ETIKA

BEICHTE

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3.11.1999

10BE40

Beichte für evangelische Christen

IKW. idea. Pfarrer Gustav Hofelich, S. K. Kapff, H. Puchta

Vorbemerkung, entnommen den "Informationen aus Kirche und Welt" IKW Nr. 6/99, herausgegeben vom Initiativkreis katholischer Laien und Priester in der Diözese Augsburg e. V., http://www.pingweb.de/ika/

Wie alle Abspaltungen von der Kirche und der nachkonziliäre Modernismus hat auch der Protestantismus sofort die sakramentale Ohrenbeichte bekämpft und abgeschafft, obwohl Luther selbst noch sagte:

"Die heimliche Beichte will ich mir von niemand nehmen lassen und wollte sie nicht um der ganzen Welt Schätze geben, denn ich weiß, welche Stärke und Trost sie mir gegeben hat. Ich wäre längst vom Teufel überwunden und abgewürgt worden, wenn mich diese Beichte nicht erhalten hätte."

(zit. nach idea 19/99, S. 18)

... wird zumindest den evangelikalen Protestanten mehr und mehr bewußt, welche natürlichen Schätze außer den übernatürlichen, die ihnen versagt sind, noch in der Beichte enthalten sind.

"Aus einem großen Therapiezentrum: Depressive, süchtige, verzweifelte Pfarrer, Kirchenvorstände und kirchliche Mitarbeiter gibt es zuhauf. Wie stark würden doch Depressionen abnehmen, würden Menschen in der Beichte eine Befreiung ihrer Schuld erleben!" (idea 19/99).

Der evangelikale Verfasser fügt einige Gedanken an, die nicht nur für Talkswhows gelten, sondern auch von charismatischen Gruppen innerhalb der katholischen Kirche bedacht werden sollten:
Das Mittel, eine Gemeinschaft am wirkungsvollsten zu zerstören, ist, wenn wir die Sünden am falschen Platz abladen. Hier ist auch zu denken an manche "freieren" Gemeinden, wo vor der Aufnahme ein neues Mitglied alle Verfehlungen vor der Gemeinde beichten muß. Dieses erzwungene Beten aber ist nichts weniger als ein ungeistliches Outen. ... Und hier liegt ein entscheidender Unterschied zwischen Outen und Beichten. Beichten ist ein geistliches Geschehen im Verborgenen. Outen ist ein öffentlich dargestellter Vorgang. Der Outende erkennt weder Schuld noch Verfehlung, er flieht vor sich und seinem Gewissen. Der Beichtende hört auf, der Schuld zu entfliehen. Er wendet sich ihr direkt zu ... Outen ist ein Bloßstellen vor oder von Menschen. Beichten ist ein Aufdecken vor und ein Zudecken durch Gott." (idea 19/99, zit. von IWK 6/99)


Wer nur den lieben Gott läßt walten...

Ein christliches Lebensbuch von Pfarrer Gustav Hofelich

Verlag für Volkswohl Karl Ehlers, St. Gallen (vermutlich Ende 19. oder Anfang 20. Jahrhundert)

4. Beichte und heiliges Abendmahl

Gebet vor der Beichte

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist.
Verwirf mich nicht von Deinem Angesicht, und nimm Deinen heiligen Geist nicht von mir.
Ps. 51,12.13.

So Du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Auf tausend kann ich Dir nicht eins antworten; ich müßte vergehen, wenn Du nach Deiner Gerechtigkeit mit mir handeln wolltest. Aber bei Dir ist die Vergebung und Gnade und viel Erlösung. In Jesus Christus, meinem Heiland, hast Du mir die Gnadentür aufgetan; sein Blut macht mich rein von aller Sünde.

- O mein Gott. Vertilge alle meine Missetat, vergib mir alles, was ich wider Dich und meine Nebenmenschen gesündigt habe, reinige mich von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes, erlöse mich von aller Schuld meines lieblosen, eigennützigen, hochmütigen Wesens!

Vergib mir auch alle sündlichen Gedanken, Worte und Neigungen, und sprich mich los von aller Schuld des Bösen, was ich begangen habe, auch von allem Versäumnis des Guten, was ich hätte tun können, aber unterlassen habe!

Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz und gib mir einen neuen gewissen Geist! Ja, Dein heiliger Geist versichere mich der Vergebung aller meiner Sünden und öffne mir einen freien, freudigen Hintritt zu Deinem Gnadentische! O Jesu Christe, gib mir Deinen Frieden! O heiliger Geist, tröste und erneure mich und bewahre meine Seele zum ewigen Leben. Amen.

Nach S. K. Kapff

Geist der Gnaden, schwer beladen
neigt sich unser Haupt vor Dir.
Unsere Herzen sind voll Schmerzen,
Staub und Asch´ ist unsre Zier.
Hab Erbarmen mit uns Armen,
aus der Tiefe ruhen wir.

Wir verzagen, denn wir tragen
auf uns aller Sünden Last,
aller Qualen volle Schalen,
die Du ausgegossen hast.
Hab Erbarmen mit uns Armen,
Angst und Not hat uns erfaßt.

Wenn Du richtest, wenn Du sichtest,
geht das Zittern vor Dir her;
wenn uns decken Deine Schrecken,
dann ist keine Rettung mehr.
Hab Erbarmen mit uns Armen,
Deine Hand ist uns zu schwer.

Wir bekennen, Herr! wir nennen
laut vor dir die Missetat;
es ist keiner hier ein Reiner,
jeder erntet böse Saat.
Hab Erbarmen mit uns Armen,
sieh auf den, der für uns bat.

Hör uns rufen an den Stufen
Deines hohen Gnadenthrons.
Tilg in Hulden unsre Schulden
in dem Blut des Menschensohns.
Hab Erbarmen mit uns Armen,
sprich uns los des Sündenlohns.

Jesu, rette, brich die Kette
unsrer Finsternis entzwei,
daß der Glaube tief im Staube
unser Trost und Zuflucht sei.
Hab Erbarmen mit uns Armen,
Jesu, mach´ uns wieder frei.

Wenn du Frieden uns beschieden,
fürchten wir die Strafe nicht.
Dein Versöhnen wird uns krönen
mit Gerechtigkeit und Licht.
Dein Erbarmen hilft uns Armen,
Du bist unsre Zuversicht.

H. Puchta

Sündenbekenntnis

Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen. Ps. 32,5

Ich armer Sünder bekenne vor Gott, meinem himmlischen Vater, daß ich leider schwer und mannigfaltig gesündigt habe, nicht allein mit äußerlichen groben Sünden, sondern auch und noch viel mehr mit innerlicher Blindheit, Unglauben, Zweifel, Kleinmütigkeit, Ungeduld, Hoffart, bösen Lüsten, Geiz, Neid, Haß und Mißgunst, auch andern bösen Tücken, wie das mein Herr und Gott an mir erkennet, und ich es leider so vollkommen nicht erkennen kann.

Also reuen mich alle meine Sünden und sind mir leid, und ich begehre von Herzen Gnade von Gott durch seinen lieben Sohn Jesus Christus.

Aus der Beichtliturgie

Gebet vor dem heiligen Abendmahl

Herr, du wollst uns vorbereiten
zu Deines Mahles Seligkeiten,
sei mitten unter uns, o Gott!
Laß uns, Leben zu empfahen,
mit glaubensvollem Herzen nahen
und sprich uns los von Sünd´ und Tod!
Wir sind, o Jesu, Dein;
Dein laß uns ewig sein!
Amen, Amen.
Anbetung Dir!
Einst feiern wir
das große Abendmahl bei Dir.

F. G. Klopstock

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