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7.8.1997

38B2

FRANCISCO
UND DIE SCHAMLOSEN

 

 

Gleich drei Schriftsteller hatten binnen weniger Wochen Schlagzeilen gemacht. Erst war Thomas Bernhard (58) gestorben, dessen Werk laut Deutscher Presse-Agentur "beharrlich um die Themen Wahnsinn, Krankheit und Tod kreiste". Er war Liebkind der Kritiker, ebenso der Schweizer Hermann Burger, der ein Stück mit dem beziehungsreichen Titel "Der Schuß auf die Kanzel" verfaßt hatte. Die zwanghafte Beschäftigung des Autors mit dem Tod endete so, wie er es in seinem "Tractatus logico-suicidalis" empfohlen hatte - mit Selbstmord.

Das Erfolgsrezept Nr. Todsicher wandte der indisch-britische Moslem Salman Rushdie an, indem er in seinen "Satanischen Versen" Pornographie mit Blasphemie mixte. Noch vor einem Vierteljahrhundert wäre es undenkbar gewesen, daß ein wegen obszöner Schmierereien berüchtigter Günter Grass in Berlin unter Polizeischutz aus diesem Machwerk vorlesen durfte. In Wien wurden die "Satanischen Verse" gar im Parlament zitiert.

Verkehrte Welt: Der Staat schützt das Böse, anstatt seine Bürger vor dem Bösen zu schützen. Francisco hatte die täglichen Pressemeldungen aufmerksam verfolgt, und die Gedanken des von spanischen Gastarbeitern abstammenden Redakteurs beschäftigten sich mit der Frage: Ja, dürfen wir Christen uns denn gar nicht wehren? Sollen wir uns vom Schlechten überrollen lassen?

Francisco dachte an Gandhi, der 1921 eine "Ethik der Zerstörung" entwickelt hatte: Was den sittlichen Fortschritt hindern will, muß man ohne Zögern zerstören, denn "Satans Schlingen sind schlau gelegt".

Wie schön hatte es doch sein Namenspatron Franziskus von Assisi; damals hatte es noch keinen Grass und keinen Rushdie gegeben, keine Pornographie und keine aufdringliche Werbung und keine Frauen, die sich in aller Öffentlichkeit schamlos kleideten und gebärdeten.

Wie würde sich der Heilige aus Umbrien wohl heute verhalten? Franziskus lebte nach dem Evangelium, und dort fand auch Francisco die Antwort, genau genommen, mehrere Antworten:

Viele, die Zauberei getrieben hatten und sich vom Bösen befreien wollten, brachten die Bücher zusammen und verbrannten sie öffentlich (Apostelgeschichte 19,19). So etwas ist heute nicht mehr durchführbar, dachte Francisco. Aber eine private Entrümpelungsaktion kann niemand verbieten, und flugs suchte er alle Zeitschriften und Bücher, die Schmutz- und Schundliteratur enthielten, zusammen und trug sie zum nächsten von der Gemeinde aufgestellten Altpapierbehälter. Schriften zweifelhafter Sekten wanderten mit zur "Wiederverwertung".

Und die ständigen Verführungen in unserer Konsumgesellschaft - was ist damit? Gewiß war der Mensch noch nie in der Geschichte so vielen Gefahren ausgesetzt wie heute - und doch gelten auch heute die zweitausend Jahre alten, weisen Vorsichtsmaßregeln: Fliehe vor der Sünde wie vor einer Schlange, denn wenn du dich ihr näherst, beißt sie dich. (Jesus Sirach 21,2). Und: Widersteht dem Teufel, so flieht er von euch. (Jakobus 4,7).

Die radikalste Antwort gibt Christus selbst: Wenn dich dein Auge zum Abfall verführt, reiß es aus und wirf´s von dir! (Matthäus 18,9)

Da alle Proteste gegen die Flut der Verdorbenheit nichts gefruchtet haben und es im Fernsehzeitalter für eine "moralische Aufrüstung" zu spät ist, steht der Christ den unverschämten Herausforderungen allüberall ganz auf sich selbst gestellt gegenüber. Er soll die Täuschung erkennen und das teuflische Blendwerk verachten oder aber: ignorieren, nicht hinsehen und hingehen, sich blind und taub stellen.. Und auf Jesum Christum, der am Kreuz für uns leidet, schauen und beten: Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.

Francisco faßte bei dem Gedanken an unseren Herrn, der uns nicht im Stich läßt und jeden Betenden erhört, wieder Hoffnung, nachdem ihn die Aussicht auf noch mehr "Toleranz und Liberalität" der Gesellschaft gegenüber den Jugendverderbern und Familienzerstörern deprimiert hatte.

Und schmunzelnd las er die Geschichte, die in einer alten Chronik vom dritten Schüler des heiligen Franziskus erzählt wird:

Ein Bruder kam mit großer Freude und Frohlocken wegen eines Sieges, so er wider die fleischliche Versuchung erlangt, um Bruder Ägidius zu besuchen. Der Sieg bestand darin: Er hatte gehört, daß ihm ein Weibsbild nachging, und in ihm waren fleischliche Begierden aufgestiegen. Und je näher sie ihm gekommen sei und je mehr diese zugenommen hätten, so wäre er doch vorübergegangen, hätte sie wohl beschaut und sei der Versuchung entledigt worden.

Der heilige Bruder fragte, ob das Weib alt oder jung gewesen. Der Bruder antwortete: alt und ungestalt.

So ist´s kein Wunder, sagte der heilige Mann, daß die Versuchung so bald vergangen. Du sollst wissen, daß du nicht überwunden, sondern verloren hast. Denn der Sieg hätte darin bestanden, daß, als du vorübergegangen, sie nicht angesehen haben solltest. Und dies ist das beste und sicherste Mittel in dem Streit des Fleisches. Hüte dich deshalb ein andermal, daß dir, wenn du eine Junge und Schöne ansiehest, nichts Ärgeres mit Schande und Schmach widerfahre.

(Cronicken der minderen Brüder, 7. Buch, Kapitel 7, Konstanz, 1604)

 

ANHANG:

Pressemeldung und Kommentar vom 9. 2. 1994

 

Europaparlament will Ehe und Kinder für Schwule und Lesben

Straßburg - Das Europaparlament hat sich für die Möglichkeit von Eheschließungen und Kinderadoptionen homosexueller Paare ausgesprochen. Schwule und lesbische Paare sollten alle Rechte und Vorteile nutzen können, die sich aus Eheschließungen ergeben und ihre Lebensgemeinschaft amtlich registrieren lassen dürfen, hieß es in einer gestern in Straßburg mit knapper Mehrheit verabschiedeten Entschließung der Grünen.

Die Europäische Kommission sollte eine Arbeitsgruppe eigens zu dem Zweck einsetzen, diskriminierende Praktiken gegenüber homosexuellen Paaren zu beseitigen. Christdemokraten und Liberale im Europaparlament protestierten gegen diesen Bericht, weil sie die Frage der Gleichberechtigung von Homosexuellen den Nationalstaaten überlassen wollten.

Die Verfolgung des gleichgeschlechtlichen Zusammenlebens als öffentliches Ärgernis oder als Verstoß gegen die Sitten sollte durch Aufklärungskampagnen bekämpft werden, hieß es in dem Bericht. Dabei sollte die EU auch im eigenen Haus aufräumen und bei der Einstellung von Beamten jegliche Diskriminierung auf Grund sexueller Veranlagung bekämpfen.

Die Berichterstatterin der Grünen, Claudia Roth, betonte die "zunehmende Akzeptanz homosexueller Lebensweisen in den meisten EU-Ländern", warnte jedoch vor zunehmender Gewalt gegen diese Gruppe im Zuge "der Renaissance rassistischer Ideologien".

Ein solches Europa wollen wir nicht

Das Heiligste, was es auf Erden außerhalb des rein religiösen Bereichs gibt, ist die Familie. Und das am meisten Schutzbedürftige ist das Kind. Niemand verdient soviel Aufmerksamkeit, soviel Schutz, soviel Liebe wie das Kind, das doch das schönste Geschenk Gottes an die Menschheit ist.

Es hat das Recht, in Reinheit und Unschuld erzogen zu werden. Dies ist nicht nur christliche Überzeugung, dies sagte zum Beispiel auch der Hindu Mahatma Gandhi. Wenn nun die gewählte politische Vertretung vieler europäischer Länder einen Beschluß faßt, der gegen dieses heilige Recht grob verstößt, so wird ein Christ und überhaupt jeder anständige Mensch einen solchen Angriff auf das strengste verurteilen. Ehe und Familie und die Kinder dürfen nicht länger kaputtgemacht werden, denn sonst geht die ganze Gesellschaft zugrunde.

Wer es gutheißt, daß zwei homosexuelle Männer als Ehepaar kleine Buben und Mädchen aufziehen dürfen, der fördert damit in vielen Fällen auch die Pädophilie, eines der schlimmsten Übel. Wer aber die Seelen der Kleinen zerstört, dem hat Jesus Christus selbst die schlimmste Strafe angedroht.

Eltern, Kirchenvertreter und all jene Politiker, die sich zu christlichen Werten bekennen, dürfen diesen Beschluß nicht hinnehmen. Wenn die "Grünen", die sich nun wohl endgültig demaskiert haben, mit der Mehrheit des Europaparlaments schlimmste sexuelle Auswüchse für gesetzlich zulässig erklären, dann kann die Antwort nur lauten:

Ein solches Europaparlament wollen wir nicht, auf ein solches Europa verzichten wir!

 

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