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Materialien zum Begriff Heimat |
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1. Wie läßt sich "Heimat" am besten
beschreiben? Vielleicht durch ihren Gegensatz, "die Fremde". Auf
diese Weise näherte sich zumindest Max Siller, Germanistikprofessor an der
Universität Insbruck, dem Wort an beim Festvortrag anläßlich der 90-Jahr-Feier
des Meraner Heimatschutzvereins. Die Wurzeln des Wortes reichen weit zurück.
Und dennoch: Der Begriff selbst taucht erst spät - etwa um 1000. n. Chr. -
in Texten auf. Kannten die Menschen zuvor also keine Heimatgefühle?
Durchaus. "Das Empfinden gab es zu allen Zeiten, es wurde nur anders
ausgedrückt." (Siller) Wie stark es war, zeigte sich jedoch meist erst im
Phänomen "Heimweh", also weit weg von zu Hause. "Erst die
Fremde lehrt uns, was wir an der Heimat besitzen; aus dem Blickwinkel der Ferne
füllt sie sich mit Wärme und Sonne." (Siller)
In einem Streifzug durch die mittelalterliche Dichtung gab er Beispiele (etwa
aus dem Nibelungenlied oder in Gedichten Walthers von der Vogelweide)
dieser längst vergangenen Wehklagen, um danach auch die Kehrseite der Medaille
zu zeigen: eine zu eng empfundene Heimat. Als Beispiel diente hier der Weltenbummler
Oswald von Wolkenstein, den sein einsames Hauenstein (Anm.: bei Seis in
Südtirol) buchstäblich krank vor Langeweile und Einsamkeit machte.
Sillers Fazit: "Die Menschen und nicht die Natur machen ein Land
heimisch." Merans Bürgermeister Franz Alber definierte die Heimat als
Gebiet, "wo der Mensch lebt, arbeitet und das verdient, was er zum
Leben braucht" - eine Definition, die immer wieder zu Konflikten mit
den Heimatpflegern führe. ("Dolomiten", Bozen, 12.10.1998, S. 10,
Meran, ih)
2. "Heimat darf nie zur Fremde werden". Beim ersten Heimatfernentreffen in Percha
konnten sowohl Besucher aus Adelaide in Australien als auch aus Kenia begrüßt
werden. Pfarrer Viktor Plaikner meinte in seiner Predigt, daß es vor allem
der Glaube sei, der dem Menschen Heimat bieten könne, egal wo er sich aufhalte.
Vizebürgermeister Josef Urthaler meinte, es sei sicher gut, wenn auch die
Fremde zur Heimat werde, doch die Heimat dürfe nie zur Fremde werden.
Pfarrgemeinderatspräsident Johann Passler trug Gedanken zum Begriff
"Heimat" vor, die bewußt machten, daß es nicht große philosophische
Gedankengänge sind, die Heimat fühl- und vermittelbar machen, sondern die
einfachen Dinge des Lebens. (Dolomiten", Bozen, 12.10.1998, S. 13)