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Heimat

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40LA4

Der Verrat an den Bauern

18.7.2009

Was haben die Bauern von den schönen Reden der Politiker?

Es gibt in Südtirol arme Bauern, die ein geringeres Einkommen haben als Arbeitslose, Hilfsarbeiter oder Pensionisten. Sie könnten sich besser durchschlagen, wenn es für sie ein eigenes Vertriebsnetz gäbe, damit sie zum Beispiel Erzeugnisse aus ihren Gärten verkaufen könnten. Abnehmer: Privatverbraucher, Lebensmittelgeschäfte, Bio-Läden, Restaurants usw. Wichtig: Es muß unbürokratisch zugehen. Können nicht auch in Rußland Frauen an den Straßen Kohlköpfe anbieten?

Vor nicht langer Zeit konnte man die Überschrift lesen: „EU wertet Bergbauern auf“? Diese Schlagzeile in den „Dolomiten“ vom 1.4.2009 muß ein Aprilscherz gewesen sein. Wir Zeitgenossen hören jede Woche im Radio in der Landwirtschaftssendung und in den Nachrichten, wie schön die Politiker daherreden und was sie alles planen, um den Bergbauern bei der bevorstehenden EU-Abschaffung der Milchquotenregelung das Überleben zu sichern. Doch wer selber denkt und Sympathien für die Bauern hat, fragt sich:

·       Wieso haben eigentlich die Landesregierung und die EU zusammen mit dem Bauernbund und den Genossenschaften nicht schon längst ein solches landesweites Vertriebsnetz aufgebaut, das auch dem kleinsten und fernsten Bauern die Abnahme selbst kleiner Mengen von Bio-Produkten ermöglicht und gleichzeitig die Gastronomie und die Konsumenten mit lokalen und regionalen Erzeugnissen beliefert?

Den Aufbau eines solchen Netzes kann man doch nicht von einzelnen Bauern verlangen, dazu braucht es Fachwissen, Technik, Finanzmittel. Wozu zahlt denn der Bürger Steuern, wenn nicht für solche strukturellen Maßnahmen, die nur eine öffentliche Verwaltung in Angriff nehmen kann? Wo sind denn die ganzen Steuergelder für den Sektor Landwirtschaft geblieben? Und wozu eine Europäische Akademie, wozu ein Museum für moderne Kunst in Bozen? Kann man nicht dieses Geld den Bauern geben? Sind die EU-Fördergelder richtig angelegt worden für eine nachhaltige, zukunftsträchtige Entwicklung? Braucht es wieder den Rechnungshof, der die Verantwortlichen für die Verschwendung von Steuergeldern privat haftbar macht? Nun, letzteres waren bisher Einzelfälle, und man kann nicht darauf seine Hoffnung setzen.

Die Frage ist auch, ob die Politiker mit dem richtigen Weitblick gewählt worden sind. Uns klingt noch der Satz in den Ohren: „Die Bio-Landwirtschaft wird immer ein Nischenprodukt bleiben“ (oder so ähnlich). Von Leuten mit solchen Vorurteilen kann man natürlich nicht erwarten, daß sie zum Beispiel in Südtirol ein Vertriebsnetz organisieren, das bis nach Reschen, Proveis und Rabenstein, bis Gfrill und Fennberg und bis Winnebach reicht.

Seit einem halben Jahrhundert beobachten wir den Niedergang der Landwirtschaft in Europa. Er hat mit der Gründung der Europäischen Gemeinschaft eingesetzt. Nicht die Bauern, sondern kapitalistische Lobbies haben sich durchgesetzt, wie dies ein Blick in längst vergilbte Zeitungen zeigen soll.

Wir könnten einen umfassenden Bericht über den Niedergang des Bauernstandes seit Errichtung der Europäischen Gemeinschaft (EG) und Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) vorlegen. Aber was würde es nützen? Wie bei den religiösen und politischen Themen werfen wir nun schon mehr als ein Jahrzehnt im Internet Perlen vor die Säue, denn niemand und nichts ändert sich. Also belassen wir es bei einer willkürlichen Auswahl von Pressemeldungen, um wenigstens ein paar Leute aufzuschrecken und den Bauern zu sagen, daß sie zur Selbstversorgung übergehen und sich bei ihren Verbandsvertretern um die lokale und regionale Vermarktung ihrer Produkte bemühen sollen. Nachstehend chronologisch Landwirtschafts-Streiflichter aus vier Jahrzehnten zum Meditieren:

Großalarm für die Bauern. Jetzt wird die EWG lebensgefährlich. Mansholt will die bäuerlichen Familienbetriebe beseitigen: Kollektivierung im Westen. (Deutsche Gemeinschaft, Herausgeber August Haußleiter, München, 4.11.1967)

Mansholt: Totengräber der deutschen Bauern. Das Bauerntum soll zerschlagen werden. (Deutsche Wochen-Zeitung, Hannover, 28.2.1969)

Millionen deutsche Bauern „müssen verschwinden“ – Sicco Mansholts teuflischer Plan. Entwurzelung „ideales Ziel“. (Deutscher Anzeiger, München, 15.3.1969. Natürlich werden nun irgendwelche Spitzel der neuen Weltdiktatur hergehen und sagen: Das ist eine rechtsradikale Zeitung, womit die stets bewährte Anti-Nazi-Keule geschwungen werden kann, um unliebsame Kritiker mundtot zu machen. Da wir aber keine Neonazis sind, sondern als gerecht Denkende darauf hinweisen, daß damals eben nationale Kreise sich am entschiedensten gegen die schleichende Vernichtung des Bauernstandes gewehrt haben – während die für das Bauernsterben verantwortlichen etablierten Parteien noch heute regieren dank der undemokratischen 5-Prozent-Klausel -, lassen uns der Geifer und Haß der multikulturellen Propagandisten kalt. Sie wollen ja nur ablenken von den heutigen Verbrechern der Weltherrscher und haben längst ihre Seelen dem Teufel verkauft.)

Die heutige Agrarproduktion – ein gefährlicher Irrweg? Hat sich die Menschheit vergiftet? (Deutsche Gemeinschaft 47/1969)

August Haußleiter rechnet mit Mansholt und seinen Hintermännern ab. Haußleiter rief die Bauern zur Selbsthilfe, zur Verteidigung ihrer Höfe und ihrer Dörfer auf: Sie müssen sich gemeinsam wehren, um nicht einzeln geschlachtet zu werden. Sie müssen ihre Feinde erkennen: Als ihren Hauptfeind das internationale Großkapital, das aus den Bauern eine „industrielle Reserve-Armee“ bilden will, um dann auch die Arbeiterlöhne drücken zu können. „Der Bauerntod von heute ist die Arbeiternot von morgen!“ Haußleiter rief die Bauern dazu auf, sich die natürlichen Bundesgenossen zu suchen, die sich heute ihnen anbieten: Arbeiter und Bauern und Mittelständler müssen heute sich gemeinsam gegen ihre Ausbeutung durch das internationale Großkapital wehren. (Deutsche Gemeinschaft, Die Unabhängigen, Februar oder März 1970, Titel: Bauerntag in Hemau)

Der Überkapitalismus der Brüssel beherrschenden Großkonzerne droht Bauernaufstände auszulösen. … die Bauernschlächter des „Gemeinsamen Agrarmarktes“. (Deutsche Gemeinschaft 65/1970)

„Bauern, lernt von Al Fatah!“ Kampfentschlossene Landwirte Schleswig-Holsteins rücken auf Hamburg vor. (Abendzeitung, München, 3.11.1970)

Stuttgart erlebte die größte Bauerndemonstration nach dem Krieg. Mehr als 18 000 Bauern mit Spruchbändern, schwarzen Fahnen und Dreschflegeln protestierten für „Mehr Gerechtigkeit für die Landwirtschaft“ und höhere Agrarpreise. Bauernverbands-Vizepräsident Dobler: „Unruhe, Verbitterung und Existenzangst charakterisieren die Stimmung in der Landwirtschaft!“ Das bekam auch Bundeskanzler Willy Brandt zu spüren … in Flensburg … mit Pfuirufen empfangen, eine Bierflasche zerschellte über ihm an der Wand des Tagungsgebäudes. (Abendzeitung, München, 25.1.1971)

Blutige Bauern-Schlacht mit Knüppel und Steinen. Ein Toter bei Demonstrationen in Brüssel. Morddrohungen. Nach der Demonstration gibt EWG-Kommission nach. (tz, München, 25.3.1971)

Auf den Boulevards ein Kampf zwischen Stadt und Land. Ein Taifun des Bauernzorns verwüstet die Innenstadt. (Stuttgarter Zeitung, 25.3.1971, Die Dritte Seite. Von Thomas Löffelholz, Brüssel)

Bauernkriege ohne Sensen. … Es ist Zeit, … sich einmal zerschundene Bauernhände anzusehen, die 365 Tage im Jahr trotz Maschinen und Elektronik dem Boden und dem Tier die Urprodukte abringen. Eine angemessene Erzeugermilchpreiserhöhung tut not. Ebenso wichtig ist es aber, endlich jenen Abertausenden Bergbauern wirksamer zu helfen, die noch immer zäh an Hof und Boden kleben. (Osttiroler Bote, 1.4.1971)

Wenn vor 70 und mehr Jahren noch wesentliche Zeichen der äußeren Landeskultur, vor allem das Musikanten- und Schützenwesen, das Volkslied und das Volksspiel, das Brauchtum und die Wohnkultur am Lande vorwiegend von unseren bäuerlich-ländlichen Menschen getragen und gepflegt wurde, so hat es der unentwegte Strukturwandel, aber auch das zunehmende Verständnis zwischen Stadt und Land mit sich gebracht, daß heute praktisch das gesamte Tiroler Volk diese ideellen Werte mitträgt und mitpflegt. (Bundesobmann LH. Eduard Wallnöfer: Die geistigen Werte des Tiroler Bauernbundes. Tiroler Bauern-Zeitung, 68. Jahrgang, 30.5.1974)

100 Bergbauern zahlungsunfähig? Überschuldung und Einkommensverlust. Soforthilfe nötig. Bauernbunddirektor Dr. Berthold Pohl (Anmerkung: Wir wanderten einst mit ihm steil hinauf zum Obisellsee, bevor er allzu früh den Seinen entrissen wurde): Soforthilfe nötig. (Dolomiten, 3.6.1981) Höfe vor dem „Hammer“ retten. Acht Mooser Bergbauern droht Versteigerung. Sechs Kinder u. 150 Mio. Schulden. (ebenda)

Der Bedrohung unserer Heimat entgegenwirken. (Der aus dem Vinschgau stammende Innsbrucker Geographie-) Univ.-Prof. Dr. Franz Fliri vor der Bauernjugend: Mein erster Rat heißt: selber denken. Mein zweiter Rat: sich bilden und weiterbilden. Mein dritter Rat: wachsam sein. Die Zahl der Bauern ist klein geworden. Viele reden mit sachlichem Unverstand über Landwirtschaft, Dorf und Heimat. In manchen Ländern ist der freie Bauer abgeschafft worden, weil die Politiker einer falschen Theorie folgten. Diese Theoretiker gibt es auch bei uns. Heimat ist nicht nur etwas, in das man hineingeboren wird. Heimat ist ein Vorgang, der sich mit der jungen Familie immer wiederholt. Ihr seid verantwortlich. Sorgt also zuerst für gesunde Familien, dann wird das Dorf auch für eure Kinder noch eine Heimat sein. (Dolomiten, 10.3.1982)

Für Äpfel nur den halben Preis. Überproduktion hemmt Absatz / Im ganzen EU-Raum bietet sich das gleiche Bild. (Dolomiten 17.9.1982 le)

Zahlreiche Höfe stark verschuldet. Land soll 249 Krisenbetrieben bei Umschuldung von über 15 Milliarden Lire helfen. (Dolomiten 12.5.1982 le)

… es sei erlaubt, ihnen (akademischen Neubauern, die mit riesigen Planierungsmaschinen – vermutlich mit Hilfe von EG-Geldern – die alte Flur von K. einebnen) das in Erinnerung zu rufen, was der große Norweger Knut Hamsun in seinem Hymnus des Bauerntums, im „Segen der Erde“ einmal schreibt; es heißt da: „Wir können sehr viel lernen und studieren, und wir können es auch zu weiß Gott was bringen. Aber zum Bauern zurückstudieren, das kann keiner.“ (Dolomiten, vermutlich 8.5.1984 oder 1994, X = Pseudonym für Chefredakteur Dr. Josef Rampold)

(Durch die EU-Agrarpolitik) werden die Bauern gezwungen, ihr Einkommen vor allem durch größere Mengen zu verdienen… Die Folge davon ist eine ständige Steigerung der Hektarerträge durch Großeinsatz von Düngemitteln, Herbiziden und Pestiziden, durch einen verstärkten Einsatz von Maschinen und Energie auf dem Feld und im Stall und durch die Tendenz zur Monokultur, sei es im Obst- wie im Ackerbau usw. Die Folge ist auch, daß der Bauer um jeden Quadratmeter kämpft; daß er Sträucher und Bäume sogar an den Grundstücksgrenzen entfernt … oder daß er illegal hektarweise Bannwälder rodet. … Eine Folge ist auch, daß der „Talbauer“ die Beziehung zur Natur weitgehend verloren hat. Die Natur ist reiner Wirtschaftsfaktor geworden. Die bäuerlichen Klein- und Mittelbetriebe werden durch Großbetriebe verdrängt, die sich für die Mechanisierung und Chemisierung der Landwirtschaft und damit für die Mengenexpansion besser eignen. … Die EU-Agrarpolitik hat sich mit ihren Subventionierungsmaßnahmen in einen Teufelskreis hineingeschoben, der eine immer stärkere Budgetbelastung mit sich bringt. Der Schutz der Landwirtschaft wird bald unfinanzierbar. (Dolomiten, 10.2.1984, Dr. Florin Florineth (später Universitätsprofessor in Wien, seinerzeit durften wir als in Proveis ansässige Südtiroler Umweltschutz-Aktionsgruppe mit ihm und anderen in Bozen die Gründung des Dachverbandes für Natur- und Umweltschutz vorbereiten), Verweis auf Prof. Nutzingers Buch „Arbeit ohne Umweltzerstörung – Strategien einer neuen Wirtschaftspolitik)

„Großbauernlobby in Brüssel zu stark“. Interview mit dem Südtiroler Landesrat für Landwirtschaft Dr. Luis Durnwalder. Frage von Rainer Lechner: Nachdem die EG nun lange genug auf die Dezimierung der Kleinbetriebe zugunsten der Massenviehhaltungsbetriebe hingearbeitet hat – glauben Sie, daß die EG in Zukunft Höfen mit wenig Land und Vieh eine Chance zum Überleben lassen, sprich kleinbäuerlichen Familien insbesondere aus der Berglandwirtschaft ein Einkommen ermöglichen wird, von dem sie leben können und das man mit den Einkommen anderer Berufsgruppen vergleichen kann? Durnwalder: Bereits heute verfügen die kleineren Betriebe und die Bergbauern über kein mit anderen Berufskategorien vergleichbares Einkommen. … In Südtirol verfügt jeder Bauer über einen Neben- oder Zuerwerb. (Anmerkung 2009: Wir hören wohl nicht richtig. War und ist das wahr??? Welche …) Die EG … fördert die flächenunabhängigen Großbetriebe. Dies ist eine große Gefahr für unsere Familienbetriebe. Gerade diese … Industriebetriebe mit Tausenden von Tieren erzeugen die Überproduktion und belasten die Umwelt, weil sie die Abfälle nicht verwenden können. Außerdem belasten sie auch die Außenhandelsbilanz der verschiedenen EG-Staaten, weil sie ja den größten Teil der Futtermittel aus Übersee importieren müssen. Würden diese industriellen Großbetriebe die Förderungsmittel der EG nicht mehr beanspruchen können, so würde die Überproduktion wohl wesentlich zurückgehen. Aber leider verfügt diese Großbauernlobby in Brüssel über so starke Verbindungen, daß dagegen nicht aufzukommen ist. Frage: Was tun in dieser Lage? Durnwalder: Wir haben immer verlangt, daß bei der Förderung und Marktstützung ein Verhältnis zwischen Fläche und Menge hergestellt werden muß und daß jeder Bauer bei der Kontingentierung ein Mindestkontingent, was dem Lebensminimum entspricht, erhalten muß. Nur so können wir die kleineren und mittleren Familienbetriebe erhalten. Außerdem wird es auch in Zukunft notwendig sein, daß für die von Natur aus benachteiligten Gebiete Ausgleichszahlungen für die Reduzierung der hohen Produktionskosten bezahlt werden. (Dolomiten 31.1.1985 le)

Weltagrarproduktion reicht für 10 Milliarden Menschen. Dies entspricht dem Doppelten der derzeitigen Weltbevölkerung … der Träger des Welternährungspreises 1988, Robert Chandler. (Dolomiten 21. oder 11.6.1988)

„Bauern rettet man anders“. Gegen die Darstellung von LH Luis Durnwalder als „Retter der Bergbauernhöfe“ (in ORF-Sendung) wehrt sich der Landtagsabgeordnete Alfons Benedikter. Benedikter ruft mehrere Punkte in Erinnerung, die Durnwalder seiner Ansicht nach als Gefahr für die Bergbauern entlarven. So habe der Landtag unter LH Durnwalder im Jahr 1993 einen Gesetzesartikel verabschiedet, mit dem alle unterirdischen Gewässer und damit alle Quellen enteignet worden wären – was die Bergbauern „in ihrer Existenz gefährdet“ hätte. Nur durch seine, Benedikters, Intervention in Rom sei der Artikel in Rom rückverwiesen worden. „Gegen meinen Widerstand“ sei weiters im September 1995 beschlossen worden, daß Berghöfe angekauft und aufgeforstet werden sollen, wenn deren Erschließung gleichviel oder mehr kostet, als der Hof wert ist. …Das neue Urbanistikgesetz trage sein Übriges dazu bei, das verbliebene landwirtschaftliche Grün weiter zu zersiedeln. Die bäuerliche Bevölkerung sei von 62.366 im Jahr 1951 auf 20.927 im Jahr 1991 zurückgegangen. Daß Rom die Zersiedelung des landwirtschaftlichen Grüns  „trotz Verfassungswidrigkeit“ genehmige, sei klar: „Nicht nur 1809, sondern noch 1946 war der Bauernstand die Seele des Verlangens nach Selbstbestimmung“, so Benedikter (Anmerkung: früherer Landeshauptmannstellvertreter). (Dolomiten 22.8.1997)

Die jüngste Entwicklung klammern wir lieber aus, um einen Verleumdungsprozeß zu vermeiden; damit haben wir in Meran schlechte Erfahrungen gemacht.

Ergo: Die Bauern sind jahrzehntelang für dumm verkauft worden. Wir wollen gewiß keinen neuen Bauernkrieg, denn der letzte war ungerecht und grausam (wir denken auch an die auf Befehl des bauernfeindlichen Fürstbischofs von Würzburg gebrochenen Hände des begnadeten Holzschnitzers Tilman Riemenschneider – vergleiche die Aussage des honduranischen Priesters Padre Andres Tamayo: „Le gerarchie cattoliche schierati con i potenti. ... Le gerarchie stanno sempre da quella parte. Parlano di pace e fratellanza, mai di giustizia sociale.“ Corriere della Sera 7.7.2009). Aber wenn die Landesregierung, die Staatsregierung und die EU nicht endlich das Notwendige für das Überleben der Bergbauern unternehmen, wird das ganze Land den Schaden haben, um nur Erosion und Naturkatastrophen zu nennen. Es muß endlich eine Alternative zur Viehhaltung ins Auge gefaßt werden: Gemüse-, Obst- und Getreideanbau, wo es geht. Und ganz wesentlich: Die EU-Bürokratie erstickt die Bauern. Wer schafft sie ab?

Zur Ermahnung und Ermutigung abschließend drei Wortmeldungen von Reimmichl, Franz Hauser, einem Kurtatscher Bauern, sowie der von uns hoch verehrten Jodlerin Maria Sulzer. Zunächst die drei Grundsätze aus der Rede des geistlichen Schriftstellers Reimmichls bei der Gründung des Tiroler Bauernbundes, abgedruckt in einer Sonderbeilage der Tageszeitung „Dolomiten“ im Juni 2004:

1.   „Das erste ist, daß wir zusammenhalten im ganzen Land …

2.   Das zweite: Nicht bloß Selbstvertrauen müssen wir haben; wir müssen auch nach oben blicken, nicht bloß nach Wien, sondern auch zum Herrgott. Die Religion ist das Fundament auch für das wirtschaftliche Leben, für das zeitliche Gedeihen. Einen Bauern ohne Religion kann ich mir nicht vorstellen, einen Tiroler Bauern schon gar nicht. Wir müssen zum Herrgott halten, auf ihn sind wir angewiesen. – Der Bauernstand soll die christliche Bauernordnung fördern und heben.

3.   Das dritte ist: zum Bauernstand halten, bei demselben aushalten! Viele fliehen vor demselben, weil es ein beschwerlicher Stand ist oder, weil sie sich desselben schämen. Der Bauernstand ist ein nobler, edler Stand, der edelste Stand von allen; er ist der älteste Stand; sein Adel ist aus dem Paradies. „Als Adam pflügte und Eva spann, wo war denn da der Edelmann?“ Darum aushalten beim Bauernstand, wenn es auch oft schlecht geht, aushalten mit aller Kraft. Also: zum Herrgott halten, zum Bauernstand halten, zusammenhalten wie Mark und Eisen!“ Soweit Reimmichl.

Franz Hauser: Verlieren wir nicht unser Gesicht!
Wir leben in einer Zeit des Zusammenwachsens der europäischen Völker. Vieles daran ist angenehm und nützlich, manches allerdings macht uns Vertrautes unverständlich: Mit den Grenzen geht nicht nur das Trennende, sondern auch das Besondere, das die Landschaften und ihre Bewohner unverwechselbar gemacht hat. Erst schwindet Charakteristisches, dann der Charakter. Die Traditionen und das Brauchtum sind in Gefahr, im Dienst des Tourismus verspektakelt und einer oft kritiklosen Verherrlichung der Vernunft geopfert zu werden. Mehr und mehr zu einem regionalen Kuriosum kommen sie herunter, belächelt, verachtet. Das Wissen um die Tradition … sagt uns, wer wir sind. Deshalb sind die Überlieferungen der Alten so wichtig, aber sie sind auch sehr zerbrechlich. … Behandeln wir unsere Geschichte sorgfältig! Wenn nämlich erst einmal alles überall gleich aussieht, haben wir nicht nur unser Gesicht verloren, sondern auch unser Zuhause.
(Franz Hauser: Die Welt der Väter. Tappeiner Verlag, Lana, 1994, S. 102)

Maria Sulzer:
Zommholtn und auf Gott vertraudn,
und auf die Zukunft baudn“,
des hot schun der olte „Reimmichl“ gsogg
und bis heint olm nou Gültigkeit ghobb.
Und sou werd´s in Bauernstond olm und ewig gebn,
dem Wort getreu „Londwirtschoft isch Lebn!“
A dreifochs Hoach dem Bauernstond,
und inserm schian Tiroulerlond!
(Maria Sulzer, Lana, Gedicht in den Dolomiten 10.6.2004, 100 Johr Tirouler Bauernbund)

Vergleiche: Bauern, werdet Selbstversorger!

Umkehr und Gebet gegen gezielte Vernichtung von Vieh und Existenzen

(Abgeschlossen beim Anhören der wunderbaren Rundfunksendung von Roland Walcher-Silbernagele, „A Tanzl, a Weis“, RAI Sender Bozen, Montag, 6.7.2009, 18–19 h. Unter anderem hörte man das seltene „Spingeser Schlachtlied“ aus der Zeit von Katharina Lanz, die die Franzosen besiegte. Hoch Tirol! R. L., Passeier)

P.S. 9.7.2009 auf dem Weg zum Kolbenspitz (2868 m)

Unser Zorn verdoppelt sich, weil niemand in der Landesverwaltung unseren Vorschlag ernst nimmt, Bauern die unbürokratische Möglichkeit zu bieten, Wanderwege auszubessern, Stufen zu schlagen in gefährlichen Felsabschnitten, Steine wegzuräumen, unnötige Auf- und Abstiege auszumerzen durch Höhennivellierung usw. Dabei sind viele Wanderwege in einem desolaten Zustand und viele Strecken schlecht trassiert – nicht nur der Weg auf den Kolbenspitz mit seinen Löchern und Steinen ohne Zahl.

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