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ETIKA |
HUMOR |
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38HU11 |
Marie von Ebner-Eschenbach: |
Gesammelte Schriften, Berlin 1905, s. 132f. |
Ein Töpfer hatte zwei faule Söhne,
die das väterliche Handwerk durchaus nicht erlernen wollten. Sein Nachbar, ein
Schuster, dem er sein Leid klagte, tröstete ihn: „Schickt sie mir. Vielleicht
haben sie zu meinem Handwerk mehr Lust als zu dem Euern.“
Der Töpfer folgte diesem Rate; aber
seine faulen Söhne sträubten sich auch gegen den Unterricht, den sie beim
Schuster und ebenso bei einem Sattler, einem Schneider, einem Schlosser, einem
Glaser nehmen sollten, zu denen sie nach und nach in die Lehre kamen. Sie
hielten es nirgends aus; sie blieben dabei: "Wir wollen keinen anderen
Beruf ergreifen, als einen, zu dem man nichts zu lernen braucht."
Endlich sagte der Vater in seiner
Verzweiflung: „Auf dem Dorfe finde ich nimmermehr, was ihnen paßt, ich will
mich in der Stadt umsehen.“
Er ging mit seinen beiden Söhnen und
kam bald darauf allein zurück.
„Habt Ihr sie untergebracht?“
fragten die Nachbarn, und er antwortete: „Ja wohl.“ – „Und in welcher Art? Was
ist das für ein Beruf, zu dem man nichts zu lernen braucht? Doch wenigstens
einer, der Euch ein großes Anlagekapital wird gekostet haben?“
„Je nun,“ erwiderte der Töpfer, „meinem
Peter habe ich Papier, Federn und Tinte kaufen, und meinem Paul einen schwarzen
Anzug machen lassen müssen. Der Peter ist nämlich Schriftsteller, und der Paul
Landtagsabgeordneter geworden.“