ETIKA

ATHEISMUS

www.etika.com

19A5

Die ohne Glauben (I):
Epikur - Schopenhauer -
Sartre - Bobbio

Multilingual
6/2006

 

Atheisten und Ungläubige ertrinken in ihren Zweifeln,
statt nach dem rettenden Strohhalm des Glaubens zu greifen

Die Vernunft sagt: Sei gut, und du machst die Welt besser! Lebst du schlecht, wirkt sich das negativ auf die ganze Gesellschaft aus. (Erkenntnis der Analytischen Ethik)

Wie wirkt sich die Kritik der atheistischen Philosophen an der Religion und ihr Jammern über die Abwesenheit Gottes aus? Negativ. Viele Menschen resignieren, lassen sich von den angeblichen Vernunftgründen der zweifelnden Gelehrten überzeugen und geben die ihnen angeborene Hoffnung auf.

Wie wirkt sich demgegenüber das Beispiel des hl. Franziskus von Assisi aus, sein einfaches Leben, seine Güte zu allen Lebewesen? Er begeistert viele Menschen, spornt sie an zur Tugend und zum Gutestun. Sie – darunter viele idealistische Jugendliche - machen die Welt ein bißchen besser.

Jeder möge selbst die Frage beantworten, wieviel Positives die folgenden Stellungnahmen enthalten, wie nützlich sie für die Zukunft der Menschheit sind. Das folgende Gedankensystem strahlt so viel Elend aus, daß wir großes Mitleid mit den Autoren empfinden und beten:

Herr Jesus Christus, erbarme Dich der Unglücklichen, die glauben, sie könnten ohne Gott mit ihrem beschränkten Verstand das Wesen aller Dinge erklären. Denn Du allein bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Du teilst die Gabe der Weisheit nach Deiner Gerechtigkeit aus. Laß nicht zu, daß so viele Menschen aus Dummheit, das heißt selbst verschuldeter Unwissenheit, ewig verloren gehen! Amen.

Man vergleiche die folgenden Texte mit den erbaulichen Geschichten aus den Büchern von P. Franz Ehmig (Neue Gleichnisse) und Leopold Kist (Geistliches Schazkästlein), beide aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, teilweise veröffentlicht in www.etika.com:

Epikur

in einem von Laktantius (Lattanzio) überlieferten Fragment, mitgeteilt von M. F.

Deus – inquitaut vult tollere mala et non potest, aut potest et non vult, aut neque vult neque potest. Si vult et non potest, imbecillis est, quod in Deum non cadit. Si potest et non vult, invidus, quod aeque alienum a Deo, si neque vult neque potest, et invidus et imbicillis est, ideo nec Deus. Si et vult et potest, quod solum Deo convenit, unde ergo sunt mala? Aut cur illa non tollit?

Kommentar: Gott kann und will, aber er tut alles zu seiner Zeit. Die Kritiker haben keine Geduld. Sie wollen das Jüngste Gericht nicht abwarten.

Arthur Schopenhauer

(1788 – 1860). Der handschriftliche Nachlass. Ed. Hübscher, IV, 2, 116ff.:

„… die Welt ist mir öd und leer geworden. Mein ganzes Leben hindurch habe ich mich schrecklich einsam gefühlt und stets aus tiefer Brust geseufzt: ,Jetzt gib mir einen Menschen!’ Vergebens. Ich bin einsam geblieben. … nichts als elende Wichte von beschränktem Kopf, schlechtem Herzen, niedrigem Sinn habe ich gefunden; Goethe … und wenige andere ausgenommen… Demnach hat allmählich der Unwille über einzelne der ruhigen Verachtung des Ganzen Platz machen müssen. .. Endlich bin ich zu der Einsicht gelangt, daß die Natur noch unendlich karger ist, und ich die ,solitude of Kings’ (Byron) (Einsamkeit der Könige; Prophecy of Dante, I, v. 166) mit Würde und Geduld ertragen muß.“

Kommentar: Wie einseitig und kurzsichtig! Wie glücklich der Einsiedler, der einsam ist mit Gott im Herzen und am Himmel!

Weiteres Schopenhauer-Zitat aus seinem Nachlaß, mitgeteilt von M. F., 25.4.2006:

„Überhaupt aber schreiet gegen eine solche Ansicht der Welt, als des gelungenen Werkes eines allweisen, allgütigen und dabei allmächtigen Wesens, zu laut einerseits das Elend, dessen sie voll ist, und andrerseits die augenfällige Unvollkommenheit und selbst burleske Verzerrung der vollendetesten ihrer Erscheinungen, der menschlichen. Hier liegt eine nicht aufzulösende Dissonanz.“

Kommentar: Wegen des Elends in der Welt und des Einwandes von Schopenhauer geht die christliche Weltanschauung nicht in Brüche. Wir haben  eine Erklärung: die kommende Gerechtigkeit. Gott, der Gute und Gerechte, wird die Bösen, die die Zeit ihrer Bewährung nicht benutzt haben, strafen, und die Guten, Sanften, Unschuldigen, Gerechten wird Er belohnen. Wer jetzt weint, wird lachen, und wer jetzt lacht, wird weinen.

Jean Paul Sartre
(1905 – 1980), Da: Il Diavolo e il buon Dio, tr. a c. di P. Caruso, Mondadori, Milano 1996,  citato in Remo Bodei, I senza Dio, Brescia, 2001, pp. 76-77:

Io supplicavo, imploravo un segno, mandavo al cielo dei continui messaggi: nessuna risposta. Il Cielo ignora perfino il mio nome. Mi chiedevo, ad ogni momento, che cosa potessi essere agli occhi di Dio. Ed ora conosco la risposta: nulla. Dio non mi vede, Dio non mi sente. Vedi questo vuoto che sta al di sopra delle nostre teste? È Dio. … Dio è il silenzio. Dio è l´assenza. Dio è la solitudine degli uomini. … Se Dio esiste, l´uomo è nulla; se l´uomo esisteDio è morto? Ho ucciso Dio, perché mi separava dagli uomini. Ma ecco che ora la sua morte mi isola ancor di più… Se Dio non esiste, perché mai sono solo, io che vorrei vivere assieme a tutti? Solo, con questo Cielo vuoto sopra la mia testa.

Kommentar: Erkenntnis ist Gnade. Gott schenkt sie, wem er will. Nach seiner Gerechtigkeit.

Norberto Bobbio
(1909 – 2004), Religione e religiosità: Da „Micromega“, 2, 2000, pp. 7-14:

Io non sono un uomo di fede, sono un uomo di ragione e diffido di tutte le fedi, però distinguo la religione dalla religiosità. … La mia è una religiosità del dubbio, anziché delle risposte certe. Io accetto solo ciò che è nei limiti della stretta ragione, e sono limiti davvero angusti: la mia ragione si ferma dopo pochi passi, mentre volende percorrere la strada che penetra nel mistero, la strada non ha fine. Più noi sappiamo, più sappiamo di non sapere. Qualsiasi scienziato ti dirà che più sa e più scopre di non sapere.

perché l´essere e non piuttosto il nulla? … non so chi sappia darla (la risposta) a questa domanda.., se non per fede. Secondo Severino l´essere è infinitoMa non è che così siamo in grado di capire cosa c´era prima. È impossibile.mi sento un piccolo granello di sabbia in questo universo. …

L´unico desiderio che ho … non è certo quello dell´immortalità, `e quello di morire in santa pace: il riposo eterno è ciò in cui spero. Non voglio risvegliarmi.

Anch’io sono cresciuto … in una famiglia cattolicaPreghiere, preghiere, preghiere.le risposte della fede implicavano credenze difficili da accettare. La credenza nei miracoli … per un razionalista è la cosa più assurda. … peccato originaleuna colpa originaria collettiva non è accettabile, la colpa è personale, non può essere trasmessa da una generazione all´altra, non c’è niente di più primitive. La colpa collettiva è addirittura una concezione tribale. …Ma resta il mistero dell´universo.

Per tanti anni sei andato a confessarti e a un certo punto non ti confessi più. Entri in conflitto con la morale del confessionale.

Kommentar: Ecco! Die Moral! Das heute von den Kirchenoberen und den meisten Geistlichen totgeschwiegene zweite Fundament der christlichen Religion. Um die eigene Schuld nicht im Beichtstuhl bekennen zu müssen, verläßt der Philosoph den christlichen Glauben. Und erkennt nur noch an, was innerhalb der Grenzen seiner beschränkten menschlichen Vernunft liegt. Das ähnelt dem Hochmut Luzifers: Ich mache es ohne Gott, ich schaffe es ohne Gott, ich mache es gegen Gott, ich will sein wie Gott. Und Bobbio will nicht einmal auferstehen, ersehnt sich nur ewige Grabesruhe. Gott hat unendlich viele Strafen in seinem Gerechtigkeitsregister, und vielleicht gehört diese dazu.

quello che sconvolge il mondo … è proprio il progresso scientificomilioni di anni di evoluzione, e l´era dei dinosauri …e centinaia di migliaia di anni per l´evoluzione dell’uomo: sono cose sconvolgenti, a cui la fede non da nessuna risposta

Kommentar: Man lese, was Leopold Kist über den gelehrten Tollhäusler schreibt, den österreichischen  Universitätsprofessor, der behauptet hat, der Mensch stamme vom Gorilla ab.

La fede non risponde alle domande, può solo evitarle. … La ragione e l´esperienza sono i due lumi dell´uomo così come è. La religione è una creazione umana. …

Resta (il problema) del male. … è troppo facile rispondere che la sofferenza dipende dal peccato.

Kommentar: Die Wahrheit und alles Große sind immer einfach. Die göttliche Gerechtigkeit sieht die Vergeltung für Gut und Böse im Diesseits und im Jenseits vor. Leidende Unschuldige werden im Jenseits entschädigt. Welche Erklärung haben denn Bobbio und die Philosophen und die modernistischen Päpste? Keine nennenswerte, nur blabla.

… Di Dio si è detto tutto: che è misericordioso e che è vendicativo, venerando e terribile.

Kommentar: Exakt.

Non risposta al problema del male e della cattiva distribuzione della giustizia.

Kommentar: Doch. Das Böse und die Ungerechtigkeit werden vom Menschen und von den Teufeln verursacht, nicht von Gott. Gott weint über das Böse, über die Sünde, über das Leid. Literatur: P. Werenfried van Straaten: Wo Gott weint.

Sull’inneffabile non si può dire nulla.

Kommentar: Doch, die Erfahrung sagt dem Menschen guten Willens alles: Gott ist unermeßlich gütig und gerecht und furchtbar. Er klopft unaufhörlich an die Tür des Herzens. Er will, daß alle Menschen an Ihn glauben, Seine Gebote halten, Ihn lieben und dadurch gerettet werden, weil Er alle seine Kinder liebt. Kinder, die ihn verschmähen, werden von Ihm verschmäht. Unaussprechlich ist nur Seine Größe, doch seine Barmherzigkeit erfahren wir, wenn Er unsere Gebete erhört und Wunder für uns tut. Deshalb der Lobpreis des Franziskus:

Allmächtiger, heiligster, erhabenster und höchster Gott, Du bist alles Gute, das höchste Gute, das vollkommene Gute, Du allein bist gut. Dir wollen wir geben alles Lob, allen Ruhm, allen Dank, alle Ehre, allen Preis und alle Güter. Es geschehe. Es geschehe. Amen. (Im Lobgebet zu jeder Stunde)

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