ETIKA

Kirche

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3.8.2008

10ABL3

Ablaß

Goffine

R. P. Leonhard Goffine.
Katholische Handpostille.
Verlagsanstalt Benziger, Einsiedeln, ca. 1896. 25. – 30. Tausend, S. 292f.

Unterricht über den Ablaß.
Was ist der Ablaß?

Der Ablaß ist

1)    keine Erlassung der Schuld oder Strafe zukünftiger Sünden;

2)    keine bloße Erlassung der Kirchenstrafe;

3)    keine Erlassung der Schuld und ewigen Strafe;

sondern er ist die von der Kirche im Namen Gottes außerhalb des Buß-Sakramentes aus dem Schatze der Verdienste Jesu und der Heiligen erteilte ganze oder teilweise Nachlassung der zeitlichen Strafen, welche der Sünder entweder in diesem oder jenem Leben für seine schon nachgelassenen Sünden noch erdulden müßte.

Kann die Kirche alle, auch die von Gott auferlegten zeitlichen Strafen erlassen, und warum?

Ja, weil sie die Macht und Gewalt dazu hat, nämlich in der Vollmacht, zu binden oder zu lösen, die ihr Jesus gegeben hat. (Matth. 16, 19 und 18, 18.) Denn wenn die Kirche von Gott die Gewalt erhalten hat, die Sünden – ohne Zweifel das Größere – nachzulassen, so hat sie gewiß auch die Gewalt, die Strafe – das Geringere – zu erlassen.

Wie viele Arten Ablässe giebt es?

Zwei, nämlich vollkommene und unvollkommene. Ein vollkommener Ablaß erläßt, wenn er recht genommen wird, alle zeitlichen Strafen, ein unvollkommener dagegen nur so viele Tage oder Jahre von zeitlicher Strafe, als der Sünder nach den Bußregeln der erste Kirche hätte büßen müssen. (sic = so geschrieben)

Eine besondere Art des Ablasses ist der Jubiläums-Ablaß, der alle fünfundzwanzig Jahre und bei außerordentlichen Anlässen von der Kirche eröffnet wird, und zu dessen Gewinnung außer dem Empfang der heiligen Sakramente gewisse Bußwerke (z. B. Fasten, Besuch bestimmter Kirchen) erforderlich sind.

Was wird erfordert, um einen Ablaß zu gewinnen?

1)    Daß man Mitglied der Kirche;

2)    im Stande der Gnade sei (daher Empfang der heiligen Sakramente);

3)    daß man bußfertig gesinnt sei;

4)    daß man alle Neigung zu irgend welcher Sünde ablege und einen völligen Abscheu vor der Sünde und allem dem, was zur Sünde verleitet, habe;

5)    daß man die vorgeschriebenen Werke, namentlich das Gebet um Erhöhung und Ausbreitung der katholischen Kirche, um Friede und Einigkeit unter den christlichen Fürsten und um Ausrottung der Ketzereien etc. andächtig verrichte.


Zum Portiunkula-Ablass.

Aus dem Pfarrbrief der Pfarrei Platt: 3. August 2008, 18. Sonntag im Jahreskreis, Portiunkulasonntag

Der Portiunkula-Ablass kann am 2. August oder am darauf folgenden Sonntag in den Pfarrkirchen einmal als vollkommener Ablaß gewonnen werden. Voraussetzung sind der Besuch einer dieser Kirchen mit dem Gebet Vater unser und dem Glaubensbekenntnis sowie die üblichen Bedingungen. Beichte mit entschlossener Abkehr von jeder Sünde, Kommunionempfang und Gebet nach Meinung des Heiligen Vaters. Die drei zuletzt genannten Bedingungen können mehrere Tage vor oder nach dem Kirchenbesuch erfüllt werden.

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