ETIKA

KURZBOTSCHAFTEN

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12.12.1999 – 28.2.2007

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Löwe - Wolf - Panther

P. Januarius Grewe O.F.M.

Ist es doch in gewissen Kreisen schon so weit gekommen, daß religiöse Gesinnung für Geistesschwäche angesehen, daß die Reinheit des Wandels als Torheit verlacht wird. Die Welt sendet ihre Diener aus, um durch Wort und Schrift in der schamlosesten Weise Glauben und Sitten zu rauben.

Auf die Jugend hat die arge Welt es besonders abgesehen, von der richtigen Überzeugung geleitet: Wer die Jugend hat, hat die Zukunft.

Diese Gefahren unserer modernen Jugend, besonders unserer heutigen Gymnasiasten, finden wir meisterhaft vorgebildet, bezw. geschildert in Dantes Göttlicher Komödie. Es ist dem Dichter, als befinde er sich mitten im finstern, düstern Urwald. Und während er sucht, um Richtung und Weg zu finden, stellen sich ihm hindernd und drohend 3 Tiere entgegen, ein Löwe, ein Wolf, ein Panther.

Damit, sage ich, hat der florentinische Dichter das Bild eines modernen Studenten gezeichnet. Dunkel ist es in seinem Herzen. Gebet, Kirchenbesuch, Sakramentsempfang, das alles ist ihm zuwider. Dunkel wird´s auch schon in seinem Kopfe. Das Glaubenslicht droht zu erlöschen, höchstens schimmert´s noch herüber von den Bergen der Kindheit.

Und während er so in des Lebens Irr- und Wirrnissen sich und sein Seelenheil gefährdet, dringen noch diese drei wilden Tiere auf ihn ein.

1.    Es ist der Löwe des Stolzes, der ihn abhalten will, seine Irrtümer einzugestehen.

2.    Es ist der raubgierige Wolf der Augenlust, der ihn aufhält, daß er doch der weltlichen Lust nicht wieder entrinne.

3.    Es ist der bunt gefleckte Panther der Fleischeslust, der seine Krallen in des Jünglings Brust geschlagen, daß der Arme sich der schaurigen Umarmung nicht wieder entwinden kann.

Wo ist da jene hl. Schar von Jünglingen, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, diesen Seelengefahren mutig und geschlossen entgegen zu treten?

Marienkind! So viele deiner Altersgenossen stehen da in der Welt, ohne Rat, ohne Schutz, wehrlos dem Bösen preisgegeben. Kein Wunder, daß so mancher Jüngling dem Strudel des Verderbens zum Opfer fällt und elend zugrunde geht.

Glücklicher Sodale, der du in der marianischen Kongregation so mächtigen Schutz findest gegen die Sünde! "In dieser Kongregation", sagt der hl. Alphons von Liguori, "findet man unter 20 Mitgliedern weniger Fehler, als bei einem einzigen, der nicht Mitglied derselben ist."

Darum laß dir doch nichts vorreden von dem "Gefängnisse" der Kongregation, von dem Zwange der "Vorschriften"! War denn die Arche für Noe ein Gefängnis? Sind die Flügel für den Vogel eine Last? Raubst du einer Rebe die Freiheit, wenn du sie aus dem Staube erhebst und aufrecht bindest?

Mache die Anwendung, lieber Freund! Die Kongregation bringt dir Rettung vor der Sündflut der bösen Welt. Die Einschränkung und Gebundenheit bewahrt dich vor dem Sündenstaub, der durch die falsche, auf das Irdische gerichtete Freiheit sich leicht ansetzt. Treue also gegen die Statuten! Treue vor allem gegen die oberste Leiterin und Heerführerin, die seligste Jungfrau Maria!

P. Januarius Grewe O.F.M., Dalheim, Rhld., in: Unsere Fahne, Sodalen Korrespondenz für Studierende, IV. Jahrgang, 2. Heft, 1. Dezember 1913, S. 39 - 41. Verlag: Wien IX/4, Lustkandlg. 41. Herausgegeben von der Zentralstelle für Mar. Kongregationen, redigiert von Albert M. Boegle S. J. Wien, IX/4, Canisiusgasse 16.

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