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ETIKA |
DAS
LEBEN MARIAS |
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María von Ágreda |
Christi
Auferstehung von den Toten. Er erscheint mit den Erzvätern aus der Vorhölle
seiner Mutter. Wie sich der Herr den Marien und Aposteln offenbarte,
davon hatte Maria die klarste innere Anschauung. |
Die geheimnisreiche
Stadt Gottes. Geschichte des Lebens der heiligsten Jungfrau Maria, wie
sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda geoffenbart wurde. 6.
Buch, 24. Kapitel. Regensburg 1904, Seiten
365 - 367 |
†
Einige von ihnen hatten auf Marias Befehl alles von
Christo vergossene Blut, die von den Wunden abgefallenen Fleischteile, das
ausgeraufte Haar und alle fehlende Substanz gesammelt.
Den Erzvätern wurde, als sie im
Grabe sich eingefunden, der mit Wunden überdeckte und verunstaltete Leib des
Herrn gezeigt.
Die Patriarchen, Propheten und Heiligen beteten
denselben unter dem Bekenntnis an, dass das menschgewordene Wort unsere
Schwachheiten und Schmerzen auf sich genommen. Adam und Eva wurden sich der
Größe der Verheerung bewusst, welche sie durch ihren Ungehorsam herbeigeführt,
und wie unendlich die Güte und Barmherzigkeit des Erlösers gewesen. Die
Propheten und Patriarchen erkannten die Erfüllung ihrer Weissagungen. Alle
priesen und lobten den Herrn.
In Gegenwart dieser heiligen
Seelen wurden alle Mängel des heiligen Leichnams durch die gesammelten
Partikeln auf eine geheimnisvolle Weise durch die Engel ergänzt. Zugleich
vereinigte sich die Seele des Herrn mit dem heiligen Leibe, welcher damit
unsterbliches Leben und Herrlichkeit annahm.
Statt der Tücher und Salben,
womit er bestattet worden war, wurde er mit den vier Eigenschaften der
Herrlichkeit, Klarheit, Leidlosigkeit, Fähigkeit, sich allerorts
hinzubewegen, und Durchdringlichkeit, ausgestattet.
Zuvor standen ihm diese Gaben schon
vom ersten Augenblicke der Empfängnis an zu Gebote. Sie waren aber
zurückgehalten, damit der Leib des vollen Leidens fähig sein, und Christus uns
die Herrlichkeit welche seinem eigenen Leibe entzogen war, desto heller
erkennen lassen möchte.
Die Wundmale blieben an den
Händen, den Füßen und in der Seite so schön und glänzend, dass sie zu noch
höherer Verherrlichung des verklärten Leibes dienten.
Durch seine Auferstehung gab Christus den Menschen
ein Pfand der Auferstehung eines jeglichen unter ihnen im Fleische und der
Verherrlichung des Gerechten.
Dieses Versprechen bekräftigte
Christus dadurch, dass er die Seelen vieler Heiligen in ihre Leiber sandte, um
sich mit denselben zu vereinigen und sie zu einem unsterblichen Leben zu
erwecken. So wurden viele Leiber Heiliger erweckt, namentlich die Leiber der
heiligen Anna und Joachims, des heiligen Joseph und anderer aus der Zahl der
Erzväter.
Auf Christi gebietende Stimme
setzten sich die dürren Gebeine der uralten Verstorbenen zusammen; das bereits
in Staub verwandelte Fleisch erneuerte sich, vereinigte sich mit den Gebeinen,
und nahm sein früheres Wesen und die verklärende Herrlichkeit dazu an.
Schön, durchsichtig, leicht und
rein standen diese Auferstandenen vor Christo, und waren imstande, ihm
überallhin zu folgen. Hiermit haben sie uns die Hoffnung gewährleistet,
dass auch wir in diesem unserem Fleische und mit diesen unseren Augen den
Erlöser sehen werden, wie es von Job (29,26.27.) zu unserem Troste vorhergesagt
worden.
Maria, welche alle diese Vorgänge
mit ihrem inneren Auge geschaut, war voll unaussprechlichen Jubels. Als
Johannes zu ihr hereintrat, fand er sie leuchtend, umgeben von den Zeichen der
Glorie. Er schloß hieraus, der Herr müsse von den Toten bereits auferstanden
sein.
Zu der mit heiligem Jubel bereits
erfüllten Jungfrau trat Christus, von den Heiligen und Patriarchen umgeben, in
das Zimmer hinein. Sie warf sich anbetend ihrem auferstandenen Sohne zu Füßen.
Er erhob sie und drückte sie an sich. Sie empfand eine neue, unbekannte, so
mächtige Gnade, dass sie dieselbe zu ertragen unvermögend gewesen sein würde,
wenn nicht der Herr und Engel sie gestärkt hätten.
Es begab sich das Wunder, dass
der verherrlichte Leib des Sohnes den Leib seiner jungfräulichen Mutter in sich
einschloß, sich mit ihr oder sie mit ihm durchdrang, wie wenn eine klare Kugel
in sich die Sonne einschließt, welche dieselbe mit der Schönheit und dem Glanze
ihres Lichts ganz und gar erfüllt.
Durch diese Gnade stieg der Geist
der Himmelskönigin zum Begriffe und zur Erkenntnis der verborgensten
Sakramente. Als sie sich darin befand, vernahm sie eine Stimme:
In Kraft dieser Stimme wurde sie
völlig verwandelt, und schaute die Gottheit. Einige Stunden lang genoß die
Jungfrau die Wesenheit Gottes mit ihrem allerheiligsten Sohne, und wurde seiner
Glorie nun eben so teilhaftig, wie vorher seiner Schmerzen.
Wie sie aufgestiegen war, stieg
sie allmählich wieder abwärts, und fand sich am Ende dieses Gnadenerweises auf
dem linken Arm der allerheiligsten Menschheit Christi lehnend. Sie pflog ein
überaus süßes Gespräch über die tiefen Geheimnisse seines Leidens und seiner
Herrlichkeit mit ihrem göttlichen Sohne, und wurde dadurch von neuem mit dem
Weine der Liebe erfüllt, den sie ohne Maß beim Ursprunge selber trank.
Maria erkannte alle ihr
vorgeführten Patriarchen und Propheten, und redete sie an, namentlich ihre
Eltern und den heiligen Joseph, sowie Johannes den Täufer, dann auch Adam und
Eva. Alle warfen sich vor Maria nieder, und erkannten sie als die Mutter des
Erlösers der Welt an, als eine Ursache des Heils, eine Beihelferin der
Erlösung, und wollten sie als solche verehren.
Allein die Meisterin der Demut
fiel auf ihre Knie nieder und widmete den Heiligen die schuldige Verehrung, die
ihnen deshalb gebührte, weil sie schon wirklich in den Stand der Seligen
aufgenommen worden waren. Maria forderte jene auf, mit ihr den Überwinder des
Todes und der Hölle zu preisen.