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MENSCH

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27WG1

Die Wahrheit im Gesicht

19.4.2007

„Wie innen, so aussen; wie aussen, so innen“ (Hermes Trismegistos, Tabula Smaragdina)

„Von seinem 30. Lebensjahr an hat jeder das Gesicht, das er verdient.“ (Albert Camus)

Literatur zur Antlitzanalyse, Signaturen-Diagnostik, Pathophysiognomie

Kurt Tepperwein: Krankheiten aus dem Gesicht erkennen – Pathophysiognomie. mvg-Verlag Stuttgart, 9. Auflage 2002, 206 Seiten, mit Schwarz-Weiß-Zeichnungen. 8,40 Euro

Aus dem Inhalt des von einem Heilpraktiker verfassten Buches: Der Körper kann nicht lügen – Die Kunst des Gesichterlesens - Was die Augen verraten, der Gang, die Haare, der Hals, die Hände, die Haut, die Jochbeine, das Kinn, der Mund, die Nase, das Ohr usw. – Die Symptome von A – Z. Ca. 750 Einzelmerkmale und ihre Bedeutung - Die Zeichen von Lebenskraft und Gesundheit

Zitat: „In jedes Menschen Gesichte steht seine Geschichte, sein Hassen und Lieben deutlich geschrieben.“ (vermutlich vom Verfasser Kurt Tepperwein)

Thomas Feichtinger und Susana Niedan: Antlitzanalyse in der Biochemie nach Dr. Schüßler. Der Bildatlas. Karl. F. Haug Verlag, Stuttgart. 2., überarbeitete Auflage, mit 252 Abbildungen. Großformat, 138 Seiten (nur für Heilpraktiker und Ärzte interessant)

Zitate: „Jedesmal, wenn ein Mensch in das Antlitz eines anderen blickt, schaut er das Wunder des Lebens.“

„Es eröffnet sich eine Welt der Rätsel, die sich immer mehr erschließen. Es entsteht eine Art Bilderbuch.“

„… Aussagen über sein Leben, seine Erfahrungen, sein Schicksal, sein Gemüt, aber auch seine Leiden.“ (Thomas Feichtinger, Einleitung)

Kurt Hickethier: Sonnerschau (= Erkennen der Mängel im Gesicht) – Lehrbuch der Antlitzdiagnostik, 5. Auflage, Charlotte Depke, Kemmenau, 1984. Hickethier lebte von 1891 -1958. Sanatoriumsleiter. 1938 Berufsverbot, Bücher im Dritten Reich verboten und eingestampft, Kurhäuser beschlagnahmt. Nach dem Krieg wurde sein Besitz in Thüringen von den Russen enteignet. (laut Feichtinger 18f) Warum die Verbote und die Enteignung? Jeder Volksgenosse beziehungsweise Genosse hätte an den Gesichtern von Hitler, Himmler, Bormann, Göring und Goebbels, von Lenin, Trotzkij, Stalin sowie Ulbricht deren Charakter und künftige Handlungen ablesen können.

Etwas zum Thema findet sich auch bei Niels Krack: Biochemischer Leitfaden, Schorndorf 1984; G. H. Heepen: Schüßler-Salze, München 1999.

Wer in den Gesichten der anderen lesen will, der suche in großen Bibliotheken unter dem Stichwort Physiognomik. Da tauchen dann Werke auf wie: Aristoteles: Physiognomie; Max Picard: Das Menschengesicht; Was Gesichter verraten; Lehrbuch der modernen Antlitzdiagnose; Das offene Geheimnis.

Die Anhänger der Lehre von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler (geboren 1821) wollen mit der Antlitz-Diagnostik die Mängel im Körper erkennen und die Störungen beheben, indem sie die leeren Speicher mit homöopathisch dosierten Mineralsalzen auffüllen (Biochemie); sie wollen den Haushalt regulieren. Feichtinger beschreibt die Wirkungen von 14 Mineralsalzen, von Calcium fluoratum bis Calcium sulfuricum, Kalium jodatum und Calcium carbonicum. Ob es sich um blaue Lippen handelt, um käsiges Aussehen, Mundgeruch, Sommersprossen, fettigen Schweiß, geschwollene Tränensäcke oder Hängebacken – für all dies werden dann Schüßler-Salze eingesetzt.

Mehr auf Lebensführungsfehler und charakterliche Eigenschaften kann jener schließen, der das Buch von Kurt Tepperwein (leider ohne Fotos) durchackert. Es ist sicherlich eine Bereicherung für den Alltag, manchmal auch eine Belastung, wenn man aus den Gesichtern seiner Mitmenschen deren Schicksale, Krankheiten und Laster ablesen kann.

Vieles ahnt ein scharfer Beobachter ohnehin. Frauen sind da am besten. Denken wir nur an Miss Marple in St Mary Mead und bei der Nilkreuzfahrt (in „Sie kamen nach Bagdad“). Wer würde, vom Blitz ihrer Augen getroffen, die immer das Schlimmste annehmen, nicht erblassen oder rot werden? Deshalb kann kein Mörder sicher sein, nicht erkannt zu werden.

Nur wenige Tage nach dem Schreiben dieser Zeile bestätigt uns dies Agatha Christie noch einmal durch ihren Detektiv Hercule Poirot (bei der Lektüre von: The Big Four, 1927, Harper Collins Publishers, London, 2002, Seite 196f):

„Women are such wonderful observers – they see everything, they notice the little detail that escapes the mere man.“

Ein schwammiger Händedruck, wässrige Augen oder Augen mit erloschenem Glanz – sie verraten so manches.

„Sünde macht hässlich“, schreibt Tatjana Goritschewa.

Keine Regel ohne Ausnahme. Bei vielen Menschen trügt der Schein. Wie hässlich sind doch viele Hollywood-Schönheiten innerlich. Die wahre Schönheit kommt von innen. Es gibt Männer und Frauen, deren Antlitz auf den ersten Blick hässlich erscheint – oft genetisch bedingt oder die Folge eines Unfalls -, die aber voll innerer Schönheit sind und auf dem Weg zur Vollkommenheit. Man lese den Artikel „Sind häßliche Frauen glücklicher?“ aus der Zeitung „Der Landsmann“, Bozen, von 1923.

Es gibt drei Arten von Hässlichkeit:

1.    aussen und innen hässlich

2.    aussen schön, innen voller Schmutz

3.    aussen hässlich, innen schön: die wertvollsten Menschen, weil gereift durch Leiden. Diese äussere Hässlichkeit ist in Wirklichkeit ein Schutz der inneren Schönheit.

Da fällt uns zu guter Letzt noch ein Freund ein, der zu sagen pflegte:

Alle Frauen sind schön!

So ist es.

Weitere Literatur:

Mit seiner Tiefgründigkeit überrascht uns Max Picard. Es ist ein Erlebnis, sein Buch „Das Menschengesicht“ zu lesen. Erschienen im Eugen Rentsch Verlag, Erlenbach-Zürich und Stuttgart. Wir entnehmen der 6. Auflage von 1955 folgende Weisheiten:

Seite 12 „Wenn zwei Menschengesichter sich betrachten, so ist es für die Seele wie eine Erinnerung: sie schaut jedes Mal zu ihrer göttlichen Herkunft zurück.“

Seite 17 „Wie die Planeten um die Sonne kreisen und kreisend sich formen, so gibt es Menschengesichter, die, immer um Gott kreisend, nicht aufhören, sich zu formen nach dem ewigen Urbild.“

Seite 24 „… heute ist es manchmal, als würde das Menschengesicht auseinanderfallen, wenn die Ewigkeit es berührt, so wie ein Gespenst auseinanderfällt, wenn die heilige Wirklichkeit es berührt.“

Seite 82 „Jedes Gesicht will sich zu Ende gestalten.“

Seite 117 „Das Menschengesicht ist da, also muß Gott auch da sein.“

Seite 166 „Immer steht jeder Mensch allein Gott gegenüber und in jedem Augenblick.“

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