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ETIKA |
DAS LEBEN MARIAS |
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María von Ágreda |
Verrat
des Judas. Marias Verhalten dabei |
Die geheimnisreiche Stadt Gottes. Geschichte des Lebens der
heiligsten Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von
Agreda geoffenbart wurde. 6. Buch, 12. Kapitel. Regensburg 1904, s. 329 - 331 |
†
Der Heiland trat auf dem Ölberg an seine schlafenden Jünger zum dritten Male heran und sprach:
„Schlafet nur und ruhet; es ist genug: die Stunde ist gekommen; siehe, der Menschensohn wird in die Hände der Sünder überliefert. Stehet auf, lasset uns gehen! Sehet, der mich verraten wird, ist nahe!“
Diese Worte sprach Christus mit äußerster
Gelassenheit, Sanftmut und Lieblichkeit. Judas trat hervor, um seinen
Helfershelfern das verabredete Zeichen: den Kuß, zu geben.
Nachdem Judas den Verräterkuß gegeben, traten Christus mit seinen Jüngern und die bewaffneten Scharen einander gegenüber, gleichsam wie zwei feindliche Heerhaufen. Christus fragte:
Jene antworteten:
Er entgegnete:
Der schwere Inhalt dieses Wortes übte eine solche
Macht über die Feinde, dass sie allesamt nebst Hunden und Pferden, welche
sie zur Stelle gebracht hatten, zu Boden fielen, und regungslos wie Steine dort
liegen blieben. Eine halbe Viertelstunde lagen sie also in der Erstarrung.
Nachdem Christus gebetet, Gott möge seinem Willen
den weiteren Verlauf lassen, gab Gott zu, dass Menschen und Tiere, zum
Bewusstsein zurückgekehrt, sich wiederum erheben konnten. Zum anderen Male
stellte Christus die Frage:
Wiederum lautete die Antwort:
Christus entgegnete voll Sanftmut:
„Ich hab´ euch´s schon gesagt, dass ich´s bin; wenn ihr also mich suchet, lasset diese, welche mit mir sind, frei gehen.“
Christus wendete sich hiernächst an seine Verfolger,
und sprach die vom Evangelisten Matthäus aufbewahrten Worte:
Die Ungebührnisse, welche an ihrem heiligsten Sohne
begangen wurden, suchte inzwischen Maria dadurch zu sühnen, dass sie die Engel
und ihre Freundinnen einlud, dem Herrn alles Erschaffenen für die zu erleidende
Schmach und Unbilden die gebührende Anbetung zu spenden. So erweckte sie zu
wunderbaren Übungen des Glaubens, der Liebe und Gottseligkeit.
Die heiligen Frauen folgten Maria im Niederknieen,
und die Engel antworteten ihr auf die Lobgesänge, in denen sie die göttliche
und menschliche Wesenheit ihres göttlichen Sohnes pries. Sie milderte dadurch
nicht allein den Zorn des gerechten Richters, sondern erwarb denen, welche
Böses bezweckten, noch Wohltaten und Gnaden.
Maria bat sogar, es möchte dem Judas noch einmal
Hilfe angeboten werden, mit deren Benutzung er dem Verderben entgehen könne. Gott entsprach diesem
Wunsche, und Judas hätte noch Verzeihung erhalten, wäre er der dargebotenen
Gelegenheit zur Sühne gefolgt.
Als die Soldaten zur Erde fielen, stimmte Maria mit den Engeln einen Lobgesang an, worin sie die unendliche Allmacht und Kraft des Allerhöchsten, sowie den Sieg pries, welchen sein Name erhalten, als er den Pharao samt den Seinigen in das rote Meer versenkte. Sie bat auch, dass Christus die Gefallenen sich wieder möge erheben lassen, und ihnen möge verziehen werden. Als man Christum band und fesselte, empfand Maria die Schmerzen der Ketten und Stricke, als wenn sie selber gebunden worden wäre.