ETIKA

KINDER / UNSCHULD

www.etika.com
24.2.2000

31SE5

Erziehung zur Keuschheit

FMG

Freundeskreis Maria Goretti e. V.

Engelbertstr. 21

D-81241 München

Die kirchliche Sicht der Sexualerziehung ist dargelegt in dem Dokument "Menschliche Sexualität: Wahrheit und Bedeutung. Orientierungshilfen für die Erziehung in der Familie", das der Päpstliche Rat für die Familie am 8. Dezember 1995 veröffentlicht hat. Nachstehend Auszüge:

Der Mensch ist als Ebenbild GOTTES geschaffen, um - GOTT und die Menschen - zu lieben. Die Liebe ist die grundlegende und naturgemäße Berufung des Menschen: und zwar eine Liebe, die nicht Begehren eines Genußobjektes ist, sondern vielmehr personale Hingabe, aufopfernde, vom Egoismus befreite Liebe.

Die wahre Liebe setzt die Keuschheit voraus,

weil das Wachsen der hingebenden Liebe die Zügelung der Leidenschaften und Gefühle voraussetzt: "Niemand kann etwas geben, was er nicht besitzt: wenn der Mensch nicht Herr seiner selbst ist, dann gehört er nicht sich selbst und kann sich mithin auch nicht verschenken" (16).

Keuschheit wird daher keineswegs negativ als Unterdrückung und Verlust gesehen, sondern positiv als Befreiung: "Die Keuschheit ist jene geistige Kraft, die die Liebe gegen die Gefahren von Egoismus und Aggressivität zu schützen und zu ihrer vollen Entfaltung zu führen versteht" (4, vgl. 16)

Keuschheit und Selbstbeherrschung

"Jeder weiß aus Erfahrung, daß die Keuschheit es erforderlich macht, gewisse sündhafte Gedanken, Worte und Werke von sich zu weisen".

"Jeder wird einmal in irgendeiner Weise für kürzere oder längere Zeit in eine Situation geraten, in der heroische Akte der Tugend unumgänglich sind".

"Mit der Gnade GOTTES können alle keusch leben, auch wenn sie sich in einer dafür weniger günstigen Lage befinden" (19).

Wer soll die Sexualerziehung - als Erziehung zur Keuschheit - durchführen?

Die Eltern werden ermahnt und ermutigt, ihre Rechte und Pflichten wahrzunehmen (ihren Kindern eine "angemessene Erziehung zur Keuschheit zuteil werden zu lassen" (44). "Die Eltern würden sich schuldig machen, wenn sie es zuließen, daß ihre Kinder außerhalb ihres Zuhauses eine unsittliche oder unangemessene Erziehung erhalten" (44).

Bei der Erziehung allgemein ist die subsidiäre (!) Mitwirkung anderer (z. B. Schule) möglich, aber nie gegen die Eltern, sondern "jeder andere Mitwirkende kann nur im Namen der Eltern, auf Grund ihrer Zustimmung und in gewissem Maß sogar in ihrem Auftrag tätig werden" (23).

Bezüglich der Geschlechtserziehung sagt das Dokument sehr klar, daß die Familie der "normale und übliche Ort" (48) ist, um die Kinder und Jugendlichen zu Keuschheit, Schamhaftigkeit und Selbstbeherrschung zu erziehen.

Vier Prinzipien zur Geschlechtserziehung

legt der Päpstliche Rat für die Familie dann dar:

  1. "Jedes Kind ist eine einzigartige und unwiederholbare Person und muß eine individualisierte Erziehung erhalten" (65)
  2. "Die sittliche Dimension muß stets Teil ihrer Erklärungen sein" (68). "Nur wer zur Keuschheit fähig ist, ist auch fähig zur Liebe in Ehe oder Jungfräulichkeit" (68).
  3. "Die Erziehung zur Keuschheit und die jeweils angebrachten Hinweise zur menschlichen Sexualität müssen im größeren Zusammenhang der Erziehung zur Liebe erteilt werden" (70)
  4. "Die Eltern müssen diese Belehrung mit größtem Zartgefühl, aber unmißverständlich und zum geeigneten Zeitpunkt vornehmen" (75). "Es ist der Sache abträglich, dem Kind gegenüber zu sehr ins Detail zu gehen." (75)

Die wichtigsten Phasen in der Entwicklung des Kindes

Für die sogenannten Jahre der Unschuld (vom 5. Lebensjahr bis zum Beginn der Pubertät) wird nachdrücklich gefordert: "Diese Zeit der Ruhe und der Unbefangenheit darf keinesfalls von einer unnötigen sexuellen Information getrübt werden" (78). Das Dokument stellt fest, daß das in vielen Ländern übliche Aufzwingen verfrühter sexueller Information die Entwicklung der Gefühlswelt und der Bildung der Kinder beeinträchtigt. "Die Eltern sollen solche Versuche, die Unschuld ihrer Kinder zu verletzen, freundlich aber bestimmt ablehnen..." (83). Diese haben ein "Recht auf diese Unschuld" (83)!!

2. In der Pubertät, wenn der Mensch sich selbst und sein Inneres entdeckt, zum Empfinden der Liebe erwacht und wenn andrerseits durch die biologische Entwicklung die Sexualität bewußt wird, sollen die Eltern (!) die Entwicklung ihrer Kinder besonders aufmerksam beobachten und individuell, in einem Vertrauensverhältnis (Vater/Sohn, Mutter/Tochter) mit den Kindern sprechen: Fragen beantworten und das Gewissen bilden. Der Zeitpunkt ist von den Kindern und ihren Fragen her bestimmt, und die Hinweise sollen in zurückhaltendem Ton gegeben werden, in die Perspektive Ehe-Familie-Elternschaft eingebettet (vgl. 87-97).

3. In der eigentlichen Jugendzeit kommt es darauf an, daß die Eltern ihren Kindern bei der Suche nach ihrer persönlichen Berufung helfen; dafür ist ihr "Beispiel und Zeugnis von der TREUE Gottes und der gegenseitigen Treue im ehelichen Bund" sehr wichtig; ferner sollen sie "lehren, die Schönheit und Kraft der Keuschheit zu lieben" und "erklären, daß sie, um keusch zu bleiben, im Gebet und im häufigen und heilsamen Empfang der Sakramente, insbesondere der persönlichen Beichte, über eine unschätzbare Hilfe verfügen" (102). - Aber auch die wichtigen Fixpunkte der christlichen Moral sollen die Eltern erläutern können (ungeordneter sexueller Genuß, Homosexualität, Selbstbefriedigung, die hedonistische Propagierung der Lust in der Wohlstandsgesellschaft; die Notwendigkeit, gegen den Strom zu schwimmen).

4. Das Erwachsen-Werden wird nur kurz angesprochen.

Praktische Richtlinien

Grundlage der Empfehlungen in Kapitel VII sind "das Recht jeder Person, den katholischen Glauben zu bekennen und zu praktizieren" sowie "die Rechte der Freiheit und Würde der Familie". (112, Fußnote 140)

An die Eltern

Den Eltern wird ans Herz gelegt, sich im Widerstand gegen schädliche Formen der sexuellen Aufklärung zusammenzuschließen; sich genau über Inhalt und Art dessen zu informieren, was ihren Kindern etwa in der Schule in dieser Hinsicht nahegebracht wird; man darf den Eltern nicht verwehren, sogar an solchem Unterricht teilzunehmen.

(Anmerkung: Nicht automatisch werden Kinder, die an den SE-Stunden nicht teilnehmen, in der Klasse diskriminiert. Dies kann auch von der Haltung der Lehrkraft abhängen. So erklärte etwa eine Lehrerin, die den SE-Unterricht leider durchführte, ihrer Klasse: Eines der Kinder nehme an den betreffenden SE-Stunden nicht teil, weil seine Mutter überzeugt sei, es selber besser zu machen als sie, die Lehrerin. - Andere Eltern teilten uns mit: "Wir sagen unseren Kindern, daß es dazugehört, eventuelles dummes Gerede oder Diskriminierung auszuhalten, wenn man in unserer Zeit CHRISTUS treu ist.")

An die Erzieher

"Da jeder junge Mensch die eigene Geschlechtlichkeit in Übereinstimmung mit den christlichen Grundsätzen leben und dabei folglich auch die Tugend der Keuschheit üben soll, darf kein Erzieher - auch nicht die Eltern - dieses Recht antasten (vgl. Mt 18, 4-7)". (118)

"Es wird empfohlen, das Recht des Kindes oder des Jugendlichen auf angemessene (!) Information zu den Fragen der Sittlichkeit und der Geschlechtlichkeit zu respektieren; diese Information soll ihm von seinen Eltern (!) in einer Weise erteilt werden, die sein Verlangen, keusch zu sein und in der Keuschheit erzogen zu werden, fördert. Dieses Recht wird näher bestimmt vom Entwicklungsstadium des Kindes, von seiner Fähigkeit, sittliche Wahrheit und geschlechtliche Information miteinander zu vereinbaren, und von der Rücksicht auf seine Unschuld und seinen inneren Frieden." (119)

Den Erziehern wird weiter ans Herz gelegt, "das Recht des Kindes..., sich von jeglicher Form außerfamiliären sexualkundlichen Unterrichts fernzuhalten, zu respektieren" (120)!

Vier handlungsbezogene Grundsätze

  1. "Die menschliche Geschlechtlichkeit ist ein hl. Geheimnis, das entsprechend der Glaubens- und sittenlehre der Kirche und unter beständiger Berücksichtigungder Folgen der Erbsünde dargestellt werden muß." (122)
  2. "Den Kindern und Jugendlichen dürfen nur solche Informationen geboten werden, die der jeweiligen Stufe ihrer individuellen Entwicklung angepaßt sind." (124)
  3. "Kinder oder Jugendliche gleich welchen Alters (!) dürfen auf keinen Fall, weder einzeln noch in der Gruppe, mit Materialien erotischer Art konfrontiert werden." (126)
  4. "Niemand darf jemals dazu aufgefordert, geschweige denn dazu verpflichtet werden, sich in einer Weise zu verhalten, die objektiv gegen den Anstand verstoßen oder subjektiv sein Feingefühl oder seinen sinn für die ,PrivatsphäreŽ verletzen kann." (127) - Als "Methoden mißbräuchlicher Sexualaufklärung" werden alle Gebärden- oder Rollenspiele mit sexuellen Inhalten genannt, die Verwendung von Bildern, Tafeln, Modellen dieser Art, ferner Aufforderungen an Kinder, diesbezüglich aus dem persönlichen oder familiären Bereich zu erzählen oder zu Fragen des genitalen oder erotischen Bereichs den Kindern Prüfungen abzuverlangen.

Zu meidende Methoden und Ideologien

Abgelehnt werden SE-Methoden, die "eine unsittliche Erziehung vermitteln" und "die Rechte der Eltern und das sittliche Leben ihrer Kinder bedrohen" (135). Die "säkularisierte und geburtenfeindliche Sexualaufklärung ... großer Organisationen und internationaler Vereinigungen" (136) wird angeprangert. Vielmehr soll der "unmoralische Charakter der Abtreibung" (137) den Jugendlichen verständlich gemacht werden. Themen wie Sterilisierung und Verhütung dürfen "nicht vor dem Jugendalter und nur in Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche" (137) erörtert werden. Gewarnt wird vor gewissen sogenannten Sexualerziehern und Sexualberatern. Der Päpstliche Rat für die Familie weist auch die unmoralischen Anti-Aids-Kampagnen für "safer sex" zurück, da sie "letztendlich zu einem Anwachsen der Promiskuität ... unter falschen Voraussetzungen hinsichtlich der Sicherheit" (139, vgl. Fußn. 71) führen.

Das Dokument schließt mit dem Appell an alle Glieder der Kirche, solidarisch mitzuwirken, "daß die Rechte der Eltern anerkannt, geschützt und aufrechterhalten werden" (148), und dem Aufruf, im Gebet die Hilfe GOTTES und die Fürsprache der Unbefleckten Jungfrau Maria bei der Erziehung zu erbitten (150).

Herausgeber dieser (von etika.com nochmals gekürzten) Zusammenfassung der 24seitigen Schrift "Erziehung zur Keuschheit":

Freundeskreis Maria Goretti e. V.

Engelbertstr. 21

D-81241 München

Tel. 089 / 834 2050 - Fax 089 / 834 1645

Postbank München (BLZ 700 100 80) Konto Nummer 133 11 - 803

Kurzfassung - Index 3 - Retour ETIKA Start