ETIKA

MEDITATIONEN

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10.12.2002

10M6A

Samstagmorgen

Fray Luis de Granada: Libro de la oración y de la meditación;
Handbuch des einfachen Lebens

Der Lanzenstich, den man dem Heiland versetzte; die Abnahme vom Kreuz; Klage seiner Mutter; Bestattung

Man stieß die Lanze in den Körper des Heilandes, und Wasser und Blut traten aus, mit denen die Sünden der Welt abgewaschen werden. O Fluß aus dem Paradies, der du mit deinen Fluten das ganze Erdenrund bewässerst!

Die Schmerzen der Mutter finden Trost nur in ihrer Geduld. Sie klagt: Mein Sohn, was tatest du, daß dich die Juden kreuzigten, was war der Grund, warum man dir einen solchen Tod gab? Ist dies der Dank für so viele gute Taten, ist dies der Preis, den man der Tugend gibt? Ist die Schlechtheit der Welt so weit gediehen, reichen bis hierher die Güte und der Großmut Gottes? War so viel nötig, um der Schuld Genüge zu tun? So groß ist die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit? So viel ist Gott das Heil der Menschen wert? Oh, mein liebster Sohn, was werde ich ohne dich anfangen? Ich werde nichts mehr für dich tun können, du wirst nie mehr an meinem Tisch sitzen, wirst mein Gemüt nie mehr erfreuen? O Tod, warum bist du so grausam, daß du mir jenen nimmst, in dessen Leben das meine lag?

Virgen de las Angustias, Granada

Alle, die zugegen waren, weinten, und es weinten Himmel und Erde und alle Kreaturen.

Warum die Gerechten in diesem Leben von verschiedenen Nöten heimgesucht werden: Im Hause Gottes gibt es keine größere Ehre, als aus Liebe zu ihm zu leiden. Unter allen guten Werken und Diensten, die der Heiland uns in dieser Welt erwiesen hat, war es hauptsächlich dieses Mittel, auf das er zum Zwecke unserer Besserung hingewiesen hat.

Es gibt keinen anderen Edelstein auf der Welt, der die wahre Tugend besser sichtbar macht als das Ertragen von Leid und Mühsal aus Liebe zu Gott, denn der Beweis der wahren Liebe liegt in der wahren Geduld gegenüber dem Geliebten, und kein anderer Beweis ist so über jeden Zweifel erhaben wie dieser. Nie werden die Menschen Gottes Liebe ganz verstehen können, auch wenn sie ihm noch so viele Dienste leisten, wenn sie nicht dahin gelangen, für ihn zu leiden. Jeder Auserwählte bekommt die Last zugeteilt, die er mit seinen Kräften und seiner durch die Gnade erhaltenen Begabung zu tragen vermag. Wir sind Glieder Christi; fügen wir uns darein, mit ihm zu leiden.

Tröstet euch, ihr Betrübten alle, immer und immer wieder damit, daß es kein angenehmeres Opfer vor Gott gibt als das betrübte Herz, und kein sichereres Zeichen seiner Freundschaft als die Geduld in der Trübsal. Was ist das Leiden anderes als Kreuz? Wer das Leid flieht, flieht der nicht auch das Kreuz? Wenn wir das tote Kreuz anbeten, die Gestalt am Kreuz, warum fliehen wir vor dem lebenden, welches das Leiden für das Kreuz ist? Alle Leiden und Mühen, die der Mensch um Christi und der Wahrheit willen erträgt, sind Kreuz.

Wenn du für deine Sünden leidest, leidest du am Kreuz des guten Räubers; leidest du aber ohne Sünden und ohne Schuld, müßte dir dies ein noch größerer Trost sein, denn dies bedeutet, daß du am Kreuz des Heilandes leidest.

 

10M6B

Samstagabend

Fray Luis de Granada: Libro de la oración y de la meditación

Die Herrlichkeit des Paradieses. Diese Meditation macht uns sanftmütig bei allen Mühen und Verdruß.

"Welcher Jubel, wenn die Seele sich mit ihrem verklärten Leib vereinigen wird, der für sie nicht mehr ein Werkzeug der Sünde noch eine Ursache des Leidens sein wird!" (hl. Pfarrer von Ars)

Wenn Gott in diesem Tal der Tränen und Ort der Verbannung so wunderbare und schöne Dinge geschaffen hat, was wird er erst an jenem Ort geschaffen haben, welcher der Sitz seiner Herrlichkeit, Thron seiner Größe, Palast seiner Majestät, Haus seiner Auserwählten und Paradies aller Wonnen ist? Diese Stadt liegt über allen Himmeln, und ihre Größe und Ausdehnung überschreitet jedes Maß.

Unüberschaubar groß ist die Zahl der Engel und Auserwählten, und alle sind Kinder Gottes, sind ein Herz und eine Seele. Diese Gemeinschaft der Heiligen umfaßt alle Guten bis zu den Gläubigen unserer Tage. Welche Freude, bei so vielen Guten zu weilen, mit Aposteln zu reden, sich mit den Propheten zu unterhalten, Gedankenaustausch mit den Märtyrern und schließlich allen Auserwählten zu pflegen! Wir werden auch alle Verwandten und Freunde wiederfinden, die im Herrn entschlafen sind.

Unsere größte Freude aber wird Gott sein, denn er ist die Liebe selbst.

Im Himmel sind die Auserwählten in Liebe mit Gott vereinigt, dem höchsten aller Wesen, der allein das Gute ist und von dem alles Gute kommt. Vollkommen ist ihre Freude bei der Anschauung seiner unverhüllten Herrlichkeit von Angesicht zu Angesicht. Dies ist die größte Freude des Himmels.

Wir werden Gott sehen, und wir werden uns und alle Dinge in Gott sehen. Belohnt werden jene drei Tugenden, mit denen Gott hier geehrt wird: Der Glaube erhält als Preis den Anblick des Allerhöchsten, die Hoffnung den Besitz und die unvollkommene Liebe die vollkommene Liebe. Das Ziel, Gott, wird erreicht sein.

Im Himmel wird der wahre Friede herrschen, wo der Mensch weder von sich selbst von anderen belästigt wird. Dort wird Gesundheit ohne Krankheit sein, Freiheit ohne Knechtschaft, Schönheit ohne Häßlichkeit, Überfluß ohne Not, Ruhe ohne Störung, Sicherheit ohne Furcht, Wissen ohne Irrtum, Fröhlichkeit ohne Trauer. Und die ganze erlöste Schöpfung wird mit ewigem Frieden umgeben sein. Die Freuden des Himmels sind größer, als wir uns vorstellen können. Unermeßlich ist die Liebe Gottes.

Diese Glückseligkeit wird so viele Tausende von Jahren dauern, wie es Sterne am Himmel gibt, und so viele Hunderte von Tausenden von Jahren, wie Wassertropfen auf die Erde gefallen sind, und noch viel länger, nämlich solange Gott sein wird, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Gebet:

O Vater der Barmherzigkeit! Herr, mein Gott, der Du mich nach Deinem Bild geschaffen hast, laß mich das Recht auf dieses Land der Verheißung nicht verlieren. Gib mir nicht in dieser Welt Ruhe und Reichtum, sondern bewahre alles für mich auf für dort.

Jeder wird seinen Lohn empfangen nach seiner Mühe. (1. Korinther 3,8)

Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten, und wer reichlich sät, wird auch reichlich ernten. (2. Korinther 9,6)

Zusatz 10.12.2002:

Wir hoffen, mit denen, die wir lieben, durch die Berge des Paradieses wandern zu dürfen.

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