ETIKA

ZEHN GEBOTE

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31.10.2003

10GB6A

Das sechste Gebot

Mit freundlicher Abdruckerlaubnis vom 17.10.2003, P. Fr.

"Der Schatz vom Berge Sinai"
Das sechste Gebot Gottes
P. Fridolin Außersdorfer OFM, Innsbruck
in:
“Dienst am Glauben“, Heft 4/2003, Oktober-Dezember 2003
Jahresabonnement 15 Euro, SFr 17,60, plus Porto
zu bestellen bei: P. Fridolin Außersdorfer OFM, Höttinger Gasse 15a, A-6020 Innsbruck

"Du sollst nicht Unkeuschheit treiben!" - Deckt sich im wesentlichen mit der ursprünglichen Fassung:

"Du sollst nicht Ehe brechen!"

 

Erfahrung lehrt nämlich, daß alle "sexuelle Freizügigkeit" vor der Ehe dann Unzufriedenheit und Enttäuschung in der Ehe bewirkt.

 

Somit trifft das Verbot nicht nur eheliche Untreue, sondern ebenso auch vor- und außereheliche "Unzucht" Eph 5, 3 - und alles, was im vorhinein bewußt oder unbewußt auf "Bruch" in der Ehe angelegt ist, oder dazu disponiert.

Zum besseren Verständnis des Ganzen:

 

I. Klare Begriffe

Was versteht man unter Keuschheit - Unkeuschheit - Schamhaftigkeit - Ehe - Jungfräulichkeit?

 

1. Keuschheit: Rechte Beherrschung der Geschlechtskraft nach dem Willen Gottes.

"Keuschheit fördert die freie Entfaltung der Persönlichkeit des jungen Menschen zu einer Liebe im Glanz; daß er keine Schatten nachschleifen muß; nichts auch, was die freie Wahl der Liebe zum Herrn hindern würde auf dem Weg der Jungfräulichkeit, der Brautschaft Gottes." Ottilie Mosshamer, Ruf zur Liebe, 40

 

2. Unkeuschheit: Josef Pieper: "Was dieser Name meint, ist die Verlorenheit des Menschen an die Güter der sinnlichen Welt."

a) Diese "Verlorenheit" an den Sexus "spaltet und schwächt nicht allein die Entscheidungskraft, sondern sie nimmt auch dem inneren Auge seine Einfalt und Schärfe." (Über die Schwierigkeit, heute zu glauben, 252-254)

b) Volksnah ausgedrückt: Wenn der Auerhahn balzt (sexuell erregt ist), dann ist er so gier-"verloren", daß er in diesem Zustand "nichts sieht und nichts hört" - nicht einmal den Jäger. So ist er im Vollsinn des Wortes "erschossen".

c) Was hier in der Ordnung der von Gott erschaffenen Natur gilt, das gilt für den Menschen, wenn er die ihm von Gott geschenkte Geschlechtskraft mißbraucht. Das ist Sünde!

 

3. Schamhaftigkeit: Sie ist keine Schwäche, auch nicht etwas Anerzogenes, sondern ein Naturgefühl, das der Schöpfer in den Menschen hineingelegt hat zum Schutz der Intimsphäre.

Mann und Frau sind hier in gleicher Weise verantwortlich.

"Von der Frau aber erwartet man mehr an Selbstbewahrung. Sie spielt höher; und wenn sie verspielt, verliert sie mehr: Verlust der Keuschheit trifft sie in der ganzen Breite ihres Wesens." (Ottilie Mosshamer, ebenda 40)

 

4. Ehe: Die Ehe ist in ihrem Wesen ein Vertrag, durch den sich zwei rechtsfähige Personen verschiedenen Geschlechtes das ausschließliche Recht aufeinander unwiderruflich übertragen zur Erzeugung und Erziehung von Nachkommenschaft.

Zwischen Getauften ist dieser Vertrag ein Sakrament, wodurch die Gatten von Gott die Gnade erhalten, die Pflichten des Ehestandes treu zu erfüllen.

 

5. Jungfräulichkeit: Allgemein verständlich ausgedrückt: Wenn ein Mädchen "noch keinem Mann gehört hat".

a) Dieser bei allen Völkern und in allen Religionen als hoher Wert erachtete Zustand der Natur kann aus religiösen Gründen freiwillig (durch Vorsatz oder Gelübde) erhalten bleiben. Als in der Kirche hochgeachteter Lebensstand.

b) Für den Mann bedeutet Jungfräulichkeit den freiwilligen Verzicht auf Ehe, Familie und auf freiwillige Geschlechtslust als besonderes Charisma der Nachfolge Christi.

 

II. Der Mensch als Mann und Frau

 

In der Heiligen Schrift heißt es: "Gott schuf den Menschen als Mann und Frau." Gen 1,27 Daraus ergeben sich folgende Erkenntnisse:

 

1. Mann und Frau sind verschieden in ihrer Art. Und dennoch gleichwertig:

Der Mann hat mehr Gespür für die Sache, die Frau mehr Gespür für den Menschen. Beim Mann reifen die Entschlüsse mehr aus dem Verstand, bei der Frau mehr aus dem Herzen. Beides ist wichtig.

Beim Mann geht das Interesse zuerst auf die Sache und erst dann auf die Person. Bei der Frau erst auf die Person und dann auf die Sache.

Wo es schöpferische Leistung braucht, ist vorzüglich der Mann. Wo es intuitives Erfassen braucht, Gemüt und Einfühlung, dort ist besonders die Frau am Platz. Beides ist wichtig.

 

2. Auf Grund ihrer Verschiedenheit sind Mann und Frau in der Lage, einander zu ergänzen.

Mann und Frau sind gleichsam die zwei Hälften eines Ganzen, die aufeinander angewiesen und füreinander unentbehrlich sind.

Die Hilfe, die sich Mann und Frau leisten können, erstreckt sich auf alle Bereiche des Lebens. Beide zusammen sind ein Mensch.

Das gilt nicht nur für die Ehe, sondern allgemein für Mann und Frau.

Gott schuf den Menschen als Mann und Frau, daß sie einander ergänzen. Aus Mann und Frau wird gewissermaßen eine Person. So ist der Mensch von Gott erschaffen.

 

3. Das Bewußtsein, im anderen Geschlecht das zu haben, was man selber nicht hat, bewirkt gegenseitige Anziehung, Anregung und Förderung.

Das umgreift bei Mann und Frau den ganzen Menschen, nicht nur den Körper, sondern ebenso auch die Seele. Und bewirkt die gesamte Anziehung, Anregung und Förderung beider Geschlechter.

All das hat Gott so gewollt und so geschaffen. Mann und Frau sind nach dem Willen Gottes gleichwertig. Jede Geringschätzung des anderen Geschlechtes ist Auflehnung gegen die Schöpfungsordnung Gottes.

 

III. Der Leib des Menschen in christlicher Sicht

 

In christlicher Sicht ist der Leib des Menschen: Gottes Werk - Gottes Eigentum - und Gottes Heiligtum

 

1. Gottes Werk

Der Mensch ist von Gott nach seinem Bild erschaffen.

Das gilt vor allem für die Seele des Menschen, aber auch für den Leib. "Bedenk, o Mensch" - mahnt der heilige Franziskus -, "in welch erhabene Würde Gott der Herr Dich eingesetzt hat, da er Dich dem Leibe nach zum Bild seines geliebten Sohnes und dem Geiste nach zu seinem eigenen Gleichnis erschaffen und gestaltet hat."

 

Der Leib des Mannes ist ein Abbild des Leibes Christi, der Leib der Frau aber ein Abbild Mariens.

 

Der Leib des Menschen ist also nichts Verächtliches.

 

In christlicher Sicht gebührt dem Leib Hochachtung, nicht Furcht, wohl aber Ehrfurcht. Weil Gott es ist, der den Leib erdacht und so geformt hat, wie er selbst ihn bei der Menschwerdung annehmen wollte.

 

In der Heiligen Schrift steht der Satz: "Und Gott sah alles, was er gemacht hatte. Und es war sehr gut." - Hier gilt auch, was in der Apostelgeschichte steht: "Was Gott geschaffen hat, sollst du nicht unrein nennen" (Apg 10, 15). Vielmehr sollen wir Christen auch in der geschlechtlichen Anlage des Menschen in ehrfürchtiger Bewunderung Gottes Werk sehen und Gott preisen.

 

Die richtige Einstellung wäre also "die ruhige Seele, die mit reiner Unbefangenheit dem Geschlechtsleben gegenübertritt und darin die Verwirklichung göttlicher Gedanken schaut. Das ist die Auffassung der Propheten, die Einstellung Mariens und unseres Herrn Jesus Christus."

 

2. Gottes Eigentum

Wem gehört dieser Leib? - "Der Leib gehört dem Herrn" (1 Kor 6, 12 ff.). Er ist also menschlicher Willkür entzogen.

Der Mensch darf also mit seinem Leib, der Gott gehört, nicht tun oder tun lassen, was er will. Er steht mit seinem Leib in der Ordnung Gottes. Trotzdem neigt das Triebleben im Menschen dazu, der Führung des Willens zu entgleiten und sich selbständig zu machen. Es ist dann ein Absinken

·        vom Schenken ins Begehren

·        von Liebe zu Egoismus

·        von menschlichem Verhalten zum tierischen Verhalten.

Es wird also ein ständiges Ringen sein, den Geschlechtstrieb nach dem Willen Gottes im Zaum zu halten.

 

3. Gottes Heiligtum

"Wißt ihr nicht", schreibt der Apostel Paulus, "daß ihr ein Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt?" (I Kor 3, 16)

Darum ist bei aller Unbefangenheit auch Ehrfurcht am Platz.

Es ist in höchstem Grade ehrfurchtslos, den unbekleideten Leib des Menschen in Massenmedien zur Schau zu stellen. Und sich solche Darbietungen anzuschauen.

 

IV. Das Schamgefühl

 

Das Schamgefühl ist nicht das Produkt irgendeiner Erziehung, sondern vom Schöpfer selbst in die Natur des Menschen hineingelegt. Man unterscheidet die seelisch-geistige Scham und die geschlechtliche Scham.

 

a) Das Schamgefühl äußert sich auch dort, wo der Mensch eigentlich Lob verdient: im Bereich der Tugend und im ganz Persönlichen und im Heiligen, um es profanem Blick und fremder Kritik zu entziehen:

Warum sprechen wirklich fromme Menschen so wenig über ihre religiösen Erlebnisse? Warum verbergen Heilige ihre Gnadengaben?

Weil solche Erlebnisse nur in der Verborgenheit reifen, nur in umschlossener Einsamkeit ihre volle Schönheit entfalten und bewahren können.

 

b) Nur in dieser Form wird auch die Scham, die den eigenen Körper vor profanen und ehrfurchtslosen Blicken schützen soll, verständlich. Denn der Leib und seine Geschlechtlichkeit ist ja - wie gesagt - etwas Heiliges.

 

c) Das körperliche Schamgefühl möchte also den Leib schützen und ihn dort, wo er diesen Schutz braucht, verbergen und verhüllen. Denn er empfindet Blicke, Reden oder Berührungen Fremder mit Recht als unberechtigte Annäherung, ja als Zudringlichkeit und als Angriff, der abgewehrt werden muß.

 

V. Was besonders junge Menschen wissen sollten

Tatsachen, die junge Menschen sich sagen lassen sollten, um für die Ehe reif zu werden; oder sich für den jungfräulichen Stand zu bewahren:

 

1. Daß körperlicher Genuß, in dem Grade als er egoistisch erstrebt wird, nicht glücklich, sondern traurig macht. Das gilt - nach uralter Erfahrung - in besonderer Weise im Bereich des Sexuellen.

 

2. Daß der Sexus in der Ehe die "Hauptsache" wäre - diese Meinung ist absolut falsch!

Denn die eheliche Gemeinschaft ist von Gott nicht allein zur körperlichen Lust, sondern zur gegenseitigen Hilfeleistung auf dem Weg zur ewigen Glückseligkeit bei Gott bestimmt; und gerade in Zeiten, in denen diese am meisten nötig, in Krankheit und Alter, spielt der Sexus überhaupt keine Rolle.

Das Wichtigste in der Ehe ist die unbedingte Bereitschaft, sich für den anderen zu opfern: Aus Liebe zum Du das Ich zurückzustellen.

 

3. Das Drängen des Geschlechtes verspüren, rechtfertigt noch lange nicht bedenkenlose Erfüllung.

Die Geschlechtskraft darf walten,

aber nur unter ganz bestimmten Bedingungen.

Wer Blüten pflückt, wird davon niemals Früchte ernten.

Voreheliches Ausleben ist unnatürlich und bringt Schaden für Seele und Leib, Enttäuschung, Streit, Scheidung.

Enthaltsamkeit vor der Ehe hingegen ist die beste Voraussetzung für das Glück in der Ehe.

 

4. "Ehen ohne Trauschein" sind allzusehr ich-bezogen:

Man will den Partner schon im intimsten Bereich für sich haben; aber ohne Bereitschaft, vorbehaltlos zu ihm zu stehen. Sind beide Partner in gleicher Weise einverstanden, dann ist das "Egoismus zu zweit".

 

5. Ohne rechtliche Bindung gibt es auch keinen staatlichen Rechtsschutz; zum großen Nachteil bei partnerschaftlichen Krisen, die nicht ausbleiben.

 

6. Die geschlechtliche Anlage ist etwas Sakrales (Heiliges), dem gegenüber der Mensch Ehrfurcht haben, Verantwortung tragen und Selbstbeherrschung lernen soll!

 

·       Millionen Menschen haben ihre Unbeherrschtheit bitter bereuen müssen. Darum ist es wichtig, jungen Menschen die Sexualität als Gabe Gottes, die nur für die Ehe bestimmt ist, verständlich zu machen. Der christliche Erzieher muß den Mut haben, dem Jugendlichen den Wert des Wartenkönnens und des Verzichtes auf sexuelle Intimkontakte bewußtzumachen. Es braucht heute eine neue Kultur der Sexualität. (Ordinariatskorrespondenz Nr. 10 v. 12. 3. 1987)

 

Um die Kraft, durchhalten zu können, darum müssen wir beten!

Die katholische Kirche verfügt wie keine andere Religion über jene Quellen, aus denen man sich die moralische Kraft zu solcher Selbstverleugnung holen kann - und könnte:

Das Sakrament der Buße!

 

Das wunderbare Sakrament:

 

Das heilige Meßopfer

und das heilige Sakrament des Altares.

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