ETIKA
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DAS LEBEN MARIAS

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13.4.2001, Karfreitag

María von Ágreda

Verrat des Judas. Marias Verhalten dabei

Die geheimnisreiche Stadt Gottes. Geschichte des Lebens der heiligsten Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda geoffenbart wurde. 6. Buch, 12. Kapitel. Regensburg 1904, s. 329 - 331

Der Heiland trat auf dem Ölberg an seine schlafenden Jünger zum dritten Male heran und sprach:

„Schlafet nur und ruhet; es ist genug: die Stunde ist gekommen; siehe, der Menschensohn wird in die Hände der Sünder überliefert. Stehet auf, lasset uns gehen! Sehet, der mich verraten wird, ist nahe!“

Diese Worte sprach Christus mit äußerster Gelassenheit, Sanftmut und Lieblichkeit. Judas trat hervor, um seinen Helfershelfern das verabredete Zeichen: den Kuß, zu geben.

Nachdem Judas den Verräterkuß gegeben, traten Christus mit seinen Jüngern und die bewaffneten Scharen einander gegenüber, gleichsam wie zwei feindliche Heerhaufen. Christus fragte:

„Wen suchet ihr?“

Jene antworteten:

„Jesum von Nazareth!“

Er entgegnete:

„Ich bin´s.“

Der schwere Inhalt dieses Wortes übte eine solche Macht über die Feinde, dass sie allesamt nebst Hunden und Pferden, welche sie zur Stelle gebracht hatten, zu Boden fielen, und regungslos wie Steine dort liegen blieben. Eine halbe Viertelstunde lagen sie also in der Erstarrung.

Nachdem Christus gebetet, Gott möge seinem Willen den weiteren Verlauf lassen, gab Gott zu, dass Menschen und Tiere, zum Bewusstsein zurückgekehrt, sich wiederum erheben konnten. Zum anderen Male stellte Christus die Frage:

„Wen suchet ihr?“

Wiederum lautete die Antwort:

„Jesum von Nazareth.“

Christus entgegnete voll Sanftmut:

„Ich hab´ euch´s schon gesagt, dass ich´s bin; wenn ihr also mich suchet, lasset diese, welche mit mir sind, frei gehen.“

Christus wendete sich hiernächst an seine Verfolger, und sprach die vom Evangelisten Matthäus aufbewahrten Worte:

„Wie zu einem Mörder seid ihr ausgezogen u. s. w.“

Die Ungebührnisse, welche an ihrem heiligsten Sohne begangen wurden, suchte inzwischen Maria dadurch zu sühnen, dass sie die Engel und ihre Freundinnen einlud, dem Herrn alles Erschaffenen für die zu erleidende Schmach und Unbilden die gebührende Anbetung zu spenden. So erweckte sie zu wunderbaren Übungen des Glaubens, der Liebe und Gottseligkeit.

Die heiligen Frauen folgten Maria im Niederknieen, und die Engel antworteten ihr auf die Lobgesänge, in denen sie die göttliche und menschliche Wesenheit ihres göttlichen Sohnes pries. Sie milderte dadurch nicht allein den Zorn des gerechten Richters, sondern erwarb denen, welche Böses bezweckten, noch Wohltaten und Gnaden.

Maria bat sogar, es möchte dem Judas noch einmal Hilfe angeboten werden, mit deren Benutzung er dem Verderben entgehen könne. Gott entsprach diesem Wunsche, und Judas hätte noch Verzeihung erhalten, wäre er der dargebotenen Gelegenheit zur Sühne gefolgt.

Als die Soldaten zur Erde fielen, stimmte Maria mit den Engeln einen Lobgesang an, worin sie die unendliche Allmacht und Kraft des Allerhöchsten, sowie den Sieg pries, welchen sein Name erhalten, als er den Pharao samt den Seinigen in das rote Meer versenkte. Sie bat auch, dass Christus die Gefallenen sich wieder möge erheben lassen, und ihnen möge verziehen werden. Als man Christum band und fesselte, empfand Maria die Schmerzen der Ketten und Stricke, als wenn sie selber gebunden worden wäre.

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