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3.6.1999 – 22228.2.2007

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Wie vom Blitz getroffen - Universitäts-Professor trennt sich auf der Stelle von seiner Geliebten

PRO VERITATE

Eine glückliche Ehe

Als Akademiker hatten sie vor Gott den Bund fürs Leben am Traualtar besiegelt. Zwei Kinder wurden ihnen geschenkt. Der Mann hatte sich durch Fleiss und Tüchtigkeit zum Höhepunkt seiner Laufbahn emporgearbeitet. Er wurde als anerkannter Fachmann auf den Lehrstuhl für Architektur an die Universität Parma berufen.

Die Familie lebte nach christlichen Grundsätzen. Sie besuchte gemeinsam den Sonntagsgottesdienst, wie es in katholischen Orten selbstverständlicher Brauch war. Die Kinder wuchsen heran. Nichts schien das Glück der gutsituierten Familie zu trüben.

Die Versuchung

Immer, wenn der Mensch alles erlangt hat, was ihn unabhängig von Not und Bedrängnis und Sorgen macht, lässt Gott die Prüfung durch den Versucher zu, damit der Mensch sich entscheide für den Weg der Tugend, der durch Gebet, Opfer und Verzicht zum Himmel führt - oder den breiten Weg gegen Gottes Gebote.

Dem Professor wurde seine erfolgreiche Karriere zum Verhängnis. Er hatte ob seiner vielseitigen, anerkannten Beschäftigung in finanziell gesicherter Lage keine Zeit mehr für das Gebet. Da er alles hatte, hatte er Gott nicht mehr nötig. So meinte er es wenigstens und entäusserte sich des Schutzschildes eines täglichen Aufblicks zu gott.

Umso mehr aber erwachte in ihm das Verlangen nach sinnlichen Vergnügungen. Es ging ihm wie Dr. Faust, der in alle Wissenschaften eingedrungen, in Bergen von Büchern und Akten und Experimentierwinkeln seit Jahren eingefangen war. - Aufgespürt durch Mephisto (Satan in Menschengestalt) verlässt er seine muffige Studierstube und folgt seinem Verführer in alle Vergnügungen und Niederungen dieser Welt, wie es Goethe in seinem Hauptwerk beschreibt.

Der Fall

So schweiften die Augen des Erfolgreichen nicht nur hin zu den attraktiven Schönen, sondern er selbst wurde umgarnt von Frauen, die durch ihre Annäherung Erfolg und Prestige für sich erstrebten. Mit weiblicher List gelang es der einen, den Professor für sich zu gewinnen, indes er wohl meinte, er hätte sie erobert.

Natürlich geschah alles in grösster Diskretion und heimlich. Unter keinen Umständen sollte es zur Kenntnis seiner Frau oder gar an die Öffentlichkeit gelangen.

Nach aussen liessen sie sich nichts anmerken. Sie spielten ein doppeltes Spiel: Sie wurde seine Geliebte und gab sich offenbar jede erdenkliche Mühe, das vorerst geheim zu halten. Ihm aber wurde die eigene Familie zur Last.

Die betrogene Gattin

Immer bedrückter verfolgte die betrogene Gattin den Wandel ihres Mannes. Immer mehr entschuldigte er sich, wegen unaufschiebbaren Projekten erst sehr spät, oder selbst erst nach erforderlichen Reisen nach Hause zurückkehren zu können.

Den Gottesdienst besuchte er nicht mehr, denn einmal musste er doch ausschlafen und sich von den grossen Anstrengungen des Berufes erholen. Sie lebten nebeneinander und schienen sich doch in unendliche Fernen gerückt, als ob sie einander nichts mehr angehen würden.

Mit jener fraulichen Feinfühligkeit wusste sie, dass der Mann sie betrügt. Eine Welt brach für sie zusammen. Sie wusste aber auch beim Charakter ihres Mannes, dass er sie verlassen würde, wenn sie rebellieren würde. In unsagbarem Schmerz suchte sie ihre Hilfe im Gebet und schöpfte immer wieder Kraft bei Maria, der Schmerzensreichen, und hielt durch.

Die unerwartete Wende

Das Ringen um die Seeles des Mannes währte nicht Monate, sondern Jahre. Die Not der Gattin war unbeschreiblich. Aber sie hielt aus, betete und schwieg, obschon der Himmel für ihr Flehen verschlossen schien. Eines Sonntags begleitete sie der Mann, der seit Jahren keine Kirche mehr betrat, zu einem Ausflug nach Montichiari bei Brescia. Etwa drei Kilometer ausserhalb der Stadt kannte die Frau hinter einem abgelegenenen Bauerngehöft bei einem kleinen Wäldchen das kleine Kapellchen Fontanelle mit der Statue der "Rosa mystica", der "geheimnisvollen Rose", wie Maria angerufen wird. Arrogant und spöttisch entsprach der Professor der Bitte seiner Frau und betrat mit ihr die Kapelle.

Wie vom Blitz getroffen

Da, wie vom Blitz getroffen wird der Professor vor den Augen seiner Frau starr und schneeweiss, fängt dann an zu zittern und von einer Wand zur andern wie ein Wahnsinniger hin- und herzurennen. Dann sinkt er in die Knie und heult wie ein Kind. Erst nach einer Zeitspanne verlässt er, gefolgt von der Gattin, schweigend die Kapelle zum Auto. Ohne essen und trinken schliesst er sich drei Tage und Nächte in sein Zimmer. Dann verlässt er das Haus, trennt sich auf der Stelle von seiner Geliebten und legt eine ganz gründliche Lebensbeichte ab und eröffnet sich seiner Gattin mit der zuversichtlichen Hoffnung, dass Gott ihm verzeiht, und bittet sie um Vergebung für das unermessliche Leid, das er ihr angetan.

Er sah die Hölle

Was der Professor in furchtbar entsetzlichen Momenten erlebte, bekannte er nach seiner Bekehrung vor der gesamten Studenten- und Professorenschaft seiner Universität: "Die grosse Muttergottesstatue wurde vor mir lebendig. In unsäglicher Trauer stand Maria in Tränen vor mir. Dann hat sie mir die Hölle gezeigt, mein Gefängnis mit der nie mehr endenden Qual und Verzweiflung. Es ist der Ort, der für mich bestimmt ist, wenn ich nicht umkehre. Ich war ob des Anblicks völlig verzweifelt! Dann aber schaute sie mich mit so mütterlicher Liebe an, dass ich Vertrauen fasste auf die unendliche Barmherzigkeit Gottes und eine lebendige Reue mich erfüllte..."

So hat das jahrelange, scheinbar fruchtlose Gebet der frommen Gattin durch Gottes Gnade die Bekehrung erwirkt.

(Dies geschah vor rund 30 Jahren. Das betreffende Ehepaar erzählte es dem deutschen Pater Laux.)

Wer daher umkehrt, solange noch Zeit ist, wird Gnade finden.

PRO VERITATE
Bonaventur Meyer
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