ETIKA

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10.6.2001

10FR2

Frömmigkeit

Handbuch des einfachen Lebens, Kap. 54

10FR2A

"Er (Jesus) muß der Erste und der Letzte für uns, unser ein und alles sein. Das kann nur geschehen, wenn wir mit unserem ,Ich´ ganz aufhören, dem Herrn in allen Dingen die Ehre geben, nicht auf uns und die Umstände blicken, sondern allein auf Ihn und Ihn über alles lieben und ehren. Die selbstgemachten Götzen: Selbstsucht, Eigenliebe und Hochmut müssen fort, und Er muß ganz allein in uns herrschen. So gilt´s einen fortgesetzten Kampf." (Henriette von Seckendorff, Hausandachten, Gießen 1953, 212)

10FR2B

"Unser Leben ist nicht eine Frommheit, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind´s noch nicht, wir werden´s aber." (Martin Luther)

10FR2C

Unter Frömmigkeit versteht man mit Franz von Sales "eine allgemeine Neigung und Bereitschaft des Geistes, das zu tun, was er als Gott wohlgefällig erkennt".

10FR2D

Wenn wir nach Frömmigkeit streben sollen, so bedeutet das, daß wir alle unsere Absichten und Handlungen darauf richten sollen, Gott zu gefallen. (Nachfolge Christi)

10FR2E

Ein großes Übel ist es, wenn wir mehr auf die Güter Gottes als auf Gott selbst schauen. (Johannes vom Kreuz, Ermahnung 78)

10FR2F

Ihm allein müssen wir alles Gute zuschreiben, auf ihn als den Geber aller Dinge alle Dinge zurückführen. (Nachfolge Christi III 9)

10FR2G

Wenn wir bei allem, was uns beschäftigt, eine Beziehung zu Gott herstellen, so ziehen wir aus allem Nutzen. Dabei sollen wir "unsere Arbeiten mehr verrichten, um ihn zu finden, als um sie getan zu haben (Vinzenz von Paul, Worte des Erbarmens, 107).

10FR2H

In der "Nachfolge Christi" finden wir die Ermahnung des Herrn: "Mein Sohn, sprich bei allem, was dein Herz begehrt: Herr, wenn Dir dies gefällt, so soll es geschehen. Wenn Dir dies zur Ehre gereicht, so will ich es auf Deinen Namen hin wagen und zustande bringen. Wenn Du siehst, daß mir dies gut und nützlich ist, so gib mir Kraft, es zu Deiner Ehre zu gebrauchen. Wenn du aber siehst, daß es mir schaden und das Heil meiner Seele nicht fördern würde, so nimm das Verlangen danach aus meinem Herzen. (III 15)

10FR2I

"Wie schön ist es doch, nur in Gott zu leben, nur in Gott zu arbeiten und sich nur in Gott zu freuen." (Franz von Sales, b I 366)

10FR2J

Um dies zu erreichen, gibt Franz von Sales auch gleich Kurzformeln an: "Alles in Ihm, alles durch Ihn, alles mit Ihm, alles für Ihn, alles Er!" (b I 208)

10FR2K

Je größer die Fortschritte im geistigen Leiden, desto größer die Leiden, desto größer die Tröstungen.

10FR2L

DER BLINDE FRANZISKUS. "Als er eines mals blind war / wie jhme dann offtermals wegen der Blödigkeit der Augen geschahe) fragte jn einer seiner Ministren / warumben er jhme nit ein geistlich Buch liesse vorlesen / von welchem sich sein Geist in diser Krancheit möchte ergetzen. Dem antwort der heylige Vatter: Bruder / ich finde täglich so vil Trosts und Liebe / in der Gedechtnus deß Lebens / und Leidens unsers Erlösers Christi Jesu / daß wann ich gleich biß zu End der Welt lebte / ich keiner anderen Lection oder Fürlesung bedürfftig wäre. Dieser Gestalt truge der gebenedeyte Vatter das Evangelium kräfftiger und besser innerlich in seinem Hertzen geschriben / als es eusserlich auff dem Papier gesehen wirdt." (Der Cronicken der mindern Brüder / das erst Buch. Von den unauffhörlichen Ubungen / so der heylig Vatter inn dem Passion deß Herrens hätte. Cap. 86. 1603 Costantz, S. Bonaventura)


10FR2U

ÜBUNGEN

1.   Bei allem eine Verbindung zu Gott herstellen

2.   sich bei allem, was man beginnt, an Gott wenden

3.   Gott bei allem Wichtigen um seinen Segen bitten

4.    Gott alles anbefehlen - wenn es möglich ist (Girolamo Savonarola ag 5)

5.    in allem, was geschaffen ist, die Vorsehung und Weisheit Gottes schauen und Gott in allen Dingen loben (Teresa von Avila, Ermahnung 35)

6.   Kurzformeln verwenden: "Im Namen Jesu (Christi)", "In Gottes Namen" usw.

7.   alle Absichten auf Gott richten

8.   die Verbindung zu Gott nicht abreißen lassen

9.   am Morgen erwecke dich zu einem guten Vorsatz, am Abend durchforsche deinen wandel, wie den Tag über deine Gedanken und Handlungen beschaffen gewesen sind (Nachfolge Christi I 19)

10.                      den Glauben "täglich mehr und mehr durch seine Übung in allem Leben und Wirken" stärken (Martin Luther, Traktat von den guten Werken III 6)

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