ETIKA

SCHÄTZE IM HIMMEL

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6.7.1998

11W11

Wessobrunner Gebet

Althochdeutsch, altbairisch, im Kloster Wessobrunn bei Weilheim um 800 aufgezeichnet

Das erfuhr ich bei den Menschen als der Wunder größtes:
Daß Erde nicht war noch oben Himmel,
noch irgendein Baum noch Berg nicht war,
noch irgendein (Stern) noch Sonne nicht schien,
Noch Mond nicht leuchtete, noch das herrliche Meer.

Das fregin ich mit firahim firiwizzo meista:
Daß ero ni was noch ufhimil,
noch paum noch pereg ni
was,
ni nocheinig noch sunna ni
scein
noch mano ni liuchta noch der
mareo seo.

Als da kein Wesen nicht war an Enden und Wenden,
da war doch der eine allmächtige Gott
das mildeste aller Wesen,
und bei ihm waren viele herrliche gute Geister,
und Gott ist heilig...

Do dar niwicht ni was enteo ni wenteo,
enti do was der eino almachtico cot
manno miltisto,
enti dar warun auch manache mit inan
cootliche geista,
enti cot heilac...

Gott allmächtiger,
der du Himmel und Erde wirktest
und der du den Menschen so mannigfach Gutes gegeben,
gib mir in deiner Gnade
rechten Glauben
und guten Willen,
Weisheit und Klugheit und Kraft,
den Teufeln zu widerstehen,
und das Böse
(Arge) zurückzuweisen
und deinen Willen zu tun
(wirken).

Cot almahtico,
du himil enti erda gaworachtos,
enti du mannun so manac coot forgapi,
forgip mir in dino ganada
rehta galaupa
enti cotan willeon,
wistom enti spachida enti craft,
tiuflun za widarstantanne,
enti arc za piwisanne
enti dinan willeon za gauurchanne.

 

Literatur: siehe Literaturführer; Egon Kühebacher: Wessobrunner Gebet - ein Hymnus, Dolomiten, Bozen, 23. 4. 1999, Seite 35

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