ETIKA

GOTT

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21.4.2001 – 2.10.2013

1-1G2

Gottes Gerechtigkeit

Handbuch des einfachen Lebens, Kapitel 38

1-1G2A
"Gott gibt jedem nach seinen Werken, nach den ä u ß e r n in Wort und Tat, als Früchten dessen, was der Mensch innerlich ist, und nach den i n n e r n , Gedanken, Wünschen, Begierden, Vorsätzen, Entschließungen, Plänen." (Friedrich Lisco 44) Gott wägt die Absicht. (Nachfolge Christi II 6)

1-1G2B
"Die göttliche Gerechtigkeit offenbart sich auf Erden schon in den mannigfachen Gerichten, die über einzelne und über ganze Völker kommen; ganz und unvollständig wird sie sich erst im letzten großen Gericht enthüllen." (Friedrich Gustav Lisco: Das christlich-apostolische Glaubensbekenntnis. Berlin 1842, S. 44)

"Erhebe die Augen und sieh die Unendlichkeit und Größe jenes Herrn, den die Mächte des Himmels anbeten. Sieh die schreckliche Größe seiner Gerechtigkeit und die so furchtbaren Strafen, die er bis heute in der Welt gegen die Sünde verhängt hat, nicht nur über einzelne Personen, sondern auch über Städte, Völkerschaften, Königreiche und Provinzen, und zwar auf der ganzen Welt." (Luis de Granada, Guía de Pecadores = Führer für Sünder, 1 IX)

1-1G2C

"Der Glaube sagt dir, daß du über dir einen Richter hast, vor dessen Augen alle Schritte und Augenblicke deines Lebens gegenwärtig sind, wobei es sicher ist, daß der Tag kommen wird, an dem er sogar über ein unnützes Wort Rechenschaft fordert." (aaO X)

"Gott wäre nicht gerecht, wenn er überhaupt keinen Unterschied machte zwischen denen, die ihm dienen, und jenen, die ihn beleidigen." (hl. Pfarrer von Ars)

1-1G2D

"Nicht Gott ist es, der uns verdammt, wir selbst tun es durch unsere Sünden." (hl. Pfarrer von Ars)

"Die Kreatur wird so, wie die Sache, die sie liebt." (Katharina von Siena B 29)

1-1G2E

"Jedes Gute wird belohnt, jede Schuld bestraft. Wenn es nicht im ewigen Lohn belohnt wird, tut Gott dies: Entweder gibt er ihm (dem Sünder, der eine gute Tat begangen hat) die Zeit, um sein Leben bessern zu können, oder er schickt ihm durch seine Diener irgendein Hilfsmittel, um ihn den Händen der Dämonen zu entreißen; oder er überhäuft ihn mit zeitlichen Gütern oder er ordnet an, daß er, wenn er stirbt und - nehmen wir an - in der Hölle ist, weniger Qual auszustehen hat." (Katharina von Siena B 19)

1-1G2F

"Kein Leid wird so belohnt wie das Herzeleid und der geistige Kummer, denn dies sind die größten Qualen, und deshalb sind sie größrer Frucht wert." (Katharina von Siena B 225)

 

Die Gerechtigkeit Gottes

"Die vergeltende Gerechtigkeit Gottes besteht darin, daß Gott das Gute belohnt und das Böse bestraft (iustitia remunerativa und vindicativa). Gott hat aufgrund seiner sich selbst besitzenden und behauptenden Vollkommenheit bestimmt, daß mit dem sittlichen Wert der Lohn, mit der Sünde die Strafe verbunden sein soll. ... gott bestraft das Böse, indem er nicht nur Abschreckungs- und Besserungsstrafen verhängt (Sozinianer, Sattler, Hermes), sondern auch Vergeltungsstrafen (Weish 11,17; Jer 32,18; Röm 12,19). Durch sie wird die in der Sünde gestörte Ordnung wieder hergestellt. Doch könnte gott verzeihen, auch ohne zu strafen (gegen Anselm, Tournely, Dieringer), wenn auch nicht ohne vorausgehende Reue. ... Wenn im AT der Zug herber Strenge stärker in den Vordergrund trat als die Liebe, so geschah das in heildspädagogischem Interesse. Nicht bedeutet es, daß Gott im Laufe der Zeit milder wurde und seine Liebe allmählich seine Gerechtigkeit zurückdrängte. Zudem fehlt im AT die Offenbarung der Liebe nicht. ... Sie erreicht nur nicht die Klarheit und Kraft des NT."

(Michael Schmaus, Professor an der Universität München: Katholische Dogmatik, Erster Band, Hochschulverlag Hueber München 1948, Copyright 1938, S. 603)

 

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