ETIKA

SAKRAMENT DER BUSSE

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Beichte aktuell

4.2.2014

In der empfehlenswerten Zeitschrift „Dienst am Glauben“, Nr. 1/2014 (Probenummer anfordern bei: Tau-Hof, Moosweg 27, A-6094 Axams), finden wir einen wichtigen Beitrag von Dr. Andreas Schönberger: Plädoyer für die hl. Beichte. Der Autor hat klar erkannt, dass „die Menschen unserer Zeit, die so begierig sind, den Dämon und den Horror auf der Leinwand und auf Plakaten zu betrachten, im Hinblick auf ihre Sünden in Sicherheit gewiegt werden“ wollen. So hat es der böse Geist leicht, der den Kampf gegen das Bußsakrament führt. Denn allzuviele Priester spielen da mit, indem sie behaupten, „die Sünde sei nur dann tödlich, wenn sich der Mensch bewusst von Gott abwende und diese Entscheidung aus der Mitte der Person heraus vorsätzlich fälle“. „Die Todsünde stelle aber heute die Ausnahme dar und nur diese Todsünde bedürfe des Beichtstuhls. Auf solche Weise läßt sich dann die Bußandacht sehr leicht als das zeitgemäße Mittel der Sündenvergebung begründen.“ (S. 29) Dr. Schönberger weiter: „Die Generalabsolution … betont darüber hinaus indirekt die soziale Seite der Versöhnung mit der Kirche, während die Hauptsache der Buße – die Aussöhnung mit Gott – in den Hintergrund tritt.“

Schönberger: „Zur Rechtfertigung der Bußfeiern wird oft die Praxis der alten Kirche herangezogen, die bis ins 4. und 5. Jahrhundert nur den öffentlichen Büßer kannte. Man übersieht dabei jedoch, dass ,der Eintritt in den Stand der Büßer den bürgerlichen Tod bedeutete´ (Cyrille Vogel). Dass die damaligen Bußliturgien – Anmerkung ETIKA: erst kürzlich haben wir von den strengen Strafen des hl. Basilius berichtet – mit äußerst demütigenden Riten verbunden waren: öffentlicher Tadel durch den Bischof, Bußgürtel und Trauerkleider, Ausschluss von der Eucharistie, besonderer Platz in der Kirche. Dass die Bußen sehr hart waren: lange Gebete, Abtötungen verschiedener Art, Fasten, völlige eheliche Enthaltsamkeit, Verbot des Waffentragens oder Handel zu treiben, Abdankung von öffentlichen Ämtern und Ehrenfunktionen usw. Vergleicht man damit eine moderne Bußfeier, dann muss man leider feststellen, dass sie letzten Endes nur darauf abzielt, es dem Sünder noch leichter zu machen als bei der Ohrenbeichte.“

Zu Recht zieht Dr. Andreas Schönberger in „Dienst am Glauben“ das Resümee: „Die leeren Beichtstühle sind neben den sich leerenden Gottesdiensten die sichtbarsten Zeichen für den Niedergang des christlichen Lebens. Sie sind eine Anklage gegen jene Priester, die aus welchen Gründen auch immer die Bedeutung der Beichte herabsetzen und dem Gottesvolk den Empfang des Bußsakramentes verleiden.“

Es sei uns gestattet, in diesem Zusammenhang „Niedergang des christlichen Lebens“ darauf zu verweisen, dass die Orden der katholischen Kirche jedes Jahr weltweit mehr als 3000 Mitglieder durch Austritte verlieren. (Dolomiten 2.11.2013) Selbst im heiligen Land Tirol sieht es nicht besser aus. Bei der Verabschiedung unseres geschätzten einstigen Lehrers P. Anton Beikircher OFMCap – er leitete 1985/1986 den Kurs Franziskanische Spiritualität zusammen mit P. Wilhelm Egger, der dann Bischof wurde ‒ als Diözesanbeauftragter für die Orden wurde gemeldet, dass sich die Zahl der Ordensleute in Südtirol in 25 Jahren von 1336 Ordensleuten (1988) auf 718 heute verringert hat. (Dolomiten 1.2.2014) Und da behaupten gewisse Geistliche immer noch, es gebe keine Krise bei den Berufungen. Wie viele Pfarrer müssen noch unter den zunehmenden Belastungen zusammenbrechen, bis die Amtskirche etwas unternimmt?

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Das Beichtgeheimnis gilt nicht, wenn Personen in Gefahr sind. Dies haben die französischen Bischöfe im Zusammenhang mit einem Pädophiliefall beschlossen. In 30 Fällen wurden im vergangenen Jahrzehnt (angeblich) harte Strafen verhängt. Derzeit (angeblich) zehn Fälle. (Stuttgarter Zeitung, 3.4.2010, S. 8)

Bedenkenswerter Leserbrief von Ferdinand v. Marsoner, St. Walburg, in den „Dolomiten“ vom 9.5.2002:

In den „Dolomiten“ vom 3. März, Seite 2, war ein Bericht: Papst Johannes Paul ermahnt Gläubige: Keine Alternative zur Einzelbeichte.

Ø Nicht geklärt ist, wie bei dem steigenden Priestermangel dazu Zeit und Gelegenheit geboten werden soll.

Ø Zudem ist der vielstündige Dienst für den Beichtvater die größere Buße als für das Beichtkind. ... Strenge Beichtväter wurden gemieden und milde gesucht.

Ø Bis um die Jahrhundertwende gab es nur für gewisse Vergehen das öffentliche Bekenntnis mit entsprechender Buße, um wieder in die Gemeinschaft aufgenommen werden zu können.

Ø Die Ohrenbeichte wurde erst auf der fünften Lateransynode 1215 unter Papst Innozenz III. gesetzlich eingeführt und geregelt. Für die Kirchenstrafen wurde zur Erleichterung der Ablaß gewährt, mit dem man mit einem kurzen Stoßgebet 100 oder 300 Tage Ablass gewinnen konnte, wenn man auch nicht verurteilt worden war. Mit einer begleitenden Spende konnte die Wirkung noch verbessert werden. Daraus entwickelte sich ein einträgliches Steuersystem, das schließlich dem Pater Martin Luther 1517 so aufstieß, dass er die Reformation in die Wege leitete.

Ø Wenn außerhalb der Beichte keine Sündenvergebung möglich ist, dann hat das Confiteor und die Absolution vor der Messe keine Gültigkeit, ebenso kein Bußgottesdienst.

Letztlich kommt es doch auf die Einsicht und Reue an und den Willen zur Besserung und Gutmachung, sonst sind alle Bekenntnisse wert- und wirkungslos.

Ein sensationeller Leserbrief. Zwingt er uns zum Umdenken?

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