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Kirche

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Ratzingers sündige Kirche

25.4.2010

Papst Ratzinger ist immer für Überraschungen gut. Verblüfft und bestürzt hören wir im Radio und lesen wir im „Corriere della Sera“:

Il Papa: „La Chiesa è ferita e peccatrice“ (20.4.2010, S. 14) – Der Papst: “Die Kirche ist verletzt und eine Sünderin”

Damit hat sich Benedikt XVI. beim Mahl (Risotto, Filet und Sachertorte) für die Kardinäle anlässlich seines fünfjährigen Pontifikats wiederum einen unverzeihlichen „Ausrutscher“ geleistet.

Im Grunde führt Ratzinger damit einen neuen Glaubensartikel ein. Er hat den alten Glaubensartikel: „Ich glaube an die heilige katholische Kirche“ ersetzt durch: „Ich glaube an die sündige katholische Kirche“.

Denn Sünde und Heiligkeit schließen sich aus. Wenn die Kirche sündig ist, kann sie nicht heilig sein. Sündig ist der Gegensatz zu heilig. Beides in einem geht nicht. Ratzinger setzt die Kirche mit der Sünde gleich und damit ein altes Übel fort: Er will die Sünde salonfähig machen, als alltäglich hinstellen. Doch Gott will, dass wir nach Höherem, nach Heiligkeit streben und vollkommen werden mit Hilfe der Tugenden.

Es ist ein riesengroßer Unterschied, ob man wie Karl Rahner 1948 formuliert: „Die Kirche der Sünder“, oder ob man wie Ratzinger 2010 sagt: „Sünderin Kirche“.

Noch schlimmer: Da es derzeit hauptsächlich um die Pädophilie geht, kommt das einer Verharmlosung der Kinderschändung gleich. Damit zieht er die ganze Kirche in den Pädophilensumpf, und die Anständigen wenden sich entsetzt ab.

Vergleichen wir mit Ratzingers Frevel die Lehre der Kirche:

Die Kirche “ist der Leib Christi, der von seinem Geist durchdrungen und belebt ist“ (1 Kor 12,12f, zit. von Ott, nachstehend).

„Die Kirche, das neutestamentliche Volk, ist der geheimnisvolle Leib Christi. Christus ist ihr Haupt.“ (Michael Schmaus: Katholische Dogmatik, Erster Band, Hochschulverlag Hueber München, 3. und 4. Auflage, 1948, S. 90)

„Christus hat die Kirche geliebt und hat sich für sie hingegeben, um sie zu heiligen, indem er sie reinigte durch das Bad des Wassers im Wort, um so für sich die Kirche herrlich erscheinen zu lassen, ohne Flecken oder Falten oder dergleichen, sondern damit sie heilig und makellos sei“ (Eph 5, 25-27; Übers. Ott und Hamp/Stenzel/Kürzinger)

„Thomas begründet die Heiligkeit der Kirche aus der Heiligkeit ihrer Glieder … (Expos. symb. A. 9.)“ (Ludwig Ott: Grundriss der katholischen Dogmatik, Herder Verlag Freiburg, 5. Auflage, 1961, S. 368)

Wenn die Kirche der Leib Christi ist, wie kann dann Papst Ratzinger behaupten, der Leib Christi, nämlich die Kirche, sei „eine Sünderin“? Ist denn den Katholiken gar nicht bewusst, dass dies eine bewusste Demontage der heiligen Kirche ist?

Und ein solcher Mann, kraft seines Amtes oberster Glaubens- und Sittenhüter und Verteidiger der heiligen Wahrheit, wird noch gefeiert als „eminenter Theologe“ (J. I.), als „makelloser Fels“ der Kirche (Ex-Kardinalstaatssekretär Angelo Sodano laut NWZ, 6.4.2010), als „ein wahrer Prophet des dritten Jahrtausends“ (Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone laut Kath. Sonntagsblatt, 18.4.2010)! Er bekommt sogar die Unterstützung der Mächtigen. Im „Corriere della Sera“ zollt ihm Ernesto Galli della Loggia höchstes Lob, indem er eine Serie von Bischofsrücktritten (die aber unvermeidlich waren) als epochalen Wandel in der Kirche und als Verdienst Ratzingers würdigt („Il Codice Ratzinger. La svolta ,laica´ sulla pedofilia. 26.4.2010, Leitartikel) Groß auf Erden, aber vor Gott? Ein Mann, der nicht einmal zwischen der heiligen Kirche und einzelnen Mitglieder, die Sünder sind, unterscheiden kann!

Weiß er das wirklich alles nicht? Natürlich weiß er es. Er tut es nicht unbewusst, sondern bewusst, um das Ansehen der heiligen Kirche vor ihren Mitgliedern und der ganzen Welt herabzusetzen.

 

Hatte er nicht schon früher ein ähnliches Dogma in Frage gestellt?

Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten“, steht in der Bibel bei Johannes 4,24.

Ratzinger formulierte in seiner typischen Weise, äußerst gefährlich für Falschinterpretationen:

„“Gott ist im Fleisch“ – gerade diese unlösbare Verbindung Gottes mit seinem Geschöpf macht die Mitte des christlichen Glaubens aus.“ (Gott mit uns und unter uns. „Er hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist aus der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden“. Unter dem Titel „Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine“ veröffentlicht in: 30 Tage in Kirche und Welt 5 (1995) Nr. 4, S. 59-67; Klerusblatt 75 (1995) Heft 7, S. 107-110. In: Joseph Cardinal Ratzinger: Gott ist uns nah. Eucharistie: Mitte des Lebens. Sankt Ulrich Verlag, Augsburg, 2005, Seite 22)

Denn Christus wird gemeinhin nicht als Geschöpf bezeichnet, wenngleich Er „als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist“ (Nicäisches Bekenntnis und Nicäno-Konstantinopolitanum). (Ganz am Rande: Wie passt das übrigens zu der Stelle „Mutter des Schöpfers“ in der Lauretanischen Litanei?)

So mancher Leser könnte das Wort „Geschöpf“ nicht auf Christus beziehen, sondern auf das Hier und Jetzt, auf sich selbst. Womit Ratzinger bewusst oder unbewusst gewissen Leuten Raum für die abenteuerlichsten Spekulationen und Rechtfertigungen gibt. So jedenfalls unser, aufgrund der Schriften Ratzingers entstandener kühner Verdacht. Letztlich wird eine Vermenschlichung Gottes bezweckt – dies der allgemeine Trend. Der Mensch soll zum Gott gemacht werden.

Dem Papst und allen Gleichgesinnten deshalb ein weiteres Wort Jesu zur Warnung:

„Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch: und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.“ (Johannes 3,5 und 6)

Was Paulus verdeutlicht:

„Galater 5,17 … das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, so daß ihr nicht tut, was ihr wollt. 24 Die aber Christus angehören, die haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden.“

Gott fordert viel, aber er verheißt seinen Getreuen noch mehr.

Fazit:

Christen haben die Wahl: dort Ratzingers sündige Kirche – hier Christi heilige Kirche. Siehe Das Schisma der Endzeit

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