ETIKA

AUFGABEN

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5.5.2002

41RA2

Rat und Lehre

Handbuch des einfachen Lebens, Kap. 53

41RA2A

Zu den geistigen Werken der Barmherzigkeit gehört es, die Sünder zurechtzuweisen, die Unwissenden zu lehren, den Zweifelnden recht zu raten und die Betrübten zu trösten. (Katholischer Katechismus) Womit? Mit dem Evangelium, mit dem, was in den Geboten und in der Lehre von den Sakramenten enthalten ist.

41RA2B

Da wir alle "Glieder und Kinder Gottes sind" und "in dem Leibe Christi niemand etwas ohne sein Haupt, Christus" vermag, "darum sollen alle Christenmenschen ihren höchsten Fleiß darauf verwenden, daß allein das Evangelium Christi überall gepredigt werde; denn im Glauben an dasselbe besteht unser Heil und im Unglauben unsere Verdammnis; denn alle Wahrheit ist klar in ihm." (Huldreich Zwingli) Und was wollen wir auch raten und lehren, wenn nicht die Wahrheit?

41RA2C

"Deine Kinder trugen Dein Lob über den Erdkreis, während die Philosophen nur wenigen predigten. Das Lob Deiner Freunde hat unzählige Menschen aus Sünde zu Tugend und zu Dir, ihrem wahren Glück, geführt, während die Philosophen weder die wahre Tugend noch das wahre Glück kannten. Die Du liebst, haben Deine unaussprechliche Güte gepredigt, die Du uns im Sohn Deiner Liebe offenbart hast, die den Philosophen verschlossen blieb. Daher hast du Dein Lob auch durch den Mund der Kinder und Säuglinge verkünden lassen." (Girolamo Savonarola, Meditation über den Psalm Miserere)

41RA2D

Wie man lehren und wie man nicht lehren soll. Franziskus von Assisi sagt: "Ich ermahne die Brüder, gut überlegte und anständige Worte bei der Predigt zu wählen, die zum Nutzen und zur Erbauung des Volkes dienen, wobei sie zu ihm von den Lastern und Tugenden, von den Qualen und der Herrlichkeit reden sollen; die Ansprachen sollen kurz sein, weil die Reden des Herrn auf Erden kurz waren." (Bullierte Regel, IX. Kapitel) Leider wird es nicht immer so gemacht.

41RA2E

Schon Teresa von Avila übte Kritik an jenen, "die ihre Vorträge so einrichten, daß sie niemand mißfallen", auch wenn sie "eine gute Absicht dabei haben". Auf diese Weise würden nur wenige gebessert, meinte die große Heilige, denn die Prediger seien nicht "von jenem großen Feuer der Liebe Gottes entzündet, wie die Apostel es waren, und darum gibt die Flamme ihrer Liebe so wenig Wärme" (Leben 17).

41RA2F

Weitere Hinweise. Sehr nützlich ist der Rat des Vinzenz von Paul: "Wenn einer gegen jemand eine Meinung vertritt, dann merkt dieser schon an der streitbaren Art, mit der man gegen ihn vorgeht, daß er erobert werden soll. So stellt er sich innerlich mehr auf Widerstand ein als auf das Erkennen der Wahrheit. Nur Güte und Freundlichkeit vermögen, sie (die Tür des Herzens) offenzuhalten." (Worte des Erbarmens, Herder Verlag Freiburg, 1980, 81)

41RA2G

Man hüte sich auch vor zu großer Vertraulichkeit in gewissen Dingen. So warnt Teresa von Avila: "Teile deine Versuchungen und Unvollkommenheiten nicht den am meisten Zurückgebliebenen ... mit, damit du nicht Schaden an dir und den anderen anrichtest, sondern sprich darüber nur mit den Vollkommensten." (Ermahnungen 67)

41RA2H

Franziskus von Assisi rät: Einer soll dem andern zuversichtlich seine Not offenbaren, damit dieser ausfindig mache, was notwendig ist, und ihm dies verschaffe.
(Quelle: Die Fragmente aus der Regelerklärung des Hugo von Digne, Fragm II, in: Die Schriften des heiligen Franziskus von Assisi. Dietrich-Coelde-Verlag Werl/Westfalen, 1984. Seite 64)

 


41RA2U

ÜBUNGEN

1.  Die Wahrheit jeweils in der angemessenen Form im Hinblick auf die gewünschte Wirkung sagen

2.  Güte, Geduld und Einfühlungsvermögen zeigen

3.  einfache Erklärungen geben

4.  gute Schriften weitergeben

5.  sich in Rat und Lehre stets an das Evangelium halten

Index 4