ETIKA

MISSION

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25.9.2014

15M3

Mission in der Südsee: Schatten

Karl May

Karl May: Am Stillen Ozean. Reiseerzählungen. Band 11. Karl-May-Verlag Bamberg. 956. Tausend. Im Zeichen des Drachen. Die Rache des Ehri. S. 32-34

Die Bewohner (der Gesellschaftsinseln) sind malaiisch-polynesischen Ursprungs, dunkelkupferfarbig (die Frauen meist etwas heller), gut und kräftig gebaut, gesellig, gastfrei und gutmütig. Sie leben in Einehe, halten ihre Weiber in häuslicher Zurückgezogenheit und lieben Musik, Tanz, Fechten und Wettfahrten auf ihren schnellen Booten.

Ursprünglich hingen sie einer polytheistischen Religionsform an, bei deren Ausübung selbst Menschenopfer nichts Ungewöhnliches waren. Ihre Priester, zugleich ihre Ärzte und Wahrsager, übten einen ungemeinen Einfluß auf sie aus, dem allerdings schon zu Ende des achtzehnten Jahrhunderts die von den Engländern hier gegründeten Missionen entgegenarbeiteten. Später sandte das katholische Frankreich seine Sendboten herüber, die unter Mühen und Beschwerden mit den Vorurteilen rangen, die der Götzendienst dem sonst hochbegabten Menschenschlag eingeimpft hatte.

Die äußere Mission wird allerdings oft angeklagt, und ihre Sendboten haben tatsächlich nicht immer ihren Auftrag richtig verstanden. Die Gesittung hat ihre Barbarei, das Licht seinen Schatten, die Liebe ihre Selbstsucht, und von dem Ort der ewigen Seligkeit aus kann man, wie das Gleichnis von dem reichen Mann und dem armen Lazarus lehrt, hinunter in die Hölle blicken, um die Qualen der Verdammten zu beobachten. Christi Lehre der Liebe, Milde und Erbarmung ist, vom unduldsamen Eiferturm auf den Schild gehoben und von einer schlau berechnenden Eroberungslust in Dienst genommen, über den größten Teil des weiten Erdenkreises gegangen. Ganze Rassen und Völker sind verschwunden oder liegen noch jetzt in den letzten, wilden Todeszuckungen. Die Geschichte hat dadurch für ihre zukünftige Entwicklung eine Reihe wichtiger kulturgeschichtlicher Kräfte und Werte verloren, und der Seelenhirt, der in die wilde Fremde geht, um die sogenannten Heiden zu bekehren, beachtet nicht, daß die ,Wilden` ihren Bedürfnissen angemessen glücklicher sind als wir, und daß unter den entarteten Schichten der heimatlichen Bevölkerung sein Wirken notwendiger wäre als unter den Andersgläubigen, die oft in paradiesischen Verhältnissen leben.

Es ist in diesem Zusammenhang viel über die Gesellschaftsinseln geschrieben worden. Als diese Gruppe entdeckt wurde, fand man in ihren Bewohnern ein kindlich-harmloses und beinahe wunschloses Volk, dem eine reiche Natur alle zu einem zufriedenen und sorgenfreien Leben notwendigen Erfordernisse in verschwenderischer Weise schenkte. Die Fremdlinge wurden mit freudiger Gastlichkeit aufgenommen, fast als Götter verehrt und erhielten alles, was ihr Herz begehrte. Sie brachten die Kunde davon in die Heimat, wo unter den Abenteurern der Wunsch nach dem Paradies der Südsee und seinen mühelos erreichbaren Genüssen rege wurde. Es wurden Schiffe ausgerüstet, die Handelspolitik begann ihre Pläne zu spinnen – – die Tahiter erhielten für ihre Gastfreundlichkeit die Laster und Krankheiten des Abendlandes zugeschickt und haben mehr die schlechten 'als die guten Eigenschaften derer angenommen, die nun zu ihnen kamen und sich Christen nannten, ohne es ihrer Herzensgesinnung nach zu sein. Dieser Umstand ist sehr beklagenswert.

Allerdings muß die betrübende Tatsache zugestanden werden, daß die Tugenden der Tahiter seit ihrer Bekanntschaft mit den Europäern schwer gelitten haben; aber das Christentum der Schuld daran zu zeihen, heißt eine der ärgsten Ungerechtigkeiten begehen. Es ist nicht richtig, die Kirche mit denen gleichzustellen, die sich Christen nennen; die Christenheit zählt ihre größten Feinde in ihrer eigenen Mitte, und es ist tief zu beklagen, daß die Mission neben ihrer eigentlichen Aufgabe noch die traurige Arbeit übernehmen muß, dem unlauteren Einfluß entgegenzuwirken, der sich im Auftreten der bloßen Namenchristen äußert.

 

P.S. In diesem Zusammenhang sei noch auf drei vielleicht für Historiker aufschlusssreiche Stellen hingewiesen, die das damalige Selbstverständnis der Deutschen verdeutlichen. Auf Seite 23 ist zu lesen:

Karl May: „Ich bin vom Volk der Germani, und die anderen gehören zum Volk der Yanki.“

Der Ehri von Tahiti: „Die Germani sind gut; ich habe ihre Schiffe gesehen auf den Inseln von Samoa; was sie verkaufen, ist ehrliche Ware, und was sie sagen, das gilt als ein Schwur. Aber die Yanki sind anders; ihre Zunge ist glatt und untreu. Ihre Waren glänzen und haben den Betrug in sich.“

Und auf Seite 63 meint Karl May:

„China! Wunderbarstes Land des Ostens … Ich bin nicht aus dem Land der Franka und Ingli, die mit Schwert und Pulver zu dir kommen, um deinen Kindern das Gift des Opiums aufzuzwingen, deine Städte zu verheeren und deinen Pings (Soldaten) zu sagen, daß sie Memmen sind. Ich stamme vielmehr aus dem Land der Tao-dse (Söhne der Vernunft, wie wir Deutschen gern von den Chinesen bezeichnet werden), die deine Herrlichkeit bewundern, deine Größe preisen und nichts anderes wünschen, als daß der Glanz deiner Weisheit in Frieden strahle auch über ihrem Haupt.“

S. 150:

Karl May: „Ich bin ein Tao-dse.“

Der Ho-schang: „Das ist gut, denn wir hassen die Fu-len und die Van-kui-dse, die unsere Städte zusammenschießen und uns mit ihren Kanonen zwingen, sie reich zu machen, indem wir ihnen ihr Gift (ist Opum gemeint) abkaufen müssen. Von Tao-dse-kue (Deutschland) aber habe ich gehört, daß seine Bewohner friedfertige Menschen sind und alles wissen und verstehen, wonach man sie nur fragen kann.“

ETIKA-Kommentar:

Gottes Gerechte Weltordnung. Wenn Gott eine neue Erde macht, dann wird keine Südsee-Insel mehr im Besitz imperialistischer und kolonialistischer Mächte sein wie noch ein Jahrhundert nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

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