ETIKA

AUFGABEN

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14.4.2001

41L3

Nächstenliebe

Handbuch des einfachen Lebens, Kap. 35

41L3A

"Jene Barmherzigkeit, die ich für mich (von Gott) will, habe ich erst den anderen zu schenken." (Katharina von Siena B 3)

41L3B

Christen lieben ihren Nächsten, erstens weil Gott es verlangt, zweitens weil er von Gott geschaffen und dadurch ihr Bruder ist, darüberhinaus lieben sie (laut Katharina von Siena) den Tugendhaften aus Liebe zu der in ihm wohnenden Tugend und den Ungerechten und Sünder, "damit er sich vom Laster scheide und zur Tugend gelange". (B 104)

41L3C

"Wo Leben sich entfalten und zu seiner Fülle gelangen soll, da muß eines sich für das andere opfern. Ohne das Selbstopfer der Natur können wir Menschen nicht leben, und ohne das gleiche Opfer können auch die Menschen nicht leben: Einer muß sich für den andern hingeben, je nach Fähigkeit und Notwendigkeit." (R. Huch, "Stadt Gottes" 7/8 1980)

41L3D

Christus begegnet uns "im Nächsten, besonders im Notleidenden" (Sellemond: Das goldene ABC, 19). "Wer eine kleine Ahnung von der Drogenabhängigkeit, Süchtigkeit, Arbeitslosigkeit und Kriminalität hat, der weiß, daß der einzelne nie allein aus dem Teufelskreis der Abhängigkeit herauskommen kann. Er braucht eine Hilfe von außen." (P. Anton Beikircher, 480. Vinzenzbrief)
"Es gilt, die Armen von der Armut, die Reichen von ihrem Egoismus zu befreien" (Dom Helder Camara).
Das erste ist "die kleinen Nöte unserer Umgebung aufzuspüren, hellhörig zu werden..." (J. M. van Mulken SMM in "Mutter der Kirche" 2/1982)
Freilich ist Hilfe oft schwer, weil die Menschen sich und vor allem anderen die Not nicht eingestehen wollen. (503. Vinzenzbrief) Das entbindet uns aber nicht von unserer Verpflichtung.

"Man darf den Nächsten nicht leiden sehen, ohne mit ihm zu leiden." (Vinzenz von Paul)

41L3E

BUND DER LEIDENDEN. "Die, die an sich erfuhren, was Angst und körperliches Weh sind, gehören in der ganzen Welt zusammen. Ein geheimnisvolles Band verbindet sie. Miteinander kennen sie das Grausige, dem der Mensch unterworfen sein kann, und miteinander die Sehnsucht, vom Schmerze frei zu werden. Wer vom Schmerz erlöst wurde, darf nicht meinen, er sei nun wieder frei und könne unbefangen ins Leben zurücktreten, wie er vordem stand. Wissend geworden über Schmerz und Angst, muß er mithelfen, dem Schmerz und der Angst zu begegnen, soweit Menschenmacht etwas über sie vermag, und anderen Erlösung bringen, wie ihm Erlösung ward." (Albert Schweitzer)

"Schafft euch ein Nebenamt, ein unscheinbares, womöglich ein geheimes Nebenamt! Tut die Augen auf und suchet, wo ein Mensch ein bißchen Zeit, ein bißchen Teilnahme, ein bißchen Gesellschaft, ein bißchen Fürsorge braucht. Vielleicht ist es ein Einsamer, ein Verbitterter, ein Kranker, ein Ungeschickter, dem du etwas sein kannst. Vielleicht ist´s ein Greis, vielleicht ein Kind... Darum suche, ob sich nicht eine Anlage für dein Menschentum findet. Laß dich nicht abschrecken, wenn du warten oder experimentieren mußt. Auch auf Enttäuschungen sei gefaßt." (Albert Schweitzer)

41L3F

FEINDESLIEBE. Der frühere Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher "übersetzt" das Christuswort "Liebet eure Feinde" mit "Schenkt ihnen euer Wohlwollen!" Er erläutert dies wie folgt: "Ist dir ein Mensch widerlich, fühlst du dich zu ihm nicht gerade hingezogen, dann bemühe dich trotzdem, ihm wohlwollend zu begegnen... Vielleicht kann es sogar einmal passieren, daß sich die Liebe des Wohlwollens zur Liebe der Sympathie wandelt. Das kann sein, muß es aber nicht." (533. Vinzenzbrief)

41L3G

EHELICHE LIEBE. "Bei jeder christlichen Eheschließung unternimmt es Gott aufs neue, ein Paradies zu gründen." (P. Rudolf Haindl 517. Vinzenbrief)

Die eheliche Liebe ist "das Abbild der Liebe Christi zur Kirche". Glücklich wird man, "indem man sich selbstlos für andere verzehrt... Deshalb sind die treue Liebe und die unauflösliche Ehe der Ausdruck des göttlichen Willens... Je mehr man gibt, um so reicher wird die Liebe." (Franjo Kuharic, Erzbischof von Zagreb, im Fastenhirtenbrief von 1973)
"Die Rettung des Menschengeschlechtes fängt bei der Familie an, bei der Ehe, der Hochzeit." (Adolf Kolping)

41L3H

TIERLIEBE IST CHRISTENPFLICHT. (Volksbote, Bozen, 19.6.1980)

"Herr, vermehre in uns das Gefühl der Brüderlichkeit mit allen Lebewesen, unseren kleinen Brüdern." (hl. Basilius)

Viele Heilige liebten die Tiere so sehr, daß sie kein Fleisch aßen. "Franziskus von Assisi sah in der Schöpfung kein Hindernis für seine Liebe zum Schöpfer und fühlte sich deshalb frei, auch die Kreaturen zu lieben, und liebte sie, weil sie ihn zum Schöpfer führten; diese Liebe wurde erwidert, so daß es schien, als ob er wahrhaftig ins irdische Paradies zurückgekehrt sei." (P. Giambattista Montorsi: Francesco d´Assisi nei suoi scritti e nelle antiche biografie, Edizioni Paoline, 1974, p. 309) Auch wir sollen Achtung vor jeder Kreatur haben, weil sie Ausdruck der Liebe des Schöpfers ist." (Montorsi: 330)

Albert Schweitzer sagt: "Wir werden durch das in unserem Herzen und Denken enthaltene und von Jesus ausgesprochene Gebot der Liebe gezwungen, unserem natürlichen Mitempfinden geegen die Geschöpfe freien Lauf zu lassen und ihnen, soweit wir es nur immer können, Hilfe zu bringen und Leiden zu ersparen." (Philosophie und Tierschutzbewegung)

"Die fundamentale Tatsache des Bewußtseins des Menschen lautet: ,Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, da sleben will.´ Der denkend gewordene Mensch ... erlebt das andere Leben in dem seinen. Als gut gilt ihm Leben erhalten, Leben fördern, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Stand bringen. Als böse: Leben vernichten, Leben schädigen, entwickelbares Leben niederhalten." (Die Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben)

"Die Ethik zu allen Geschöpfen im einzelnen auszudenken: dies ist die schwere Aufgabe, die unserer Zeit gestellt ist." (Albert Schweitzer)

Auch "Jesus Christus liebt die Tiere" (P. Petrus Pavlicek), was bisher aber nur von wenigen Theologen (darunter Karl Barth) zur Kenntnis genommen worden ist.

Jede Existenz gleicht aber laut Schweitzer der unseren: "Sie hat Angst vor dem Vernichtetwerden, sie fühlt Schmerz. Sie sucht Wohlbefinden und Glück." (Ansprache am 6.11.1959)

41L3I

LIEBE ZUR NATUR. "Durch die Ehrfurcht vor dem Leben treten wir in geistige Verbindung mit der Welt." (Albert Schweitzer)

Franziskus von Assisi "lebt und lehrt nicht nur die Idee der Brüderlichkeit aller Geschöpfe, sondern gewinnt aus der Liebe zum Schöpfer auch zur nichtbelebten Schöpfung eine liebende Zuneigung." (G. M. Teutsch, 45. Rundbrief des Albert-Schweitzer-Freundeskreises)

"Die Natur ist ihrem Wesen nach Religion. Der Sternenhimmel ist ein Gebet und jede Landschaft eine Anrufung. Die Grillen sprechen zu uns genauso von Gott wie die Sterne... Das ganze Weltall wartet auf seine Wiedervereinigung mit Gott, aus dem es hervorging." (Ernesto Cardenal: "Das Buch von der Liebe")

Die Konsequenz? "Es gilt, einen Lebensstil zu entfalten, der die lebende Natur schont." (Martin Rock)

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