ETIKA
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DAS LEBEN MARIAS

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14.4.2001, Karsamstag

María von Ágreda

Christi Auferstehung von den Toten. Er erscheint mit den Erzvätern aus der Vorhölle seiner Mutter. Wie sich der Herr den Marien und Aposteln offenbarte, davon hatte Maria die klarste innere Anschauung.

Die geheimnisreiche Stadt Gottes. Geschichte des Lebens der heiligsten Jungfrau Maria, wie sie der ehrwürdigen Klosterjungfrau Maria von Agreda geoffenbart wurde. 6. Buch, 24. Kapitel. Regensburg 1904, Seiten  365 - 367

 

Christi Seele blieb von halb vier Uhr Freitag abends bis drei Uhr in der Frühe des nächsten Sonntags in der Vorhölle. Hierauf kehrte sie im Triumphe, von Engeln und Heiligen begleitet, welche er erlöset, und die nun Zeugen seines Sieges über den höllischen Feind waren, in das Grab zurück, wo der heilige Leichnam lag, welcher von vielen Engeln daselbst verehrt wurde.

 

Einige von ihnen hatten auf Marias Befehl alles von Christo vergossene Blut, die von den Wunden abgefallenen Fleischteile, das ausgeraufte Haar und alle fehlende Substanz gesammelt.

Den Erzvätern wurde, als sie im Grabe sich eingefunden, der mit Wunden überdeckte und verunstaltete Leib des Herrn gezeigt.

 

Die Patriarchen, Propheten und Heiligen beteten denselben unter dem Bekenntnis an, dass das menschgewordene Wort unsere Schwachheiten und Schmerzen auf sich genommen. Adam und Eva wurden sich der Größe der Verheerung bewusst, welche sie durch ihren Ungehorsam herbeigeführt, und wie unendlich die Güte und Barmherzigkeit des Erlösers gewesen. Die Propheten und Patriarchen erkannten die Erfüllung ihrer Weissagungen. Alle priesen und lobten den Herrn.

In Gegenwart dieser heiligen Seelen wurden alle Mängel des heiligen Leichnams durch die gesammelten Partikeln auf eine geheimnisvolle Weise durch die Engel ergänzt. Zugleich vereinigte sich die Seele des Herrn mit dem heiligen Leibe, welcher damit unsterbliches Leben und Herrlichkeit annahm.

 

Statt der Tücher und Salben, womit er bestattet worden war, wurde er mit den vier Eigenschaften der Herrlichkeit, Klarheit, Leidlosigkeit, Fähigkeit, sich allerorts hinzubewegen, und Durchdringlichkeit, ausgestattet.

Zuvor standen ihm diese Gaben schon vom ersten Augenblicke der Empfängnis an zu Gebote. Sie waren aber zurückgehalten, damit der Leib des vollen Leidens fähig sein, und Christus uns die Herrlichkeit welche seinem eigenen Leibe entzogen war, desto heller erkennen lassen möchte.

 

Die Wundmale blieben an den Händen, den Füßen und in der Seite so schön und glänzend, dass sie zu noch höherer Verherrlichung des verklärten Leibes dienten.

 

Durch seine Auferstehung gab Christus den Menschen ein Pfand der Auferstehung eines jeglichen unter ihnen im Fleische und der Verherrlichung des Gerechten.

Dieses Versprechen bekräftigte Christus dadurch, dass er die Seelen vieler Heiligen in ihre Leiber sandte, um sich mit denselben zu vereinigen und sie zu einem unsterblichen Leben zu erwecken. So wurden viele Leiber Heiliger erweckt, namentlich die Leiber der heiligen Anna und Joachims, des heiligen Joseph und anderer aus der Zahl der Erzväter.

 

Auf Christi gebietende Stimme setzten sich die dürren Gebeine der uralten Verstorbenen zusammen; das bereits in Staub verwandelte Fleisch erneuerte sich, vereinigte sich mit den Gebeinen, und nahm sein früheres Wesen und die verklärende Herrlichkeit dazu an.

Schön, durchsichtig, leicht und rein standen diese Auferstandenen vor Christo, und waren imstande, ihm überallhin zu folgen. Hiermit haben sie uns die Hoffnung gewährleistet, dass auch wir in diesem unserem Fleische und mit diesen unseren Augen den Erlöser sehen werden, wie es von Job (29,26.27.) zu unserem Troste vorhergesagt worden.

 

Maria, welche alle diese Vorgänge mit ihrem inneren Auge geschaut, war voll unaussprechlichen Jubels. Als Johannes zu ihr hereintrat, fand er sie leuchtend, umgeben von den Zeichen der Glorie. Er schloß hieraus, der Herr müsse von den Toten bereits auferstanden sein.

 

Zu der mit heiligem Jubel bereits erfüllten Jungfrau trat Christus, von den Heiligen und Patriarchen umgeben, in das Zimmer hinein. Sie warf sich anbetend ihrem auferstandenen Sohne zu Füßen. Er erhob sie und drückte sie an sich. Sie empfand eine neue, unbekannte, so mächtige Gnade, dass sie dieselbe zu ertragen unvermögend gewesen sein würde, wenn nicht der Herr und Engel sie gestärkt hätten.

 

Es begab sich das Wunder, dass der verherrlichte Leib des Sohnes den Leib seiner jungfräulichen Mutter in sich einschloß, sich mit ihr oder sie mit ihm durchdrang, wie wenn eine klare Kugel in sich die Sonne einschließt, welche dieselbe mit der Schönheit und dem Glanze ihres Lichts ganz und gar erfüllt.

Durch diese Gnade stieg der Geist der Himmelskönigin zum Begriffe und zur Erkenntnis der verborgensten Sakramente. Als sie sich darin befand, vernahm sie eine Stimme:

„Freundin, steige höher hinauf.“

 

In Kraft dieser Stimme wurde sie völlig verwandelt, und schaute die Gottheit. Einige Stunden lang genoß die Jungfrau die Wesenheit Gottes mit ihrem allerheiligsten Sohne, und wurde seiner Glorie nun eben so teilhaftig, wie vorher seiner Schmerzen.

 

Wie sie aufgestiegen war, stieg sie allmählich wieder abwärts, und fand sich am Ende dieses Gnadenerweises auf dem linken Arm der allerheiligsten Menschheit Christi lehnend. Sie pflog ein überaus süßes Gespräch über die tiefen Geheimnisse seines Leidens und seiner Herrlichkeit mit ihrem göttlichen Sohne, und wurde dadurch von neuem mit dem Weine der Liebe erfüllt, den sie ohne Maß beim Ursprunge selber trank.

 

Maria erkannte alle ihr vorgeführten Patriarchen und Propheten, und redete sie an, namentlich ihre Eltern und den heiligen Joseph, sowie Johannes den Täufer, dann auch Adam und Eva. Alle warfen sich vor Maria nieder, und erkannten sie als die Mutter des Erlösers der Welt an, als eine Ursache des Heils, eine Beihelferin der Erlösung, und wollten sie als solche verehren.

 

Allein die Meisterin der Demut fiel auf ihre Knie nieder und widmete den Heiligen die schuldige Verehrung, die ihnen deshalb gebührte, weil sie schon wirklich in den Stand der Seligen aufgenommen worden waren. Maria forderte jene auf, mit ihr den Überwinder des Todes und der Hölle zu preisen.

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