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ETIKA
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MEDITATIONEN |
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10M6A |
Samstagmorgen |
Fray Luis de Granada: Libro de la oración y de la meditación; |
Der Lanzenstich, den
man dem Heiland versetzte; die Abnahme vom Kreuz; Klage seiner Mutter;
Bestattung
Man
stieß die Lanze in den Körper des Heilandes, und Wasser
und Blut traten aus, mit denen die Sünden der Welt abgewaschen werden. O Fluß
aus dem Paradies, der du mit deinen Fluten das ganze Erdenrund bewässerst!
Die
Schmerzen der Mutter finden Trost nur in ihrer
Geduld. Sie klagt: Mein Sohn, was tatest du, daß dich die Juden kreuzigten, was
war der Grund, warum man dir einen solchen Tod gab? Ist dies der Dank für so
viele gute Taten, ist dies der Preis, den man der Tugend gibt? Ist die
Schlechtheit der Welt so weit gediehen, reichen bis hierher die Güte und der
Großmut Gottes? War so viel nötig, um der Schuld Genüge zu tun? So groß ist die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit? So
viel ist Gott das Heil der Menschen wert? Oh, mein liebster Sohn, was
werde ich ohne dich anfangen? Ich werde nichts mehr für dich tun können, du
wirst nie mehr an meinem Tisch sitzen, wirst mein Gemüt nie mehr erfreuen? O
Tod, warum bist du so grausam, daß du mir jenen nimmst, in dessen Leben das
meine lag?

Virgen de las Angustias, Granada
Alle, die zugegen waren, weinten, und es weinten Himmel und Erde
und alle Kreaturen.
Warum die Gerechten in diesem Leben von verschiedenen Nöten
heimgesucht werden: Im Hause Gottes gibt es keine größere Ehre, als aus
Liebe zu ihm zu leiden. Unter allen guten Werken und Diensten, die der Heiland
uns in dieser Welt erwiesen hat, war es hauptsächlich dieses Mittel, auf das er
zum Zwecke unserer Besserung hingewiesen hat.
Es
gibt keinen anderen Edelstein auf der Welt, der die wahre Tugend besser
sichtbar macht als das Ertragen von Leid und Mühsal
aus Liebe zu Gott, denn der Beweis der wahren Liebe liegt in der wahren
Geduld gegenüber dem Geliebten, und kein anderer Beweis ist so über jeden
Zweifel erhaben wie dieser. Nie werden die Menschen Gottes Liebe ganz verstehen
können, auch wenn sie ihm noch so viele Dienste leisten, wenn sie nicht dahin
gelangen, für ihn zu leiden. Jeder Auserwählte bekommt die Last zugeteilt, die er mit
seinen Kräften und seiner durch die Gnade erhaltenen Begabung zu tragen vermag.
Wir sind Glieder Christi; fügen wir uns darein,
mit ihm zu leiden.
Tröstet
euch, ihr Betrübten alle, immer und immer wieder damit, daß es kein
angenehmeres Opfer vor Gott gibt als das betrübte Herz, und kein sichereres
Zeichen seiner Freundschaft als die Geduld in der Trübsal. Was ist das Leiden anderes als Kreuz? Wer das Leid
flieht, flieht der nicht auch das Kreuz? Wenn wir das tote Kreuz anbeten, die
Gestalt am Kreuz, warum fliehen wir vor dem lebenden, welches das Leiden für
das Kreuz ist? Alle Leiden und Mühen, die der Mensch
um Christi und der Wahrheit willen erträgt, sind Kreuz.
Wenn du für deine Sünden leidest, leidest du am Kreuz des guten
Räubers; leidest du aber ohne Sünden und ohne Schuld, müßte dir
dies ein noch größerer Trost sein, denn dies bedeutet, daß
du am Kreuz des Heilandes leidest.
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10M6B |
Samstagabend |
Fray Luis de Granada: Libro de la oración y de la meditación |
Die Herrlichkeit des
Paradieses. Diese Meditation macht uns sanftmütig bei allen Mühen und Verdruß.
"Welcher Jubel, wenn die Seele sich mit ihrem
verklärten Leib vereinigen wird, der für sie nicht mehr ein Werkzeug der Sünde
noch eine Ursache des Leidens sein wird!" (hl. Pfarrer von Ars)
Wenn Gott in diesem Tal der Tränen und Ort der Verbannung so
wunderbare und schöne Dinge geschaffen hat, was wird er erst an jenem Ort
geschaffen haben, welcher der Sitz seiner Herrlichkeit, Thron seiner Größe,
Palast seiner Majestät, Haus seiner Auserwählten und Paradies aller Wonnen ist?
Diese Stadt liegt über allen Himmeln, und ihre Größe und Ausdehnung
überschreitet jedes Maß.
Unüberschaubar groß ist die Zahl der Engel und Auserwählten, und
alle sind Kinder Gottes, sind ein Herz und eine Seele. Diese Gemeinschaft der
Heiligen umfaßt alle Guten bis zu den Gläubigen unserer Tage. Welche Freude,
bei so vielen Guten zu weilen, mit Aposteln zu reden, sich mit den Propheten zu
unterhalten, Gedankenaustausch mit den Märtyrern und schließlich allen
Auserwählten zu pflegen! Wir werden auch alle Verwandten und Freunde
wiederfinden, die im Herrn entschlafen sind.
Unsere größte Freude aber wird Gott sein, denn er ist die Liebe
selbst.
Im Himmel sind die Auserwählten in Liebe mit Gott vereinigt, dem
höchsten aller Wesen, der allein das Gute ist und von dem
alles Gute kommt. Vollkommen ist ihre Freude bei der Anschauung
seiner unverhüllten Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht. Dies ist die
größte Freude des Himmels.
Wir werden Gott sehen, und wir werden uns und alle Dinge in Gott
sehen. Belohnt werden jene drei Tugenden, mit denen Gott hier geehrt wird: Der
Glaube erhält als Preis den Anblick des Allerhöchsten, die Hoffnung den Besitz
und die unvollkommene Liebe die vollkommene Liebe. Das Ziel, Gott, wird
erreicht sein.
Im Himmel wird der wahre Friede herrschen, wo der Mensch weder von
sich selbst von anderen belästigt wird. Dort wird Gesundheit ohne Krankheit
sein, Freiheit ohne Knechtschaft, Schönheit ohne Häßlichkeit, Überfluß ohne
Not, Ruhe ohne Störung, Sicherheit ohne Furcht, Wissen ohne Irrtum,
Fröhlichkeit ohne Trauer. Und die ganze erlöste Schöpfung wird mit ewigem
Frieden umgeben sein. Die Freuden des Himmels sind größer, als wir uns
vorstellen können. Unermeßlich ist die Liebe Gottes.
Diese Glückseligkeit wird so viele Tausende von Jahren dauern, wie
es Sterne am Himmel gibt, und so viele Hunderte von Tausenden von Jahren, wie
Wassertropfen auf die Erde gefallen sind, und noch viel länger, nämlich solange
Gott sein wird, von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Gebet:
|
O
Vater der Barmherzigkeit! Herr, mein Gott, der Du mich nach Deinem Bild
geschaffen hast, laß mich das Recht auf dieses Land der Verheißung nicht
verlieren. Gib mir nicht in dieser Welt Ruhe und Reichtum, sondern bewahre
alles für mich auf für dort. |
Jeder wird seinen Lohn empfangen nach seiner Mühe. (1. Korinther 3,8)
Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten, und wer reichlich sät,
wird auch reichlich ernten. (2. Korinther 9,6)
Zusatz 10.12.2002:
Wir hoffen, mit denen, die wir lieben, durch die Berge des
Paradieses wandern zu dürfen.