ETIKA

DIE BOTEN GOTTES

http://www.etika.com
30.10.1997 – 31.8.2015

14A21

Jesus an die wandernden Apostel

Heliand 23, 1915 - 1993; älteste deutsche Messiade, um 830, in der altgermanischen allitterierenden Langzeile; Heliand. Nach dem Altsächsischen von Paul Herrmann, Leipzig, 1910 oder vorher

Nicht alle kommen in den Himmel, die hier zu mir rufen,
Die Männer zu dem Machtherrn. Gar viele gibt es,
Die wollen immer sich dem Waltenden neigen;
Sie schreien um Schutz und denken an sonst etwas,
Wirkliche Schandthaten; denen frommen die Worte nicht.

Die allein gelangen zum himmlischen Lichte,
Gehen in das Gottesreich, die mit Lust und Liebe
Hier vollführen des allwaltenden Vaters
Werk und Willen; sie brauchen mit Worten nicht viel
Um Hilfe zu rufen, denn der heilige Gott
Weiß aller Wesen Dichten und Denken,
Wort und Willen und giebt ihnen der Werke Lohn.

Drum sollt ihr, während ihr wandert, nicht sorgen,
Wie ihr die Botschaft dem Volk überbringt:

Über die Gaue geht eure Straße,
Über die weite Welt, wie die Wege weisen,
Breite Burgstraßen, immer sucht euch den besten
Mann aus der Menge
und kündet ihm euer Gemüt an
Mit wahren Worten. Wenn sie dann würdig sind,
Daß sie gerne thun eure guten Werke,
Mit lauterm Herzen, in deren Hause
Wohnet nach Wunsch dann und lohnt ihnen wohl,
Vergeltet ihnen mit Gutem, indem ihr sie Gott
mit Worten weiht, sagt ihnen sichern Frieden,
Die heilige Hilfe des Himmelskönigs.

Doch sollten sie so selig durch eigene That
Nicht werden wollen, daß sie eure Werke thun,
Eure Lehre leisten, verlaßt solche Leute,
Fahrt von dem Volke fort, euer Frieden kehrt
Zu euch zurück
, laßt sie in den Lastern,
In ihren Übelthaten bleiben
, sucht eine andere Burg auf,
Die Menge der Menschen, doch kein Stäublein laßt
An den Füßen euch folgen, wo man euch nicht annahm;
Schüttelt es von den Schuhen, ihnen zur Schande,
Der Welt zum Zeugnis, daß ihr Wille nicht taugt.

Weiter sage ich wahrlich, wenn diese Welt endet
Und der berühmte Tag hereinbricht,
Daß dann die Sodomsburg, die durch ihre Sünden
In den Abgrund durch die Macht der Glut,
Durch Feuer niederstürzte, mehr Frieden hat,
Mildere Machtherren, als jene haben,
Die euch hier verwerfen und euern Worten nicht folgen.

Wer euch aber aufnimmt mit frommem Herzen,
Mit mildem Gemüt, der hat dann meinen
Willen gewirkt
, und auch den waltenden Gott
Aufgenommen, euern Vater, den Fürsten der Völker,
Den mächtigen Ratgeber, der das Rechte kennt,
Es weiß, der Waltende, und den Willen lohnt
Gegen jeden, der hier Gutes that,
Und wenn er aus Liebe zu Gott nur den Leuten
Gerne giebt einen Wassertrunk,
Daß er den Darbenden stillt den Durst
Mit kühlem Quell. Dies Wort wird wahr,
Nicht lange währt es, so wird er den Lohn
Vor Gottes Augen, Vergeltung empfangen
,
Dank für das, was er mir zur Minne that.

Doch wer mich verleugnet unter den Leuten,
Vor dieser Helden Heer, dem thu´ ich auch im Himmel so
Dort oben vor dem Allwaltenden, und vor all seinen Engeln,
Der mächtigen Menge. Doch wer von den Menschen
Nicht unterläßt es auszusprechen,
Sondern vor dem Volk als mein Jünger sich bekennt,
Den will ich wieder bekennen vor Gott,
Dem Vater aller Lebenden, wo Völker in Menge
Vor den Allwaltenden alle treten,
Abzurechnen mit dem Mächtigen; dort bei dem Rechtshandel
Bin ich ein milder Machtherr jedem,
Der auf mich hörte und Werke,
Die ich hier auf dem Berge geboten habe."

Da hatte wahrlich des Waltenden Sohn
Die Leute gelehrt, wie sie Gottes Lob
Vollführen sollten. Da ließ er das Volk
Nach allen Seiten hin, die Scharen der Mannen
Zur Heimat wandern. Sie hatten selbst sein Wort
Gehört, des Himmelskönigs heilige Lehren,
Wie immer in der Welt an Worten und Thaten
Für alle Zeiten und überall
Überlegen an Lehrkraft und Weisheit die sind,
Die auf dem Berge dort hörten die Gebote des Herrn.

 

Index 1 - - - - Retour ETIKA Start