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26.7.2014

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Gebet: Gott hilft dem, der ihn bittet

Handbuch des einfachen Lebens, Kap. 27

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Chrysostomus nennt allerdings eine Voraussetzung: "Hör auf Gott in seinen Geboten, damit er auf dich hört in deinen Gebeten!"
Wir dürfen auch nicht zweifeln am Gebet, "als sei es umsonst. Denn ich sag euch fürwahr, daß eh ihr die Wort vollbringt, so ist das Gebet schon angeschrieben im Himmel"
(so Sankt Bernhard laut Luther, Von guten Werken III 4). Wir dürfen Gott auch kein Ziel setzen und den Herrn versuchen. (Martin Luther, Von guten Werken III 4)

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WIE HILFT GOTT? Bernhard von Clairvaux brachte es auf die Formel: "Gott gibt uns entweder das, worum wir bitten, oder etwas, was uns nützlicher ist." Wenn wir nicht gleich erhört werden, liegt es meist daran, daß Gott "uns bei sich zurückbehalten und veranlassen will, ihn zu drängen und mit liebender Gewalt zu zwingen" (Franz von Sales), oder daß er uns verändern will.

"Es kann sein, daß es für mich nicht gut wäre, erhört zu werden, denn die Tugend wird aus der Erkenntnis unserer Schwäche geboren." (Girolamo Savonarola)

Vielleicht soll der Beter lernen, "auf seinen Wunsch zu verzichten und sich vor Gott zu beugen in der Erkenntnis, daß Gott immer recht hat, auch wenn wir seinen Weg nicht verstehen." (Anna Paulsen)
Es kann geschehen, "daß wir ein Leben lang an der Tür stehen, Ausschau halten und warten, ob denn nicht endlich Gottes Güte komme und sich darum sorge, daß wir es gut haben. Derweil ist Gottes Güte längst im Innern damit beschäftigt, daß wir gut werden." (P. Hadumar Herwig OFM)

Denken wir auch an Gottes "Schwierigkeiten". Ein banales Beispiel: Was soll er tun, wenn der eine sich Regen wünscht und der andere Sonne? "Gar oft wird der Herr... in die natürliche Entwicklung der Ereignisse eingreifen müssen, also ein ,Wunder´ wirken." Schon deshalb können wir nicht immer sofort Erhörung finden, "da Gott sonst ja beständig Wunder wirkte durch fortlaufenden, beständigen Eingriff in die Naturgesetze und in den von diesen bestimmten Ablauf der Dinge! - Also im Gebet Geduld und Ausdauer...!" (P. Sellemond: Goldenes ABC, S. 42)

Noch schwieriger werden Gebetserhörungen, wenn wir für andere bitten (die vielleicht sogar "dagegenarbeiten"!) - eines der Lieblingsanliegen der drei Theresias und vieler anderer Heiliger.

Vergessen wir nie, daß geistige Tröstungen viel größer sind als irdische, denn "sie entsprechen mehr dem Wesen des Menschen" (Girolamo Savonarola).

Bedenken wir auch stets, "daß das Gelingen sich nur zu seiner Zeit einstellt" (Martin Luther). Sicher und verheißungsvoll ist jedenfalls, daß sich uns im Gebet neue Wege des Denkens und Handelns eröffnen (J. Torggler).

Der heilige Salvianus fragte: „Was haben wir für eine Ursache, uns zu beklagen, wenn wir von Gott nicht erhört werden, oder wenn er unser Gebet gleichsam verachtet; da wir ihn doch auch oft nicht gehört, und seine Gebote so verachtet haben. Was ist billiger, als daß er uns nicht erhöre, weil wir ihn nicht gehört; und daß er unser Gebet nicht achte, weil wir seine Gebote nicht geachtet haben?“ (zit. Auer 1904, S. 587)

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