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10GE2 |
ERKENNTNIS GOTTES |
Handbuch des einfachen Lebens, Kap. 56 |
10GE2A
"Der
Herr: Trübsal und Tröstungen - alles ist gegeben aus Liebe und zum Heil der
Menschen, und zu keinem anderen Zweck. (Aber die Menschen) sind wie geblendet
durch die Eigenliebe, regen sich auf mit großer Ungeduld. Sie beurteilen als
schlecht, als Schaden, Ruin und Haß das, was ich aus Liebe und zu ihrem Wohl
tue. Sie hoffen nicht auf mich, sondern auf sich selbst. Sie vertrauen nicht
auf mich, der ich nichts anderes will als ihre Heiligung. Zu diesem Zweck und
mit großer Liebe gebe und erlaube ich alles, und sie ärgern sich über mich: und
ich trage und erhalte sie mit Geduld, weil ich sie liebe, ohne von ihnen
geliebt zu werden. Und sie verfolgen mich ständig mit großer Ungeduld, Haß und
Murren und mit großem Unglauben, wollen mit ihrem blinden Sehen meinen geheimen
Urteilen nachspüren, die alle gerecht und aus Liebe gefällt sind. Und sie
erkennen noch nicht sich selbst, und deshalb sehen sie falsch, denn wer nicht
sich selbst erkennt, kann nicht mich noch meine Gerichte in Wahrheit
erkennen." (Katharina von Siena, Dialog 138)
10GE2B
"...
oft habe ich durch meine Sünden meine Seele verdunkelt, so daß ich den Herrn
nicht darin sehen konnte." (Teresa von Avila, Leben 40)
10GE2C
"Gott
kommt nicht in dem Augenblick, in dem du ,gut´ geworden bist. Er war schon da, war
schon gekommen, kommt immer noch. Jetzt aber kannst du ihn sehen, weil dein
Auge rein, dein Herz offen geworden ist, weil du herabgestiegen bist von deinem
Thron. Je mehr du in ihm (Gott) die Liebe, das Licht und das Leben siehst,
desto mehr erkennst du ihn selbst, wenn auch nur verhüllt in der Dämmerung
einer noch nicht geschehenen Geburt, wenn auch nur durch die Gleichnisse der
Schöpfung ausgedrückt." (Carlo
Carretto, Betendes Gottesvolk Nr. 95)
10GE2D
"Liebet
die ganze Schöpfung Gottes, die ganze Welt und jedes Sandkörnchen auf Erden!
Jedes Blättchen, jeden Lichtstrahl Gottes habt lieb! Liebet die Tiere, liebet
die Pflanzen, liebet jedes Ding! Wirst du aber jedes Ding lieben, dann wirst du
auch Gottes Geheimnis in den Dingen erfassen." (F. M.
Dostojewskij, die Brüder Karamasoff 6 III)
10GE2E
"Das
mysterium magnum (große Geheimnis) der Natur aber ist die Inkorporierung des
Geistigen in die Materie, in der Schöpfung des ersten Menschen und in der Geburt
des Gottmenschen, woran die ganze Menschheit unter den doppelten Bedingungen
der Gerechtigkeit und der Gnade teilnimmt. Gott in seinen Werken zu erkennen,
ist nächst der Liebe zu Ihm und der Erfüllung Seiner Gebote das herrlichste
Licht, das in uns leuchten kann. Gottes Walten in der Weltgeschichte und Seiner
Weisheit Spiegel in der Natur zu betrachten, ist des Christen Pflicht." (Wolfgang
Menzel: Die Naturkunde im christlichen Geiste aufgefaßt, Vorrede)
10GE2F
Franziskus
von Assisi "sieht die Geschöpfe nicht mehr als Idole an, von denen man
Glück und Vergnügen empfangen kann; jetzt ist er es, der sich der Geschöpfe
bedient, um Gott zu entdecken und zu verherrlichen", und er ist es, der
sie veranlaßt, jenem Lobgesänge zu bringen, der "das Gute, alles Gute, das
höchste Gott, der lebendige und wahre Herr Gott ist" (Manelli
190). Der Franziskus-Biograph Celano berichtet: "Er jubelt vor Freude
über alle Werke der Hände des Herrn, und durch diese frohmachende Sicht der
Dinge erfaßt er intuitiv die Ursache und den Grund, der sie belebt. In den
schönen Dingen erkennt er die höchste Schönheit wieder, wie ihn alle guten
Dinge ausrufen lassen: ,Der uns geschaffen hat, ist die unendliche Güte
selbst.´ Auf den Spuren, die in die Natur eingeprägt sind, folgt er überall dem
Geliebten und benutzt jedes Ding als Stufe, um zu seinem Thron zu
gelangen."
10GE2G
"Das
Glück des Menschen besteht darin, das letzte Ziel zu erreichen" (Girolamo
Savonarola s 3) "Da die Seligkeit das höchste gut für den Menschen
ist, kann sie nicht in einem äußeren Gut (wie Reichtum, Ruhm, Ehre, Macht und
dgl.) bestehen: Diese bringen eine Vielzahl von Übeln mit sich. (aaO 4) Daß das
Glück nicht in den Gütern des Körpers (Leben, Gesundheit, Schönheit, Jugend,
Kraft usw.) besteht, erhellt die Tatsache, daß der Körper von der Seele aus
betätigt wird. Überdies wären die Tiere dann viel glücklicher: Man denke an das
lange Leben des Elefanten, die Kraft des Löwen, die Schnelligkeit des Hirsches.
(5) Läge die Seligkeit in den Gütern der sinnlichen Fähigkeiten,
müßte der Mensch sich den Exzessen der Freßsucht, Ausschweifung und jeder Art
von Vergnügen hingeben, in anderen Worten Bestie werden. Einfach absurd. (6) Unser
Verstand findet die Ruhe nicht in der Betrachtung der Teilwahrheiten, wie es
auch dem Willen nicht gelingt, in geschaffenen Gütern Sättigung zu finden. Das
letzte Ziel ist daher das wahre und umfassende Gut: Gott, in einem Wort. So
besteht das Glück des Menschen nur in der Beschauung Gottes und der Teilhabe an
ihm. (9)"
10GE2H
"Wer
Gott erkennen ... will, der schaue in die Krippe und lerne erstlich erkennen
der Jungfrau Maria Sohn, danach schaue er Christus am Kreuz hängen, so wird er
fein lernen, wer Gott sei. Solches wird alsdann nicht schrecklich, sondern aufs
allerliebste und tröstlichste sein. Und hüte dich ja vor den hochfliegenden
Gedanken, hinauf in den Himmel zu klettern ohne diese Leiter, nämlich den Herrn
Christus in seiner Menschheit." (Martin Luther, Tischreden)
10GE2I
"Erbarmen
ist das innerste Geheimnis Gottes." (Vinzenz von Paul)
10GE2J
"Die
Betrachtung des gekreuzigten Christus führt uns zur liebevollen Erkenntnis der
unsichtbaren göttlichen Wahrheiten. Nichts kann uns mit größerer Wirksamkeit
die Güte Gottes und seine nicht in unsere Begriffe zu fassende Liebe zu uns
zeigen. Der Gegenstand solcher Betrachtung ist außerordentlich tröstend, denn
wenn das Sichgeliebtwissen lebendige Freude erzeugt, wer kann da in Zweifel
ziehen, daß das Von-Gott-geliebt-Werden bis zu diesem Maß in der Seele die
süßesten Empfindungen hervorruft? Es gibt nichts, was mehr zu bewundern ist,
als dieses: daß Gott Mensch geworden ist und sich dann aus Liebe zu den
Menschen ans Kreuz schlagen ließ." (Girolamo
Savonarola, V 15)
10GE2K
"Dort
wo ein Mensch ein offenes Herz für Gott hat, ist es ein freudiges Erlebendürfen,
Gott immer näher zu kommen. Die höchste Stufe, die ein Christ in der
religiösen, geistlichen Entfaltung erreichen kann, ist die bewußte Anbetung und
Verherrlichung der heiligsten Dreifaltigkeit." (P.
Petrus Pavlicek, Brief vom 28.3.1977)
10GE2U
ÜBUNGEN
1. Mit reinem Herzen in allem Gottes Güte und Größe erkennen
2. in Jesus in der Krippe und am Kreuz das Erbarmen und die Liebe
Gottes erkennen
3. uns in das göttliche Geheimnis versenken
4. uns Gott öffnen