ETIKA

TUGENDEN

www.etika.com
16.6.2002

10GE2

ERKENNTNIS GOTTES

Handbuch des einfachen Lebens, Kap. 56

10GE2A

"Der Herr: Trübsal und Tröstungen - alles ist gegeben aus Liebe und zum Heil der Menschen, und zu keinem anderen Zweck. (Aber die Menschen) sind wie geblendet durch die Eigenliebe, regen sich auf mit großer Ungeduld. Sie beurteilen als schlecht, als Schaden, Ruin und Haß das, was ich aus Liebe und zu ihrem Wohl tue. Sie hoffen nicht auf mich, sondern auf sich selbst. Sie vertrauen nicht auf mich, der ich nichts anderes will als ihre Heiligung. Zu diesem Zweck und mit großer Liebe gebe und erlaube ich alles, und sie ärgern sich über mich: und ich trage und erhalte sie mit Geduld, weil ich sie liebe, ohne von ihnen geliebt zu werden. Und sie verfolgen mich ständig mit großer Ungeduld, Haß und Murren und mit großem Unglauben, wollen mit ihrem blinden Sehen meinen geheimen Urteilen nachspüren, die alle gerecht und aus Liebe gefällt sind. Und sie erkennen noch nicht sich selbst, und deshalb sehen sie falsch, denn wer nicht sich selbst erkennt, kann nicht mich noch meine Gerichte in Wahrheit erkennen." (Katharina von Siena, Dialog 138)

10GE2B

"... oft habe ich durch meine Sünden meine Seele verdunkelt, so daß ich den Herrn nicht darin sehen konnte." (Teresa von Avila, Leben 40)

10GE2C

"Gott kommt nicht in dem Augenblick, in dem du ,gut´ geworden bist. Er war schon da, war schon gekommen, kommt immer noch. Jetzt aber kannst du ihn sehen, weil dein Auge rein, dein Herz offen geworden ist, weil du herabgestiegen bist von deinem Thron. Je mehr du in ihm (Gott) die Liebe, das Licht und das Leben siehst, desto mehr erkennst du ihn selbst, wenn auch nur verhüllt in der Dämmerung einer noch nicht geschehenen Geburt, wenn auch nur durch die Gleichnisse der Schöpfung ausgedrückt." (Carlo Carretto, Betendes Gottesvolk Nr. 95)

10GE2D

"Liebet die ganze Schöpfung Gottes, die ganze Welt und jedes Sandkörnchen auf Erden! Jedes Blättchen, jeden Lichtstrahl Gottes habt lieb! Liebet die Tiere, liebet die Pflanzen, liebet jedes Ding! Wirst du aber jedes Ding lieben, dann wirst du auch Gottes Geheimnis in den Dingen erfassen." (F. M. Dostojewskij, die Brüder Karamasoff 6 III)

10GE2E

"Das mysterium magnum (große Geheimnis) der Natur aber ist die Inkorporierung des Geistigen in die Materie, in der Schöpfung des ersten Menschen und in der Geburt des Gottmenschen, woran die ganze Menschheit unter den doppelten Bedingungen der Gerechtigkeit und der Gnade teilnimmt. Gott in seinen Werken zu erkennen, ist nächst der Liebe zu Ihm und der Erfüllung Seiner Gebote das herrlichste Licht, das in uns leuchten kann. Gottes Walten in der Weltgeschichte und Seiner Weisheit Spiegel in der Natur zu betrachten, ist des Christen Pflicht." (Wolfgang Menzel: Die Naturkunde im christlichen Geiste aufgefaßt, Vorrede)

10GE2F

Franziskus von Assisi "sieht die Geschöpfe nicht mehr als Idole an, von denen man Glück und Vergnügen empfangen kann; jetzt ist er es, der sich der Geschöpfe bedient, um Gott zu entdecken und zu verherrlichen", und er ist es, der sie veranlaßt, jenem Lobgesänge zu bringen, der "das Gute, alles Gute, das höchste Gott, der lebendige und wahre Herr Gott ist" (Manelli 190). Der Franziskus-Biograph Celano berichtet: "Er jubelt vor Freude über alle Werke der Hände des Herrn, und durch diese frohmachende Sicht der Dinge erfaßt er intuitiv die Ursache und den Grund, der sie belebt. In den schönen Dingen erkennt er die höchste Schönheit wieder, wie ihn alle guten Dinge ausrufen lassen: ,Der uns geschaffen hat, ist die unendliche Güte selbst.´ Auf den Spuren, die in die Natur eingeprägt sind, folgt er überall dem Geliebten und benutzt jedes Ding als Stufe, um zu seinem Thron zu gelangen."

10GE2G

"Das Glück des Menschen besteht darin, das letzte Ziel zu erreichen" (Girolamo Savonarola s 3) "Da die Seligkeit das höchste gut für den Menschen ist, kann sie nicht in einem äußeren Gut (wie Reichtum, Ruhm, Ehre, Macht und dgl.) bestehen: Diese bringen eine Vielzahl von Übeln mit sich. (aaO 4) Daß das Glück nicht in den Gütern des Körpers (Leben, Gesundheit, Schönheit, Jugend, Kraft usw.) besteht, erhellt die Tatsache, daß der Körper von der Seele aus betätigt wird. Überdies wären die Tiere dann viel glücklicher: Man denke an das lange Leben des Elefanten, die Kraft des Löwen, die Schnelligkeit des Hirsches. (5) Läge die Seligkeit in den Gütern der sinnlichen Fähigkeiten, müßte der Mensch sich den Exzessen der Freßsucht, Ausschweifung und jeder Art von Vergnügen hingeben, in anderen Worten Bestie werden. Einfach absurd. (6) Unser Verstand findet die Ruhe nicht in der Betrachtung der Teilwahrheiten, wie es auch dem Willen nicht gelingt, in geschaffenen Gütern Sättigung zu finden. Das letzte Ziel ist daher das wahre und umfassende Gut: Gott, in einem Wort. So besteht das Glück des Menschen nur in der Beschauung Gottes und der Teilhabe an ihm. (9)"

10GE2H

"Wer Gott erkennen ... will, der schaue in die Krippe und lerne erstlich erkennen der Jungfrau Maria Sohn, danach schaue er Christus am Kreuz hängen, so wird er fein lernen, wer Gott sei. Solches wird alsdann nicht schrecklich, sondern aufs allerliebste und tröstlichste sein. Und hüte dich ja vor den hochfliegenden Gedanken, hinauf in den Himmel zu klettern ohne diese Leiter, nämlich den Herrn Christus in seiner Menschheit." (Martin Luther, Tischreden)

10GE2I

"Erbarmen ist das innerste Geheimnis Gottes." (Vinzenz von Paul)

10GE2J

"Die Betrachtung des gekreuzigten Christus führt uns zur liebevollen Erkenntnis der unsichtbaren göttlichen Wahrheiten. Nichts kann uns mit größerer Wirksamkeit die Güte Gottes und seine nicht in unsere Begriffe zu fassende Liebe zu uns zeigen. Der Gegenstand solcher Betrachtung ist außerordentlich tröstend, denn wenn das Sichgeliebtwissen lebendige Freude erzeugt, wer kann da in Zweifel ziehen, daß das Von-Gott-geliebt-Werden bis zu diesem Maß in der Seele die süßesten Empfindungen hervorruft? Es gibt nichts, was mehr zu bewundern ist, als dieses: daß Gott Mensch geworden ist und sich dann aus Liebe zu den Menschen ans Kreuz schlagen ließ." (Girolamo Savonarola, V 15)

10GE2K

"Dort wo ein Mensch ein offenes Herz für Gott hat, ist es ein freudiges Erlebendürfen, Gott immer näher zu kommen. Die höchste Stufe, die ein Christ in der religiösen, geistlichen Entfaltung erreichen kann, ist die bewußte Anbetung und Verherrlichung der heiligsten Dreifaltigkeit." (P. Petrus Pavlicek, Brief vom 28.3.1977)


10GE2U

ÜBUNGEN

1.  Mit reinem Herzen in allem Gottes Güte und Größe erkennen

2.  in Jesus in der Krippe und am Kreuz das Erbarmen und die Liebe Gottes erkennen

3.  uns in das göttliche Geheimnis versenken

4.  uns Gott öffnen

Index 1