ETIKA

HEIMAT

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19.9.2002

40HE8

Materialien zum Begriff Heimat

 

1.    Wie läßt sich "Heimat" am besten beschreiben? Vielleicht durch ihren Gegensatz, "die Fremde". Auf diese Weise näherte sich zumindest Max Siller, Germanistikprofessor an der Universität Insbruck, dem Wort an beim Festvortrag anläßlich der 90-Jahr-Feier des Meraner Heimatschutzvereins. Die Wurzeln des Wortes reichen weit zurück. Und dennoch: Der Begriff selbst taucht erst spät - etwa um 1000. n. Chr. - in Texten auf. Kannten die Menschen zuvor also keine Heimatgefühle? Durchaus. "Das Empfinden gab es zu allen Zeiten, es wurde nur anders ausgedrückt." (Siller) Wie stark es war, zeigte sich jedoch meist erst im Phänomen "Heimweh", also weit weg von zu Hause. "Erst die Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen; aus dem Blickwinkel der Ferne füllt sie sich mit Wärme und Sonne." (Siller)
In einem Streifzug durch die mittelalterliche Dichtung gab er Beispiele (etwa aus dem Nibelungenlied oder in Gedichten Walthers von der Vogelweide) dieser längst vergangenen Wehklagen, um danach auch die Kehrseite der Medaille zu zeigen: eine zu eng empfundene Heimat. Als Beispiel diente hier der Weltenbummler Oswald von Wolkenstein, den sein einsames Hauenstein (Anm.: bei Seis in Südtirol) buchstäblich krank vor Langeweile und Einsamkeit machte.
Sillers Fazit: "Die Menschen und nicht die Natur machen ein Land heimisch." Merans Bürgermeister Franz Alber definierte die Heimat als Gebiet, "wo der Mensch lebt, arbeitet und das verdient, was er zum Leben braucht" - eine Definition, die immer wieder zu Konflikten mit den Heimatpflegern führe.
("Dolomiten", Bozen, 12.10.1998, S. 10, Meran, ih)

2.    "Heimat darf nie zur Fremde werden". Beim ersten Heimatfernentreffen in Percha konnten sowohl Besucher aus Adelaide in Australien als auch aus Kenia begrüßt werden. Pfarrer Viktor Plaikner meinte in seiner Predigt, daß es vor allem der Glaube sei, der dem Menschen Heimat bieten könne, egal wo er sich aufhalte. Vizebürgermeister Josef Urthaler meinte, es sei sicher gut, wenn auch die Fremde zur Heimat werde, doch die Heimat dürfe nie zur Fremde werden. Pfarrgemeinderatspräsident Johann Passler trug Gedanken zum Begriff "Heimat" vor, die bewußt machten, daß es nicht große philosophische Gedankengänge sind, die Heimat fühl- und vermittelbar machen, sondern die einfachen Dinge des Lebens. (Dolomiten", Bozen, 12.10.1998, S. 13)

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