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ETIKA |
DAS LEBEN MARIAS |
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1-4G423 |
Reise von Gaza
bis Heliopolis |
Die geheimnisreiche Stadt Gottes.
Geschichte des Lebens der heiligsten Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen
Klosterjungfrau Maria von Agreda geoffenbart wurde. 4. Buch, 23. Kapitel.
Regensburg 1904 |
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Nachdem sie Gaza verlassen, mieden
die Reisenden die stärker bevölkerten Gegenden Palästinas, und begaben sich in
die Wüste Berseba, deren sechzig Meilen sie zurüclegten, um nach
Heliopolis (Kairo) zu gelangen. Der sandige Weg erlaubte ihnen nur kurze
Tagesreisen. Joseph und Maria standen viel Ungemach und Beschwerden aus. Oft
mußten sie die Nacht unter freiem Himmel zubringen. Da es Februar war,
so hatten sie bedeutende Kälte zu erleiden.
In der ersten Nacht, welche sie in
der Wüste zubrachten, ließen sie sich unter der Klippe eines Berges nieder.
Maria setzte sich auf die Erde, und reichte ihrem Kind die Brust. Dieses
tröstete sie mit lieblicher Gebärde. Joseph hatte seinen Mantel über einige
Stöcke ausgespannt, damit das göttliche Wort und die heilige Jungfrau darunter
einigen Schutz genießen möchten. Die Engel traten umher und hielten Wache. Das
göttliche Kind schlief ein wenig auf ihren Armen; sie dagegen wachte beständig
und unterhielt sich in himmlischen Gesprächen mit Gott und seinen Engeln.
Joseph lag auf dem Boden und hatte sich das Reisebündel als Kopfpolster
untergelegt.
In den folgenden Tagen gingen die
mitgenommenen Vorräte aus, und die heiligen Gatten hatten Hunger zu
leiden. Eines Tages waren sie bis abends neun Uhr gewandert, ohne das geringste
genossen zu haben. Da stellte Maria ihre Not Gott vor, und bat, daß ihr
und ihrem Gatten das Leben gefristet werden möge, damit sie für das
menschgewordene Wort sorgen könnten.
Gott sendete ihnen aber
eine noch größere Bedrängnis; denn es erhob sich ein heftiges Ungewitter mit
Regen und Sturm, das nicht
allein den Reisenden sehr zusetzte, sondern sie auch mit banger Besorgnis um
das Kind erfüllte; dasselbe weinte und zitterte vor Frost.
Maria drohte den Elementen, sie
sollten ihren Schöpfer nicht so beleidigen. Wind und Wetter folgten gehorsam.
Das Kind dagegen gebot den Engeln,
seine Mutter zu schützen. Die Engel bildeten einen Kreis um die heiligen Gatten, in welchem
sie gegen das Unwetter aufs herrlichste gesichert waren.
Nachdem die Not der Nahrungssorge am
höchsten gestiegen, waren es auch die Engel, welche die Darbenden mit Brot,
Früchten und Getränk versorgten.
Hier in der Wüste Berseba wurde ja
auch Elias einst von der Hand eines Engels gespeist. (3. Kön. 19,6)
Allein weder das dem Elias gebrachte Brot, noch das andere, das vorher die
Raben gebracht, noch das Manna oder die Wachteln, womit die Israeliten vom
Himmel herab gespeist worden, können mit den Wohlthaten verglichen werden,
welche Gott auf dieser Reise an den heiligen Pilgern wirkte. Der Größe der
Wohlthaten entsprach aber auch die Lebhaftigkeit des Dankes. Noch auf andere
Weise wurde wunderbar für die Erquickung der Reisenden gesorgt.
Oft,
wenn sich Maria niederließ, um zu rasten, fand sich um sie her eine große
Anzahl von Vögeln ein, welche sich ihr auf die Schultern und Hände setzten, und
sie durch ihren Gesang erheiterten. Maria forderte sie auf, in ihren Liedern
den Herrn zu preisen. Auf liebliche Weise entsprachen die Vögel den
Aufforderungen der jungfräulichen Mutter.
Ebenso unterhielten die Engel Maria
mit lieblichen Gesprächen. Oft klagte Maria gegen das Kind über die
Beschwerden, die ihm die Reise verursachen müsse. Das Kind aber erklärte sich
zufrieden und unbeschwert.