ETIKA

FRAU

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22.1.1999

32F5

Die christliche Frau - eine Predigt ohne Worte

E. Dryander, in: Pfarrer Gustav Hofelich: Wer nur den lieben Gott läßt walten..., St. Gallen o. J.

Die Weiber sollen ihren Männern untertan sein,
auf daß auch die, so nicht glauben an das Wort,
durch der Weiber Wandel ohne Wort gewonnen werden,
wenn sie ansehen ihren keuschen Wandel in der Furcht. (1. Petrus 3,12)

Welch eine Macht ist es, die eine christliche Gattin, eine christliche Mutter, eine christliche Jungfrau in sich trägt, da am stärksten, wo dieselbe ihr selbst unbewußt ist - selig wir alle, wenn wir sie erfahren durften! -

Diese Macht kann man nicht höher erheben, als es der Apostel Petrus tut, wenn er davon spricht, daß die Männer, die dem Wort nicht glauben, gewonnen werden sollen durch der Weiber Wandel ohne Wort, wenn sie ansehen ihren keuschen Wandel in der Furcht.

Heiliger Gedanke, daß der stille Wandel eines christlichen Weibes für den Mann, der der Predigt des Wortes sich längst entzog, eine Predigt ohne Worte ist, der er sich schlechterdings nicht entziehen kann, die er täglich zu hören und täglich zu bewundern hat, der er mindestens seine Achtung nicht versagt, und die endlich noch einmal diese Achtung in Liebe verwandeln wird.

Aber auch heiliger Ernst der Mahnung, daß der Unglaube des Mannes vielleicht nicht an der Kraft seiner Gründe, sondern an der Schwächlichkeit der Predigt, die er aus dem Wandel seines Weibes vernimmt! Wie viele Frauen von jener Monika an, die nach Jahren der Tränen, der Geduld und der Gebete, beide, Gatten und Sohn an ihrer Seite sehen durfte, sind die Führer ihrer Männer geworden, und der Dank derselben ist ihnen nachgefolgt bis in die Ewigkeit.

Eben Monikas Name aber erweitert unsere Betrachtung. Die Mutter ward zum Apostel des Sohnes. Das Beste, was der Mensch hat, rührt so oft von der Mutter her; in wieviel Wendungen hat selbst die Sprache diese Tatsache verarbeitet; in christlichen Dingen gilt das in gesteigertem Maße.

Hundertmal hat man gesagt: aus den Kinderstuben wird die Welt regiert; es gilt auch: aus den Kinderstuben wird die Welt erneut!

Christliche Mütter, ihr seid die Priesterinnen dieses Heiligtumes, eurer Kinderstube.

Ihr betet ohne Zweifel mit euren Kindern - wahrscheinlich ist keine Mutter hier, die es nicht tut oder tat -, aber hat dieses Kind auch den bleibenden Eindruck bekommen, nur mehr und mehr vertieft in den Jahren des Verständnisses, daß dieses Gebet euch ein heiliger Lebensernst war, ein Offenbarwerden des verborgenen Herzensmenschen, der in euch selbst lebte? -

Das Kind wächst heran, ein Sohn - ach wie schwer ist es jetzt, Söhne zu erziehen!

Vatertreue vermag nur wenig; der väterliche Ernst bedarf, wenn man so will, eines Vermittlers, damit er recht wirke; auch in der Seele eines Knaben gibt es so manches, was der Vater nicht leicht versteht, zarte Saiten, die er leicht rauh und verletzend berührt.

Aber die Mutter - sie kann das Herz des Kindes öffnen, ihr soll das Kind seine Geheimnisse anvertrauen, ihr seine Sorgen ausschütten dürfen, sie soll es als Vermittlerin auch für seine Fehler anrufen dürfen; nie soll sie dabei den aus Gott geborenen Ernst verleugnen, aber auch nie die tiefe, Vertrauen erweckende Liebe - christliche Mütter, werdet mit einem Wort die Vertrauten eurer Kinder, eurer Söhne zumal, dazu hat Gott euch berufen, dazu hat Gott euch gemacht; erfüllt diesen Beruf, und eure Macht über eure Kinder wird ohne Grenzen sein.

Es werden bei diesem Sohne Zeiten des Zweifels kommen, aber euch zu Liebe wird er mit zur Kirche gehen, euch zu Liebe wird er das Arge meiden, wenn über ihn die Versuchung mächtig wird.

Euch zu Liebe wird er, wie es Augustin von sich bekennt, den Respekt vor dem Namen Jesu nicht verlieren, auch wenn innerlich die Lösung vom Kindesglauben beginnt, und dieser Respekt wird die Handhabe sein, an der Gott ihn aus der Verirrung wieder zurückführt.

In dieser Gewißheit, in diesem Glauben bleibet, auch wenn ihr zunächst das Gegenteil seht.

Die Aussaat der Kinderjahre, die Tränen, mit denen sie begossen, die Gebete, mit denen sie gepflegt worden ist, können nicht verloren gehen.

Wer macht überhaupt den Geist eines Hauses! Wohl gilt es: "O selig Haus, wo Mann und Weib in einer, in deiner Liebe eines Sinnes sind" - dennoch die innere Luft, die wir in diesem Hause atmen, die dieses Haus uns so traulich, diesen Kreis uns so lieb macht, ist in wie vielen Fällen das geistige Wesen der Frau, die in demselben waltet; sie prägt dem Hause seinen eigentümlichen Geist auf.

Wohlan, sorgt dafür, daß es ein am Worte Gottes geheiligter, vom Geiste Gottes durchhauchter sei - ihn werden eure Kinder mit hinausnehmen ins Leben; die Gebete, die er ihnen nachsendet, werden sie in ihm erhalten und wer, sage ich noch einmal, wer will euren Einfluß abmessen?

Wohl dem, der einen treuen Freund hat, steht in der Bibel. Dreimal selig der, der eine treue und fromme Gattin, eine treue und fromme Mutter, eine treue und fromme Schwester hat! Sie sind Glieder in der Kette, an der sein Gott ihn hält, sie sind es vielleicht, denen er dankend bekennen darf: du hast mir die Seele gerettet.

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