ETIKA

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23.6.2001

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Barmherzigkeit

Handbuch des einfachen Lebens, Kap. 99

Auszug aus dem Handbuch des einfachen Lebens, 248 Seiten. Das Buch ist gegen eine freiwillige Spende zu beziehen.

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„Christentum ist Geben. Gott liebte die Welt so sehr, dass er seinen Sohn hingab. Er gab seinen Sohn, der Mensch wurde wie du und ich, außer der Sünde. Er gab ihn Maria zum Weitergeben an andere. Bevor Jesus starb, gab er sich selbst in der Gestalt von Brot. Er wollte, dass auch wir das Weitergeben lernen und dass uns seine Liebe verständlich wird. Daher machte er sich zum Hungrigen, Kranken, Nackten, Obdach- und Heimatlosen und sagte: Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.

v Auch heute liebt Gott die Welt. Er sendet dich und mich aus, um zu beweisen, dass er die Welt liebt, dass er noch Mitleid mit der Welt hat. Wir müssen seine Liebe sein, sein Mitgefühl in der Welt von heute.

Aber um lieben zu können, müssen wir Glauben haben, denn tätiger Glaube ist Liebe, tätige Liebe Dienen. Um lieben zu können, müssen wir sehen und fühlen können. Wir, die wir Jesus kennen, ihn lieben, ihm gehören, müssen so lieben, wie er uns geliebt hat. Er gab sich uns hin. So müssen auch wir einander lieben, indem wir uns an andere verschenken. Die Hingabe geht bis zum Wehtun.“ (Mutter Teresa, 15.8.1976 und 10.6.1977)

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„Sehr oft haben wir die Armen in unserem Hause und wissen es nicht. Wir glauben, dass hungrig sein nur mit Tod zu tun hat. Noch viel bitterer ist der Hunger nach Liebe. Einsamkeit verbreitet sich immer mehr im Westen. Die große Armut ist das Nichtgewolltsein.“ (Mutter Teresa, Deutsche Tagespost, 19.9.1978)

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„Ich sehe Christus in jedem Menschen, den ich anrühre, denn er hat gesagt: ,Ich war hungrig, ich war durstig, ich war nackt, ich war krank, ich habe gelitten, ich war heimatlos, und du hast mich aufgenommen...´ So einfach ist das. Jedesmal, wenn ich ein Stück Brot gebe, gebe ich es ihm.“ (Mutter Teresa in Doig 169)

Die „Missionarinnen der Nächstenliebe“ müssen uns allen Vorbild sein. „Unsere Schwestern kümmern sich um die Ärmsten der Armen: die Krüppel, die Blinden, die Geisteskranken. Wir haben die Heime für die Kranken und Sterbenden. In den 25 Jahren (in Kalkutta) haben wir über 36 000 Menschen von den Straßen aufgelesen, und über 16 000 starben bei uns.“ (Mutter Teresa, 1977)

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„Man wartet nicht, bis man helfen kann. Der wahre Christ begibt sich auf die Suche nach Hilfsbedürftigen.“ (hl. Anastasia, Glöckner 55). Wir sollen ein „Detektivbüro der Nächstenliebe sein, weil wir versteckte Armut und Elend genug im Untergrund haben.“ (Bischof Stecher, 24.3.1984)

"Kümmere dich vor allem um die Kinder, die Alten und Kranken." (Don Bosco)

„Das wollte Er lehren: handreichen, helfen, aufrichten. Manches schwache Ding wäre vor dem Falle bewahrt worden, hätte es eine gute Hand neben sich gespürt.“ (F. Simmerle, 512. Vinzenzbrief)

„Schafft euch ein Nebenamt, ein unscheinbares, womöglich ein geheimes Nebenamt! Tut die Augen auf und suchet, wo ein Mensch ein bisschen Zeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Fürsorge braucht. Vielleicht ist es ein Einsamer, ein Verbitterter, ein Kranker, ein Ungeschickter, dem du etwas sein kannst. Vielleicht ist´s ein Greis, vielleicht ein Kind. Wer kann die Verwendungen alle aufzählen, die das kostbare Betriebskapital, Mensch genannt, haben kann! An ihm fehlt es an allen Ecken und Enden. Darum suche, ob sich nicht eine Anlage für dein Menschentum finde. Laß dich nicht abschrecken, wenn du warten oder experimentieren musst. Auch auf Enttäuschungen sei gefaßt.“ (Albert Schweitzer)

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"Wo du bist, soll, so viel an dir ist, Erlösung sein, Erlösung vom Elend..., wie sie nur der wissende Mensch bringen kann.
Das Wenige, das du tun kannst, ist viel - wenn du nur irgendwo Schmerz und Weh und Angst von einem Wesen nimmst, sei es Mensch, sei es irgendeine Kreatur."
(Albert Schweitzer)

Wir wollen nicht resignieren, sondern das Leben bejahen in der Überzeugung, dass das Gute siegt.

Barmherzigkeit auch mit den Tieren!

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EHRFURCHT VOR DEM LEBEN ALLER GESCHÖPFE
“Ethisch ist der Mensch nur, wenn ihm das Leben als solches, das der Pflanze und des Tieres wie das des Menschen, heilig ist und er sich dem Leben, das in Not ist, helfend hingibt.“ Albert Schweitzer bezeichnet Ethik weiter als „ins Grenzenlose erweiterte Verantwortung gegen alles, was lebt“.

Manfred Kyber: „Die Menschen glauben meist, zwischen ihnen und den Tieren sei ein Abgrund. Es ist nur eine Stufe im Rade des Lebens. Denn alle sind wir Kinder einer Einheit. Um die Natur zu erkennen, muß man ihre Geschöpfe verstehen. Um ein Geschöpf zu verstehen, muß man in ihm den Bruder sehen.“

Daß Tiere ein Recht auf Leben haben, solange ihre Existenz den Menschen nicht bedroht, bekräftigte auch die Vatikanzeitschrift L´Osservatore della Domenica“. Begründung: Tiere haben ihren Platz in der göttlichen Vorsehung. (Stuttgarter Zeitung 15.1.1977)

Albert Schweitzer wusste, „dass ein jedes Wesen ein Geheimnis ist, wie unser eigenes Sein“. Ein Tier „kennt das Sehnen nach Glück“, „kennt die Angst, nicht mehr zu leben“ (18.11.19959). Also ist unser Nächster nicht nur der Mensch. Unsere Nächsten sind alle Geschöpfe. „Wenn ich über das Leben nachdenke, empfinde ich die Verpflichtung, jeglichen Willen zum Leben in meiner Umwelt dem meinen gleichzuachten.“ (Albert Schweitzer)

Man kann den Begriff Nächster noch genauer definieren. Gandhi hat es in christlichem Geiste getan: „Je hilfloser ein Geschöpf ist, umso mehr Anspruch hat es, vom Menschen vor der Grausamkeit des Menschen beschützt zu werden.“ Autobiographie 216)

Leider haben die Amtskirchen anscheinend vergessen, dass die Tierliebe im Christentum eine lange Tradition hat. Ein apokryphes Jesuswort aus der koptischen Bibel lautet:

„Mensch, was schlägst du das Tier! Wehe euch, die ihr nicht hört, wie es zum Schöpfer im Himmel klagt und um Erbarmen schreit. Dreimal wehe aber dem, über welchen es in seinem Schmerz schreit und klagt! Schlage es niemals mehr, damit auch du Erbarmen findest.“

Von Isaak von Ninive wird berichtet, dass er auch für Tiere, die leiden mussten, betete; dasselbe tat die Mystikerin Gertrud die Große. Franziskus von Assisi litt sehr, wenn Tiere getötet werden sollten. Wie er sich gegenüber der Kreatur verhielt, liest man in den „Blümlein“ (Fioretti). So kaufte er ein Lamm, das zum Metzger geführt wurde. Er stiftete auch Frieden unter den Tieren, indem er z. B. den Wolf von Gubbio zähmte. Übrigens verfluchte er ein Schwein, das ein Lamm gefressen hatte. In neuerer Zeit wollte Theresia von Konnersreuth den Grundsatz des Heilandes „Was du dem geringsten meiner Brüder getan“ auch auf unsere jüngeren Brüder erstreckt wissen.

Die Sorge vieler Menschen angesichts des rätselhaften Schweigens der Verfasser des Neuen Testaments (laut Teutsch ist es zu erklären mit der Erwartung der Apostel, die endzeit stehe kurz bevor) kommt in einem Vierzeiler Peter Roseggers zum Ausdruck:

„Wie mögen wir halten die Zehn Gebot:
Du sollst nicht töten!
Du sollst nicht stehlen!
Wenn uns nicht mahnet ein elftes Gebot:
Du sollst kein lebendes Wesen quälen!“

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TIERE NICHT QUÄLEN!

Tiere dürfen in keinem Fall gequält werden. Was die Vivisektion betrifft, so fordert Schweitzer, dass dort, wo Tierversuche durchgeführt werden, mit Narkose gearbeitet wird. Dies muß die Mindestforderung aller Christen und Tierfreunde werden: dass alle Tiere während der Versuche ebenso wie beim Schlachten betäubt sind und dass sie dann einen schmerzlosen und augenblicklichen Tod bekommen. So rasch wie möglich muß die Vivisektion ganz abgeschafft werden, und zwar in Forschung und Lehre (das unnötige, grausame Zerschneiden von Fröschen durch angehende Mediziner) genauso wie in der Industrie (erst Ende Mai 2001 beschlossen die 15 EU-Staaten, dass die Kosmetikindustrie weitere Tierversuche durchführen darf) und in der Rüstung. Aktionsprogramme gegen Tierquälereien enthalten die Schriften von F. G. Aymara: Die Ethische Revolution und J. Mora: Manifiesto a favor de los animales.

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TIERE NICHT TÖTEN!

Unserer Meinung nach geht es in erster Linie darum, dass den Tieren Leiden erspart bleiben. Wir stecken aber in einem großen Dilemma, wie Albert Schweitzer ausführte:

„Wir befinden uns den Kreaturen gegenüber unaufhörlich in Situationen, die uns dazu zwingen, Leiden zu verursachen und Leben zu beeinträchtigen. Es ist an uns, zu urteilen, wann wir in der unvermeidlichen Lage sind, Leiden zu verursachen und zu töten und uns damit abzufinden, aus Zwang schuldig zu werden.“ (20.10.1952)

Viele Tierfreunde reagieren in dieser Hinsicht unvernünftig, was auch Gandhi (von religiösen Fanatikern) zu spüren bekam: „Wenn er erlaubte, dass der Arzt ein krankes Kalb mit einer Spritze schmerzlos von seinen Leiden erlöste, bekam er eine Menge wütender Protestschreiben. Er blieb dabei, recht gehandelt zu haben“ (Fischer 123, Anmerkung: Leider verfügen wir derzeit nicht über die vor Jahrzehnten beim Verfassen des Handbuchs verwendeten Bücher, so dass wir oft nicht korrekt zitieren können.)

In Schweitzer entstand „die unerschütterliche Überzeugung, dass wir Tod und Leid über ein anderes Wesen nur bringen dürfen, wenn eine unentrinnbare Notwendigkeit dafür vorliegt, und dass wir alle das Grausige empfinden müssen, das darin liegt, dass wir aus Gedankenlosigkeit leiden machen und töten.“ Der ethische Mensch „reißt kein Blatt vom Baum ab, bricht keine Blumen und hat acht, dass er kein Insekt zertritt“. (Albert Schweitzer)

Grundsatz also: „Wo ich irgendwelches Leben schädige, muß ich mir darüber klar sein, ob es wirklich notwendig ist.“ (Albert Schweitzer)

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DEN TIEREN HELFEN.

Wir sollen nicht nur, so gut wir es vermögen, die Zerstörung des kleinsten Lebewesens vermeiden, sondern auch versuchen, es zu retten (Mahatma Gandhi, Autobiographie 309).

Wir bitten die Leser, den Appell der Liga des hl. Franziskus, verfasst von Monsignore Ermenegildo Fusaro, ebenso wie die Texte der betreffenden Übungen am Schluß weiter zu verbreiten:

Ø Kinder, achtet die Pflanzen und Tiere!

Ø Jugendliche, betrachtet die Natur und studiert ihre Wunder!

Ø Lehrer, erzieht zur Liebe zu allen Geschöpfen!

Ø Eltern, lehrt die Kinder die Achtung vor den Tieren!

Ø Pfarrer und Ordensleute, predigt die Nächstenliebe auch gegenüber den Tieren als Geschöpfen Gottes!

Ø Metzger, tötet ohne zu quälen!

Ø Bauern, haltet das Vieh gut!

Ø Jäger, seid nicht grausam!

Ø Vivisezierer, Schluß mit den Greueltaten!

Ø Behörden, achtet auf Einhaltung der Gesetze!

Ø Alle Christen, anständige Menschen, zivilisierte Völker, verteidigt die wunderbaren Güter der Natur und seid Botschafter des Guten gegenüber allen Brüdern und gegenüber all den lieben Tieren!

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DAS ÄNGSTLICHE HARREN DER KREATUR AUF DIE OFFENBARUNG DER KINDER GOTTES

Friedrich von Schlegels Gedicht und die Bibel:

„Denn die ganze Schöpfung wartet sehnsüchtig auf das Offenbarwerden der Söhne Gottes. Die Schöpfung ist der Vergänglichkeit unterworfen, nicht aus eigenem Willen, sondern durch den, der sie unterworfen hat; aber zugleich gab er ihr Hoffnung: Auch die Schöpfung soll von der Sklaverei und Verlorenheit befreit werden zur Freiheit und Herrlichkeit der Kinder Gottes. Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.“ (Römer 8, 19-22).


Übungen

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