ETIKA

EHE / RATGEBER

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13.10.2004

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Lieber eine Ehe annullieren als Haß bis ans Lebensende

Meinung

Gedanken zu großen Nöten unserer Zeit

·        für die Ermöglichung geordneter Liebe statt Haß, Verzweiflung oder Perversionen

·        für Barmherzigkeit gegenüber wiederverheiratet Geschiedenen

Das Erkalten der Liebe und die Grausamkeit gegenüber Wehrlosen und Kindern kennzeichnen die Endzeit. Wir können versuchen, die Wehrlosen und Kinder zu schützen.

Aber was sollen wir tun, wenn die Liebe in der Ehe erkaltet ist, wenn das Zusammenleben zweier Menschen hoffnungslos zerrüttet ist, wenn die Ehepartner einander nicht mehr ertragen? Heute werden die Bande zwischen zwei Menschen, die einmal ja zueinander gesagt haben,  mehr denn je von unterschiedlichen Informationen und Interessen zerrissen. Nach Jahren und Jahrzehnten eines eskalierenden Ehekriegs scheint eine Versöhnung oft nicht mehr möglich, besonders bei materiellen Interessen (z. B. Beruf, Wohnung) oder unterschiedlichen Ansichten über die Erziehung der Kinder.

Manchmal kommen schwerwiegende Dinge hinzu: Ehebruch, andauernde Verweigerung (unserer Ansicht nach auch eine Form des Ehebruchs), Kindesmißbrauch.

Natürlich rufen wir als Christen dazu auf, Gottes Gebote und Worte zu befolgen, das heißt alles zu tun, um die Ehe zu retten, um die Kinder in der geborgenen Atmosphäre der Familie aufwachsen zu lassen.

Aber heutzutage gibt es immer mehr Extremsituationen. Mann und Frau kommen einfach nicht mehr miteinander aus. Wenn die Achtung voreinander verletzt ist, wenn unheilbare Wunden geschlagen wurden, wird das Zusammenleben immens schwierig. Die Streitereien schlagen in Haß um – Familientragödien können die Folge sein.

Angesichts einer wachsenden Zahl von unguten Beispielen plädieren wir in gewissen Fällen für eine Trennung, ja sogar für eine Scheidung und die Möglichkeit der Wiederverheiratung. Die katholische Kirche stellt hierfür das  Instrument der Annullierung zur Verfügung. In der ganzen Welt, vornehmlich in den USA, wird immer mehr davon Gebrauch gemacht.

Als größtes Hindernis sehen wir außer der Frage der Kinder die Worte Jesu, der sagt:

„Wer sich von seiner Frau scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, der macht, daß sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene heiratet, der bricht die Ehe.“ (Matthäus 5,32)

Warum, Jesus, hast du nicht unterschieden zwischen einer Frau, die schuldlos geschieden ist wegen Ehebruchs des Mannes, und einer schuldig wegen Ehebruchs Geschiedenen? Warum darf die schuldlos Geschiedene nicht ein neues Leben mit einem anderen Mann in Liebe beginnen, wagen wir zu fragen, immer mit dem schlechten Gefühl, uns wegen solcher öffentlicher Erörterungen vor dem Jüngsten Gericht verteidigen zu müssen.

Einen kleinen Hoffnungsschimmer erblicken wir in Matthäus 19,6:

„So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.“

Wenn nun die beiden vielleicht seit vielen Jahren gar nicht mehr ein Fleisch, geschweige denn ein Geist und eine Seele sind, dann entfällt der Grund für das Verbot, so wagen wir zu denken. Dasselbe gilt, wenn das Fleisch eines der Partner unrein geworden ist infolge von Ehebruch.

Was ist in Hinsicht auf die Entfaltung und Vervollkommnung besser für zwei Menschen: ein Klima der Antipathie und des Hasses mit täglichem Streit bis ans Lebensende oder Trennung mit der Möglichkeit eines Neuanfangs durch Annullierung der Ehe?

Warum darf der Mensch nicht aus einer schicksalhaften Fehlentscheidung das Beste machen, das heißt die Fehlentscheidung rückgängig machen, um eine neue Chance zu bekommen? Er könnte doch Liebe und Verständnis in einer neuen, richtigen Ehe schenken und empfangen.

Jesus, wenn wir nur mit Dir darüber sprechen könnten, über Deine strengen Worte! Oder verstehst Du unsere Sorgen auch so, wenn wir sie hier aussprechen? Wäre es nicht möglich, daß Du uns in dieser furchtbaren Endzeit Ausnahmen genehmigst von der Regel der Unauflöslichkeit der Ehe? Daß du auch wiederverheiratet Geschiedene zur Kommunion zuläßt?

Du bist doch auch mit der Ehebrecherin so nachsichtig gewesen. Sei auch gnädig mit jenen Menschen, die wegen ihrer gescheiterten Ehe in Not und Verzweiflung sind und keine Hoffnung für die Zukunft haben aufgrund der strengen Gesetze Gottes und der Kirche.

Natürlich müssen die Belange der Kinder berücksichtigt werden. Eine Scheidung sollte – außer bei Ehebruch - wohl erst erfolgen, wenn die Kinder erwachsen sind, damit sie nicht unter der Trennung leiden und schlecht von Ehe und Familie denken. Sie brauchen ja die gesunde Familie als sicheren Hort fürs Leben.

Auch soll eine Ehe nur annulliert werden, wenn keiner der Partner den anderen zum Weiterleben braucht, wenn jeder eine ausreichende Existenzbasis hat.

Ist es nicht besser, zwei Menschen zu haben, die einander aufrichtig lieben – auch wenn der eine oder beide geschieden sind -, als zwei Menschen, die „in erster Ehe“ unablässig miteinander streiten und sich und den Kindern und ihrer Umwelt das Leben vergällen?

Hat doch auch vor ein paar Tagen der Bischof von Innsbruck, Manfred Scheurer, gesagt, verheiratete Priester seien besser als gar keine. Die Abschaffung des Zölibats sei ein gangbarer Weg. („Tirol heute“, 26.9.2004)

Wir pflichten ihm bei: Lieber verheiratete Priester als die jetzige Situation. 12 Prozent der Priester sollen laut Studie Zulehner eine Geliebte haben – die sie ledigen Männern wegnehmen!-, und wie viele sind homosexuell oder gar pädophil!

Also müssen wir erkennen, daß die Duldung der Sexualisierung des öffentlichen Lebens durch Kirche und Staat das schlimmste Verhängnis in der Geschichte der Menschheit ist. Sie hat zur jetzigen Ausnahmesituation geführt, und wir halten deshalb Ausnahmeregelungen für angebracht:

·        Möglichkeit der Annullierung der Ehe, wenn die Kinder erwachsen sind und keiner der Partner auf den anderen angewiesen ist, und zweite Eheschließung

·        Kommunion für unschuldig Geschiedene, die wieder geheiratet haben

·        Zölibat für Priester nur noch auf freiwilliger Basis

Aufgrund des unermeßlichen menschlichen Leids und Elends in diesen Fragen – die Welt geht moralisch sozusagen vor die Hunde - flehen wir um Gnade und Barmherzigkeit - vor Kirchenrecht und dem Gesetz in der Heiligen Schrift!

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