ETIKA

MARIA

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1-4H

Mariä Himmelfahrt

15.8.2015

Aus: Goldene Legende. Von P. Matthäus Vogel S. J. und P. Wilhelm Auer OFMCap. Köln am Rhein. Heinrich Wulfers Verlagsbuchhandlung. 1904. S. 643ff

15. August. Das Fest Mariä Himmelfahrt.

Das Fest der Himmelfahrt Mariä wurde schon zur Zeit des Kaisers Constantin mit großer Pracht gefeiert, und Papst Leo IV. befahl, dieses Fest durch acht Tage zu feiern.

Die seligste Jungfrau Maria wohnte die letzten Jahre ihres Lebens nach der Offenbarung der gottseligen Anna Katharina Emmerich, die mit den hl. Wundmalen begnadigt zu Dülmen starb, bei Ephesus auf einem Berge in einem eigenen Hause, das der hl. Apostel Johannes ihr dort aus Steinen erbauen ließ.

Als sie die Zeit ihres Todes durch göttliche Offenbarung nahe wußte, bat sie ihren göttlichen Sohn um die Erfüllung dessen, was er ihr bei seinem Abschiede im Hause des Lazarus verheißen. Es hatte ihr nämlich der Herr verheißen, daß bei ihrem Hinscheiden alle Apostel zugegen sein würden. Sogleich wurden alle Apostel, wo sie waren, auch in den entferntesten Ländern, durch Erscheinungen zu der heiligsten Jungfrau berufen. Die nicht zu Fuß zur bestimmten Zeit kommen konnten, wurden wunderbar durch Engel zum Hause der unbefleckten Jungfrau geführt.

Als alle in kurzer Zeit bis auf den Apostel Thomas erscheinen waren, brachte der heilige Petrus in priesterlichen Kleidern auf einem Altare im Hause Mariens das heilige Meßopfer dar und reichte der dem Sterben nahen jungfräulichen Gottesmutter die hl. Kommunion. Alle Apostel begleiteten den Petrus in feierlicher Ordnung.

Die heilige Jungfrau ruhte still und bleich auf dem Rücken in ihrem Bette. Sie schaute mit unverwandten Blicken himmelwärts, redete mit niemand und war wie in steter Verzückung. Sie schimmerte vor Sehnsucht.

Die Apostel, denen sie den Segen erteilt hatte, und mehrere Jünger standen um ihr Lager. Das Angesicht der heiligsten Jungfrau war blühend und lächelnd, wie in ihrer Jugend. Ihre Augen sahen mit heiliger Freude zum Himmel empor.

Im Augenblicke ihres Hinscheidens war eine Lichtbahn bis zu ihr; ihr Leib schwebte so hoch über ihrem Lager empor, daß man darunter hinwegsehen konnte. Ihre Seele ging in einer ungemein reinen Lichtgestalt aus ihrem Leibe, von zwei Chören der Engel auf der Lichtbahn zum Himmel begleitet. Der Leib sank dann auf das Lager mit über der Brust gekreuzten Händen.

Ihr Leib wurde nach dem damaligen Gebrauche in Tücher gehüllt und von den Aposteln unter Psalmengesang auf dem Berge ihres Wohnhauses bei der letzten Station des Kreuzweges begraben, den Maria täglich mit großen Schmerzen besuchte. Dies geschah zur Nachtszeit. Im Nachhausegehen sah man wieder eine Lichtbahn zum Himmel bis zur Grabstätte Jesu, auf welcher Jesus mit Engeln und Heiligen die Seele Mariens zum Grabe begleitete und sie mit verklärtem Leibe wieder in den Himmel zurückführte.

Während der Nacht kam der Apostel Thomas (Anm. ETIKA: aus Südindien). Mit ihm gingen am Morgen alle Apostel zum Grabe Mariens, weil er ihr Angesicht noch zu sehen wünschte, fanden aber in ihrem Grabe nur die Tücher, in welche ihr Leib gehüllt war.

Am Throne Gottes wurde der seligsten Jungfrau von ihrem Sohne Jesus, dessen Wunden hell leuchteten, ein Scepter übergeben, wobei er zur Erde blickte, als gebe er ihr Gewalt über diese.

Bei der Himmelfahrt Mariä waren unter den vielen Seelen, die ihr entgegenzogen, viele Patriarchen, Joachim, Anna, Joseph, Elisabeth, Zacharias und Johannes der Täufer, die sie mit freudiger Ehrfurcht begrüßten. Dem heiligen Antonius von Padua offenbarte Maria, daß sie auch mit dem Leibe in den Himmel aufgenommen worden sei.

Das Grab der seligsten Jungfrau verehrt man auch in einer Felsenhöhle zu Gethsemane. Dies kommt daher, weil Maria zur Zeit, als die Apostel zu Jerusalem das erste Concil gehalten haben, mit Johannes dahin reiste und bei dem Besuche der Leidensstätten Jesu dergestalt erkrankte,  daß man ihr das genannte Grab schon bereitete. Sie erholte sich aber wieder und konnte nach Ephesus zurückkehren. Graf Stolberg sagt in der Religionsgeschichte Jesu, daß Maria zu Ephesus bei Johannes wohnte. Maria hinterließ nur zwei ärmliche Kleider, die man den zwei Jungfrauen schenkte, die ihr die letzte Zeit beigestanden waren.

Beherzigung.

1 . Maria ist in und aus Liebe zu Gott gestorben. Wer wird sich darüber verwundern? Sie lebte beständig in der Liebe Gottes. Was sie sprach, tat oder litt, hat sie alles aus Liebe zu Gott geredet, getan und gelitten. Wie wirst du sterben? Wahrhaft, wenn du beständig oder größtenteils ohne Uebung der Liebe zu Gott, oder etwa gar in der Ungnade Gottes lebst, so hast du Ursache genug, zu fürchten, du werdest auch ohne Uebung dieser Liebe in der Ungnade Gottes dahin sterben; denn du hast schon mehrmals vernommen, daß man gewöhnlich stirbt, wie man gelebt hat.

„Das Ende wird nach ihren Werken sein,“ sagt der hl. Apostel Paulus. (II. Corinth. 11, 15.) Und längst vor ihm hat der Prophet Isaias diese Worte geschrieben: „Saget dem Gerechten, es werde ihm wohl ergehen; denn er wird die Früchte seiner Bemühungen genießen. Wehe aber dem Gottlosen, ihm geht´s übel; denn nach den Werken seiner Hände wird ihm vergolten.“ (Isaias 3, 10. 11.) Das ist, er wird wegen seiner Werke, wie er es verdient, gestraft werden. Er hat in Sünden gelebt, und wird in Sünden sterben und zugrunde gehen. Ein Wunder der göttlichen Barmherzigkeit ist es, wenn ein Mensch, der lange in Sünden gelebt hat, auf dem Todbette die Bußgnade noch durch die Fürbitte Mariä erlangt. Der heilige Augustin sagt: „Wir haben nur ein Beispiel, den (rechten) Schächer am Kreuze, damit kein Sünder verzweifle.“

2. Maria wurde in den Himmel über alle Heiligen erhoben, weil sie alle Heiligen auf Erden nicht nur an Würde und Hoheit, sondern auch an Tugenden und Verdiensten übertroffen hat.

Kannst du andere nicht an Tugend und Frömmigkeit übertreffen, so befleiße dich wenigstens, ihnen nachzufolgen. Heute noch fasse den Vorsatz, der göttlichen Mutter in Liebe zu Gott nachzufolgen. Was du redest oder tust, rede und tue wie Maria nach der Lehre und dem Beispiele Jesu und aus Liebe zu Gott. Um aber dies tun zu können, mußt du dich immer vollständiger zur Nachfolge Jesu bekehren. Wer mich liebt, hält meine Gebote, sagt Jesus. Bloße Gefühle sind keine Liebe zu Jesus. Was du zu leiden hast, leide aus Liebe zu Gott.

Maria wird eine Mutter der schönen Liebe genannt. Diese schöne Liebe besteht darin, daß man Gott wegen seiner selbst, und den Nächsten wegen Gott liebt. Maria ist die Mutter der schönen Liebe. Als solche rufe sie heute an mit großem Vertrauen. Bitte sie inständig, daß sie dir von Gott kräftige Gnade erlange; damit auch du in wahrer brennender Liebe zu Gott sterben mögest. O! wenn du so glücklich wärest, aus bloßer Liebe Gottes zu sterben. Zu diesem Ende bete heute und hinfort mit besonderer Aufmerksamkeit die bekannten Worte des englischen Grußes: „Heilige Maria, Mutter Gottes! bitt für uns arme Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Absterbens. Amen.“

Die Gewohnheit, Maria um ihren mächtigen Beistand in der Stunde des Todes anzurufen, ist sehr alt und bei den eifrigsten Dienern Gottes immer in Uebung gewesen. Der heilige Ephräm bediente sich dieser Worte:

„Steh mir jetzt und allzeit bei, o göttliche Mutter, du Mutter der Barmherzigkeit! Errette mich, o heilige und unversehrte Jungfrau! aus aller Not und von allen Versuchungen des bösen Geistes. Sei meine Fürsprecherin in der Stunde des Todes und bewahre mich vor dem unauslöschlichen Feuer. Würdige dich, o gütigste Mutter! mich zur Anschauung und Glorie deines Sohnes aufzunehmen.“

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