|
ETIKA |
WAHRHEIT |
www.etika.com |
|
10WA2 |
Die Wahrheit liegt in der Einfachheit |
Handbuch des einfachen Lebens, Kapitel 1 |
Jeder Mensch muß sich
entscheiden
"...auf daß sie vollkommen
seien in Einheit"
Dieses Handbuch des einfachen
Lebens, das nun auch im Internet veröffentlicht wird, wurde im Geist der
Ökumene verfaßt. Es soll Christen katholischer, evangelisch-lutherischer,
reformierter, orthodoxer, anglikanischer, altkatholischer, koptischer oder
anderer Konfession durch den Alltag, durch frohe und schwere Zeiten begleiten.
"Die Welt wartet darauf, daß
die Christen in gemeinsamem Zeugnis und Dienst zusammenstehen", sagte ein evangelischer Landesbischof zum Papst am 17.
November 1980 bei dessen Deutschlandbesuch, und der Bischof von Rom antwortete: "Miteinander sind
wir gerufen, im Dialog der Wahrheit und der Liebe die volle Einheit im Glauben
anzustreben."
Wenn wir wirklich "alle
eins" sein wollen, wie Christus es
uns aufgetragen hat (Johannes 17), müssen
wir versuchen, mehr das Gemeinsame zu sehen und das Trennende zu beseitigen. Es
ist höchste Zeit, und es gibt einen einfachen Weg: das Gebet. Nur mit dem Gebet
werden wir die Einheit erreichen. Beten kann jeder. Finden wir zurück zum
gemeinsamen Gebet. Achten wir darauf, wie die anderen beten. Übernehmen wir das
eine oder andere Gebet und schaffen wir so eine "Bewegung von unten
her". Stoßen wir uns nicht an gewissen Texten und Formulierungen, die uns
fremd erscheinen. Denken wir vielmehr an das Wort Jesu
in der Bergpredigt (Mt 5,22-24):
"Wer seinem Bruder zürnt,
wird dem Gericht überantwortet werden... Darum, wenn du deine Gabe auf dem
Altar opferst und wirst allda eingedenk, daß dein Bruder etwas gegen dich hat,
so laß deine Gabe vor dem Altar und versöhne dich mit deinem Bruder, und dann
kommen und opfere deine Gabe." Wieso sollte dies nur für einzelne und
nicht die ganze Kirche gelten?
Luis von Granada mahnt uns: "Die einen sollen nicht
die Lebensweise der anderen verurteilen. Die einen suchen (die Gnade zu
erlangen) mit Fasten und Selbstzucht und Härte gegenüber ihrem Körper; andere
mit Almosengeben und Werken der Barmherzigkeit; wieder andere mit Gebet und
ständiger Versenkung." Lösen wir uns von Vorurteilen und besinnen wir uns
auf das, was Gott von uns verlangt: Versöhnung und Liebe.
Die Herausgeber haben einen
bescheidenen Versuch gewagt, indem sie aus Werken von Autoren verschiedener
Konfessionen ein Tages-, Wochen- und Jahresprogramm zusammengestellt haben, das
Gläubigen wie Zweifelnden zum Nutzen gereichen kann.
Die ökumenische Bewegung muß
erstarken, fordert die in Assisi erscheinende Zeitschrift "San Francesco" (Dezember 1983, S. 660):
"Alle Christen zusammen müssen den Menschen helfen, in ihrer Existenz
einen Sinn zu finden, und sie müssen gemeinsam auf die großen ethischen Probleme
des Menschen unserer Zeit antworten, denn es geht um das Überleben der
Menschheit."
Die Urchristen, unsere gemeinsamen
Kirchenväter, Franziskus und so viele andere
haben uns den Weg gewiesen, der zum Heil führt. Gehen wir mit ihnen gemeinsam,
machen wir uns ihre Erfahrungen zunutze, folgen wir Jesus Christus. Es gibt
nur eine Wahrheit: Gott.
Was hat das alles mit dem
einfachen Leben zu tun? Die Antwort: Ein Christ hat keine andere Wahl als
einfach zu leben. Elisabeth von Thüringen hat
es genauso vorgelebt wie Charles de Foucauld,
und Girolamo Savonarola und Luis von Granada haben höchst lehrreiche
Anleitungen dazu verfaßt, die heute aktueller sind denn je.
Nur durch Selbstbeschränkung,
durch Bescheidenheit und Verzicht lassen sich die für den einzelnen wie für die
Menschheit immer bedrohlicheren Entwicklungen in vielen Lebensbereichen wieder
in den Griff bekommen.
Depression und Verzweiflung, Auflösung vieler Familien, Sittenlosigkeit,
Hungerkatastrophen, Umweltvergiftung, Arbeitslosigkeit, Energiekrise - all
diese Probleme können bewältigt werden, wenn eine genügend große Anzahl von
Menschen zurückkehrt zu einem einfachen Leben, sich mit dem Notwendigen
begnügt, vom Egoismus abrückt, das Überflüssige den Armen gibt und nicht mehr
die Götzen des Materialismus anbetet, sondern sich mehr mit den Werten des
Guten beschäftigt.
Es geht um einen Wiederaufbau der
Kultur, wie ihn Albert Schweitzer gefordert
hat, um eine Erneuerung der Ideale, um eine Wiederbelebung der Ethik. "Ethik
ist die auf die innerliche Vollendung seiner Persönlichkeit gerichtete
Tätigkeit des Menschen", sagt Schweitzer;
dazu soll aber "sein Wirken auf Menschen und Welt" kommen.
In einer gesunden Lebensordnung
darf nicht die Materie über den Geist herrschen, sondern der Geist muß den
Körper und alles Materielle beherrschen. Deshalb muß ein Buch über das
einfache Leben dem geistigen Bereich Vorrang einräumen; sonst fehlten die
Grundlagen. Was nutzt ein einfaches Leben, wenn der Mensch sich nicht durch die
Tugenden zu vervollkommnen sucht und wenn sein Ziel nicht Gott ist?
"Alles Große und Edle ist
einfacher Art", schrieb Gottfried Keller.
Und Albert Schweitzer meinte: "Früh oder
spät wird die Stunde schlagen, wo das Einfache und Natürliche als das Wahre
erkannt werden wird."
Einfach leben kann man aber nicht
von heute auf morgen. Der Prozeß der Loslösung von allem Überflüssigen und der
Konzentration auf das Wesentliche dauert ein Leben lang, und wechselnde
Situationen erfordern ständig neue Experimente. Die Herausgeber dieses
Handbuches haben Methoden aus zwei Jahrtausenden gesammelt, mit denen
Erkenntnisse zur Selbstbefreiung und -vervollkommnung gewonnen werden können.
Auch Gandhi, ein nichtchristlicher
"Apostel christlicher Tugenden" (laut Vatikan), fand dabei
Berücksichtigung.
Niemand möge sich täuschen:
Erkenntnisse allein genügen nicht. Man muß sie anwenden, die Gedanken zur
Tat werden lassen. Dies ist mühsam und langwierig, wenn es um Tugenden
geht. Und jeder Mensch hat seinen eigenen Weg zu gehen. Erst am Ziel
werden wir wieder alle vereinigt sein.
Das einfache Leben ist nur dann zu
verwirklichen, wenn wir das Gebot Christi
ernst nehmen: Betet ohne Unterlaß! Erst dann erschließen sich Fülle und
Segen des Lebens, erst dann findet der Mensch zum Sinn und Ursprung des Lebens
zurück.
Alle Menschen sehnen sich nach
Frieden. Aber wenn sie sich selbst nicht erneuern, werden sie ihn nie erhalten. "Der Friede beginnt in der eigenen
Familie", mahnt Mutter Teresa und fleht:
"Bitte, bringt das Gebet in das Familienleben zurück! Lehrt eure
Kinder beten und betet mit ihnen!"
Nur durch die ständige
Verbindung mit Gott kann jeder seine große Aufgabe erfüllen, die Liebe heißt.
Gott zur Ehre!
"Ich halte es für falsch,
Sicherheiten in dieser Welt zu erwarten, wo alles außer Gott, der die Wahrheit
ist, ungewiß ist." (M. K. Gandhi, Autobiographie, Verlag Karl
Alber,Freiburg/München 1960, 228)