ETIKA

NICHTCHRISTLICHE RELIGIONEN

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29.5.1999

19I18

Was Christen von Muslimen unterscheidet

S. F. über einen Vortrag von Prof. Dr. Ludwig Hagemann

Der Referent beleuchtete zunächst den historischen Hintergrund der Entstehung des Islam aus dem arabischen Umfeld, wo Juden, Christen und Menschen anderer Religionen lebten. Mohammed, der von sich behauptete, von Gott Botschaften zur Einigung dieser religiösen Gruppierungen erhalten zu haben, faßte seine religiösen Unterweisungen im Koran zusammen, in den jüdische, christliche und arabische Elemente einflossen. Das Herz des Islam ist der Glaube an den einen Gott, Allah.

Ihm gilt es sich absolut zu unterwerfen in der Beachtung seiner Anweisungen und Gesetze. Neben Allah gibt es kein göttliches Wesen. Er ist der souveräne alleinige Herr. Der Koran regelt das ganze persönliche Leben des Einzelnen sowie die politische und soziale Dimension des Staatswesens. Die Gesetzgebung ist in der Scharia zusammengefaßt.So sind Religion und Politik nicht voneinander zu trennen. Es ist die Pflicht der islamischen Gemeinschaft, daß diese Gesetze gegen alle Widerstände auch aus den eigenen Reihen durchgesetzt werden.

Der Islam versteht sich als einzige Religion, die auf drei verschiedene Weisen auf die Menschen gekommen ist:

  1. Mose durch die Thora (Altes Testament)
  2. Jesus durch das Evangelium
  3. Mohammed durch den Koran

wobei Jesus nur als Prophet anerkannt ist, der keine Göttlichkeit für sich beansprucht und nicht den Kreuzestod starb, da nach Vorstellungen Mohammeds ein Gesandter Gottes niemals so schmählich scheitern kann.

Im Gegensatz zum Judentum und Christentum gibt es keine Erlösung durch das Einwirken eines Messias, der für die Christen in Jesus von Nazareth gekommen ist, um die Welt zu erlösen und für die Juden ja immer noch aussteht, sondern die Entscheidung am Ende des Lebens wird nach guten oder bösen Taten bemessen. In diesem Sinne gibt es auch keine Vorstellung von einer Erbsünde. Von den drei heiligen Städten Janit, Medima und Mekka ist Mekka mit der Kaaba das Ziel jedes moslemischen Wallfahrers.

Als Juden und Christen nicht bereit waren, die Lehre Mohammeds als verbindlich anzuerkennen, rief Mohammed zum bewaffneten Kampf auf und konnte seine Religion in einem 100-jährigen Prozeß in Arabien stabilisieren, denn die Nachfolger Mohammeds setzten diesen Kampf fort mit Feuer und Schwert.

Der Missionsauftrag des Islam, Allah als alleinigen Gott anzuerkennen, setzt sich bis in unsere Zeit fort. Der gemeinsame Ursprung der monotheistischen Religionen wie Judentum, Christentum und Islam geht auf den Vater Abraham zurück, der als Vorbild für Gehorsam gegenüber dem göttlichen Ruf anzusehen ist. Den dreieinigen Gott des Christentums: Vater, Sohn und Geist durch die Sendung Jesu Christi lehnt der Islam als Vielgötterei ab.

Gemeinsamkeiten zum Christentum finden sich in der Anerkennung der Mutter Jesu und ihre Jungfrauengeburt als auserwählte Frau.

So gibt es drei wesentliche Momente der Trennung zwischen Christen und Muslimen:

  1. Ablehnung der Trinität
  2. Verneinung des Kreuzestodes Jesu
  3. Ablehnung der Gottessohnschaft Jesu.

Der Muslim sucht den Frieden mit Gott durch Unterwerfung unter Allah und den Koran. Der Christ sucht Frieden mit Gott durch Jesus Christus und seinen Erlösungstod am Kreuz. In der Auferstehung Jesu darf der gläubige Christ seine eigene Auferstehung erfahren und annehmen, nicht erst später, sondern hier und jetzt. Daraus ergibt sich für den Christen die Pflicht des Zeugnisses seines Glaubens und die Annahme der Verantwortung zur Mitgestaltung dieser Welt.

Die zunehmende Säkularisierung der Gesellschaft stellt eine Gefahr an Werteverlust aller Religionen dar. Hier, so der Referent, könnten Christen und Muslime eine gemeinsame Aufgabe finden.

Die Frage nach einem gemeinsamen Konsens für diese unterschiedlichen Wertvorstellungen und deren Umsetzung blieb leider offen. So besteht weiterhin Dissens zu Fragen von Menschenrechten, Menschenwürde, verankerten Grundrechten in der freiheitlich-demokratischen Gesellschaftsordnung, die sich mit dem obersten Gesetz des Islam, der Scharia, nicht vereinbaren lassen.

Des weiteren ist die Stellung der Frau im Islam eine dem Manne untergeordnete und nicht auf partnerschaftlichen Prinzipien des christlichen Verständnisses beruhend. Gleichwertigkeit von Mann und Frau! Hier, so der Referent, sei noch ein Entwicklungsbedarf vorhanden, wie ihn in der Vergangenheit die christlichen Nationen durchlebt haben. Die Verhüllung der Frau oder das Tragen des Kopftuchs ist vom Koran nicht ableitbar.

Im Gegensatz zum Christentum gibt es im Islam kein Individualrecht. Das Recht der Gemeinschaft (Scharia) steht über dem Einzelnen. Personale Würde durch die von Gott geschenkte personale Freiheit und Verantwortung gibt es nicht.

Doch ist das Bemühen um Frieden ein gemeinsames Anliegen.

Durch die Antike gewann die einstige arabische Hochkultur auch Einfluß auf das Abendland. Durch Thomas von Aquin, Begründer der Scholastik, fanden die philosophischen Gedanken des Aristoteles Eingang in die Definitionen von Wissenschaft, Ethik, Politik und Theologie bis in die Anfänge unseres Jahrhunderts und prägten die geistigen Denkgesetze der abendländischen Kultur. Die Philosophie bildete die Sprache der Theologie, vom griechischen Geist genährt. Hier sieht der Referent eine Verbindung des Abendlandes zur islamischen Geschichte und Kultur. "Ohne Islam gäbe es keinen Thomas von Aquin", so der Referent - was allerdings Fragen offen läßt.

Dem Einzelnen bleibt die Beantwortung der Frage offen, inwieweit die oben angeführten sich gegenseitig ausschließenden Denkansätze von Christen und Muslimen in einem gemeinsamen Staatswesen mit freiheitlich-demokratischer Grund- und Werteordnung miteinander in Einklang gebracht werden können zum Wohl der Gemeinschaft und des Volkes, ohne die Prinzipien der Toleranz und des Respektes vor anderen Wertvorstellungen zu verletzen (Unterdrückung der Christen in fast allen islamischen Ländern).

Bleibt weiterhin zu hoffen, daß der erwähnte Entwicklungsbedarf in bezug auf Anerkennung christlicher Wertvorstellungen für unser Land nicht allzu schmerzliche Verluste bringt. Oder haben die Öcalans und Ayatollahs in unserem Land schon zum Fanal geblasen?

Kommentar der Verfasserin:

Christen, werdet euch der Kraft des Evangeliums bewußt, die der Welt von heute und morgen ein menschliches Gesicht und Orientierung gibt. Dazu hat Gott Vater seinen Sohn Jesus geschickt, den Retter der Welt.

Das Christentum hat eine wichtige inhaltliche Veränderung in der Weltgeschichte hervorgerufen. Galt früher das Gesetz des Stärkeren über den Schwächeren, so gilt im Christentum die Option für die Schwachen, Hilfsbedürftigen, Unterdrückten, der Sieg der Gnade im gekreuzigten und auferstandenen Christus.

Die Verschleierung der Frau ist nicht gleichzusetzen mit der Tracht der Nonne oder eines Priesters, entgegen der Meinung des Referenten. Die Nonne verzichtet freiwillig auf die Welt in Entsagung. Sie erhebt nicht Anspruch auf allgemeine Gültigkeit.

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