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41L3 |
Nächstenliebe |
Handbuch des einfachen Lebens, Kap. 35 |
41L3A
"Jene
Barmherzigkeit, die ich für mich (von Gott) will, habe ich erst den anderen zu
schenken." (Katharina von Siena B 3)
41L3B
Christen
lieben ihren Nächsten, erstens weil Gott es verlangt, zweitens weil er von Gott
geschaffen und dadurch ihr Bruder ist, darüberhinaus lieben sie (laut
Katharina von Siena) den Tugendhaften aus Liebe zu der in ihm wohnenden
Tugend und den Ungerechten und Sünder, "damit er sich vom Laster scheide
und zur Tugend gelange". (B 104)
41L3C
"Wo
Leben sich entfalten und zu seiner Fülle gelangen soll, da muß eines sich für
das andere opfern. Ohne das Selbstopfer der Natur können wir Menschen nicht
leben, und ohne das gleiche Opfer können auch die Menschen nicht leben: Einer
muß sich für den andern hingeben, je nach Fähigkeit und Notwendigkeit." (R. Huch,
"Stadt Gottes" 7/8 1980)
41L3D
Christus
begegnet uns "im Nächsten, besonders im Notleidenden" (Sellemond:
Das goldene ABC, 19). "Wer eine kleine Ahnung von der
Drogenabhängigkeit, Süchtigkeit, Arbeitslosigkeit und Kriminalität hat, der
weiß, daß der einzelne nie allein aus dem Teufelskreis der Abhängigkeit
herauskommen kann. Er braucht eine Hilfe von außen." (P. Anton
Beikircher, 480. Vinzenzbrief)
"Es gilt, die Armen von der Armut, die Reichen von ihrem Egoismus
zu befreien" (Dom Helder Camara).
Das erste ist "die kleinen Nöte unserer Umgebung aufzuspüren,
hellhörig zu werden..." (J. M. van Mulken SMM in "Mutter der
Kirche" 2/1982)
Freilich ist Hilfe oft schwer, weil die Menschen sich und vor allem
anderen die Not nicht eingestehen wollen. (503. Vinzenzbrief) Das
entbindet uns aber nicht von unserer Verpflichtung.
"Man
darf den Nächsten nicht leiden sehen, ohne mit ihm zu leiden." (Vinzenz
von Paul)
41L3E
BUND
DER LEIDENDEN. "Die, die an sich erfuhren, was Angst und
körperliches Weh sind, gehören in der ganzen Welt zusammen. Ein geheimnisvolles
Band verbindet sie. Miteinander kennen sie das Grausige, dem der Mensch
unterworfen sein kann, und miteinander die Sehnsucht, vom Schmerze frei zu
werden. Wer vom Schmerz erlöst wurde, darf nicht meinen, er sei nun wieder frei
und könne unbefangen ins Leben zurücktreten, wie er vordem stand. Wissend
geworden über Schmerz und Angst, muß er mithelfen, dem Schmerz und der Angst zu
begegnen, soweit Menschenmacht etwas über sie vermag, und anderen Erlösung
bringen, wie ihm Erlösung ward." (Albert Schweitzer)
"Schafft
euch ein Nebenamt, ein unscheinbares, womöglich ein geheimes Nebenamt!
Tut die Augen auf und suchet, wo ein Mensch ein bißchen Zeit, ein bißchen
Teilnahme, ein bißchen Gesellschaft, ein bißchen Fürsorge braucht. Vielleicht
ist es ein Einsamer, ein Verbitterter, ein Kranker, ein Ungeschickter, dem du
etwas sein kannst. Vielleicht ist´s ein Greis, vielleicht ein Kind... Darum
suche, ob sich nicht eine Anlage für dein Menschentum findet. Laß dich nicht
abschrecken, wenn du warten oder experimentieren mußt. Auch auf Enttäuschungen
sei gefaßt." (Albert Schweitzer)
41L3F
FEINDESLIEBE. Der
frühere Innsbrucker Bischof Reinhold Stecher "übersetzt" das
Christuswort "Liebet eure Feinde" mit "Schenkt ihnen euer
Wohlwollen!" Er erläutert dies wie folgt: "Ist dir ein Mensch
widerlich, fühlst du dich zu ihm nicht gerade hingezogen, dann bemühe dich
trotzdem, ihm wohlwollend zu begegnen... Vielleicht kann es sogar einmal
passieren, daß sich die Liebe des Wohlwollens zur Liebe der Sympathie wandelt.
Das kann sein, muß es aber nicht." (533. Vinzenzbrief)
41L3G
EHELICHE
LIEBE. "Bei jeder christlichen Eheschließung unternimmt es
Gott aufs neue, ein Paradies zu gründen." (P. Rudolf Haindl 517. Vinzenbrief)
Die
eheliche Liebe ist "das Abbild der Liebe Christi zur Kirche".
Glücklich wird man, "indem man sich selbstlos für andere verzehrt...
Deshalb sind die treue Liebe und die unauflösliche Ehe der Ausdruck des
göttlichen Willens... Je mehr man gibt, um so reicher wird die Liebe." (Franjo
Kuharic, Erzbischof von Zagreb, im Fastenhirtenbrief von 1973)
"Die Rettung des Menschengeschlechtes fängt bei der Familie an, bei
der Ehe, der Hochzeit." (Adolf Kolping)
41L3H
TIERLIEBE
IST CHRISTENPFLICHT. (Volksbote, Bozen, 19.6.1980)
"Herr,
vermehre in uns das Gefühl der Brüderlichkeit mit allen Lebewesen, unseren
kleinen Brüdern." (hl. Basilius)
Viele
Heilige liebten die Tiere so sehr, daß sie kein Fleisch aßen. "Franziskus
von Assisi sah in der Schöpfung kein Hindernis für seine Liebe zum Schöpfer und
fühlte sich deshalb frei, auch die Kreaturen zu lieben, und liebte sie, weil
sie ihn zum Schöpfer führten; diese Liebe wurde erwidert, so daß es schien, als
ob er wahrhaftig ins irdische Paradies zurückgekehrt sei." (P.
Giambattista Montorsi: Francesco d´Assisi nei suoi scritti e nelle antiche
biografie, Edizioni Paoline, 1974, p. 309) Auch wir sollen Achtung vor jeder
Kreatur haben, weil sie Ausdruck der Liebe des Schöpfers ist." (Montorsi:
330)
Albert
Schweitzer sagt: "Wir werden durch das in unserem Herzen und Denken
enthaltene und von Jesus ausgesprochene Gebot der Liebe gezwungen, unserem
natürlichen Mitempfinden geegen die Geschöpfe freien Lauf zu lassen und ihnen,
soweit wir es nur immer können, Hilfe zu bringen und Leiden zu ersparen." (Philosophie
und Tierschutzbewegung)
"Die
fundamentale Tatsache des Bewußtseins des Menschen lautet: ,Ich bin Leben, das
leben will, inmitten von Leben, da sleben will.´ Der denkend gewordene Mensch
... erlebt das andere Leben in dem seinen. Als gut gilt ihm Leben erhalten,
Leben fördern, entwickelbares Leben auf seinen höchsten Stand bringen. Als
böse: Leben vernichten, Leben schädigen, entwickelbares Leben
niederhalten." (Die Lehre von der Ehrfurcht vor dem Leben)
"Die
Ethik zu allen Geschöpfen im einzelnen auszudenken: dies ist die schwere
Aufgabe, die unserer Zeit gestellt ist." (Albert Schweitzer)
Auch
"Jesus Christus liebt die Tiere" (P. Petrus Pavlicek), was
bisher aber nur von wenigen Theologen (darunter Karl Barth) zur
Kenntnis genommen worden ist.
Jede
Existenz gleicht aber laut Schweitzer der unseren: "Sie hat Angst vor dem
Vernichtetwerden, sie fühlt Schmerz. Sie sucht Wohlbefinden und Glück." (Ansprache
am 6.11.1959)
41L3I
LIEBE
ZUR NATUR. "Durch die Ehrfurcht vor dem Leben treten wir in
geistige Verbindung mit der Welt." (Albert Schweitzer)
Franziskus
von Assisi "lebt und lehrt nicht nur die Idee der Brüderlichkeit aller
Geschöpfe, sondern gewinnt aus der Liebe zum Schöpfer auch zur nichtbelebten
Schöpfung eine liebende Zuneigung." (G. M. Teutsch, 45.
Rundbrief des Albert-Schweitzer-Freundeskreises)
"Die
Natur ist ihrem Wesen nach Religion. Der Sternenhimmel ist ein Gebet und jede
Landschaft eine Anrufung. Die Grillen sprechen zu uns genauso von Gott wie die
Sterne... Das ganze Weltall wartet auf seine Wiedervereinigung mit Gott, aus
dem es hervorging." (Ernesto Cardenal: "Das Buch von der
Liebe")
Die
Konsequenz? "Es gilt, einen Lebensstil zu entfalten, der die lebende Natur
schont." (Martin Rock)