ETIKA

GEDICHTE

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8.8.1999

38LP12

E. Geibel
Rühret nicht daran

 

Wo still ein Herz von Liebe glüht,
o rühret, rühret nicht daran;
den Gottesfunken löscht nicht aus -
fürwahr, es ist nicht wohlgetan!

Wenn´s irgend auf dem Erdenrund
ein unentweihtes Plätzchen gibt,
so ist´s ein junges Menschenherz,
das fromm zum ersten Male liebt.

O gönnet ihm den Frühlingstraum,
in dem´s voll ros´ger Blüten steht:
ihr wißt nicht, welch ein Paradies
mit diesem Traum verloren geht.

Es brach schon manch ein starkes Herz,
da man sein Lieben ihm entriß;
und manches duldend wandte sich
und ward voll Haß und Finsternis.

Wie manches, das sich blutend schloß,
schrie laut nach Lust in seiner Not
und warf sich in den Staub der Welt;
der schöne Gott in ihm war tot.

Dann weint ihr wohl und klagt euch an,
doch keiner Träne heiße Reu
macht eine welke Rose blühn,
erweckt ein totes Herz aufs neu.

Ehespruch

Das ist die rechte Ehe,
wo zweie sind gemeint,
durch alles Glück und Wehe
zu pilgern treu vereint;
der eine Stab des andern
und liebe Last zugleich,
gemeinsam Rast und Wandern
und Ziel das Himmelreich.

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