ETIKA

EHE / RATGEBER

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25.10.1997

30EH3

Der Alltag der Liebe

Hermann Oeser: Ehzuchtbüchlein, Salzer Verlag, Heilbronn 1913, 121.- 124. Tausend

 

Ehe ist dienen. Wer in die Ehe tritt, ohne den festen Willen: nur Du - tritt neben die Ehe.

"Wieder einmal recht gehabt" - hat nur der Nichtliebende. Nur in der Ehe gibt es keinen Streit, wo e i n Teil um keinen Preis recht behalten will.

Ich rede von Menschen, wie sie sind. Darum sage ich: Sprich keinen Vorwurf aus. Es gibt keinen, den du ihm machen könntest, den der andere nicht schon längst im stillen gegen dich erhoben hat.

Wer nicht das erste Wort nach Spannungen findet, soll nicht heiraten. Wer glücklich werden will, soll nicht heiraten. Glücklich machen - da liegt es. Wer verstanden werden will, soll nicht heiraten. Verstehen - da liegt es.

Was ist das höchste Gebot der Ehe? Liebe deinen Nächsten!

Sei größer als der Augenblick. Sei immer größer als der Augenblick! Wie wolltest du sonst die Kleinheit der Sache erkennen?

Man kann "Ehe" übersetzen. Mariage heißt im Französischen, Geduld, Besonnenheit, Güte, immer nur Du, sich über das gleiche freuen, über das gleiche weinen - im Deutschen.

Es ist gut, sich aussprechen zu können. Es ist gefährlich, es nicht zu können.

Den Ehegefährten, zum gesellschaftlichen Spiel, vor anderen ironisieren - bricht die Ehe.

Tief sieht die Liebe. Sie sieht alle Schwächen des Geliebten. Darum ist sie Arzt und Schleier.

Ehe geht vor dem Scheuern. Ehe geht vor der Zeitung. Ehe geht vor dem Bügeln. Ehe geht vor dem Beruf. Zeit haben für den Ehegefährten ist wichtiger als Geld für ihn haben.

Ehe ist wachsen. Entziehe keines dem andern die Sonne.

Ehe bedarf eines Glaubens. Wie, es wären da zwei, und er wäre nicht mitten unter ihnen? Wie, es wären da zwei, und ihre Wangen glühten nicht für etwas, das sie l i e b e n ?

Ehe ist keine Erwerbsgemeinschaft. Ehe ist das Daheimsein im Guten, Nobeln, im Schönen, in der Erlösung von der Knechtschaft des Kleinlichen, der Selbstsucht und der Ungüte.

(Letzter Satz des Verfassers: H. O.: Wer ein Ehzuchtbüchlein, schreibt eine Selbstanklage.)

 

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