ETIKA

Philosophie

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Was ist wahr? Gibt es Gott? Beweise

27.1.2009. Multilingual
M. F. zugeeignet. Ein Versuch

Wer erkennt die Wahrheit: der Atheist – der Heide – der Christ? Jeder behauptet dies von sich. Wer kann es beweisen?

Aktueller Exkurs: Mahatma Gandhi gab seiner Autobiographie den Titel „Meine Experimente mit der Wahrheit“. Leo Tolstojs letzte Worte lauteten: „Ich liebe die Wahrheit.“ Heute geht das allgemeine Streben in eine andere Richtung.

Die meisten Fernsehzuschauer halten die Scheinwelt des Bildschirms für wahr. Sie setzen ihr Vertrauen in:

·       Moderatoren und Nachrichtensprecher: Die Ergebnisse der Wahlen beweisen es, die am häufigsten erwähnten Parteien werden gewählt.

·       Schauspieler: Diese werden vergöttert, wie die Illustrierten und die täglichen Gesellschaftsspalten der Zeitungen beweisen.

·       Werbung: Die im TV angepriesenen Produkte, von Lebensmitteln bis zu Medikamenten, werden am meisten gekauft.

Den TV-Süchtigen ergeht es wie Mr. Augustus Bedloe in der Erzählung „Im Felsengebirge“ von Edgar Allan Poe. Dieser Mann wird infolge Morphiumkonsum und magnetischer Experimente in die Vergangenheit entführt und um Gegenwart und Zukunft betrogen. (Erzählungen. Winkler Verlag München, 1971, S. 370-383)

In ähnlicher Weise verblendet, verwechseln viele Jugendliche Lärm mit Musik oder Drogen mit Glück.

Und viele Frauen bilden sich ein, wenn sie mit schamloser Kleidung der Öffentlichkeit, eingeschlossen Greise, Kinder, Verheiratete und Geistliche, ihre Paarungsbereitschaft signalisieren, dann würden sie angebetet wie Divas. Sie merken nicht, daß sie in Wirklichkeit ihre Würde verlieren, sich zu materiellen Sexualobjekten degradieren und der Verachtung der Anständigen anheimfallen.

Was ist der Grund für solche milliardenweise vorkommende Dummheit?

Die Menschen haben ihren gesunden Instinkt verloren. Sie wissen Werte und Tugenden nicht mehr zu schätzen. Diese sind ihnen ausgetrieben worden und werden tagtäglich zerredet und lächerlich gemacht.

Weil überforderte Wissenschaftler, undurchsichtige Politiker, Massenverführer, Profitsüchtige und Betrüger die Welt immer komplizierter machen, hören geistig träge Menschen auf, selbst nachzudenken, was richtig und was falsch, was wahr und was Lüge, was gut und was böse ist. Sie sind ein gefundenes Fressen für die falschen Propheten und das alles verschlingende Ungeheuer Leviathan.

Die einen lassen sich prägen von guten Büchern wie von Reimmichl und Karl May, die anderen vom Fernsehen. Jeder gestaltet sich so sein zukünftiges Leben selbst. Wer nicht mit verschluckt werden will (siehe Darstellungen des Mittelalters), schiebe die Ablenkungen beiseite, nehme sich Zeit und denke selbst.

Denke logisch, mit Scharfsinn, den du durch Lebenserfahrung sowie durch das Lesen guter Bücher, auch der klassischen Kriminalromane, erwerben kannst! Nachstehend unsere Aufgliederung des Themas mit Antworten. Ergänze, übe Kritik!

Frage

Atheist, Aufklärer (A)

Heide (B)

Christ ( C)

I Warum die Wahrheit suchen?

Neugier; Suche nach dem Sinn des Lebens; Suche nach Rechtfertigung, um gegen das Gewissen Dinge tun zu können, die Gott verbietet. Suche nach Strategie, um zu überleben oder besser zu leben.

Neugier; Suche nach dem Sinn des Lebens, nach höherer Offenbarung. Suche nach Strategie, um zu überleben oder besser zu leben.

Frage nach Gottes Willen, um ihn zu erfüllen.
Suche nach Strategie, um zu überleben oder besser zu leben.

Anmerkung zu I C, Suche nach Gottes Willen: „6 … gib mir alle Wege der Wahrheit. 7 Entferne von mir, Herr, den ungerechten Geist und (den Geist) der bösen Gedanken. Und Hurerei und Hochmut wende von mir ab. 8 Zeige mir, Herrscher, den heiligen Geist. Und Rat und Weisheit und Erkenntnis und Stärke gib mir, 9 damit ich das dir Wohlgefällige tue und vor dir Gnade finde und deine Worte … lobe, Herr.“ (Testament der 12 Patriarchen, Zusatz des MS E zu TL 2,3a; Skriptum Apokryphen-Vorlesung, Brixen, 15.3.2007)

Fragen

Atheist, Aufklärer (A)

Heide (B)

Christ ( C)

II Ist die Wahrheit zu erkennen? Gibt es Gott?

Der Mensch erkennt die Wahrheit, löst das Welträtsel. (Kant, Cassirer)

Gott gibt es nicht.

Schopenhauer: “Sobald Einer von Gott redet, weiß ich nicht wovon er redet.“ (Der handschriftliche Nachlaß, hg. von Arthur Hübscher, München, 1985, IV, 2, S. 12, 37)

Friedrich Nietzsche: Gott ist tot.

Umberto Eco: „Die Wahrheit ist eine Erfindung, es existiert nur das, was wir glauben.“ (Agnostiker, hält Gott für nicht erkennbar, laut Kath. Sonntagsblatt, Bozen, 21.1.2007, S. 18)

Es gibt Gott bzw. Götter. Sie sind die Wahrheit. In ihnen liegt die Lösung aller Rätsel. Z. B. Bhagavadgita. Tora der Juden. Koran.

Die Wahrheit ist gefährlich, ja tödlich. Friedrich Schiller steht zwischen den Lagern. Er warnt mit seinem Gedicht „Das verschleierte Bild zu Sais“ vor Erkenntnis der Wahrheit. Ein Jüngling fällt ohnmächtig zu Boden, als er die Wahrheit erblickt.

M. K. Gandhi: “Ich halte es für falsch, Sicherheiten in dieser Welt zu erwarten,
wo alles außer Gott, der die Wahrheit ist, ungewiß ist.“
(Autobiographie, Verlag Karl Alber, Freiburg/München 1960, 228)

Es gibt Gott. Er ist die Wahrheit. In ihm liegt die Lösung zu allen Rätseln. Jesus Christus: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“.

Albert Schweitzer: „Wahrheit im höchsten Sinne ist, was im Geiste Jesu ist.“ (Geschichte der Leben-Jesu-Forschung, Verlag J. C. B. Mohr, Tübingen, 1906, 6. Auflage 1951,S. XVIII, zit. im 25. Rundbrief für den Freundeskreis von Albert Schweitzer, Heidenheim, 14.1.1965, S. 72)

Es kann nur eine Wahrheit geben, sagt der Christ. (Siehe unten Leserbrief aus Karneid.)

II A

“Ernst Cassirer affirmait quel´idée fondamentale et commune à tous les courants de Lumières” (des sciences naturelles à la morale, de la philosophie, de la religion à l’histoire, du droit à la politique) se trouve dans “la conviction que l´intelligence est capable, sans recourir à la moindre aide surnaturelle, de comprendre le système du monde, et que cette nouvelle comprehension aurait conduit à une nouvelle manière de le dominer”. (E. C., “Enlightenment”, dans Encyclopedia of the Social Sciences, New York, 1931, pp. 547 – 552)

La notion de domination sur le monde découlait tout naturellement pour Cassirer de la célèbre répons(e?) de Kant à la demande “quest-ce que les Lumières?”. “Les Lumières sont la sortie de l’homme de l’immaturité qu’il doit à lui-même. L’immaturité (Unmündigkeit) est l’incapacité de se server de la raison sans la conduite d’autrui”. (Immanuel Kant, “Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?” (décembre 1784), dans Kants gesammelte Schriften VIII, Berlin-Leipzig, 1923, pp 33-42, surtout p. 35.)
cit. de: Adalberto Mainardi: La Philocalie et les Lumières, in: Irénikon, Revue des Moines de Chevetogne, Belgique, No. 2-3/2006, p. 229)

Perché non c’è il nulla? Questa celebre domanda di LeibnizRispetto a Parmenide o a Platone, noi non ci siamo avvicinati di un centimetre a una qualsiasi soluzione verificabile dell’enigma della natura – o dello scopo, se ce n’è uno - della nostra esistenza in questo universo probabilmente multiplo, alla determinazione della definitivività o meno della morte e alla possible presenza o assenza di Dio. …In ultima analisi, comunque, non andiamo da nessuna parte. … Per quanto riguarda … la summa di Tommaso, il voodoo e Plotino sulle amanazioni …, comunicano miti …Non producono alcuna prova. … La scienza non può dare alcuna risposta alle questioni quintessenzialiWittgenstein la ha sottolineato con insistenza. La scienza può soltanto negarne la legittimità.” (George Steiner: La grande sconfitta. Religione, filosofia e scienza hanno fallito. L’enigma della vita e di Dio resta lo stesso. Corriere della Sera, Milano, 8 marzo 2007)

Ecco, die heutige Wissenschaft kann anscheinend nur negieren, etwas verneinen, aber die Wahrheit nicht ergründen. Deshalb braucht es den Glauben, und den kann man verlieren. Denn ich glaube, dass Gott ihn jedem Menschen bei der Geburt geschenkt hat. Deshalb ist der Untertitel im „Corriere“ falsch. Nur Philosophie und Wissenschaft haben versagt. Die Religion kennt ja die Wahrheit. Und Gott enthüllt sich dem, der an ihn glaubt, weil er es liebt, wenn seine Kinder demütig sind; erst beim Jüngsten Gericht wird er sich allen offenbaren. Was die Dämonen und Verdammten wissen, die Philosophen und Atheisten sind die letzten, die es nicht wissen.

Dies ist die Kapitulation: Wir wissen nichts.

Aber Schopenhauer täuscht das Gegenteil vor. Im Winter 1824/25 sagte er mit höhnischem Gelächter zu Tieck: „Was? Sie brauchen einen Gott?“ (Karl v. Holtei, Nachlese, Erzählungen und Plaudereien, 1. Bd., Breslau, 1870, S. 42f)

„Schopenhauer war als Philosoph der erste eingeständliche oder unbeugsame Atheist, den wir Deutschen gehabt haben.“ (Friedrich Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft, V, § 357)

Schopenhauer dachte wenigstens etwas, wenn auch das Falsche. Aber heute plappert die halbe Menschheit nach, was ihnen beim Fernsehen vorgespielt wird. Barbara Karlich, ORF-Journalistin: „Den lieben Gott gibt es nicht.“ („Dolomiten“, 2.3.2007, Schorsch Schauer)

II C

„Die Philosophisch-Theologische Hochschule Brixen organisiert … eine Vortragsreihe zum Thema „Der Wahrheitsbegriff in den asiatischen Religionen“. … Doch in einem Irrtum ausgerechnet die Wahrheit zu suchen, scheint gewiss eine sonderbare Vorgangsweise zu sein. Die Logik impliziert nämlich, dass zwei widersprüchliche Aussagen nicht beide gleichzeitig wahr sein können. Widersprechen sich also mehrere Religionen in zentralen Punkten, kann n ur eine davon der Wahrheit entsprechen. Dass nun gerade dem Christentum diese Gnade zukommt, lässt sich beweisen durch die Wunder, durch die sich Gott gewürdigt hat, dem Menschengeschlecht die alleinige Wahrheit des Glaubens an Jesus Christus zu offenbaren. (Leserbrief von Egon Falser, Karneid, „Dolomiten“, 22.2.2007)

Frage

Atheist, Aufklärer (A)

Heide (B)

Christ ( C)

III Mit welchen Methoden ist die Wahrheit zu erkennen?

Mensch erkennt Wahrheit aus eigener Kraft mit Vernunft = Ratio

Beschwörung: Anrufung der Götter nach alter Tradition

Gott hat uns aus Gnade die Wahrheit offenbart. Wir sollen auf seine Stimme hören.

III C

“… explique Nicodème (l’Hagiorite): “la prière continuelle à notre Seigneur Jésus Christ Fils de Dieu, je veux dire, pas simplement par l’intellectmais après avoir tourné l’intellect tout entire vers l’homme intérieurdans la profondeur meme du Coeur. Ils invoquent le très saint nom du Seigneur et recherchent sa miséricorde, attentifs auxs mots nus de la prière et à eux seuls(Dobrotoljubie, Moscu 1793, Bucarest 1994)
cit. de: Adalberto Mainardi: La Philocalie et les Lumières, in: Irénikon, Revue des Moines de Chevetogne, Belgique, No. 2-3/2006, p. 245)

Frage

Atheist, Aufklärer (A)

Heide (B)

Christ ( C)

IV Ist die Wahrheit zu beweisen?

Kein Beweis. Nichts. Schopenhauer stellt überall nur Elend und Ungerechtigkeit fest, sieht nirgends eine Verbindung zu einem Weltplan.

Innere Stimme wird zum Verstummen gebracht.

1 ) eine innere Stimme (siehe rechts)

2 ) persönliche Erfahrungen. Gott erhört Gebete. Also existiert er.

3 ) Erkenntnis von Bruchstücken der Gerechtigkeit auf Erden. Dem Frommen geht es gut. Bsp.: David besiegt den Philister Goliath, der vergeblich seine Götzen anruft.

4 ) Hoffnung auf Gerechtigkeit im Jenseits

 

Der Christ verfügt über folgende Beweise:

1 ) die innere Stimme, die jedem sagt: Tu das Gute, laß das Böse = Gewissen. Daraus folgen a) die Liebe zum Guten mit der Hoffnung auf Belohnung, b) Erschrecken über die schlimmen Folgen des Bösen mit der Furcht vor Bestrafung.

2 ) Das Hören auf Gottes Boten enthüllt seinem Geist die Wahrheit: Heilige Schrift, Gottesdienst, Leben der Heiligen

3 ) Die persönliche Erfahrung bestätigt: Gott lebt, regiert, hilft, richtet. Wie Franziskus die Spuren Gottes überall in der Natur erkannte, kann jedermann der Liebe, Gerechtigkeit und Strenge Gottes auf Erden nachspüren. Nicht wenige Menschen machen die Erfahrung, dass Gott sie für jede Sünde bestraft. Güte wird belohnt. Gott erhört Gebete. Also existiert Er.

4 ) Beobachtung der Umgebung, der Zeitgenossen bestätigt manchmal die Richtigkeit der biblischen Offenbarung. Erschreckende Gesichtsdiagnose.

5 ) Der Lauf der Welt. Nachrichten von Ereignissen enthüllen die Wahrheit. Musterbeispiele: Die neuen Gleichnisse von P. Franz von Ehmig, ähnliche Geschichten von Kist, Pasquali und Keller über die göttliche Gerechtigkeit in zwei Jahrtausenden.

6 ) Kunst, Literatur, Musik rühren an unsere göttlichen Saiten, enthüllen uns höhere Welten. Ebenso wie manche Geschehnisse im Leben rühren Gedichte, Erzählungen, Romane so an unser Herz, daß uns Zusammenhänge mit der überirdischen Welt bewußt werden. Es kann sich dabei um Dinge handeln wie Selbstlosigkeit, Barmherzigkeit, Ehrfurcht, Opfer, Liebe, Tod, Schönheit (der Schöpfung, Werke der Kunst, Musik).

7 ) Gott selbst enthüllt allen die Wahrheit im Tod und beim Jüngsten Gericht

 

IV B

3 ) Jude: „6 I went out to meet the foreigner, and he cursed me by his idols. 7 But I, drawing his sword from him, beheaded him and removed shame from the sons of Israel.” (Davids Kampf gegen den Philister Goliath; Non-Masoretic Psalms, Psalm 151; 11Q5, LXX, Peshitta; Fund aus Qumran, Skriptum Apokryphen-Vorlesung, Brixen, 22.3.2007)

IV C

3 ) Der hl. Toribius von Astorga predigte in Palencia gegen den Irrglauben der Priszillianisten, „und als diese das Wort Gottes verachteten, stieg er auf einen hohen Hügel und bat Gott unter Tränen, er möge sie bestrafen, und in dem Moment trat der Fluß Carrión über die Ufer, erreichte die Stadt und zerstörte einen Teil von ihr“ (Enrique Campuzano Ruiz: Der Heilige Toribius von Liébana, Gobierno de Cantabria, 2006, S. 14)

Ein Mann aus La Serna, der keine Kinder bekommen konnte: „Kraft der Fürsprache und der Verdienste des Heiligen Toribius schenkte Gott ihm einen Sohn.“ Als der Sohn in den Fluss fiel und ertrank, betete seine Mutter inständig zum hl. Toribius, und er wurde wieder auferweckt. (aaO S. 23)

Andere Beispiele aus der übersinnlichen Welt stehen in dem Buch „Tras los pasos de la Virgen” von Ma Ascensión Herrero Gracia und Fernando Lecina. ISBN 978-1-4251-4175-2. www.trafford.com/07-1726

5 ) „Denn erhaben ist der Herr und furchtbar, der große König über alle Welt.“ (Franziskus von Assisi: Offizium vom Leiden des Herrn, Psalm VII, Vesper) „Sprecht zu Gott: Wie schreckenerregend sind Deine Werke, Herr.“ (Psalm X, Terz) „Deine Rechte, Herr, zerschmettert den Feind; und mit Deiner Hoheit Macht stürzt Du meine Gegner.“ (Psalm XIV, Matutin Advent)

6 ) Schriftsteller und Dichter, die von Gott reden: Dante, Lesskow, Dostojewski, Karl May, Reimmichl, so viele Spanier

Frage

Atheist, Aufklärer (A)

Heide (B)

Christ ( C)

V Was bringt die Erkenntnis der Wahrheit?

Keinerlei Hoffnung auf gütiges Prinzip, sondern Verzweiflung wegen des allgemeinen Elends, wie bei Schopenhauer. Giacomo Leopardi: „Alles ist böse.“

A1 tut das Böse selbst.

A2 hat unerklärliche Gewissensbisse und empfindet, daß ethisches Handeln notwendig ist, weil es Vorteile bringt. Natürlich geht das nur eine Weile. Denn auch in der Brust des Atheisten tobt der Kampf bis zum Ende.

Hoffnungsschimmer. Vorstellung vom Jenseits, von Himmel und Hölle bei Juden, Moslems, Hindus, aber nur Fragmente, ungenau und zum Teil falsch, mit diabolischen Einflüssen

Sichere Hoffnung auf Gerechtigkeit im Jenseits. Die ganze Welt ist für den Christen ein Buch, in dem er lesen kann.

Er sieht das Leid, um es zu lindern, und das Böse, um es zu bekämpfen.

Er weiß, dass der Gute im Himmel belohnt und der Böse in der Hölle bestraft wird.

Im Augenblick des Todes:

Zweifel, Furcht. Bestsellerautor Johannes Mario Simmel, gestorben am 1.1.2009: „Ich habe gelegentlich schreckliche Angst davor, dass es nach dem Tod weitergehen könnte. Wenn ich gestorben bin, dann soll verflucht noch mal Schluss sein.“ (NWZ 3.1.2009)

Vage Hoffnung

Sichere Hoffnung. Als Beispiel nennen wir den sterbenden Lorenzo dei Medici: Als einziger unter allen Anwesenden gab er „keinerlei Zeichen des Schmerzes, der Verwirrung oder Trauer, und er bewahrte bis zum letzten Atemzug die gewohnte seelische Kraft, Standhaftigkeit, Ausgeglichenheit und Würde“. „Am Ende blickte er auf ein silbernes Kruzifix …, und im Sterben küßte er es.“ (Angelus Politianus Iacobo Antiquario S. D., Da Prosatori Latini del Quattrocento, Torino, 1977, pp. 886-901, siehe unten)

V A und C

Alles ohne Sinn? Nietzsche: „Indem wir die christliche Interpretation dergestalt von uns stoßen…, kommt auf furchtbare Weise die Schopenhauersche Frage zu uns: hat denn das Dasein überhaupt einen Sinn?“ (Die fröhliche Wissenschaft, V, § 357)

A2: Normen, um besser zu leben. Stefano Moriggi über das Buch „Il male“ von Edoardo Boncinelli: „Normen und Werte sind Instrumente, die uns erlauben, nicht nur zu überleben, sondern besser zu leben“. („norme e valori sono strumenti che ci consentono non solo di sopravvivere, ma di vivere meglio.“ (Corriere della Sera, 27.3.2007, S. 45)

Nietzsche erkennt keinen Sinn, Tiere schon

Schopenhauer war laut Nietzsche „der erste eingeständliche und unbeugsame Atheist, den wir Deutschen gehabt haben“. Nietzsche spricht von „Schopenhauer mit seinem Pessimismus“ (Die fröhliche Wissenschaft, V, § 357) Nietzsche hat die Kenntnis nicht:

„Die Natur ansehn, als ob sie ein Beweis für die Güte und Obhut eines Gottes sei, (Anmerkung ETIKA: sie spiegelt seit dem Sündenfall den Kampf zwischen Gut und Böse wider)
die Geschichte interpretieren zu Ehren einer göttlichen Vernunft, als beständiges Zeugnis einer sittlichen Weltordnung und sittlicher Schlußabsichten (Anm. ETIKA: die Bösen dürfen sich austoben, damit die Guten im Kampf mit ihnen wachsen und am Ende mit Gottes Hilfe das Böse besiegen);
die eignen Erlebnisse auslegen, wie sie fromme Menschen lange genug ausgelegt haben, wie als ob alles Fügung, alles Wink (…?) Heil der Seele zuliebe ausgedacht und geschickt sei: das ist nunmehr vorbei, das hat das Gewissen gegen sich, das gilt allen feineren Gewissen als unanständig, unehrlich, als Lügerei, Feminismus, Schwachheit, Feigheit… (Anmerkung ETIKA: das hat eben nicht mein Gewissen gegen sich, sondern mein Gewissen sagt, dass es so ist; der Grund: mein Gewissen ist ein anderes wie das von Nietzsche, ich habe mich Gott unterworfen und meine Sündhaftigkeit erkannt, er will dies nicht tun)(ebenda)

Hat das Leben also einen Sinn für den, der nicht an Gott glaubt? Diese Erkenntnis entspricht dem Nichts, bringt niemanden weiter.

Demgegenüber erkennen Tiere einen Sinn: Delphine helfen einander, ein Hund liebt seinen Herrn.

Also besteht in allen der Wille zum Guten, die Sehnsucht nach dem Guten, höheren Gütern, dem höchsten Gut. Gott allein ist das Gute, alles Gute, sagt Franziskus von Assisi. Aber das Böse ist da, es ist „wie ein störender Mißlaut in jene Harmonie eingedrungen“ (Joseph Görres in seiner Darstellung des heiligen Franziskus, zitiert von Achim von Arnim, in: Gotthard M. Teutsch (Hrsg.): Da Tiere eine Seele haben, Kreuz-Verlag Stuttgart, 1987, S. 62).

Zurück zu Gott als einzigem Ausweg. Alles strebt zu Gott, meint Dostojewskijs Starez Sossima.

Aber nicht alle, des Teufels Kinder streben zu ihrem Vater.

Es bleibt die Erfahrung: Die Philosophen wollen Gott nicht erfahren, sie verschließen sich seiner Güte, seiner Größe, seinem Anspruch auf Gehorsam und Unterwerfung und Leben nach Seinen Geboten.

Dies kann dazu führen, daß sich der Ungläubige mithilfe seiner Phantasie eine Wahrheit erfindet wie der schon erwähnte Edgar Allan Poe. Weil er nicht glaubt, versteht er nicht und flüchtet sich in Nebelgebilde, und so ist für ihn „die Wahrheit wiedereinmal seltsamer als alle Erdichtung“ (Im Felsengebirge, 383). Sein Biograph John O. McCormick nennt ihn „verdreht“: „Die äußeren Tatsachen seines Lebens widersprechen der Legende des ,poète maudite´, des Dichters, auf dem ein Fluch lastet; die inneren Tatsachen allerdings, welche wir in seinen Werken finden, sprechen dafür.“ (Edgar Allan Poe: Erzählungen, Winkler Verlag München, S. 748)

Trost vermittelt hingegen der Bericht über das Verscheiden des Florentiners Lorenzo di Medici: „Sic scilicet unus ex omnibus ipse nullam doloris, nullam perturbationis, nullam tristitiae significationem dabat. … Postremo sigillum crucifixi argenteum margaritis gemmisque magnifice adornatum defixis usquequaque oculis intuens identidemque deosculans expiravit.“ (Angelus Politianus Iacobo Antiquario S. D. – Angelo Poliziano a Jacopo Antiquario, Da: Prosatori Latini del Quattrocento, Torino, 1997, pp. 886-901)

Fallbeispiel Scheidung: Atheist – Christ (ein erfundener Fall, man könnte die Rollen auch vertauschen)

Wäre der Christ N Atheist, würde er seine ihm – wie er vermutet – untreue und ungehorsame Frau sofort verlassen und eine andere heiraten. Aber jemand hat N ein Pflichtgefühl ins Herz gesät und sagt ihm: „Du hast ihr versprochen, ihr ein Leben lang beizustehen. Und deine Kinder würden an deinem schlechten Beispiel verzweifeln und selber keine eigene Familie gründen, wenn sie sehen, dass eine solche Ehe in Scheidung endet.“ Der Atheist hat solche Hemmungen nicht und läßt sich bedenkenlos scheiden, wie das furchtbare Beispiel Sowjetunion gezeigt hat. Bei dem Christen N kommt hinzu, daß er mit der ihm unausweichlich erscheinenden Scheidung bzw. Annullierung wartet aus Furcht vor der Strafe Gottes und der ewigen Verdammnis.

Gäbe es also Gott nicht, hätte er keine Furcht vor Scheidung und Strafe. Trotzdem hätte er die Pflichtgefühle gegenüber Frau und Kindern, eine Art Mitleid. Erstaunlicherweise hat sie auch der kommunistische Atheist. Denn woher kommt dieses Mitleid? Man kann drei Begriffe gleichsetzen: Mitleid = Barmherzigkeit = das Gute. Es ist da, überall, auch im Atheisten (nur handelt dieser nicht danach), genauso wie das Böse, wie Gott und Teufel. Der Mensch kann und muß wählen, und in ihm ist die Stimme, die sagt: Wähle das Gute, warte auf Gottes Entscheidung, er hilft dir. Woher kommt die Stimme? Von Gott. Man muß nur auf die Stimme im Innern hören und sie nicht zum Verstummen bringen oder bringen lassen. Dann werden alle Probleme gelöst.

Am Ende des Artikels stellen wir die Frage:

Wer hat gesiegt?

·       Atheismus und Aufklärung, denen es nicht gelungen ist, alles zu erklären (Schopenhauer, Nietzsche und Kollegen: Überall Nichts, Chaos), und die dem Menschen die Hoffnung auf ein besseres Leben im Jenseits rauben?

·       die Heiden und Juden mit ihren bruchstückhaften, verwirrenden Kenntnissen der Wahrheit?

·       die christliche Religion, die 1. alles mit der göttlichen Liebe und Gerechtigkeit sowie dem freien Willen des Menschen erklären kann (siehe den Roman von Vicente F. Delmonte: Jedem nach seinen Taten, 2007), die 2. das Welträtsel löst, indem sie die Sünde und ihre Folgen für die Unordnung verantwortlich macht, die 3. dem Menschen Hoffnung macht auf Erlösung (siehe das „Himmels-Abc“ von Rainer Lechner, 2008)?

Wähle selbst! Wer aber zum Abschluß lieber einen unverbindlichen praktischen Ratschlag wünscht, der höre auf Pallada Alessandrino (IV. – V. Jahrhundert n. Chr.):

„Viel schwätzest du, Mensch, während sie dich in kurzer Zeit in die Erde stecken. Schweige, und übe dich, solange du noch lebst, im Nachdenken über den Tod.“ (Antologia Palatina, XI, 300)

Dazu zwei Empfehlungen:

Daniello Bartoli (1608-1685): Vita di S. Francesco Borgia (1681). Prose scelte di Daniello Bartoli e Paolo Segneri, Torino, 1967, pp. 388-394 (am Schluß des Artikels 21SE4)

Girolamo Savonarola:  Über die Kunst, gut zu sterben.

Dank an M. F. für viele klassische Texte mit den damit verbundenen geistigen Herausforderungen.

 

P. S. 20.1.2009

Bei G. K. Chesterton finden wir unsere These bestätigt:

Father Brown spricht in der Geschichte „Das Auge Apollos“ „von jenen neuen Religionen, die einem die Sünde vergeben, indem sie erklären, daß man überhaupt nicht gesündigt hat.“ (Father Browns Einfalt. Haffmans Verlag Zürich, 1999, S. 212)

Ebenso berichtet er in „Die falsche Form“ von einem Mann, der „meinte, daß er sich selbst genüge wie der Kosmos und daß er weder einen Gott brauche noch irgendwelche Sünden anerkenne“. (aaO S. 152)

Die Sünde also ist der zentrale Begriff für alles Negative und alles Chaotische.

P. S. 30.1.2009

Vertrauen wir auf Gott. Wie der Krokus durch die Schneedecke, so bricht die Wahrheit überall durch das Lügengespinst Satans und seiner Diener. Geistliche, Lehrer, Schriftsteller, Journalisten und Wissenschaftler, etwa Historiker, sind die Hüter der Wahrheit. Wenn sie sich einspannen lassen für bestimmte politische Richtungen, verstoßen sie gegen ihre Berufsethik. Sie werden sich dafür verantworten müssen-

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