine einzige sein, welche das geringste Mitleid mit dir haben oder dir den allergeringsten Dienst erweisen wird, sondern Alle insgesamt werden dir feindlich gesinnt sein und dich, so viel sie immer können, plagen und peinigen helfen. Dein eigner Vater und deine eigne Mutter, dein eignes Weib und deine Kinder, deine eigenen Brüder und Schwestern, deine eignen Freunde und Verwandte werden so gut deine Feinde sein, wie weltfremde Leute, und dir alles mögliche Leid antun, so viel in ihren Kräften steht.

·       Unter diesen deinen Feinden werden diejenigen am Ärgsten sein, welche du durch dein böses Beispiel geärgert und durch Rat und Tat zur Sünde und zur Hölle gebracht hast.

Denn diese werden dich so grausam hassen und anfeinden, so erschrecklich verfluchen und verwünschen, und so tyrannisch martern und quälen, als wenn sie keine Menschen, sondern lauter höllische Drachen und leidige Teufel wären. Hiervon erzählt der heilige Bernardinus folgendes Beispiel:

Ein reicher Wucherer hatte zwei Söhne, deren einer beim Vater in der Welt verblieb, der andere aber in den Ordensstand trat. Bald darnach starb der Vater, und nicht lange hernach der weltliche Sohn, welcher ihm in der Erbschaft gefolgt war. Hierüber betrübte sich der geistliche Sohn und bat Gott inständig, er wolle ihm den Zustand seines Vaters und Bruders in jener Welt offenbaren. Nach langem Bitten wurde er in die Hölle verzückt, konnte aber nach vielem Umsehen seinen Vater und Bruder nicht bemerken. Endlich sah er einen erschrecklich feurigen Abgrund, dessen Flamme unsäglich hoch in die Höhe schlug. In dieser Flamme  sah er seinen Vater und Bruder mit einer eisernen Kette zusammengeschmiedet und gegen einander grimmig wüten und toben (so 1859 geschrieben: das erste zusammen, das zweite auseinander). Der Vater verfluchte den Sohn und legte die Schuld seiner Verdammnis auf ihn, indem er sprach:

„Verflucht und vermaledeit seist du schalkhafter Sohn; denn du bist die einzige Ursache meiner Verdammnis; damit ich dich reich mache, habe ich gewuchert, und so bin ich um deinetwillen in diese Pein geraten.“

Hingegen verfluchte der Sohn den Vater und warf auf ihn die Schuld seiner Verdammnis, indem er sprach:

„Verflucht und vermaledeit seist du gottloser Vater; denn du bist die einzige Ursache dieser meiner Verdammnis. Hättest du nicht gewuchert und mir kein ungerechtes Gut hinterlassen, so hätte ich kein ungerechtes Gut besessen und wäre nicht in diese Pein geraten.“

So einander verfluchend und vermaledeiend fuhren sie wieder in ihren Abgrund hinab und ließen den Ordensmann in großem Schrecken und in großer Verwirrung.“

So wird es auch dir ergehen, wenn du einen Menschen zur Verdammnis gebracht oder nicht davon abgehalten, wenn du gekonnt hast. Dein Weib und deine Kinder werden dich verfluchen und sich wider dich beklagen und sprechen:

Verflucht und vermaledeit seist du von Gott und allen Heiligen, du schalkhafter Bösewicht; und verflucht und vermaledeit seist du in Ewigkeit! Denn durch dein böses Beispiel hast du Ärgernis gegeben und uns zu vielen schweren Sünden gebracht. Hättest du uns besser zur Andacht angeführt, hättest du uns mehr vom Bösen abgehalten, hättest du nicht so viel gesoffen, gespielt, hättest du nicht so viel gezankt und geflucht, hättest du uns nicht so prächtig geputzt und gekleidet, hättest du uns nicht so viel Eitelkeit und Mutwillen zugelassen, so hätten wir niemals ein so böses Leben geführt und wären niemals in dies unendliche Elend geraten. Nun aber bist du durch dein böses Leben all unsers Unheils Schuld, und du verfluchter Mann hast uns zu dieser ewigen Verdammnis gebracht. Darum sei verflucht und vermaledeit in Ewigkeit, und Alles, was Gott erschaffen hat, soll dich mit uns verfluchen und vermaledeien! Wir gönnen dir deine Verdammnis vom Grunde unsers Herzens und wünschen alle, daß du noch hundert tausendmal mehr geplagt werden möchtest. In Ewigkeit werden wir deine ärgsten Feinde sein, und werden dich nach aller Möglichkeit plagen und peinigen helfen,

Auf diese, ja noch tausendmal ärgere Weise wirst du von deinem Weibe und deinen Kindern, von Vater und Mutter, Brüdern und Schwestern und Allen, welche du zur Sünde gebracht hast, verflucht werden, und wirst von ihnen wie von grimmigen Henkern gepeiniget und gemartert werden. Dies wußte der reiche Mann gar wohl; darum bat er den Vater Abraham so inständig, er wolle doch den Lazarus in seines Vaters Haus senden, damit er seinen Brüdern verkündigte, daß sie nicht auch in den Ort der Qual kämmen, was er nicht aus Liebe tat, wie der heilige Antonius sagt, sondern weil er wußte, daß durch die Verdammnis seiner Brüder seine Pein vermehrt würde.

Gesetzt aber, daß in der Hölle noch eine natürliche Liebe wäre, besonders zu den Freunden und Bekannten, welche sich im Leben aufrichtig geliebt haben, und die keine Schuld an der gegenseitigen Verdammnis tragen, so würde dennoch auch die Gesellschaft dieser deiner Freunde deine Pein nicht verringern, sondern vermehren, und zwar um so viel mehr, je größer deine Liebe gegen sie sein würde. Denn was für ein Herzeleid würdest du haben, wenn du deinen getreuesten Freund so schreckliche Peinen leiden sehen müßtest, ohne ihm auch im Geringsten helfen zu können? Wie sehr müßte es dir wehe tun, wenn du ihn so jämmerlich heulen, rufen, schreien und klagen hörtest? Was für ein Entsetzen würde dich überfallen, wenn du sähest, wie die Teufel ihm alle Marter ohne alle Barmherzigkeit antäten? Müßte dir da nicht dein Herz im Leibe vor Mitleid brechen? Daraus folgt nun, daß nicht allein die Gesellschaft deiner Feinde, sondern auch deiner allerliebsten Freunde deine Pein vermehren werde.

Neben dieser innerlichen Pein und Herzensqual vermehren auch die Verdammten einander gewaltig ihre äußerlichen und leiblichen Peinen, und zwar erstlich, daß sie so gepreßt aufeinander liegen, und keiner sich vor dem andern bewegen noch regen kann. (Anmerkung ETIKA: Dies dürfte, wenn man die Aussagen der Propheten und der weisen Männer und Frauen der Kirche vergleicht, nur auf wenige zutreffen, und auch nur zeitweilig. Die Situation ist differenzierter und milliardenfach gerechter, wie wir in unserem Roman darlegen werden, wenn Gott es gestattet und uns erleuchtet.) Zweitens, weil sie so gewaltig stinken und einander mit ihrem unerträglichen Gestank schier umbringen. Denn je mehr Verdammte in der Hölle sind, desto größer ist auch der Gestank, weil ein jeder Leib unglaublicher Weise übel riecht und stinkt. Drittens, weil sie so furchtbar schreien, und mit ihrem schaudervollen Geschrei die ganze Hölle erfüllen; denn in diesem brennenden Kerker wird ohne Unterlaß ein solches erschreckliches Heulen und Schreien sein, daß es einem Jeden durch Mark und Bein gehen wird. Von diesem Schreien tut Christus ausdrückliche Meldung, indem er bei Matthäus viermal wiederholt: „Allda wird sein Heulen und Zähneknirschen.“ Dies wiederholt er deswegen so vielmal, damit wir tief zu Gemüte führten, was für eine große Pein dies sei. Darum bedenke, was für ein ungeheures Geschrei in der Hölle sei, wo so viele hundert tausend Millionen Menschen zugleich mit einander aus vollem Halse rufen und schreien werden. Denn weil sie alle mit einander alle Augenblicke mit unmenschlichen Peinen gemartert werden, so folgt ja daraus, daß Alle mit aller Kraft heulen und schreien werden. Weil ihre Marter von Ewigkeit zu Ewigkeit währen, und nimmermehr einen einzigen Augenblick aufhören wird, so wird ihr Rufen und Schreien in Ewigkeit währen, und nimmermehr einen einzigen Augenblick aufhören.

Mit den Verdammten werden auch zugleich die leidigen Teufel heulen und ein solches unerhörtes Geschrei anfangen, daß der ganze höllische Kerker darüber erzittern wird. Etliche Teufel brüllen wie die Löwen, andere heulen wie Wölfe, andere bellen wie die Hunde, andere grunzen wie die Schweine, andere schreien wie die Katzen, und andere werden auf andere Manier wüten und ein solches unaussprechliches Gebrüll unter einander machen, daß Himmel und Erde sich darüber bewegen möchten. Wenn nun so viele hundert tausend Millionen Teufel und Menschen aus aller Gewalt zusammen heulen werden, so ist wohl leicht einzusehen, daß dies ein so schreckliches Geschrei sein werde, daß es kein menschlicher Verstand sich einbilden kann. Hiervon merke folgendes Beispiel, welches uns die Cistercienser-Chronik erzählt:

Als ein weltlicher Jüngling in selben Orden getreten und wegen der großen Strenge wieder herauszugehen entschlossen war, siehe, da erschien ihm im Schlafe seine verstorbene Mutter und sprach:

„Mein Sohn, warum willst du den Orden verlassen, der ja doch ein sicherer Weg für dich zum Himmel ist?“

Der Sohn sprach: Weil ich die Strenge des Ordens nicht ausstehen kann.

Da sprach die Mutter: Ach du Elender! Kannst du eine leichte und kurze Buße nicht gedulden, wie willst du dann die ewige Pein der Hölle ausstehen?

Der Sohn sprach: Mich dünkt, es könne keine ärgere Hölle sein, als der Orden ist.

Da nahm ihn die Mutter bei der Hand und führte ihn wider seinen Willen mit sich und sprach: Komm, ich will dir zeigen, was die Hölle sei. Als sie noch ferne von der Hölle waren, hörte der Noviz ein solches ungeheures und erschreckliches Geschrei, daß er meinte, die ganze Welt ginge unter und über sich, und wurde auch von diesem entsetzlichen Heulen so erschreckt, daß er zu Boden fiel und meinte, Hören und Sehen müßte ihm vergehen.

Daher sprach er zu seiner Mutter: O Mutter, führe mich nicht weiter fort, da mir vor solchem grimmigen Geschrei Hirn und Herz zerspringen will.

Da sprach sie: Wenn du mir versprichst, im Orden zu bleiben, so will ich dich zurückführen. Er war hiervon aber ganz krank und wie zerschlagen. Er dachte von da an nie mehr daran, den Orden zu verlassen.

Wenn nun dies Geschrei, welches der Jüngling nur im Geiste und von Ferne gehört hat, ihn so erschreckt hat, daß er nicht allein meinte, taub zu werden, sondern gar des jähen Todes zu sterben, ach, wie wird es dann die Verdammten peinigen, welche es nicht von der Ferne, sondern in der Nähe hören müssen! Werden sie nicht meinen, die Hirnschale müßte ihnen zerspringen!

Auch der Umstand vermehrt noch die Pein, weil ein Jeder von den Verdammten an allen Gliedern seines Leibes so voll Schmerzen ist und am Haupte besonders ungeheuere Peinen leidet, so daß er nicht weiß, wohin er sich vor lauter Elend und Kummer wenden soll. Nun weiß man aber wohl, daß wenn ein Kranker mit Schmerzen sehr überhäuft ist, er es nicht leiden könne, wenn man ein hartes Wort redet. Wenn ungefähr Jemand hart geht oder tritt, so meint er, es gehe ihm durch Hirn und Haupt, und wird gleich unwillig. Wenn nun dem so ist, so magst du leicht einsehen, wie das immerwährende, ungeheure höllische Geschrei den Verdammten so lästig und schmerzlich sein werde, und wie es ihnen ihre Pein gewaltig vermehren würde. Sie müßten ja von solchem Getümmel taub und gehörlos werden, ja gar von Sinnen und Verstand kommen, wenn es möglich wäre.

Es wird auch die Pein der Verdammten gar sehr vermehrt durch die Abscheulichkeit ihrer Leiber und durch den großen Schrecken, welchen sie einander einjagen. Von dieser Abscheulichkeit redet der hl. Anselmus so:

Gleichwie kein Gestank mit der Verdammten Gestank zu vergleichen ist, so kann auch keine Häßlichkeit dieser Welt gefunden werden, die mit ihrer Häßlichkeit verglichen werden könnte. Diese Abscheulichkeit kommt daher, weil sie stets im Feuer liegen und von demselben nicht nur ganz schwarz werden, sondern auch am ganzen Leibe so verbrannt ausschauen, daß sie ein Greuel (Anmerkung: diesmal so geschrieben) sind, anzusehen. Sie sind auch von Maden, Würmern und Ungeziefer so zerfressen, daß sie einem faulenden, stinkenden, toten Leibe, welcher von den Maden halb zerfressen ist, gleich sehen. Sie sind auch mit Ungeziefer, mit Schlangen und giftigen Tieren umgeben, daß sie Niemand ohne Todesschrecken ansehen kann. Ja sie sehen so grausam und abscheulich aus, daß, wenn ein lebendiger Mensch den allergeringsten Verdammten nur einen Augenblick lang ansehen sollte, er vor Schrecken den Verstand verlieren und vor Ohnmacht darnieder fallen müßte. So oft ein Verdammter den andern ansieht, so oft wird er von neuem Schauder überfallen, und so oft müßte er vor Schrecken sterben, wenn er sterben könnte. Nun bedenke, was es erst für ein gewaltiges Grausen sein müsse, bei so vielen tausend abscheulichen, stinkenden Menschen zu wohnen, und dieselben alle Augenblicke mit höchstem Schrecken seines Herzens anzusehen. Wenn keine Pein der Hölle mehr wäre als diese, so wäre sie ja Pein genug, die elenden Sünder zu peinigen.

 

Endlich wird auch die Pein der Verdammten unsäglich vermehrt durch die ewige Schande, welche sie ausstehen müssen. Denn in der Hölle, wie der hl. Thomas sagt, werden eines Jeden Sünden Allen und Jeden so deutlich und klar bekannt sein, als wenn sie dieselben mit leiblichen Augen sähen. Was für eine Pein das sei, kann ein Jeder einigermaßen betrachten, weil auf dieser Welt keine größere Pein ist, als wenn Jemandens heimliche Sünden geoffenbaret, und dieselben zum Gegenstand des öffentlichen Gespöttes werden. Wenn die Ehre fort ist, so ist Alles fort, und es wäre besser, tot zu sein, als ehrlos zu leben.

Wie tut es einem edeln Gemüte so wehe, wenn Alle mit Fingern auf ihn weisen und ihn öffentlich verspotten! Wie tut es sogar einem Diebe so wehe, wenn man ihm einen Galgen auf die Stirne brennt, und ihn sein Lebtag mit solchem schändlichen Brandmal herumgehen läßt. Wenn er ein Fünklein Ehre in seinem Leibe hat, so muß er sich schämen, vor einem ehrlichen Menschen zu erscheinen, und so oft er gesehen wird, muß er schamrot werden.

Solche schändliche Brandmale werden allen Verdammten auf ihre Stirne, auf ihre Backen, auf ihre Rücken, und auf alle Glieder, mit welchen sie gesündiget haben, von den Teufeln gebrannt werden, damit alle Verdammten klar sehen können, was für Schandtaten ein Jeder all sein Lebtag begangen habe. Was für eine Schande dies ihnen bereite,, und wie schimpflich sie von Allen werden verspottet werden, mag ein jedes ehrliche Gemüt betrachten. Am jüngsten Tage werden sie Alle eine unendliche Schande ausstehen, weil alle ihre Sünden vor aller Welt offenbar werden; aber dennoch ist diese Schande viel größer, weil jene nur eine Zeitlang währt, diese aber in Ewigkeit kein Ende nimmt.

Dies hat ihnen Gott ja ernstlich angedrohet, indem er durch den Propheten Jeremias am 23. Kap. Spricht:

„Ich lege auf euch ewigen Hohn und ewige Schmach, die durch kein Vergessen wird getilget werden.“

Denn die Verdammten, machen sie auch, was sie wollen, werden diese Brandmale nicht auslöschen, noch vor einem einzigen Menschen verbergen können. Daher spricht der heil. Ephrem:

„Es wird ihnen diese Schmach und Schande erschrecklicher sein als das höllische Feuer“,

weil ihnen allezeit vor Augen stehen werden die Malzeichen jener Sünden, welche sie auf Erden begangen haben. Diese ihre Beschämung haben sie schon vorlängst bei David beklagt, da sie im 43. Psalm so reden:

„Du hast uns zum Spott gesetzt unsern Nachbarn, und zum Schimpfe und Gelächter Derer, welche rings um uns sind. Den ganzen Tag ist unsere Schmach wider uns, und die Scham unseres Angesichts bedecket uns vor der Stimme des Schmähers und Lästerers, vor dem Angesichte des Feindes und Verfolgers.“

Denn alle Teufel werden die Verdammten auf das Schändlichste verspotten und vor allen höllischen Einwohnern zeigen, wie sich ein Jeder bei der Begehung seiner Sünden angestellt und verhalten habe. Es wird auch ein Verdammter den andern mit den schimpflichsten Zunamen anfahren und ihm alle seine Sünden und Schandtaten vorwerfen, was ihnen mehr leid tun wird als alle leiblichen Peinen, und sie mehr brennen wird als das höllische Feuer.

Hievon erzählt Dionysius, der Carthäuser, ein Beispiel von einem gottseligen Bruder in England, welcher von dem grünen Donnerstag bis auf den Osterabend verzückt gewesen, und nach der Verzückung auf inständiges Anhalten der Brüder folgende Dinge erzählt hat:

Ich und meine Führer gingen einen langen Weg, bis wir endlich in eine weite Gegend kamen, gar grausam anzusehen, in welcher eine unzählbare Menge Männer und Weiber waren, vielen unsäglichen Peinen und Martern unterworfen. In diesen Peinen wurden vornehmlich die sodomitischen Sünden (Anm.: richtig wohl: Sünder) gepeiniget, welche von großen, feurigen und erschrecklichen Untieren angefallen wurden. Diese Ungeheuer zwangen sie, wiewohl sie sich gewaltig widersetzten, sich mit ihnen zu vermischen, und umfingen ihre Leiber mit ihren Füßen abscheulicher Weise, von welchem schändlichen Umfangen und schmerzlichen Drücken die Armseligen eine solche Pein litten, daß sie vor großer Marter erzitterten und gewaltig heulten und brüllten. In diesen Qualen sah ich einen mir wohlbekannten Mann, welcher in der Welt ein berühmter Doktor und ansehnlicher Herr gewesen war, welcher mit erbärmlicher Stimme schrie:

„Wehe, wehe, wehe mir, daß ich jemals gesündiget habe, denn meine Pein wird alle Tage größer und erschrecklicher! Aber unter so vielen tausendfältigen Peinen, welche ich täglich leide, schmerzt mich Nichts so sehr, als die unglückselige Vorstellung meiner sodomitischen Sünden, wodurch ich in Gegenwart aller Menschen und Teufel unsäglicher Weise verspottet werde. Denn neben meiner unaussprechlichen Marter werde ich von Allen mit unerträglicher Schande verflucht, und wegen meines großen Lasters zum Greuel und Abscheu gesetzt. Wehe, wehe mir Armen! Wer hätte je geglaubt, daß die so große Ehre und Glorie, welche ich in der Welt hatte, in so große Schande und Verachtung verwandelt werden sollte!“

Als er dies sagte, sah ich ihn mit unzählbaren Peinen so sehr zermartert werden, daß ich meinte, er müßte durch so viele Qualen ganz vernichtet werden. Ich nehme Gott zum Zeugen, daß Alles, was ich sage, schier Nichts zu rechnen sei gegen jene Peinen, welche ich an diesem Orte gesehen habe.

Hieraus siehst du, daß, obschon die höllischen Peinen allen menschlichen Verstand übertreffen, dennoch von den Verdammten nichts  peinlicher erachtet werde, als eben, daß sie wegen ihrer Sünden so schändlich verspottet und beschimpft werden. Aus allem hier Gesagten folgt nun doch gewiß ganz klar und deutlich, daß die Gesellschaft und Menge der Verdammten ihnen ihre Pein nicht verringere, sondern vermehre. Darum freue dich hinfür nicht mehr, daß du in jener Welt Gesellen findest, sondern fürchte dich von Herzen wegen der furchtbaren Qualen und des großen Spottes, welcher dir von diesen losen Gesellen zugefügt werden wird. Damit du dieser verfluchten Gesellschaft entgehen mögest, so hüte dich vor jener Gesellschaft, welche dich leicht zum Bösen und zur Verdammnis führen könnte.

Bitte auch Gott und die allerseligste Jungfrau (Anmerkung ETIKA: Zu diesem Gebet fordern wir besonders auch die Perversen zum Heil ihrer Körper und Seelen auf und damit sie vor ewiger Diskriminierung bewahrt bleiben!)  und deinen heiligen Schutzengel, deinen heiligen Namenspatron und andere heilige Patronen, daß sie dich hienieden vor jeder bösen Gesellschaft und jenseits von der Gesellschaft der Verdammten beschützen mögen. Sprich recht andächtig folgendes Gebet:

O mein Gott und Herr! Du hast mich erschaffen, auf daß ich aufgenommen werde in die Gemeinschaft deiner Kinder, und daß ich hienieden dir treu dienen soll in deiner heiligen Kirche, welche deine Familie ist. Darum hast du mich zur heiligen Taufe gelangen lassen und durch diese mich an Kindesstatt angenommen und mich deinen heiligen Engeln und Heiligen und Auserwählten durch das Band der Gnade zugesellet. Ach! ich hätte nun auch als treues Kind dir dienen und deinen heiligen Willen so freudig erfüllen sollen, wie ihn die Engel und Heiligen im Himmel erfüllen, wie mich dein göttlicher Sohn beten lehrte: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf Erden.“ O, wie oft habe ich mich gegen dich aufgelehnt! O, wie oft und vielmal habe ich auf diese Weise deiner vergessen und mich der heiligen Gemeinschaft mit dir und allen Auserwählten unwürdig gemacht! Ich bereue herzlich, daß ich mich so fort zu den Bösen hinzugesellet und mich in ihre Gesellschaft begeben habe. Von jetzt an aber soll das nie und nimmermehr geschehen. Gib du mir die Gnade, daß ich jetzt und allezeit mich entfernt halte von jeder bösen Gesellschaft, und nur meine Freude an dir und allen Auserwählten haben möge. Darum bitte ich durch das Blut Jesu Christi und durch die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria, meines heiligen Schutzengels, meines heiligen Namenspatrons und aller lieben Heiligen. Amen.

(Pater Martin von Cochem: Von den vier letzten Dingen, dem Tode, dem Gerichte, der Hölle und dem Himmelreiche. Neue umgearbeitete – Anmerkung ETIKA: entschärfte? - Auflage. Verlag der Joseph Thomann´schen Buchhandlung. Landshut, 1859. VIII. Kapitel. Von der höllischen Gesellschaft, Seite 141 - 153)