ETIKA

P. Franz Ehmig

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1-5A8

Wahre Geschichten von Engeln und Schutzengeln

14.12.2008

 

Neue Gleichnisse, Beispiele und Erzählungen über die katholischen Glaubens- und Sittenlehren für Religionslehrer, Prediger und Katecheten, zugleich ein nützliches Lesebuch für christliche Familien. Gesammelt und alphabetisch geordnet von P. Franz Ehmig, em. Pfarrer zu Mosern, Leitmeritzer Diözese. Regensburg. Druck und Verlag von Georg Joseph Manz. Zweiter Band, 1868, Stichwort: Engel. Vierter Band, 1869, Stichwort: Schutzengel

Schutzengel, ihr Thun um uns.

Die heilige Franziska von Rom sah ihren Schutzengel fortwährend neben sich. Er stand unausgesetzt zu ihrer Rechten, und wenn sie ihn anzuschauen versuchte, war ihr nicht anders, als Einem, der in die Sonne sieht. Sie genoß aber seines Anblickes nicht bloß, wenn sie in ihrer Kammer dem Gebete oblag, sondern auch auf der Straße, in der Kirche, in der Gesellschaft mit Anderen.

Ließ sich in ihrer Gegenwart Einer der Anwesenden ein Vergehen zu Schulden kommen, dann bedeckte er schamhaft mit beiden Händen sein Antlitz. Bei dreifach verschiedener Angelegenheit war ihr gestattet, ihn schärfer anzusehen: einmal, wenn sie betete; dann, wenn sie von den unreinen Geistern gepeinigt wurde; endlich, wenn sie mit ihrem Beichtvater über ihn redete.

Bei seinem Lichtglanze konnte sie des Nachts, wie am hellen Tage, in ihrem Buche beten. Angesicht und Auge hielt er immer gegen Himmel gerichtet; er erschien ihr immer jugendlich, wie ein neunjähriger Knabe, die Hände vor der Brust gekreuzt, das Haar kraus und goldgelb, auf die Schultern niederfließend. Er war gekleidet in ein schneeweißes Gewand, darüber ein Levitenröcklein, bis zu den Knöcheln; die Füße waren sauber, auch wenn sie mit ihm durch kothige Straßen ging; sie legte ihm manchmal die Hände auf´s Haupt, fühlte dann zwar nichts, aber ihr Herz wurde in Liebe Gottes entzündet.

Anfangs geschah es, daß, wenn sie beim Drange ihrer Hausgeschäfte, oder bei dem vielfältigen Zuspruche der Leute, einen Verdruß empfand, oder in eine Unvollkommenheit fiel, der Engel sogleich von ihr wich; wodurch gewarnt, sie unverzüglich ihre Schuld erkannte, sie reumüthig abbat, worauf er zu ihrer Freude mit neuer Anmuth zurückkehrte. Wenn sie in Trübsalen allzu traurig war, wich er auch von ihr, aber nur so lange, bis sie sich ganz in Gottes Willen ergab.

Der Engel war auch ihr Lehrer und Führer in aller Tugend, und trug Sorge, daß sie nicht von allzu großem Eifer hingerissen, in Bußwerken zu viel thue oder mit zu heftigem Ungestüm dem Guten zustrebe. Wollte er ihr ein göttliches Geheimniß offenbaren, dann bewegte er Augen und Lippen und sie vernahm eine gar liebliche, wie von fernher tönende Stimme.

Drängten sie die bösen Geister, dann heftete er die sonst immer gegen Himmel gerichteten Augen auf sie, und über diesen Anblick entwich alle Sorge aus ihrer Seele; oder er trieb die bösen Geister mit einem bloßen Schütteln seines strahlenden Hauptes in die Flucht. (Ehmig II, S. 13f)

Engel dienen den Menschen zum Seelenheil.

Der heilige Posthumius war ein rechtschaffener Heide, der von Gott nichts wußte. Ein Engel belehrte ihn über Gott und die Nothwendigkeit der Taufe. Einst trat er zum Posthumius ein, als er Stricke drehte und sprach: Willst du, so führe ich dich zu einem Priester Gottes, daß er dich taufe. Posthumius antwortete : Heiliger Gottes! das wünsche ich und es freut mich sehr, daß du mir den Weg Gottes vollständig zeigest. Da ergriff ihn der Engel bei den Haaren und führte ihn zum Bischof Priscus und sagte ihm: Lehre diesen Weg des Herrn und taufe ihn im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Da der Priester das hörte, freute er sich sehr, ohne zu wissen, daß der ein Engel Gottes sei, der diesen Mann zu ihm geführt hat. Der Engel nahm jetzt eine glänzende Gestalt an und seine weißen Kleider und sein Angesicht blendeten die Augen des Priesters. Ergriffen von Schrecken fiel der Priester auf die Erde, aber der Engel richtete ihn auf und sprach: Ich bin dein und deiner Brüder Mitknecht; ich mußte dir die Herrlichkeit Gottes offenbaren, damit du diesen Mann das Wort Gottes lehrest und zu seinem Heile unterrichtest, damit er ewig vor Gott lebe. Nach diesen Worten verließ er ihn. (Ehmig II, S. 14)

Engel stehen uns in Versuchung bei.

Einst wurde Abt Moyses von der Unzucht heftig angefochten und da er nimmer in seiner Zelle bleiben konnte, machte er sich auf den Weg und zeigte dieß dem Abte Isidorus an; dieser Altvater bat ihn aber, wieder in seine Zelle zurückzukehren. Jener aber sagte: Ich kann nicht, mein Vater! Da nahm ihn Isidorus mit sich in den oberen Theil des Hauses und sprach zu ihm: Blicke gegen Sonnenuntergang. Und er sah eine Menge von Teufeln in größter Unordnung sich zum Angriffe rüsten. Nun sagte Isidorus abermal: Blicke gegen Sonnenaufgang. Und Moyses sah eine unzählbare Menge von Engeln in der Glorie. Hierauf sagte Isidorus:

Siehe, diese sind es, welche uns zum Beistande gesendet wurden, rufe sie an; Jene aber, die sich im Westen erheben, fechten uns an; es sind also mehrere für uns, als wider uns. Fasse Vertrauen und rufe die heiligen Engel an.

Hierauf dankte Moyses dem Herrn, faßte Vertrauen und kehrte in seine Zelle zurück,  mit frischem Muthe gegen die unkeuschen Anfechtungen kämpfend. (Ehmig II, S. 14f)

Engel stehen der Seele des sterbenden Gerechten bei und holen sie ab.

Ein heiliger Einsiedler bat einst Gott, ihm die Seele eines Sünders und eines Gerechten im Sterben zu zeigen. Da hieß ihn Gott in ein Kloster gehen, wo eben ein Mönch im Sterben lag. Die ganze Stadt hielt ihn für einen Heiligen und trauerte. Als nun die Stunde seines Hinscheidens gekommen war, sah der Einsiedler einen höllischen Geist zum Sterbenden eintreten und er hörte die Stimme Gottes: Weil diese Seele mich nicht eine Stunde ruhig in sich wohnen ließ, so sollst du sie jetzt ohne Erbarmen in Besitz nehmen. Der Teufel peinigte sie noch mehrere Stunden lang und nahm sie dann mit sich in die Hölle. (Anmerkung ETIKA: ein vielleicht gar nicht so seltener Fall, wenn wir an das denken, was gewisse progressive Ordensleute in letzter Zeit von sich gegeben haben.)

Hierauf ging der Einsiedler in die Stadt und sah einen Fremden krank auf der Straße liegen, ohne daß ihm Jemand beigestanden wäre; er blieb daher einen Tag lang bei ihm. Als die Stunde kam, da er verscheiden sollte, sah er zwei Engel vom Himmel herabsteigen; der Eine setzte sich zur Rechten, der Andere zur Linken und warteten, bis die Seele den Leib verlassen würde. Die Seele zögerte aber abzuscheiden, bis sie den Gesang der Himmlischen vernahm; alsdann fuhr sie aus und wurde von den Engeln mit Freuden in den Himmel getragen. (Ehmig II, S. 15)

Schutzengel von Cäcilia gesehen.

Die heilige Cäcilia war eine christliche Jungfrau aus dem dritten Jahrhunderte. Sie hatte Christo ihre Jungfräulichkeit gelobt, wurde aber von ihrem heidnischen Vater gezwungen, den Jüngling Valerianus zu heirathen. Die Ehe ward mit großen Festlichkeiten gefeiert. Die ganze Familie war beglückt, Cäcilia llein blieb traurig und still. Am Abende ihrer Hochzeit sagte sie zu ihrem Bräutigame Valerianus: Wisse, daß ein Engel des Herrn mich begleitet und sorgsam über meinen Leib wacht. Wenn du meine Jungfräulichkeit nicht achtest, fürchte ich, daß er dir das Leben nimmt. Wenn du mich dagegen mit einer keuschen Liebe liebest, wird er dir eben so große Gunst gewähren als mir.

Laß mich diesen Engel sehen und ich will dir glauben, entgegnete Valerianus. Cäcilia sagte: Es gibt einen Greis, der die Menschen reinigt und sie würdig macht, den Engel Gottes zu sehen; gehe aus der Stadt auf die Appische Straße, wo du Bettler finden wirst; zu diesen spreche: Cäcilia sendet mich zu euch, daß ihr mich zu dem Greis Urbanus führet. Valerianus that so. Urbanus unterrichtete ihn im Christenthum und taufte ihn. Als der Neubekehrte nach Rom zurückkam und in das Brauzimmer trat, erblickte er Cäcilia im Gebete und ihr zur Seite den Engel Gottes, umgeben von Lichtstrahlen, der zwei Kronen hielt, die mit Lilien und Rosen, der Farbe der Keuschheit und des Marterthums umschlungen waren; sie erfüllten das Zimmer mit dem angenehmen balsamischen Duft der Blumen. Die eine Krone gehörte für Cäcilia, die andere für ihn. Später wurden Beide um Christi willen gemartert. (Ehmig II 15f)

Die heiligen Engel beschützen den Unschuldigen und Gerechten.

Der heilige Chremes hatte ein Kloster gebaut. Unter den Vielen, die um Aufnahme baten, waren auch solche, welche bald von ihrem ersten Eifer abließen und des strengen Lebens überdrüßig wurden. Der Teufel hetzte jene laugewordenen Brüder auf, den strengen Chrmes aus der Welt zu schaffen. Sie faßten den Plan, ihren Vorsteher über den Felsen hinabzustürzen und führten ihn aus. Der gütige Gott sandte seinem treuen Diener seine Engel, die ihn unverletzt am Fuße des Berges niederließen.

Der heilige Mann sammelte einen Bündel Holz und ging damit ruhig in´s Kloster zurück, als wenn nichts geschehen wäre. Die bösen Brüder erstarrten vor Entsetzen; sie wußten nicht, ob sie träumten oder wachten; ob sie den Geist des Chrem sähen oder ihn selbst. Da sie endlich zu sich kamen, fielen sie vor ihm auf die Kniee, baten um Verzwihung und besserten sich; er aber verzieh ihnen und gab Allen den Friedenskuß. (Ehmig II 16)

Die heiligen Schutzengel warnen durch Einsprechungen.

Die heilige Aszelina war von Kindheit an ein unschuldiges Mädchen und gelobte Gott ewige Jungfrauschaft. Schon als Kind wurde sie von ihrem Schutzengel gewarnt, wenn sie etwas nehmen wollte, was ihr nicht gehörte, z. B. eine Nadel, einen Apfel; sie fühlte, daß sie Jemand am Kleide zurückhielt, auch hörte sie eine Stimme sagen: Laß bleiben, es ist nicht gut für dich! obschon kein Mensch im Zimmer zu sehen war. Als sie zur Jungfrau herangewachsen war, verliebte sich ein Jüngling in sie und machte ihr den Antrag, sie im Gesange zu unterrichten, um mit ihr allein zu sein.

In ihrer Taubeneinfalt argwöhnte sie nichts Böses und sagte zu. Da kam ein armer Bettler zu ihr, der ihr die schlechten Absichten dieses vorgeblichen Freundes entdeckte und zu ihr sprach: Sei auf der Hut, Tochter! der Teufel stellt dir nach und sucht dich durch diesen Jüngling zu verderben! Erschrocken darüber, theilte sie sogleich die Sache ihrer Mutter mit. Der Bettler aber war verschwunden; Niemand hatte ihn kommen oder gehen sehen; es war der Schutzengel der unschuldigen Jungfrau, welcher sie zu rechter Zeit gewarnt hat. (Ehmig II 16)

Wie die Nähe der guten und bösen Engel auf uns wirkt

Der heilige Antonius spricht aus eigener Erfahrung also: Die guten Engel zanken nicht und schreien nicht; sie eilen still und sanft und gießen Freude, Frohlocken und Vertrauen in unser Herz; denn mit ihnen ist Gott, welcher die Quelle und der Ursprung der Freude ist. Da wird unser Gemüth von einem sanften und ruhigen Lichte erleuchtet; die Seele möchte mit ihnen in den Himmel fliegen. Wenn wir über ihren Glanz erschrecken, so verbannen wir sogleich die Furcht.

Die bösen Geister dagegen haben trotzige Gesichter, machen Getöse, erregen unreine Gedanken, und benehmen sich wie zuchtlose Jungen. Sie erschrecken die Seele und betäuben die Sinne; sie flößen einen Haß gegen die Religion, Gram und Eckel (Ekel) am geistlichen Leben, Erinnerung an Verwandte (Anm.: Antonius spricht von Einsiedlern, die sich aus der Welt zurückgezogen haben), Furcht vor dem Tode, böse Begierden, Ermüdung in der Tugend und Stumpfheit des Herzens ein.

Wenn also auf die Furcht Freude, Vertrauen und Liebe Gottes folgt, so wisse man, daß Hilfe gekommen, weil die Ruhe der Seele das Zeichen der Gegenwart Gottes ist. (Ehmig II 16f)

Die heiligen Engel heilen Kranke

Ein Engel heilte des heiligen Bischofs Gutbertus schadhafte Kniescheibe; dem seligen Friedrich gibt er die Gesundheit; den Chromatius erlöset ein Engel von den Schmerzen des Podagra (Fußgicht, Zipperlein); den halbgesottenen Martyrer Konstantin stellt der Engel her; der heiligen Macra heilte er die zerrissene Brust; als man dem seligen Johann Angelus Ader gelassen, hielt ein Engel das Becken, der andere das Licht. Dem heiligen Johann von Gott halfen die Engel (in Granada) Spitaldienste thun; sie kehrten die Zimmer aus, gaben den Kranken Arznei, und leisteten ihnen alle Dienste, die sie nöthig hatten. (Ehmig II 17)

Der englische Gruß ist Mariä sehr lieb.

Die heilige Mechtildis sprach einst zu Maria: O Maria, wenn ich Dich nur mit einem Gruße zu grüßen wüßte, den noch kein menschliches Herz erdacht hat, das thäte ich am liebsten. Zur Stunde erschien ihr Maria und trug auf ihrer Brust den englischen Gruß mit goldenen Buchstaben geschrieben; wobei sie sprach: Ueber diesen Gruß hinaus ist noch niemand gekommen, auch ist mir kein Gruß angenehmer, als jener, womit mich d er ewige Vater durch seinen heiligen Engel grüßen ließ. (Ehmig II 17)

Der englische Gruß und seine Ablässe.

Der englische Gruß ist so alt, als das Evangelium, aber die Gewohnheit, ihn in der gegenwärtigen Weise zu beten, ist beinahe achthundert Jahre alt. Als nämlich die Kreuzfahrer den Sarazenen das heilige Land zu entreißen suchten, verordnete Pabst Urban auf der Kirchenversammlung zu Clermont 1095, daß man alle Tage des Morgens, Mittags und Abends die Glocken läuten und den englischen Gruß beten solle, um den Schutz Mariä auf die Kreuzfahrer herabzurufen. Auf diese Andachtsübung verlieh Pabst Johann XXII. 1318 einen Ablaß von zehn Tagen für Alle, welche sie andächtig verrichten. Pabst Benedikt XIII. verlieh 1724 allen Christgläubigen, die beim Zeichen der Glocke Morgens, Mittags und Abends täglich den englischen Gruß beten, einen vollkommenen Ablaß einmal des Monats an dem Tage, an welchem sie reumüthig beichten und die heilige Communion empfangen und für die Kirche beten; dann einen Ablaß von hundert Tagen, so oft sie reumüthig dieses Gebet verrichten. (Ehmig II 17)

Den englischen Gruß soll man gewissenhaft beten.

In einem Cisterzienserkloster war ein Laienbruder so geistesschwach, daß man ihm kein anderes Gebet beibringen konnte, als bloß die Worte: Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade! Uebrigens sprach er sie so gerne, und so oft er nur konnte, daß nach seinem Tode aus seinem Grabe ein unbekannter Baum aufwuchs, der auf seinen Blättern dieselben Worte in Gold geschrieben hatte. Diesen Baum haben Unzählige gesehen, so daß, als der Bischof kam, um Zeuge des Wunders zu sein, und ringsum aufgraben ließ, man fand, daß des Baumes Wurzeln vom Munde des frommen Bruders ausgingen. Sobald man dieß aber in Augenschein genommen, verdorrte der Baum. (Ehmig II 18)

Der englische Gruß ist Gott sehr lieb.

Der gottselige Johannes Ximenes war ein Laienbruder der Gesellschaft Jesu. Wenn zum englischen Gruße geläutet wurde, so fiel er, auch noch sio beschäftigt und wo er immer war, sogleich auf die Knie und betete den englischen Gruß. Gott wollte auch durch ein Wunder bezeugen, wie sehr ihm dieß gefalle. Als nämlich die Gesellschaft Jesu eine Kirche in der Stadt Saragossa baute und Johannes mit einem Bruder einen großen, behauenen Stein über das Gerüste hinaufwälzte, wurde gerade zum englischen Gruße geläutet. Sie waren mit dem Steine eben am Rande des Gerüstes angelangt. Johannes ließ den Stein aus, fiel auf die Knie und betete, ohne daran zu denken, daß der Stein über die Stufen des Gerüstes hinabstürzen könnte; nach seinem Beispiele that auch sein Gefährte. Und siehe da, der Stein blieb ohne Halt liegen, ohne von der Stelle zu weichen. Nachdem beide das Gebet beendet, wälzten sie den Stein mit einem Ruck auf seinen Platz zum Staunen Aller, die es sahen. (Ehmig II 18)

Den englischen Gruß zu beten, soll man sich nicht schämen.

Der gottselige Pater Ignatius Martinetz aus der Gesellschaft Jesu begnügte sich bloß mit dem Religionsunterrichte kleiner Kinder. Einen kleinen Stab in der Hand, ging er durch die Straßen von Koimbra und rief die kleinen Kinder zur Christenlehre zusammen, die dem guten Manne gerne folgten und seinen Worten mit kindlicher Wißbegier lauschten. Eines Tages erklärte er wieder den Katechismus. Unter seinen Zuhörern fanden sich auch Erwachsene ein. Als zum englischen Gruße geläutet wurde, betete er ihn laut mit den Kindern; aber die Erwachsenen schämten sich, ihn laut zu beten. Doch Gott wollte zeigen, wie angenehm ihm der Gruß seiner heiligen Mutter sei. Da niemand den Gruß beten wollte, erhob plötzlich ein sechs Monate altes Kind seine Stimme, richtete sein Haupt empor und betete den englischen Gruß laut und deutlich zum Staunen aller Anwesenden. (Ehmig II 18)

Der englische Gruß von Soldaten gebetet.

Der Jesuitenpater Thomas Saillies liebte Maria sehr. Im dreißigjährigen Kriege begleitete er das katholische Heer auf seinen Feldzügen. Er predigte den Soldaten und ermahnte sie, Maria zu verehren und auf sie ihr Vertrauen zu setzen. Von dem Herzog von Parma, welcher damals die katholischen Spanier befehligte, erlangte er, um die Verehrung der allerseligsten Jungfrau unter den Soldaten zu befördern, den Armeebefehl, daß früh Morgens der englische Gruß durch Trompetenschall gemeldet wurde. Obwohl er viele Jahre bei Schlachten, Gefechten und Belagerungen zugegen war, und viele Soldaten im Kampfe neben sich fallen sah, denen er dann ein tröstender Engel im letzten Kampfe war, obwohl die Kugeln ringsum sausten, blieb er doch selbst unverwundet. Er bekannte, daß er diesen Schutz der allerseligsten Jungfrau zu verdanken habe. (Ehmig II 18f)

Den englischen Gruß soll man fleißig beten.

Die gottselige Germana Cousin legte von zartester Kindheit an eine zarte Liebe und Andacht zur Mutter Gottes an den Tag. Maria war ihr Vater und Mutter und Alles. Das Gegrüßet seist du Maria war für sie eine unversiegbare Quelle von Trost und Wonne. Sie betete es besonders mit zarter Andacht zu den Stunden, da die Gläubigen den Gebrauch (Anmerkung: die Gewohnheit, den Brauch)  haben, den englischen Gruß zu beten. Sobald sie den ersten Schlag der Glocke  hörte, fiel sie voll Ehrfurcht auf der Stelle, wo sie sich eben befand, auf die Knie nieder. Diese fromme Uebung beobachtete sie mit solcher Treue, daß man oft sehen konnte, wie sie mitten im Schnee oder in dem Schmutze niederkniete, ohne sich Zeit zu nehmen, eine bessere Stelle zu suchen. Und wen die Glocke gerade in dem Augenblicke ertönte, da sie den Bach durchschritt, der durch die Fluren ihres Wohnortes lief, ließ sie sich, ohne zu zögern, im Wasser auf die Knie nieder und verrichtete ihr Gebet. Dafür belohnte sie auch Maria mit einer großen Geduld gegen die Bosheit ihrer Stiefmutter, mit Liebe zu den Armen, denen sie, selbst arm, ihr Essen gab, und mit einem seligen Tod. (Ehmig II 19)

Wir sollen die heiligen Schutzengel nachahmen.

Der heilige Ignatius von Lojola gab einem sehr eifrigen Vorsteher, welcher unruhig wurde, wenn nicht Alles nach Wunsch ging, den Rath, zu thun, was er kann, im Uebrigen die heiligen Schutzengel nachzuahmen, welche die Menschen vom Sündigen abhalten, ohne ängstlich oder unruhig zu werden. Dieser Rat gilt für alle Aeltern, Vorgesetzte, Hausväter und Seelsorger. (P. Franz Ehmig: Neue Gleichnisse. Regensburg. 1869. Vierter Band. S. 196)

Der heilige Schutzengel hält von bösen Gesellschaften ab.

Ein Zuolnensischer Jüngling verehrte seinen heiligen Schutzengel alle Tage; einstmals aber ließ er sich von seinen Mitgesellen überreden, mit ihnen in ein verrufenes Haus zu gehen, wo er bald Schiffbruch an seiner Unschuld gelitten hätte. Nachdem sie nun Alle dieses Haus, des Teufels Herberge, verließen, da empfing dieser Jüngling von seinem heiligen Schutzengel einen solchen Backenstreich, daß er zu Boden fiel, wo er noch diese Worte hörte: Lerne hiemit die Gesellschaft der Gottlosen fliehen; denn wer mit Pech umgehet, besudelt sich, und wer mit dem Hunde schläft, steht mit Flöhen auf. (Joan. Major. Ex. 15) (P. Franz Ehmig: Neue Gleichnisse. Regensburg. 1869. Vierter Band. S. 197)

Die heiligen Schutzengel leisteten den Heiligen die niedrigsten Dienste.

Die heiligen Schutzengel leisteten den Heiligen die gemeinsten Dienste in der Noth: dem heiligen Abte Theodosius leistete der Schutzengel Krankenwärterdienste, dem heiligen Dominikus brachte er Brod (Brot), dem heiligen Homobonus machte er einen Wäscher, für den heiligen Isidor ackerte er, dem heiligen Kapuziner Felix trieb er den Esel, dem heiligen Stanislaus machte er einen Kutscher, dem heiligen Bernard einen Arzt, dem heiligen Cajetan einen Koch, dem heiligen Wandregrisilus einen Mundschenk, dem heiligen Basilidis einen Wegweiser, der heiligen Dorothea einen Gärtner, indem er ihr zur Bekräftigung ihrer Behauptung vom Paradiese Blumen aus demselben brachte, dem heiligen Franz Seraphikus spielte er auf der Laute ein himmlisches Lied vor, dem seligen Johannes Angelus nahm er den Bart ab, dem seligen Diodomus diente er als Ministrant beim Altar, dem heiligen Wenzel machte er einen Adjutanten, dem heiligen Ambrosius einen Lehrer. Die Hilfe, welche die alten Heiden ihren Göttern beigemessen, das Alles leistet der heilige Schutzengel. (P. Franz Ehmig: Neue Gleichnisse. Regensburg. 1869. Vierter Band. S. 198f)

Die Schutzengel stehen uns, besonders den Kindern, in Gefahren bei.

Zu Zaras in Tirol wurden kürzlich ein Paar Mädchen von zwölf bis vierzehn Jahren wie durch ein Wunder bei einer Feuersbrunst gerettet. Die Kinder schliefen in der Dachkammer. Das Feuer brannte schon durch die Decke, als die Kinder erwachten. Schnell liefen sie der Thüre zu; als sie öffneten, drang das Feuer von Außen herein, daß sie nur mit Mühe die Thüre wieder schließen konnten. Wer beschreibt das Wehklagen der Kinder! Dem älteren kam jetzt der Gedanke, zum Fenster hinauszuspringen und vielleicht das Leben bei zerbrochenen Gliedern zu retten; sie wollte voran springen, käme sie glücklich hinunter, so sollte die jüngere Schwester nachspringen. Mit den Worten: Heiliger Schutzengel, hilf! Sprang sie vom dritten Stocke hinab auf den noch gefrornen Boden. Kaum unten angekommen, stand sie auf und rief hinauf: Spring, Hannele, spring, es hat mir Nichts gethan! Die jüngere Schwester im Hemde sprang ihr nach, kam unten an und siehe! Es hat auch ihr Nichts gethan. Das war offenbar der heilige Schutzengel, den sie vor dem Sprunge angerufen haben. (P. Franz Ehmig: Neue Gleichnisse. Regensburg. 1869. Vierter Band. S. 199)

Der Schutzengel beschützt seine Schützlinge in Gefahren.

Der jetzige Bischof war wegen eines Augenleidens in München und schwebte in großer Gefahr. Er saß in seinem Zimmer auf dem Sopha und fühlte plötzlich einen besonderen Trieb, aufzustehen. Er ging auch weg und kaum war er fort, so stürzte ein Stück von der Decke im Gewichte von sechzig Pfund auf’s Sopha.

Eine Frau in München wollte einen Brief schreiben. Kaum hatte sie die Feder in Händen, so gab sie ihren Entschluß auf und setzte sich an’s Fenster, um zu stricken. Dort angekommen, stürzte die Decke auf den Tisch, wo gerade vordem die Frau saß. – Diese beiden Personen hat der Schutzengel gewarnt und gerettet.

In einer Schleiffabrik zu Berlin hörte sich ein Arbeiter von seinem Nachbar, der übrigens gleichfalls unter einem Schleifsteine, aber so weit saß, daß er ihn ordentlicher Weise nicht hören konnte, beim Namen rufen. Er stand auf, ging hin und fragte: Was willst du? Dieser antwortete: Ich habe dich nicht gerufen. Er kehrte wieder zurück, aber so bald er seinem Steine nahe gekommen, sprang dieser in Trümmer und diese hätten ihn erschlagen, wäre er noch bei seinem Steine gewesen. Da ist die Dazwischenkunft des Schutzengels nicht zu läugnen. (P. Franz Ehmig: Neue Gleichnisse. Regensburg. 1869. Vierter Band. S. 199f)

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