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41RA2 |
Rat und Lehre |
Handbuch des einfachen Lebens, Kap. 53 |
41RA2A
Zu
den geistigen Werken der Barmherzigkeit gehört es, die Sünder
zurechtzuweisen, die Unwissenden zu lehren, den Zweifelnden recht zu raten und
die Betrübten zu trösten. (Katholischer Katechismus) Womit? Mit
dem Evangelium, mit dem, was in den Geboten und in der Lehre von den
Sakramenten enthalten ist.
41RA2B
Da
wir alle "Glieder und Kinder Gottes sind" und "in dem Leibe
Christi niemand etwas ohne sein Haupt, Christus" vermag, "darum
sollen alle Christenmenschen ihren höchsten Fleiß darauf verwenden, daß allein
das Evangelium Christi überall gepredigt werde; denn im Glauben an dasselbe
besteht unser Heil und im Unglauben unsere Verdammnis; denn alle Wahrheit ist
klar in ihm." (Huldreich Zwingli) Und was wollen wir auch
raten und lehren, wenn nicht die Wahrheit?
41RA2C
"Deine
Kinder trugen Dein Lob über den Erdkreis, während die Philosophen nur wenigen
predigten. Das Lob Deiner Freunde hat unzählige Menschen aus Sünde zu Tugend und
zu Dir, ihrem wahren Glück, geführt, während die Philosophen weder die wahre
Tugend noch das wahre Glück kannten. Die Du liebst, haben Deine
unaussprechliche Güte gepredigt, die Du uns im Sohn Deiner Liebe offenbart
hast, die den Philosophen verschlossen blieb. Daher hast du Dein Lob auch durch
den Mund der Kinder und Säuglinge verkünden lassen." (Girolamo Savonarola,
Meditation über den Psalm Miserere)
41RA2D
Wie
man lehren und wie man nicht lehren soll. Franziskus
von Assisi sagt: "Ich ermahne die Brüder, gut überlegte und
anständige Worte bei der Predigt zu wählen, die zum Nutzen und zur Erbauung des
Volkes dienen, wobei sie zu ihm von den Lastern und
Tugenden, von den Qualen und der Herrlichkeit reden sollen; die Ansprachen
sollen kurz sein, weil die Reden des Herrn auf Erden kurz waren." (Bullierte
Regel, IX. Kapitel) Leider wird es nicht immer so gemacht.
41RA2E
Schon
Teresa von Avila übte Kritik an jenen,
"die ihre Vorträge so einrichten, daß sie niemand
mißfallen", auch wenn sie "eine gute Absicht dabei
haben". Auf diese Weise würden nur wenige gebessert, meinte die große
Heilige, denn die Prediger seien nicht "von jenem großen Feuer der Liebe
Gottes entzündet, wie die Apostel es waren, und darum gibt die Flamme ihrer
Liebe so wenig Wärme" (Leben 17).
41RA2F
Weitere
Hinweise. Sehr nützlich ist der Rat des Vinzenz von
Paul: "Wenn einer gegen jemand eine Meinung vertritt, dann merkt
dieser schon an der streitbaren Art, mit der man gegen ihn vorgeht, daß er
erobert werden soll. So stellt er sich innerlich mehr auf Widerstand ein als
auf das Erkennen der Wahrheit. Nur Güte und Freundlichkeit vermögen, sie (die
Tür des Herzens) offenzuhalten." (Worte des Erbarmens, Herder
Verlag Freiburg, 1980, 81)
41RA2G
Man
hüte sich auch vor zu großer Vertraulichkeit in gewissen Dingen. So
warnt Teresa von Avila: "Teile deine
Versuchungen und Unvollkommenheiten nicht den am meisten Zurückgebliebenen ...
mit, damit du nicht Schaden an dir und den anderen anrichtest, sondern sprich
darüber nur mit den Vollkommensten." (Ermahnungen 67)
41RA2H
Franziskus
von Assisi rät: Einer soll dem andern zuversichtlich seine Not offenbaren,
damit dieser ausfindig mache, was notwendig ist, und ihm dies verschaffe.
(Quelle: Die Fragmente aus der
Regelerklärung des Hugo von Digne, Fragm II, in: Die Schriften des heiligen
Franziskus von Assisi. Dietrich-Coelde-Verlag Werl/Westfalen, 1984. Seite 64)
41RA2U
ÜBUNGEN
1. Die Wahrheit jeweils in der angemessenen Form im Hinblick auf die
gewünschte Wirkung sagen
2. Güte, Geduld und Einfühlungsvermögen zeigen
3. einfache Erklärungen geben
4. gute Schriften weitergeben
5. sich in Rat und Lehre stets an das Evangelium halten