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27.12.2000

21FR3

Die wahre Freude des Geistes

Dienst am Glauben, 1/2000, S. 10f. – Herausgeber: P. Fridolin Außersdorfer OFM, Höttinger Gasse Nr. 15a, A-6020 Innsbruck

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Thomas von Celano schreibt:

Das sicherste Mittel gegen tausenderlei Nachstellungen und Listen des bösen Feindes ist, wie Franziskus zu versichern pflegte,
die geistliche Freude.

Er (Franziskus) sagte nämlich:

„Dann hüpft der Teufel am meisten vor Freude,
wenn er einem Diener Gottes
die Freude des Geistes entreißen kann.

Der Teufel trägt Staub bei sich, den er nach Belieben in die kleinen Falten des Gewissens hineinwirft,
um die Reinheit des Gewissens und die Lauterkeit des Lebens zu beschmutzen.

Wenn aber die geistliche Freude die Herzen erfüllt,
dann spritzt die Schlange vergeblich das tödliche Gift aus.
Die bösen Geister können einem Knecht Christi nichts anhaben,
wenn sie ihn mit heiliger Fröhlichkeit erfüllt sehen!

Wenn jedoch der Geist in kläglicher Stimmung,
trostlos und traurig ist,
wird er leicht von der Traurigkeit aufgesogen,
oder eitlen Freuden überlassen.“

Daher trachtete der heilige Franziskus danach,
stets im Jubel der Herzens zu verharren,
die Salbung des Geistes
und das Öl der Freude zu bewahren. (Vergleiche Psalm 44,8)

Die Krankheit der Niedergeschlagenheit suchte er als die schlimmste
mit der größten Sorgfalt
zu vermeiden.

Sobald er merkte,
daß sie auch nur ein wenig
in seinen Geiste Eingang gefunden
habe,
eilte er
schnell zum Gebet, zur Betrachtung der Liebe Gottes;
er pflegte nämlich zu sagen:

“Der Knecht Gottes, der, wie es vorkommen kann,
aus irgend einem Grunde verwirrt ist,
muß sich sofort zum Gebet erheben und so lange vor dem höchsten Vater verharren,
bis er ihm die Freude seines Heiles (Ps. 50,14)
wiedergibt.

Wenn er nämlich länger
in der Schwermut verharrt,

nimmt jenes babylonische Übel,
die Verstrickung
im
Ich
zu, das schließlich,
wenn es nicht durch Tränen der Reue und Buße
ausgetilgt wird,
im Herzen,
das ständige Wohnung des geliebten Bräutigams der Seele
werden soll,
ständigen Rost erzeugt,
der das Herz verunziert und als Christi Wohnung
mehr und mehr ungeeignet macht.“

(Vergleiche Celano 346f., ergänzt durch einige erklärende Zusätze des Verfassers: Christoph Hagen, Bernkastel-Kues, 20. Teil der Franziskusbetrachtung: Die vollkommene Freude des Bruders „Immerfroh“)

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