ETIKA

DOGMATIK

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25.10.2002

10EU16

Beim Kirchenvater Basilius Handkommunion

Mit Anhang: Das Allerheiligste in aller Finger?

Hl. Basilius: Laie darf sich zur Zeit der Verfolgung die Kommunion selbst spenden

 

Der Wahrheit zuliebe veröffentlichen wir einen Brief des Kirchenvaters Basilius des Großen, der bei traditionalistisch denkenden Katholiken keine Begeisterungsstürme auslösen wird. Der Bischof von Cäsarea schrieb nämlich an die Patrizierin Cäsarea im Jahr 372:

 

"Täglich zu kommunizieren und am hl. Leibe und Blute Christi  teilzunehmen, ist gut und nützlich, da er selbst ausdrücklich sagt:

 

"Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben." ((Joh. 6,55))

 

Wer zweifelt denn daran, daß die stetige Teilnahme am Leben etwas anderes sei, als auf vielfache Weise leben?

Wir wenigstens kommunizieren jede Woche viermal, am Herrntage, am vierten Tage, am Rüsttag und am Sabbat, und auch an anderen Tagen, wenn er ein Gedächtnistag eines Heiligen ist.

 

Daß aber, wenn in Zeiten der Verfolgung es nötig wird, in Abwesenheit eines Priesters oder Diakons die Kommunion mit eigener Hand zu nehmen, dies keineswegs Sünde sei, brauche ich nicht zu beweisen, weil die lange Gewohnheit das durch die Tatsachen selbst bestätigt. Denn alle, die in den Wüsten, wo kein Priester ist, ein Einsiedlerleben führen, haben die Kommunion zu Hause und empfangen sie aus eigener Hand. Sodann in Alexandrien und Ägypten hat für gewöhnlich auch jeder Laie die Kommunion daheim und reicht sie sich selbst, so oft er will. Wenn nämlich der Priester das Opfer einmal dargebracht und ausgeteilt hat, dann hat doch der, der es ganz auf einmal empfangen hat und täglich davon nimmt, zu glauben, er empfange und nehme es rechtmäßig von dem an, der es gespendet hat.

 

Denn auch in der Kirche reicht der Priester den Teil nur dar, und wer ihn empfängt, verfügt darüber ganz frei und führt ihn mit eigener Hand zum Munde. Deshalb kommt es in der Wirkung auf dasselbe heraus, ob er aus der Hand des Priesters je nur einen Teil empfängt oder viele Teile zugleich.

 

(Des heiligen Kirchenlehrers Basilius des Großen, Bischofs von Cäsarea, Ausgewählte Briefe. Aus dem griechischen Urtext übersetzt mit Einleitung und Anmerkungen versehen von Dr. Anton Stegmann, Stadtpfarrer in Heilbronn a. N., Verlag Josef Kösel & Friedrich Pustet K.-G. München, 1925, Seite 140; Mauriner-Ausgabe Nr. 93)


P. Fridolin Außersdorfer OFM kommentiert die Praxis der Urchristen in einem Handzettel:

Das Allerheiligste - in aller Finger?
Noch nie dagewesen!

Oft hört man heute die Behauptung, der modeme Kommunionempfang: Spendung der heiligen Hostie auf die Hand - sei schon in der urchristlichen Gemeinde praktiziert worden - also nichts Neues.

 

I. Wie war es aber tatsächlich?

Um der Wahrheit entsprechend informiert zu sein, muß man folgendes wissen:

 

1.    Die an den Altar gebrachte, für die heilige Wandlung bereitgestellte Opfergabe war ein - aus primitiven Handmühlen stammendes - rauhes Brot.

2.    Um die heilige Gabe austeilen zu können, mußte sie der Priester auf einer großen tellerförmigen Patene in Bröcklein brechen. Wie hätte er diese mit eigener Hand ehrfürchtig in den Mund der Empfänger bringen können? Darum die genaue Weisung:
a) »Mache Deine Linke zu einer Art Thron für die Rechte, die den König empfangen soll!«Cyrill von Jerusalem (V. MysLKatechese)
b) Die dargereichte heilige Gabe wurde nicht mit den Fingern der rechten Hand aus der linken zum Munde geführt (wie das heute geschieht), sondern unmittelbar aus der von der linken gestützten rechten Hand direkt mit dem Munde genommen.

3.    Dazu wurde immer wieder gemahnt:
»Gib aber wohl acht, daß Dir von der heiligen Gabe (weil >kostbarer als Gold und Edelstein<)  nicht das geringste entgleite!“ Darum musste jeder Empfänger auch jedes auf der rechten Hand haftende Krümlein noch mit der Zunge aufnehmen. Welch ein Unterschied zwischen einst und heute! –

 

Zusammenfassend: Gewiß hat man in der Urgemeinde das Allerheiligste den Gläubigen (weil nicht anders möglich) auf die Hand gegeben, aber nicht in die Finger!

 

Und sobald man das Hostienbrot in Scheibchenform herstellen konnte, ist man davon abgegangen, den heiligsten Leib des Herrn den Gläubigen auf die Hand zu geben.

 

II. Wer also heute meint, die moderne Form des Kommunionempfanges mit dem Hinweis auf damals begründen zu können, sagt nur einen kleinen Teil der Wahrheit! –

 

Er verschweigt

 

erstens, daß man heute (was noch nie der Fall war) die Finger nimmt.

 

Zweitens, daß man dabei gegen ein Naturgesetz verstößt, daß nämlich der Mensch, was er in seine Finger bekommt, mit bestem Willen nicht als etwas Außergewöhnliches, geschweige denn als etwas Heiliges begreifen kann.

 

Drittens, daß man es allem Anschein nach heute überhaupt aufgegeben hat, den Empfängern den in der Urkirche lebendigen Glauben beizubringen, der Christus, den König, nicht bloß in der heiligen Hostie, sondern auch in allen Teilen und Teilchen sieht, die heute bedenkenlos verstreut werden. Wann wird man endlich zugeben, daß diese noch nie dagewesene Form des Kommunionempfanges vom Unglauben stammt und immerfort zum Unglauben verführt!

 

P. Fridolin Außersdorfer OFM, Höttinger Gasse Nr. 15a, A-6020 Innsbruck