ETIKA

MEDITATIONEN

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15.7.2004

10MW1

Alternativmeditation für modern Denkende, Zweifelnde, Ungläubige

Der Theologieprofessor Karl Rahner am 24.11.1983 bei einem der letzten Vorträge vor seinem Tod

Man kann sich das Leben nach dem Tod nicht vorstellen, sagte ein weltbekannter Theologe. "Da hört die Zeit auf, da ist Endgültigkeit und Bleibendheit. Es geht nicht weiter."

"Das Tier ist nicht bei sich selber, fragt nicht nach sich selber. Der Mensch aber fragt über die partikuläre Wirklichkeit hinaus" (immer laut Rahner). Das Bewußtsein von Wirklichkeiten könne man Seele nennen oder personales Bewußtsein. Davon sagt die Kirche: Das Bewußtsein hört mit dem Tod nicht auf. Der Mensch denkt sich: "Ich bin ein freies, personales Subjekt, erfahre mich als begrenzt, bedingt, aber ich weiß das und stehe dieser meiner Begrenztheit, über mich hinaus fragend, selber gegenüber. Ich bin mir selber überantwortet, trage eine ewige Verantwortung. Nur wenn ich die bejahe, bin ich der Mensch, der ich sein soll." (Rahner)

"Sei überzeugt, daß du mit deiner Freiheitsexistenz nicht in nichts zurückfliehen kannst", rief der Professor. Wo der einzelne die "Ungeheuerlichkeit" , daß es mit dem Tod nicht aufhört, erfahre, könne sehr verschieden sein: der eine im Wunder der Liebe, der Selbstlosigkeit, der Treue, ein anderer in Qual und Dunkelheit.

"Gott ist unbegreiflich." Dort, wo der Mensch hinkommt, ist laut Rahner eine unvorstellbare Vollendung. "So etwas muß es geben. Wie es ist, kann ich mir nicht vorstellen." Der Christ sei aber gehalten, mit der Möglichkeit zu rechnen, daß er das Jenseits verfehlt durch eigene Schuld. Diese Möglichkeit der ewigen Verlorenheit gehöre zur christlichen Lehre. Was aber ist nun das Jenseits? Es ist "das Unbegreifliche, weil es eben Gott selber ist. Dieses Nach-dem-Tod ist der ewige Gott selbst."

Auch wenn wir den Eindruck gewännen, alles sei schäbig und zerrinne im Nichts, so seien wir doch dazu da, "mit radikalem Optimismus zu denken, mit nichts zufrieden zu sein als dem ewigen Gott selbst!" Wir dürfen "in die unendliche Ewigkeit Gottes hineingreifen in Glaube, Hoffnung und Liebe, dann wird das unser Leben nach dem Tod sein."

Folgerung:

Laut Vortragendem kann und muß der Christ die Entscheidung (ja zu sagen zum Liebesangebot Gottes) in diesem Leben fertigbringen, so armselig und elend dieses auch sein mag.

So ziehe jeder für sich selbst das Fazit, "daß ich ich mich jetzt für ewig für den ewigen Gott entscheiden muß und kann".

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