ETIKA

Tugenden

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41B3

Die falsche Barmherzigkeit

11.10.2013

Die echte Barmherzigkeit

Papst Franziskus findet weltweit Anerkennung als Prophet der Barmherzigkeit. Predigt er aber die christliche Barmherzigkeit, die im Einklang steht mit der göttlichen Gerechtigkeit, oder eine Barmherzigkeit des Laisser-faire?

„Offene Arme für Alle“

„Oberstes Gesetz der Kirche ist das Heil der Seelen“ (salus animarum). Darauf hat sogar der Papstbewunderer Vittorio Messori hingewiesen. Aber gleichzeitig hat er dazu aufgerufen, dem neuen Pontifex

„mit Achtung und kindlicher Liebe zu gehorchen“, und zwar „mit offenen Armen für Alle, in Erinnerung an die Barmherzigkeit des Gottes Jesu, dessen Beruf es sei, den Kindern, ohne Ausnahme, zu verzeihen, auch den „verlorenen Söhnen“, und sie anzunehmen“. (Corriere della Sera, 8.10.2013, Le parole di papa Francesco che turbano i cattolici). Messori wörtlich: „le braccia aperte a tutti, ricordando la misericordia del Dio di Gesù, il cui mestiere è perdonare e accogliere i figli, senza eccezione, anche quelli ´prodighi´.

Dies ist die neue Welle. Kein Wunder, dass man auch im Katholischen Sonntagsblatt der Diözese Bozen-Brixen (Ausgabe vom 13.10.2013) von den „offenen Armen“ liest, aber auf recht zynische Weise. Der Autor Bernhard Hülsebusch gibt Bergoglios Ansicht wie folgt wieder:

„Wenn Nonnen aufhören, ,mit dem Herzen Mütter zu sein“ und alle Menschen ohne Einschränkung zu umarmen, dann würden sie schließlich leider ,zitelle´(alte Jungfern).“

Entsprechende Papst-Zitate veröffentlichen wir am Schluss, um die Leser nicht zu langweilen. Hier unsere Stellungnahme:

Die wahre Barmherzigkeit

Wir wiederholen: Oberstes Gebot der Kirche ist das Heil der Seelen. Dem hat sich alles unterzuordnen, auch die Barmherzigkeit hat diesem Ziel zu dienen.

Die wahre, evangelische Barmherzigkeit ist das Gegenteil des modernistischen Allerlösungs-Irrweges. Sie hat Mitleid mit dem Sünder, aber ruft ihn zur Buße und zur Besserung, ja zu einem radikalen Wandel seines Lebens auf.

Die echte Barmherzigkeit ist streng und verletzt nicht die Tugenden.

So ist es selbstverständlich, dass der hl. Franziskus von Assisi „das Heil der Seelen predigte und durch heilsame Ermahnungen viele zum wahren Frieden führte, die vorher von Christus getrennt und darum dem Heile fern waren“. (Bonaventura: Das große Franziskusleben, III, 2, in: P. DDr. Sophronius Clasen OFM: Franziskus – Engel des sechsten Siegels. Sein Leben nach den Schriften des heiligen Bonaventura. Dietrich-Coelde-Verlag Werl, 1962, S. 270)

„Geht“, so sprach der gütige Vater zu seinen Söhnen, „verkündet den Menschen den Frieden und predigt Buße zur Vergebung der Sünden!“ (aaO, III 7,  S. 273; Mk 1,4; Lk 3,3)

Franziskus beherzigte das Wort des Apostels Paulus an die Galater 5,24:

„Die aber Christus angehören, haben ihr Fleisch mitsamt den Leidenschaften und Gelüsten ans Kreuz geschlagen!“ (aaO V 1, S. 289)

Die wahre Barmherzigkeit vergibt

1.   nur dem reuigen Sünder und

2.   nach Christi Exempel „denen, die nicht wissen, was sie tun“ (Lukas 23,34)

Sie vergibt nicht jenen, die in der Sünde verharren und ihren Leidenschaften frönen, denn von ihnen heißt es in der Offenbarung 22,11:

Wer Böses tut, der tue weiterhin Böses, und wer unrein ist, der sei weiterhin unrein.

Diese werden das Reich Gottes nicht erben (Off 22,15).

Sie sind das Mitleid nicht wert. Ihnen gelten alle Drohungen Jesu und der ganzen Bibel. Denn sowohl der freigesprochenen Ehebrecherin als auch dem geheilten Gelähmten schärfte der Messias ein: Sündige hinfort nicht mehr!

Desgleichen der hl. Franziskus. Er vergab Brüdern, die gefehlt hatten, prophezeite ihnen aber Tod und ewiges Verderben, falls sie in ihre Sünde zurückfielen (Beispiele in unserer Franziskus-Chronik von 1603/04; dies müsste auch Papst Franziskus tun). Und Manchen vergab er überhaupt nicht, sondern verfluchte sie. So wie unserer Ansicht nach Jesus auch den Kinderschändern nicht vergibt. Und denen, die den heiligen Geist lästern, vergibt er ebenfalls nicht laut Neuem Testament (Markus 3,29).

Das Mitleid mit den Opfern der Gewalt und der Bösen ist die wahre Barmherzigkeit. Wer Gott und die Menschen liebt, schützt die Schwachen und verhindert, dass die Bösen in ihren Greueltaten fortfahren können. Man denke an Serienmörder, Mädchenhändler, Erpresser, Wucherer, Ausbeuter, Kinderschänder, Vergewaltiger, Tyrannen und dergleichen. Deshalb das ETIKA-Konzept von der dauerhaften Verbannung gemeingefährlicher Mitmenschen in Isolationszonen.

Der barmherzige Christ bewahrt seine Nächsten vor dem Abfall von Gott, warnt sie vor der Sünde, weil er Angst um sie hat, dass sie bald in der Hölle schmoren, wenn sie nicht rechtzeitig umkehren. Deshalb die vielen Ermahnungen der Heiligen, um nur Franziskus und die hl. Teresa von Avila zu erwähnen, an alle Menschen. Man lese den Brief des Franziskus an die Gläubigen.

Und man meditiere über das mysteriöse Vorgehen des Apostels Paulus, über das er in seinem ersten Brief an die Korinther berichtet (die Luther-Bibel bringt die Geschichte unter dem Zwischentitel „Ausschluß der Unzüchtigen aus der Gemeinde“):

1 Kor 5,3 Ich aber … habe beschlossen über den, der solches getan hat …, 4 wenn ihr in dem Namen unseres Herrn Jesus versammelt seid und mein Geist samt der Kraft unseres Herrn Jesus bei euch ist, 5 soll dieser Mensch dem Satan übergeben werden zum Verderben des Fleisches, damit der Geist gerettet werde am Tage des Herrn.“

Den Nichtgläubigen einreden, sie würden auf jeden Fall gerettet, wenn sie nur ihrem Gewissen folgen, ist ein verhängnisvoller Fehler. Denn diese sehen dann ja keinen Anlass, ihr Leben zu ändern und sich Christus mit allen Konsequenzen anzuschließen. Der Papst bestärkt sie so in ihrem Unglauben, obwohl in ihnen die Furcht nagt, sie könnten nach dem Tod mit dem Allerschlimmsten konfrontiert werden. Selbst die intellektuellsten unter den Atheisten befällt von Zeit zu Zeit eine innere Unruhe, ihre Weltanschauung könnte vielleicht doch nicht die richtige sein, wie aus Ezio Mauros Frage hervorgeht: „Wer keinen Glauben hat, wird dem am Ende der Zeiten vergeben?“ („… chi non ha fede sarà perdonato alla fine die tempi?“, la Repubblica, 10.10.2013, S. 57) Dazu die Antwort des Jesuiten J. Galot in einem Gebet: „Offenbare ihnen in deiner Person die Wahrheit, der sie anhangen müssen.“

Wer eine falsche Barmherzigkeit predigt, sorgt dafür, dass sich das Böse immer mehr ausbreitet und ungezählte Seelen verloren gehen. Sie drängen sich dann in einer bestimmten Bulge der Hölle, wie der spanische Dichter Francisco de Quevedo anschaulich berichtet (in „Los Sueños“, auch in dem Kapitel „Die Gott-ist-barmherzig“ in dem Roman von Rainer Lechner: Jedem nach seinen Taten, 1913).

Bergoglio wird sich in dem Gestrüpp, das er anlegt, selbst verfangen und sich damit früher oder später selbst widerlegen. Denn seine „grenzenlose“ Barmherzigkeit steht seinem Wunsch nach Einheit unter seiner Führung entgegen, und er wird Jene, die sich ihm nicht unterwerfen, bekriegen und ausschließen. Er stolpert wohl bald über seine eigenen Worte: Jesus selbst wolle nämlich keine Macht über andere ausüben, sondern nur dienen und ihnen Freiheit und Fülle des Lebens geben. So Ezio Mauro in einem Kommentar der „Repubblica“ vom 10.10.2013, S. 57, in dem er als Grund für den Dialog Bergoglios mit Scalfari angibt: „Perché l´autorità di Gesù non vuole esercitare un potere sugli altri, ma vuole servirli, dice il Papa, e dare loro libertà e pienezza di vita.“ Wenn Jesus keinen Zwang ausüben will, dann darf es sein „Stellvertreter“ Bergoglio auch nicht.

Bergoglio-Zitate

Als Anhang ein paar entlarvende Zitate von Papst Franziskus:

„… gebe es ohne Barmherzigkeit im Herzen und die Freude über die Vergebung anderer keine Gemeinschaft mit Gott“. Der Teufel sei schlau und lasse uns glauben, wir könnten mit menschlicher Gerechtigkeit uns selber und die Welt retten.“ (Angelus: Barmherzigkeit ist kein ,Gutmenschentum´, Radio Vatikan, radiovaticana.va, 15.9.2013)

Kommentar: Damit will der neue Papst den Christen weismachen, sie müssten allen Leuten immerzu vergeben und auf jede menschliche Gerechtigkeit verzichten. Den Bösen würden damit Tür und Tor geöffnet.

Jesus braucht kein Militär, keine Armee, um die bösen Geister zu vertreiben, er braucht keinen Hochmut, keine Kraft des Stolzes. Was ist das für ein Wort, mit dem er die anderen, unreinen Geister besiegt, so dass sie fliehen? Es ist ein barmherziges, mildes Wort mit sehr viel Liebe …“ (Morgenmesse im vatikanischen Gästehaus Santa Marta, 3.9.2013, laut Radio Vatikan, radiovaticana.va)

Totaler Unsinn. Wozu hat dann Johannes seine Offenbarung niedergeschrieben? Wieso muss der hl. Erzengel Michael mit seiner himmlischen Streitmacht kommen, um den Antichrist und sein Gefolge in den Abgrund zu schleudern?

Der Papst: Gott verzeiht immer. (Schlagzeile in der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz „L´Avvenire“, 11.6.2013, Il Papa: Dio perdona siempre. Ci ama como una madre.)

Damit wird offiziell genau der Eindruck erweckt, den Bergoglio mit seiner vorsichtigeren Formulierung bezweckt: „Se gli mostriamo le nostre ferite interiori, i nostri peccati, Egli sempre ci perdona. È pura misericordia!“ Gott verzeiht immer Allen. Die ketzerische Allerlösungslehre.

Wäre Gott nur Liebe
und nicht auch Gerechtigkeit, wäre es sinnlos, Maria, die Heiligen und die Engel um ihre Fürsprache zu bitten oder den Rosenkranz zu beten,
ja überhaupt wären fast alle Gebete überflüssig; und Jeder könnte Böses tun, und Alles würde allen Sündern und Frevlern automatisch verziehen.

Apostel der letzten Zeiten AIHS, Wache der Barmherzigkeit, 10.10.2013, hl. Gereon, www.etika.com

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